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Wie Siri und Alexa unsere Sprache verändern könnten

20.03.2017 | 12:06 Uhr |

Empfindsame KI und super-schlaue Roboter sind zwar noch ferne Zukunftsmusik, aber könnten wir schon bald verlernen, mit anderen Menschen zu sprechen?

Die großen Technologiefirmen liefern sich ein Rennen um den besten digitalen Sprachassistenten, aber es gibt einen bisher kaum bedachten Nebeneffekt: Kinder, die damit aufwachsen, Alexa fragen zu stellen und an Siri Aufgaben vergeben, könnten einiges an ihrer Sozialkompetenz verlieren. Was passiert, wenn Künstliche Intelligenz (KI) dazu führt, dass wir auf ganz andere Weise sprechen?

Experten für Robotik, maschinelles Lernen und KI hatten sich vergangene Woche auf dem Festival South by Southwest (SXSW) in Texas eingefunden, um diese Fragen zu diskutieren - die sich etwa aus dem Film " Her " (mit Joaquin Phoenix in der Hauptrolle und Scarlett Johannsen in einer reinen Sprechrolle) ergeben. Wird KI empfindsam? Verändert sie die Art und Weise, wie wir untereinander agieren? Werden Kinder denken, sie können ihre Freunde so herumkommandieren wie Alexa, damit sie ihnen Witze erzählen? Schon mal vorab: Das können wir jetzt noch nicht wissen, es ist viel zu früh.

"Es ist verdammt wichtig zu betonen, dass wie die Dinge, die wir in den letzten Jahren gemacht haben, extrem fokussiert und eingeengt waren," erklärt auf einem Panel der SXSW Siri-Erfinder Adam Cheyer, der mit seinem neuen Startup Viv nun die Grundlage für Samsungs nächsten Sprachassistenten legt. "Es handelt sich um menschliches Geschick, statistische Methoden auf ein sehr eng umrissenes Problem anzuwenden. KI ist unglaublich gut, um Schach zu spielen oder bei Jeopardy zu gewinnen, aber das Schachprogramm kann nicht einmal Dame lernen".

Eine so emotionale Assistentin wie Samantha in "Her" ist noch weit weg, aber die zunehmenden KI übt immer mehr Einfluss auf uns aus. So wie Kinder heutzutage von praktisch jedem Bildschirm meinen, er wäre ein Touch-Display, so könnten sie auf die Idee kommen, Menschen so herum zu kommandieren wie Siri oder Alexa.

"Wenn wir in Zukunft uns an eine solche Sprache gewöhnen, müssten wir die Leute wieder umtrainieren, sich nicht auf diese Weise zu unterhalten," sagt Thavidu Ranatunga auf dem Panel, dessen Firma Fellow Robots Maschinen herstellt, die im Einzelhandel Kunden durch die Läden führen oder den Angestellten dabei helfen, die Regale wieder aufzufüllen. Die Navii genannten Roboter von Fellow sind derzeit in den Läden der Kette Lowe's in der Bay Area im Testeinsatz und können zwar verstehen, was die Kunden und Angestellten sagen, ihnen aber nicht antworten. Stattdessen antworten sie mit Optionen auf ihren Touchscreens. Das soll die Verwirrung reduzieren, denn laut Ranatunga sind Roboter eben nicht so smart, wie die Leute erwarten - insbesondere wenn die Maschine mit ihnen spricht.

"Roboter sind nicht so wie in Science-Fiction-Filmenm, sie sind eher recht einfach gestrickt," erklärt Ranatunga. "Wenn die Leute sie  benutzen, lernen sie auch mehr über deren Grenzen." Sie können untergeordnete Tätigkeiten verrichten wie das Inventar zählen oder bestimmte Dinge bringen, aber echte Unterhaltungen? Nein, nicht wirklich. Auf dem SXSW zeigte das etwa eine Demonstration der Universität von Osaka . Was die Roboter da veranstalteten, ähnelte nicht einmal entfernt einer natürlichen Unterhaltung.

Es ist aber nicht auszuschließen, dass künftige Versionen von Alexa, Siri, Cortana oder welcher KI-Assistent da auch immer noch kommen möge, Roboter menschlicher machen wird als sie heute sind. Aber erst wenn wir ihnen beibringen, bewusste Gespräche zu führen, die nicht mit "Hey Siri!" oder "OK Google" beginnen müssen, ist das kein Science-Fiction-Film mehr, sondern das richtige Leben.

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