Apples Video-fähiger iPod auf dem Prüfstand
Nun ist er also doch da, der Video-iPod. Lange hat Steve Jobs seine Existenz vehement abgestritten und immer wieder argumentiert, dass Videofunktionalität in einem Tragbaren Gerät von der Größe eines iPod keinen Sinn mache.
Von Christian Möller (04.11.2005)
Die Anwender sahen das wohl anders und schließlich hat Apple dem öffentlichen Druck nachgegeben. Die neueste Generation von Apples Kultobjekt ist nun ganz auf Video zugeschnitten
Zunächst fällt die breit Bauform mit dem großen Display auf. 320 mal 240 Pixel stellt es dar – genug um Videos, Filme aber auch Fotos in brauchbarer Qualität abzubilden. Gegenüber dem Vormodell konnte Apple die Dicke des Gehäuses deutlich reduzieren. Das 30-GB-Modell ist nur noch ganze 11 Millimeter stark. Dadurch liegt der iPod gut in der Hand und das Scrollrad mit den integrierten Bedientasten ist mit dem Daumen leicht erreichbar.
Neu ist auch die schwarze Version, die Apple erstmals mit dem iPod U2 Special Edition einführte und sie – leicht modifiziert – auf den iPod Nano übertrug. Fingerabdrücke und Kratzer auf der Oberfläche fallen beim schwarzen Modell allerdings deutlicher ins Auge als beim weißen iPod. A propos Kratzer: Viele Käufer des iPod Nano beschwerten sich über eine extreme Kratzempfindlichkeit des transparenten Kunststoffs. Die Oberfläche ist tatsächlich außerordentlich empfindlich, obwohl wir im Test sehr pfleglich mit dem Gerät umgehen, erkennen wir schon nach wenigen Tagen Kratzspuren auf der Oberfläche, die sich nicht mehr beseitigen lassen. Selbst die mitgelieferte Tasche verursacht beim Ein- und Ausstecken winzige Kratzspuren, die man nicht mehr wegpolieren kann. In der Tat sollte Apple hier besser auf einen etwas härteren Kunststoff umsteigen.
Wie schon beim iPod Nano rüstet Apple auch den Video-iPod mit neuen Softwarefunktionen aus. Stoppuhr, Weltzeituhr und Codeschloss sind vorhanden. Sämtliche weiteren Extras, wie Spiele, Kalender und Adressdatenbank haben die iPod-Ingenieure auf die höhere Auflösung des Displays angepasst und sie machen optisch deutlich mehr her. Die Wichtigste neue Funktion ist allerdings die Videofähigkeit.
Um Videos auf den iPod zu kopieren muss man iTunes 6 benutzen. Einfach im Finder rüberkopieren geht also nicht. Zudem spielt der iPod nicht alle Quicktime-Formate ab, man muss die Videos vorher in Mpeg4 umwandeln. Lädt man sich Musikvideos aus dem iTunes Musikstore, kommen diese bereits im passenden Format. Will man aber eigene Filme auf dem iPod ansehen, muss man dazu die Export-Funktion des Quicktime-Players benutzen. Ab Quicktime Version 7.0.1 gibt es ein spezielles Export-Preset für den iPod, so dass man sich um die Details in den Formateinstellungen keine Gedanken machen muss. Allerdings: die Exportfunktion lässt sich nur aufrufen, wenn man eine Quicktime-Pro-Lizenz besitzt, die wiederum beim iPod nicht im Lieferumfang enthalten ist. Sie schlägt mit weiteren 30 Euro zu buche. Warum Apple die Konvertierungsfunktion nicht direkt in iTunes integriert hat, bleibt uns unverständlich.
Mit einem Trick kann man sich jedoch behelfen. iMovie HD bietet die Möglichkeit ein Projekt für den iPod zu sichern. Dazu importiert man den Film zunächst in iMovie HD, wählt im Menüpunkt „Ablage/Senden ...“ die Option „Quicktime“ und stellt im Popup-Menü „Film komprimieren“ die Option „Eigene Einstellungen“ ein. Im anschließenden Dialog wählt man dann unter „Exportieren“ das Format „Film -> iPod (320x240)“ aus. Die entstandene .m4v-Datei lässt sich via iTunes auf den iPod übertragen.
Besitzer eines USB- oder Firewire-TV-Tuners von Elgato können damit aufgenommene Fernsehsendungen jedoch auch ohne Quicktime Pro oder den iMovie-Trick auf den iPod überspielen. Elgato hat in seine TV-Software Eye TV eine Exportfunktion für Sonys Playstation Portable integriert deren Videoparameter auch für den iPod Video passen. Da Eye TV einen anderen Codec benutzt, läuft die Konvertierung zudem deutlich schneller ab, als mit dem Quicktime Player oder iMovie HD.
Die Wiedergabequalität ist gemessen an dem kleinen 2,5-Zoll-Display gut. Dunkle Bildinhalte erscheinen allerdings zu düster, die Tiefenzeichnung des Displays lässt hier zu Wünschen übrig, was sicherlich an der geringen maximalen Helligkeit liegt.
Auch Filme in Spielfilmlänge lassen sich mit dem iPod ohne Ermüdungserscheinungen ansehen. Für einen gemütlichen Filmabend zu zweit taugt das Mini-Display jedoch nicht. Hier sollte man sich das optionale Dock mit S-Video-Ausgang zulegen und den iPod an den Fernseher oder an einen Video-Beamer anschließen.
Bei vielen Dingen hört Apple gern auf seine Kunden, bei manchen jedoch nicht. Ein Punkt ist das Netzteil, auf das man nun auch beim neuen Video-iPod ab Werk verzichten muss. Es kostet zusätzlich 30 Euro. Auch das Dock muss man nachträglich dazukaufen. Hier hat Apple ein neues Universal-Dock entwickelt, das über verschiedene Einsätze zu allen iPods mit Dock-Anschluss kompatibel ist und zudem über einen Infrarot-Empfänger für eine Fernbedienung verfügt.
Im Audio-Messlabor schlägt sich der neue iPod gut. Apple hat wie auch schon beim iPod Shuffle und beim iPod Nano die Audio-Fähigkeiten verbessert. Die bislang für iPods typische Bassschwäche im Ohrhörerbetrieb ist nicht mehr so stark auszumachen. Der Frequenzgang bleibt hier weit gehend eben. Die Abweichung beträgt nur noch 3,1 dB. Ältere Modelle hatten hier noch 6 bis 8 dB Abweichung gezeigt. Der Klirrfaktor liegt mit gemessenen 0,009 Prozent ebenfalls im sehr guten Bereich.
Apples neuer Video iPod erweist sich im Test als würdiger Nachfolger des klassischen iPod. Obwohl der Mac-Hersteller das Design aufgrund des breiteren Displays anpassen musste, bleibt der typische iPod-Look erhalten. Die Videofunktionalität ist gut, im Audio-Bereich übertrifft der Player gar seinen Vorgänger. Leider muss man das Netzteil und das Dock separat kaufen und auf Firewire vollständig verzichten.
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