
Apple bessert seinen Raw-Verwalter nach
Im März hatte Apple Aperture 1.1 erstmals auf der Fotomesse PMA gezeigt, verfügbar ist es seit Mitte April. Das Ergebnis ist vor allem für Intel-Mac-Besitzer erfreulich, denn Aperture 1.1 läuft auf diesen Rechnern angenehm schnell.
Von Markus Schelhorn (20.04.2006)
Die erste Aperture-Version hat in Macwelt 2/06 nur „mangelhaft“ erhalten. Jetzt hat Apple mit Version 1.1 das erste größere Update veröffentlicht. Neben vielen Fehlerbereinigungen kommen ein paar neue Funktionen hinzu – doch grundlegende Kritikpunkte sind nicht behoben.
Die schlechte Ausgabequalität ist unsere Hauptkritik im Test der Macwelt 2/06. Leider ist die Ausgabequalität von Aperture 1.1 im Vergleich zu seinen Vorgängerversionen 1.0 und 1.0.1 nur wenig besser. Die störenden JPEG-ähnlichen Artefakte fallen milder aus als bisher. Dennoch: An die Ausgabequalität von Capture One sowie Camera Raw reicht sie immer noch nicht heran. So wird Aperture Profi-Ansprüchen bei der Bildqualität weiterhin nicht gerecht. Erfreulich ist die Preissenkung auf 300 Euro - wohl eine Reaktion auf den kommenden Konkurrenten Adobe Lightroom, der bisher nur als Beta-Version erhältlich ist.
Schneller soll Aperture nun arbeiten, vor allem auf Intel-Macs. Besonders die Lift-and-Stamp-Funktion will Apple beschleunigt haben, gerade Intel-Macs sollen hier laut Apple deutlich schneller als G4- und G5-Rechner arbeiten. Im Test bestätigt sich dies teils auf unangenehme Weise. Denn während Aperture 1.1 auf einem Intel-Mac angenehm flott arbeitet, im Test ein 2 GHz schnelles Macbook Pro, ist diese Version auf einem G5-Mac teils sogar langsamer als zuvor. Ärgerlich ist das gerade bei Änderungen an Bildeinstellungen, die Aperture in Echtzeit darstellt. Dies geht auf einem G5-Mac stockender von der Hand als mit der Vorgängerversion 1.0.1. Spürbar flüssiger arbeitet hier Aperture 1.1 auf einem Macbook Pro.
Auf einem Macbook Pro mit 2 GHz dauert das Übertragen der Bildeinstellungen auf 70 Raw-Fotos rund sechs Sekunden, auf einen Power Mac G5 mit 2mal 2 GHz acht Sekunden sowohl unter Aperture 1.0.1 als 1.1. Doch die Vorschaubilder passen sich nicht sofort den neuen Bildeinstellungen an. Klickt man unmittelbar nach dem Übertragen der Bildeinstellungen auf eines der geänderten Bilder, benötigt der G5-Mac weitere sechs Sekunden, bis er das Bild vollständig geladen anzeigt. Zwei Sekunden langsamer sind hier das Macbook Pro sowie die ältere Aperture-Version auf dem G5-Mac. Nach einiger Zeit passt Aperture im Hintergrund die Vorschaubilder den neuen Bildeinstellungen an. Ist dies geschehen, erscheinen die Bilder mit knapp drei respektive vier Sekunden deutlich schneller. So reicht Aperture auf einem Macbook Pro bereits an die Leistung eines ausgewachsenen Power Mac G5 mit Dualprozessor heran.
Beim Export von 20 Raw-Bildern, aufgenommen mit einer Canon EOS 20D, hat gar Aperture 1.1 auf dem Macbook Pro mit 63 Sekunden die Nase deutlich vorne. Auf dem G5-Mac dauert dieser Vorgang 87 Sekunden, mit der Vorgängerversion 80 Sekunden.
Weiterhin mager ist die Anzahl Kameras, deren Raw-Formate Aperture unterstützt. Vier neue Modelle sind hinzu gekommen: Canons EOS 30D, Nikon D200, Pentax *ist D sowie Leica Digilux 2. Die Liste aller Kameras, deren Raw-Format Aperture 1.1 unterstützt, hat Apple unter http://www.apple.com/aperture/raw veröffentlicht. Auch nach dem Update unterstützt Aperture .DNG-Format, allerdings wie zuvor nur von Kameras, deren Raw-Daten es ohnehin erkennt. Somit ist die .DNG-Unterstützung von Aperture nahezu überflüssig.
Unverändert ist die Art der Dateiorganisation, alle Daten landen in einer einzigen Datei. So ist es einem Backup-Programm nicht möglich, ein inkrementelles Backup durchzuführen, also nur Änderungen zu sichern. Gerade bei umfangreichen Datenbeständen, die bei der Verwendung von Aperture schnell zusammen kommen und nicht selten 50 Gigabyte und mehr umfassen, ist das Sichern dieser Bibliothek ein langwieriges Unterfangen. Aperture selber bietet mit so genannten Vaults eine eigene Datensicherung an. Doch diese Sicherung kann man nur manuell starten und nicht automatisieren. Der Speicherort ist hier frei wählbar, das Sichern eines Vault dauert etwas länger als das Kopieren im Finder.
Neu und teilweise verfeinert sind die Bildbearbeitungswerkzeuge von Aperture 1.1. So findet man nun das Adjustment-Element RAW Fine Tuning, das als neues Element den Regler Chroma Blur enthält. Er hilft, durch einen Bildsensor verursachtes Farbrauschen aber auch Farbsäume zu mildern, was im Test gut funktioniert.
Die Königsdisziplin von Aperture ist die einfache Art, Fotos zu sortieren. Dabei richtet es sich nach der Vorgehensweise eines Fotografen, der die Fotos auf einem Leuchttisch betrachtet. So lassen sich Fotos in Stapeln (Stacks) zusammenfassen. Anhand einer Zeitleiste sortiert Aperture automatisch die Bilder. Auch manuell ist dies möglich. Klickt man ein Foto an, erscheint es als Vorschaubild. Ein weiteres Vorschaubild kann man zum Vergleichen zufügen, indem man es mit gedrückter Befehltaste anwählt. Für das bessere Beurteilen bietet Aperture durch Drücken der Taste F eine eigene Ansicht, in der die Fotos vor schwarzem Hintergrund erscheinen – alle Menüfenster blendet das Programm aus. Die ausblendbare Miniaturansicht der weiteren Bilder sieht man als schwebenden Balken, den man nach Belieben verschieben und in seiner Breite verändern kann. Sehr gut kann Aperture zwei Monitore nutzen. Wir raten hier wegen einer einheitlichen Ansicht zwei Monitore des gleichen Typs zu verwenden.
Bildausschnitte lassen sich mit einer Lupe vergrößert darstellen. Dies funktioniert auch mit einer Miniaturdarstellung in der Liste, hier sollte man die Lupe aber mit Bedacht verwenden, sonst kann es zu ein paar wenigen Sekunden Wartezeit kommen, bis Aperture die entsprechenden Feindaten zur Ansicht lädt.
Aperture bietet nun eine etwas bessere Raw-Ausgabe, die aber immer noch nicht an Profi-Ansprüche heran reicht. Erfreulich sind neben dem nun absturzfreien Betrieb die gute Geschwindigkeit auf Intel-Macs sowie der günstigere Preis, ärgerlich die Geschwindigkeitseinbußen auf einem G5-Mac.
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