Intel inside Powermac G5 (Montage)

Intel-Macs: So funktioniert Apples Kopierschutz

Nur eine vorläufige Lösung?

Wie aus Entwicklerkreisen verlautet nimmt Apple in der Entwicklerversion von Mac-OS X für Intel tatsächlich wie vermutet das TPM - allerdings auf eine etwas unorthodoxe Weise.

(25.07.2005)

Der TPM-Chip (siehe Glossar letzte Seite) in Apples Intel-Macs wird soweit bisher bekannt nur von einer Komponente abgefragt: Dem Daemon 'oah750d' der PPC-Emulationsebene Rosetta, welcher den eigentlichen Emulationsprozess "oah750" startet. Die Zahl 750 ist die Prozessorgeneration des G3 und der interne Name von IBM und Motorola für den Chip. Passend, denn Rosetta emuliert nur G3-Code. Der Rosetta-Daemon, der jedes mal aufgerufen wird wenn eine PPC-Anwendung ausgeführt wird, kommuniziert mit einer Kernel-Extension namens AppleTPMACPI.kext, welche wiederum den Chip abfragt. In der .plist Datei der Kernel-Extension findet sich die Klasse com_apple_driver_AppleTPMClient.

Aktivitätsanzeige: Bei Mac-OS X Intel läuft der Apple Type-Server noch in der Emulation auf Rosetta (oah750)
Aktivitätsanzeige: Bei Mac-OS X Intel läuft der Apple Type-Server noch in der Emulation auf Rosetta (oah750)
Oft wird bei der Diskussion des Themas "Mac-OS X auf ALDI-PCs" vergessen, dass Apple nur eine Hardwarekonfiguration und nicht einmal ansatzweise sämtliche vorhandene PC-Hardware unterstützt. Mac-OS X müsste allerdings, solange die Hardware stimmt und kein PPC-Programm genutzt wird, auf Nicht-Apple-Macs booten. Dies geht allerdings nicht, denn ein essentiell wichtiger Systemprozess ist noch PPC und läuft über die Rosetta-Emulation: Der Apple Type Solutions Server (ATSServer), der für die Schriftenverwaltung zuständig ist. Das höchste der Gefühle ist bisher auf normalen PCs der Boot-Balken. Beim Laden des Apple-Type-Solutions-Servers bricht der PC jedoch mit einer Fehlermeldung ab.

Keine Medienverschlüsselung

Apple nutzt das TPM-Modul bisher nicht zur Verschlüsselung von Mediendateien sondern um zu verhindern, dass Mac-OS X auf Nicht-Apple-Rechnern installiert wird. Kritische Zungen vermuten allerdings, dass ein gewichtiger Grund für Apples Umstieg auf Intel ein kommender iMovie Store ist, für den die Medienindustrie ein TPM und entsprechendes DRM zwingend voraussetzt. Falls dieser iMovie Store nicht mit PPC-Macs kompatibel ist wissen Mac-User endlich, woher der Wind für den Umstieg eigentlich wehte.

Es ist anzunehmen, dass dieser etwas krude Schutz nicht der finalen Version von Mac-OS X auf Intel entsprechen wird. Der Schutz scheint nicht schwer auszuhebeln zu sein, denn es handelt sich wohl nur um eine simple Abfrage beim Start, wenn der oah750-Emulationsprozess einmal läuft wird soweit bekannt das TPM-Modul nicht mehr abgefragt. Da die Entwickler-Maschinen nächstes Jahr wieder an Apple zurückgehen ist es denkbar, dass Apple egal ist, ob diese Version geknackt wird. Denn die finale Version wird anders geschützt sein als die heutige, außerdem wäre ein fest einprogrammiertes "Verfallsdatum" für die Entwicklerversion denkbar, um der weiteren Verbreitung nach Rückgabe der Entwicklermaschinen entgegenzuwirken.

Update: Der Schutz ist inzwischen geknackt, finden sie nähere Informationen hier.

Glossar:

TPM bedeutet Trusted Processor Module und stellt die Basis des umstrittenen Digital Restrictions Management (DRM)-Konzepts TCPA (Trusted Computing Plattform Alliance) dar. Hiermit sollen mittels System-nativer Verschlüsselung die Nutzungsrechte des Users eingeschränkt werden. Die TCPA-Mitgliederfirmen behaupten, dass TCPA nur dem User dienen soll. Aber Lobbyarbeit der Medienindustrie um einen solchen "Fritz-Chip" (benannt nach Ex-US-Senator Fritz Hollings, der im Senat für Disney massiv Lobbyismus betrieb) verpflichtend zu machen und Microsofts Windows Media DRM zeigen klar, wohin die Reise gehen soll: Die Medienindustrie will alle Mediendaten innerhalb eines Computers vollständig verschlüsselt sehen um P2P und Film-/Musik-Kopieren einen wirksamen Riegel vorzuschieben. Aber es geht nicht nur um unautorisiertes Kopieren: Dank TCPA können Nutzungsrechte fein gesteuert werden, die Musik mit Verfallsdatum, welche sich die Musikindustrie schon so lange wünscht, würde damit endlich Realität. Auch kann die Industrie damit das Konsumverhalten jedes einzelnen Konsumenten aufzeichnen und auswerten, Big Brother lässt grüßen. Ebenso ließe sich festlegen, wie oft ein Musikstück oder ein Film konsumiert wird bevor es/er „verfällt“. Die letzten beiden Nutzungseinschränkungen sind im Gegensatz zu Windows Media mit dem momentanen DRM „Fairplay“, das Apple im iTunes Musicstore integriert, nicht möglich. Dies ist höchstwahrscheinlich der Grund, warum es von den Konsumenten weitgehend toleriert und von der Musikindustrie im Gegenzug misstrauisch beäugt wird.

Momentan sind TPMs noch als separater Chip (in Apples Intel-Mac, in dem ein leicht angepasstes Intel D915GUX Motherboard steckt, etwa von Infineon) erhältlich, im nächsten Jahr sollen diese bereits in die Prozessoren direkt integriert und damit nur noch sehr schwer knackbar sein. Intel nennt ihre Integration eines TPM "La Grande". Aber selbst wenn es möglich wäre dies zu knacken macht man sich dank der neuen Gesetzgebung strafbar, selbst wenn man sich nur eine Kopie des legal erworbenen Musikstücks fürs Auto erstellen will. Begründung: Man umgeht damit einen Kopierschutz.

Ein Daemon ist ein Prozess, der im Hintergrund abläuft und der eine spezielle Aufgabe erledigt, beispielsweise auf gewisse Daten warten und eine entsprechende Antwort geben.

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