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Apple und Recycling: Kommt das „grüne“ iPhone?

20.04.2017 | 15:11 Uhr |

Bei der Produktion plant Apple komplett auf Recycling zu setzen, so ist mit „Stop Mining the Earth“ der komplette Verzicht auf nicht recycelte Rohstoffe geplant.

Mit Umweltschutz meint es Apple ernst, wie Tim Cook nicht zuletzt bei einigen öffentlichen Auftritten immer wieder bekräftigt hat. So räumte er bei der Keynote im Frühjahr 2016 dem Roboter „Liam“ viel Raum ein, einem Spezial-Roboter für die iPhone-Wiederaufbereitung. Der aktuelle Bericht zu diesem Thema, der Sustainibility-Report 2017 zeigt Apples Fortschritten in diesem Bereich. In einem Interview mit dem Magazin Vice hat Apples zuständige Vice President of Environment Lisa P. Jackson (mehrere Jahre Leiterin der EPA) dabei einige Einzelheiten noch einmal besonders hervorgehoben . Nicht ohne Grund, Apples Ziele sind nämlich fast schon revolutionär.

Stop Mining

Laut Jackson plant Apple “to stop mining the earth altogether.” Ein iPhone würde dann komplett aus recycelten Rohstoffen wie Aluminium, Kupfer, Zinn und Wolfram hergestellt. Allerdings sei noch unklar, wie Apple dieses Ziel erreicht. Bisher wird nur ein geringer Teil alter Elektro-Geräte wiederverwendet, oft unter primitiven Bedingungen. Apple plane Materialien zu verwenden, die sowohl aus alten Apple-Geräten gewonnen werden, als auch recycelte Rohstoffe von Dritten zu verwenden. Aktuell würde nur ein geringer Anteil wiederaufbereiteter Rohstoff in einem iPhone verwendet, das soll sich aber ändern.

Wie Apple gerade veröffentlichte Bericht erläutert, gibt es da aber einige Herausforderungen zu bewältigen: Bei der Wiederverwendung von Aluminium stellte Apple beispielsweise fest, dass die eigenen Geräten die beste Rohstoffquelle für das Leichtmetall sind: Bei herkömmlichen Aluminium-Recyclern würde nämlich auch minderwertiges Aluminium beigemischt, weshalb das Endergebnis Apples Ansprüchen nicht genüge. Bezeichnet wird dieses Problem auch als so genanntes Downcycling. Auch Zinn ist bei der Wiederaufbereitung offenbar ein Problem.

Es gibt erste Erfolge durch Produktionsanpassungen: So konnte Apple beim iPhone 7 bereits 27 Prozent weniger Roh-Aluminium verbrauchen als beim iPhone 6 und gleichzeitig die Emissionen bei der Produktion um 60 Prozent verringern.

Der Verzicht auf Bergbau hat auch einen moralischen Aspekt: Wie alle Elektronikhersteller ist Apple auf Rohstoffe angewiesen, die aus Gebieten wie dem Kongo stammen. So sind die Minen im Kongo etwa für Ausbeutung und Kinderarbeit bekannt, was bereits zu Initiativen wie der „Responsible Cobalt Initiative führte“ – in der Apple neben HP, Samsung, Sony Mitglied sind. Ziel ist nur noch so genannte konfliktfreie Materialien zu verwenden.

Apple setzt laut Bericht außerdem bereits auf den Verkauf von Produkten mit besonders langer Lebensdauer. Nicht zuletzt durch gute Produktqualität, etwa besonders lang nutzbare Bedienelemente würde man so lange Nutzungszeitung und geringen Verbrauch an Ressourcen erreichen. Laut dem Bericht würden alte Macs besonders lange von Apple unterstützt, sowohl durch Reparaturprogramme wie Apple Care als auch durch Softwareupdates. So würden selbst Rechner aus 2009 noch von Sierra unterstützt, dazu aber später mehr.

Energieverbrauch

Auf Nutzung erneuerbare Energien legt Apple ebenfalls großen Wert: Apple setzt bei seinen Rechenzentren komplett auf erneuerbare Energiequellen, zu hundert Prozent werden iCloud- und andere Apple-Server mit Energie aus Windenergie-, Sonnenenergie oder Wasserkraft betrieben. Bei allen Fabriken weltweit würden bereits 96 Prozent der Energie aus alternativen Energiequellen stammen, das gilt auch für die Firmengebäude und Apple Stores. Aktuell erzeugt Apple bereits selbst 325 Megawatt an erneuerbaren Energien, Projekte mit weiteren 618 Megawatt sind in Planung. Zusätzlich arbeitet Apple auch mit Energieversorgern zusammen: In Singapur beispielsweise mit Sunseap an einem Solarprojekt: Solarpanels auf 800 Hochhäusern, die zusammen 32 Megawatt leisten.

Der neue Apple Campus hat eine Vorbildfunktion
Vergrößern Der neue Apple Campus hat eine Vorbildfunktion

Vorbildlich ist anscheinend der neue Apple Campus, das laut Apple das größte amerikanische Gebäude mit der Zertifizierung LEDD Platinum ist, eine anerkannte Auszeichnung des U.S. Green Building Council. So werden 75 Prozent der Energie per Solar-Energie und Biogas erzeugt – die am Wochenende sogar Strom ins öffentliche Stromnetz einspeisen. Die 9000 Bäume erhalten wiederaufbereitetes, nicht trinkbares Wasser, viele der Bäume wurden vor der Errichtung des Campus umgesetzt, viele aus dem ganzen Land angeliefert - was manch CO 2 -bewußter Europäer vielleicht nicht ganz unkritisch sieht. Trotz 11 000 Parkplätzen setzt Apple aber stark auf öffentliche Verkehrsmittel und will neben 1000 Fahrrädern auf dem Campus auch 70 Ladestationen für E-Autos bieten.

Bei den Verpackungen für iPhone und Co. nutzt Apple zu mehr als 99 Prozent Recycling-Papier und Papier aus so genannten verantwortungsbewusst bewirtschafteten Quellen. Apple setzt also zwar nicht komplett auf Recycling-Papier, aber achtet auf die Herkunft der Rohstoffe. Bewusst hat Apple aber auch das Volumen seiner Verpackungen reduziert, um den CO 2 -Verbrauch beim Transport zu senken.

Zum Thema Umweltschutz zählt Apple aber auch die Produktqualität und Verzicht auf Schadstoffe. Zu diesem Thema gibt es aber eine eigene Veröffentlichung , die näher auf Apples Tests und Umgang mit Schadstoffen eingeht.

Unsere Meinung

Apple meint es ernst mit Umweltschutz und unternimmt große Anstrengungen, um ein grünes Unternehmen zu werden. Man stellt aber bei manchen Details doch immer wieder fest, dass Apple ein US-Unternehmen bleibt und keineswegs vorhat, auf Einnahmen zu verzichten. So versteht ein Kunde in den USA unter langer Nutzungsdauer offensichtlich etwas anderes als in Europa, was man etwa an der Nutzungsdauer von Smartphones sieht . Das gilt auch für Apples Behauptung, alte Geräte würden besonders lange unterstützt, was manch Besitzer eines Mac Pro oder iPad 4 wohl anders empfindet. Und natürlich gilt dabei: Je früher ein Anwender sein iPhone recyclen lässt und ein neues kauft, desto besser für Apple.

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