
Hat Apple iDVD 6 für PPC ausgebremst?
Ohne Zweifel bricht nun - wieder einmal - ein neues Zeitalter für Apple an. Power PC ist out, Intel ist in. Schneller sollen die Intel-Chips sein, vor allem, wenn es darum geht, Leistung gegen Stromverbrauch aufzurechnen. Doch es gibt auch Schattenseiten.
Von Christian Möller (30.01.2006)
Den iMac hatte wohl kaum jemand auf der Liste, als Steve Jobs den ersten Intel-Mac auf der Macworld Expo in lick macht ein Intel-iMac allerdings durchaus Sinn. Im neuen iMac arbeitet ein Intel Core Duo Prozessor mit bis zu 2 GHz Takt. Dieser Chip kostet im Einkauf mehr als ein G5-Prozessor von IBM, daher passt er wesentlich besser in das Preisgefüge eines iMac als etwa in einen Mac Mini oder in ein iBook.
Laut Apple soll der Intel-iMac zwei bis dreimal schneller sein, als der bisherige iMac G5. Möglich mache dies der Intel-Prozessor, der mit zwei CPU-Kernen arbeitet und über zwei Megabyte Cache-Speicher verfügt, auf den beide CPU-Kerne gemeinsam zugreifen können. Apple weist in einem Benchmark-Vergleich auf die deutlich höhere Rechenleistung hin, allerdings erkennt man, dass die Benchmarks entweder synthetischer Natur sind (SPECint, SPECfp) oder sich auf 3D-Rendering (Modo, Cinebench) beziehen. Beide Fälle sind extrem CPU-intensiv. Hier lässt sich durch geschickte Programmierung und Optimierung auf die jeweilige CPU am meisten herausholen. Wir verlassen uns nicht auf solche synthetischen Benchmarks, sondern gehen die Sache praxisgerecht an.
Programme, die nicht in einer Intel-Version vorliegen, laufen auf den Intel-Macs in einer Emulation, die Apple „Rosetta“ nennt. Der Anwender bekommt davon nichts mit, denn Rosetta arbeitet vollkommen transparent. Man installiert und startet die Programme wie gewohnt im Finder. Allerdings laufen sie durch die Emulation bedingt langsamer als auf einem G4- oder G5-Mac. Bei kleinen Tools macht das kaum was aus, echte Boliden, wie Photoshop, Quark Xpress oder Indesign laufen dadurch jedoch noch zäher, als sie ohnehin schon sind.
Dennoch macht Rosetta einen guten Job. Sämtliche Programme unserer Benchmark-Suite laufen klaglos. Selbst Final Cut Pro HD arbeitet unter Rosetta, obwohl Apple das Gegenteil behauptet. Man muss jedoch „händisch“ etwas nachhelfen, bevor das Programm startet (siehe www.macwelt.de Webcode 336000).
Auch tief ins System eingreifende Programme, wie zum Beispiel USB-Device-Treiber werden von Rosetta abgefangen und für den Intel-Chip übersetzt. So arbeitet unser selbst entwickeltes Programm zur Homogenitätsmessung des Displays ebenso einwandfrei wie die Farbkalibriersoftware Basiccolor von Color Solutions. Beide greifen auf das Photospektrometer Eye One Pro von Gretag Macbeth zu, das per USB angeschlossen ist.
Diese Ergebnisse führen dazu, dass wir uns entschließen, die Intel-iMacs ohne Sonderbehandlung genau so zu testen und zu bewerten, wie alle bisherigen Macs. Da zum Testzeitpunkt nur wenige Programme in einer Intel-Version vorliegen, führt das naturgemäß zu schlechteren Leistungswerten als bei den G5-iMacs. Aber das ist nun mal genau das, was ein Käufer derzeit festellen wird.
Sobald weitere Programme aus unserem Benchmark-Paket in angepassten Versionen vorliegen, testen wir die iMacs nach und passen die Wertung an. Besonders für Neukäufer erscheint uns dieses Verfahren nur fair, denn die iMacs mit G5-CPU sind nach wie vor erhältlich, Apple weiß sicherlich warum.
Damit wir dennoch Ergebnisse aus einem direkten Vergleich der beiden CPUs gegeneinander erhalten, führen wir zusätzliche Tests durch, die auf Apples iLife 06 und Quicktime 7 basieren. Beide Produkte liegen in vollständig angepassten Versionen für Intel und Power PC vor.
Ein genauer Blick auf unsere Testergebnisse offenbart: Die Intel-CPU hat ihre Stärken, aber auch deutliche Schwächen. Geradezu unglaublich sind die Ergebnisse beim Test mit Garageband. Wir erzeugen hier ein Softwareinstrument („Angelic Organ“) und lassen es in einer Endlosschleife ein paar Takte polyphoner Akkorde abspielen. Danach duplizieren wir die Spur so oft, bis Garageband die Wiedergabe mit einer Überlastungsmeldung abbricht. Beim 20-Zoll-Intel-iMac passiert dies erst nach der 14. Spur. Dieses Ergebnis übertrifft sogar die Leistung des Power Mac G5 Quad, der maximal 12 Spuren schafft. Musiker, die vorwiegend Garageband nutzen, sind mit den Intel-iMacs also bestens bedient. Auch beim Kodieren von Musik in iTunes liegt die Intel-CPU vorn, wenn auch nicht ganz so deutlich, wie in Garageband. Anders sieht die Situation beim Kodieren von Videos aus. Wir starten iPhoto und exportieren eine Diashow aus 24 Bildern, wobei wir jedes Bild mit dem Ken-Burns-Effekt berechnen lassen. iPhoto nutzt bei dieser Funktion nur eine CPU und hier spielt der G5 seine Kraft aus. Unser iMac G5 mit 1,8 GHz CPU aus dem Jahre 2004 ist hier in fast der Hälfte der Zeit fertig. Daran erkennt man, dass die Intel-CPU ihre Vorteile hauptsächlich dann ausspielt, wenn die Software auf mehrere CPUs optimiert ist. Aber auch in diesem Fall hat der G5 die Nase vorn. Bestes Beispiel: der Quicktime-MPEG-4-Export für den iPod Video. Hier überholt der Intel-iMac zwar den 1,8-GHz-G5-iMac, aber nur aufgrund seines zweiten CPU-Kerns. Vergleicht man den Wert mit einem älteren Power Mac G5 Dual 2 GHz, der ebenfalls mit zwei CPUs rechnet, liegt der G5 in dieser Disziplin wieder klar vorn. Das gleiche gilt für iMovie. Hier lassen wir aus 24 Fotos eine Videospur mit Ken-Burns-Effekt berechnen. Wieder schlägt der Dual-G5 den Dual-Intel-Chip um fast eine Minute.
Anders bei iDVD. Beim Kodieren eines DV-Streams in eine DVD hat hier plötzlich der Intel-Chip die Nase leicht vorn. Das lässt uns stutzig werden und wir vergleichen die Ergebnisse mit der älteren Version von iDVD. Das Resultat überrascht: iDVD 5 ist auf dem G5-Chip fast zwei Minuten schneller als iDVD 6. Apple muss also in iDVD 6 etwas an der MPEG-2-Kodierung geändert haben, anders können wir uns die Unterschiede nicht erklären.
Alle bisherigen iMac-Hardware-Features sind auch in der Intel-Maschine vorhanden. Dazu zählen die integrierte iSight-Videokamera, die Infrarot-Fernbedienung, die Serial-ATA-Festplatte mit bis zu 250 GB Kapazität, der 8fach-DVD-Brenner, 10/100/1000BaseT Ethernet und die integrierten Wireless-Technologien Airport Extreme und Bluetooth 2.0. Es fehlt allerdings das eingebaute analoge Modem, das man jedoch als externes USB-Gerät nachrüsten kann.
Beachtenswert ist der Grafikchip. Apple verbaut nun den Radeon X1600, der als Nummer zwei nach dem X1800 auf der Top-Liste von ATI steht. Damit wird der iMac zur echten Spielemaschine – vorausgesetzt, entsprechende Spiele werden als Intel-Version für Mac-OS X portiert (siehe auch Übersicht Seite 21). Theoretisch könnte man jedoch auch Windows XP auf diesem iMac installieren und dann die PC-Version der Spiele nutzen.
Die Intel-Macs setzen nun nicht mehr auf Open Firmware als Bootsystem auf, sondern benutzen das so genannte EFI, das der Nachfolger des im PC-Bereich bekannten und gefürchteten Bios ist. Microsoft hat bislang keine 32-Bit-Version von Windows XP im Programm, die sich unter EFI installieren ließe. Der Traum von einem Dual-Boot-fähigen iMac ist also noch nicht Realität geworden. Findige Hacker könnten das jedoch ändern und ein Windows XP so anpassen, dass es sich auf dem Intel-iMac installieren lässt. Das wäre jedoch eine „inoffizielle“ Lösung. Nur Microsoft selbst könnte den Dual-Boot-iMac offiziell Realität werden lassen, indem es ein angepasstes Windows herausbringt. Technisch spricht jedenfalls nichts dagegen.
Am eingebauten Mini-DVI-Anschluss kann man nun einen zweiten Monitor anschließen und unabhängig vom eingebauten Display betreiben. Das geht sowohl mit analogen, als auch mit digitalen Monitoren bis hin zum 23-Zoll-Cinema-Display, das 30-Zoll-Cinema-Display wird nicht unterstützt. Adapter für DVI, VGA oder S-Video muss man für 20 Euro pro Stück separat erwerben. Der iMac stellt zwei SO-DIMM-Slots zur Verfügung, von denen einer ab Werk mit einem 512-MB-Modul belegt ist. Man darf die Speichermodule selber austauschen, dazu gibt es an der Unterseite eine kleine Klappe. An weitere Austauschteile kommt man jedoch nicht heran, ohne den Rechner zu öffnen, was mit einem Garantieverlust einhergeht.
Der erste Intel-Mac hinterlässt zwiespältige Eindrücke. In bestimmten Bereichen bietet er klar bessere Leistung, in anderen ist er dem G5 deutlich unterlegen, was unsere Praxistests mit der angepassten iLife-Suite untermauern. Spitzenwerten bei Garageband und iTunes stehen enttäuschende Werte mit iPhoto, iMovie und iDVD gegenüber. Letztere sind so eklatant, dass sich uns der Verdacht stellt, Apple hätte hier etwas zu Gunsten der Intel-CPU „nachgeholfen“.
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