Apple gegen Apple

Geheimnisverrat - Cupertino klagt erneut

Immer mehr Details zum "Tiger" gelangen an die Öffentlichkeit, zum Unwillen von Apple-Chef Steve Jobs. Firmenanwalt: "Vom Recht auf Berichterstattung nicht gedeckt."

Von Sebastian Hirsch (01.04.2005)

In einem ungewöhnlichen Rechtsstreit befindet sich seit Neuestem die Firma Apple. Der Mac-Hersteller hat erneut Strafanzeige eingereicht: diesmal gegen sich selbst. In einer gestern Nachmittag Ortszeit (Mitternacht, 1.4., deutscher Zeit) beim zuständigen Amtsgericht in Cupertino, Kalifornien, eingereichten Klageschrift heißt es, auf der durch die Firma Apple betriebenen Website www.apple.com werde eine ganze Fülle an internen Details zum neuen noch nicht veröffentlichten Betriebssystem Mac-OS X 10.4 preisgegeben.

Wörtlich heißt es in der Klageschrift: "Im Bestreben, vitale Firmeninteressen gegen Konkurrenten zu schützen, sehen wir uns zu diesem Schritt gezwungen. Die Internetseite www.apple.com, insbesondere die Rubrik www.apple.com/macosx, zeigt in nicht hinnehmbarer Weise Details zu einem noch nicht auf dem Markt befindlichen Produkt. Diese Veröffentlichungen verstoßen in eklatanter Weise gegen die finanziellen Interessen unserer Firma und Aktionäre."

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Hart mit sich selbst

Apple geht damit einen konsequenten Schritt, nachdem der Mac-Hersteller Klage gegen Betreiber mehrerer Mac-Fanseiten erhoben hatte, die ebenfalls über unveröffentlichte Produkte vorab berichtet hatten. Mit apple.com habe man allerdings einen besonders krassen Fall vor sich, da dort seitenweise über das noch nicht verfügbare neue System berichtet werde, so die Apple-Klageschrift. "Vom Recht auf freie Berichterstattung sind solche Vorgänge nicht gedeckt", so ein Apple-Anwalt.

Dem Vernehmen nach wurde auch die jüngste Klageschrift auf Betreiben von Apple-Chef Steve Jobs persönlich eingereicht. Er soll gefordert haben, "interne Informationslöcher zu stopfen" und "die Verantwortlichen zur Rechenschaft zu ziehen". Auf den Einwand, der Apple-Boss selber habe mehrfach öffentlich Demos des neuen Betriebssystems gezeigt, kam nur die Antwort: "Dann verklage ich mich halt selbst." Auf den Ausgang des Verfahrens darf man gespannt sein, erste Erfolge in vorangegangenen Prozessen hat Apple bereits errungen. Steve Jobs sieht dem Verfahren mit Gelassenheit entgegen: "Wir haben 6 Milliarden Dollar auf der Bank - da können wir uns noch zehn Mal verklagen."

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