Google-Suchtricks |
Google findet haufenweise Infos und Dateien, die nicht für jedermanns Auge gedacht sind. Man muss nur die passenden Suchbefehle kennen.
(12.03.2010)
Vertrauliche Informationen sollten geschützt sein – sind es aber oft nicht. Viele Dokumente, die nicht für die Allgemeinheit zugänglich sein dürften, liegen offen auf Firmen-Servern. Über das Internet kommt jeder an die Infos heran – es ist nicht mal ein Passwort nötig, um sie zu lesen. Man findet die Dateien per Google: Jeder, der die richtigen Suchbefehle kennt, kann auf sie zugreifen.
Warum kennt Google die geheimen Daten? Die Suchmaschine indiziert stur alles, was ihre Roboter beim Abgrasen des Internets finden. Google erfasst also auch Dokumente, die auf nicht-öffentlichen Servern liegen und lediglich durch fehlerhafte Einstellungen permanent oder vorübergehend von überall her einsehbar sind.
Das gilt übrigens nicht nur für Dokumente, sondern auch für Netzwerk-Geräte wie Überwachungskameras und Drucker. Diese besitzen eingebaute Mini-Webserver, damit sie sich per Browser einstellen oder steuern lassen. Fehlen Firewall und Passwortschutz, lassen sich die Konfigurationsseiten oft über Google aufspüren.
"internen gebrauch" filetype:doc
Bequemer läuft die Selektion von Dateitypen auf der Seite „Erweiterte Suche“.
Die Dokumente lassen sich zum Teil auch betrachten, ohne dass der Finder zum ungesicherten Server Kontakt aufnehmen muss. Das ist möglich, wenn neben einem Google-Treffer der Link „HTML-Version“ steht. Diese Version generiert Google, damit man sich die gefundene Datei im Browser ansehen kann, ohne die betreffende Anwendung.
MP3s und Filme:
Rechtlich äußerst spannend wird es, wenn die Suchanfrage "Index of /" +MP3
lautet und so gezielt MP3-Dateien aufspürt. Was da alles zur allgemeinen firmen-internen Verwendung auf Server geladen wurde und sich nun weltweit downloaden lässt, bleibt besser unkommentiert.
Ähnlich sieht es bei Video-Dateiformaten wie ASF, AVI, MPG oder WMV aus. Hineinschauen dürfen Sie in solche ungeschützten Verzeichnisse schon, aber vom Download urheberrechtlich geschützter Dateien sollten Sie absehen.
Backup-Server als wahre Fundgrube:
Verwenden Sie in Ihrem Unternehmen zur Datensicherung ein Server-Laufwerk? Dann sollten Sie sicher sein, dass es richtig konfiguriert ist. Andernfalls können nicht nur deutsche Surfer, sondern Internet-Nutzer aus aller Herren Länder auf die Daten zugreifen, die dort liegen.
Mit der Suchanfrage „Index of /backup“ (mit Anführungszeichen) kann man auf ungesicherte Daten zugreifen. So stoßen Neugierige auf Bewerbungsschreiben, Firmen-Mails und teure Anwendungs-Software, die Nutzer in ein Backup-Verzeichnis kopiert haben.
Unsicheres Script ermöglicht Änderungen an Websites:
Manche Website-Betreiber arbeiten mit dem PHP-Script „Web File Browser“, um ihren Webserver zu verwalten. Wenn der Administrator keinen Passwortschutz eingerichtet hat, ist es ungesichert. Wer darauf zugreifen kann, ist in der Lage, als Administrator Dateien auf dem Server zu manipulieren.
Wer"Web File Browser" "Use regular expression"
ins Google-Suchfeld eingibt, bekommt Hunderte von Fundstellen geliefert.
Über „Web File Browser“ lassen sich Verzeichnisse anlegen, Dateien verschieben und sogar löschen. Oder neue Dateien aufspielen – also auch das Bild des Geschäftsführers auf dem Firmen-Server gegen das Foto einer Katze austauschen.
Sites, die sich auf diesem Weg entern lassen, gehören weder Geheimdiensten noch multinationalen Unternehmen. Sie sind von Halbprofis erstellt worden und werden von Laien verwaltet. Häufig stammen sie von Schulen oder Kleinunternehmen, die offensichtlich nur wenig Geld zur Verfügung oder wenig Erfahrung haben. Wer etwas Gutes tun will, weist die Betreiber per Mail auf die Lücken hin.
Die Abfrage
inurl:rapidshare.com
würden also Treffer wie www.rapidshare.com/files/1234567890/datei.doc zu Tage fördern. Allerdings befinden sich unter den ersten Suchergebnissen oft Betrugsversuche. In die betreffenden URLs haben Gauner die Zeichenfolge „rapidshare.com“ eingebaut, die Seiten verteilen Schad-Software (siehe auch folgende Seite) Inurl lässt sich mit mehreren Suchbegriffen kombinieren.
Die Suche nach
„mp3 inurl:rapidshare.com“
findet Seiten, bei denen „rapidshare.com“ in der Adresse und „mp3“ irgendwo im Text vorkommt.
Mit der Abfrage
intitle:“Dell Laser Printer“ inurl:ews
gelangt man zu nicht abgeschotteten Konfigurationsseiten von Dell Laserdruckern. Dort kann man allerhand Einstellungen vornehmen oder die Auftragsliste samt Dokumententiteln einsehen.
Mit der Suche nach
intitle:“GigaDrive Utility“
finden Sie Netzwerkfestplatten, die unvorsichtigerweise nicht von einer Firewall abgeschirmt sind. In den meisten Fällen haben die Besitzer aber zumindest Zugriffspasswörter gesetzt, so dass man nur die Größe der Festplatten sieht.
Die Abfrage
intitle:“live view axis“
und der Such-Befehlintitle:“Network Camera“
inurl:“ViewerFrame?Mode=“
finden ungeschützte Netzwerk-Kameras, die zum Beispiel für Überwachungszwecke genutzt werden. Zum Teil lassen sie sich sogar fernsteuern.
Sind Sie betroffen? Vielleicht ist auch Ihr Firmennetz oder der Server Ihres Arbeitgebers so offen wie ein Scheunentor. Entfernen Sie am besten Ihre vertraulichen und privaten Dateien vom Server, und geben Sie Ihrem Netzwerkbeauftragten diesen Artikel zu lesen, ehe die falschen Leute den Server besuchen.
Da sich Einträge aus den Google-Suchergebnissen nicht manuell löschen lassen, sollte der IT-Verantwortliche das betreffende Verzeichnis oder die betreffenden Dateien umbenennen und alle ans Firmennetz angeschlossenen Geräte mit einem Passwort schützen.
Vorsicht vor Betrügern: Falls Sie einige der hier genannten Suchabfragen ausprobieren möchten, seien Sie gewarnt: Es gibt inzwischen einige Kriminelle, die mit Schad-Software verseuchte Seiten so gestalten, dass sie zum Beispiel wie ein versehentlich offen gelassenes Verzeichnis aussehen und in den entsprechenden Google-Suchabfragen auftauchen. Um die Gefahr eines Schädlingsbefalls gering zu halten, sollten Sie Ihren Browser und Ihren Virenscanner stets aktuell halten. Spielen Sie also immer alle Updates ein.
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