Macworld Expo: Apple enthüllt das iPhone

"Wir haben das Telefon neu erfunden"

In den USA kommt es erst im Juni auf den Markt, in Europa irgendwann im vierten Quartal und in Asien gar erst 2008: Steve Jobs hat auf seiner Keynote zur Macworld Expo das iPhone vorgestellt, das drei Geräte in einem sein soll. Für Mac-Anwender war die Eröffnung der Macworld Expo sonst eher enttäuschend.

Von Peter Müller (09.01.2007)

Das neue Jahr 2007 werde ein großes Mac-Jahr werden, mehr werde er zum Mac aber nicht sagen, erklärte Steve schon in der ersten Viertelstunde seiner Keynote zur Macworld Expo in San Francisco. Der Apple-CEO machte sein Ankündigung war: Kein Veröffentlichungstermin für Mac-OS X 10.5 Leopard, keine neue Versionen von iLife und iWork, kein Mac Pro mit acht Prozessorkernen war Gegenstand seiner Ansprache im Moscone Center West. Lediglich die schon im September 2006 angekündigte Schnittstelle „iTV“, die jetzt „Apple TV“ heißt und im Februar für 299 US-Dollar auf den Markt kommen wird, nahm neben dem Hauptthema des Abends mehr als eine Nebenrolle ein.

Wie im Vorfeld immer heftiger erwartet wurde, stellte der Apple-CEO das erste Handy des Mac-Herstellers vor, das trotz Ciscos im Dezember vorgestelltem VoIP-Telefon nun doch „iPhone“ heißt. Jobs stellte den telefonierenden iPod in eine Reihe mit anderen Innovationen aus Cupertino in eine Reihe: „1984 hat der Macintosh die Computerlandschaft nachhaltig geändert, 2001 der iPod die Musik.“ Mit dem iPhone habe man schlicht das Telefon neu erfunden.

Drei Geräte in einem verspricht das iPhone zu sein: Ein iPod mit berührungsempfindlichen Breitbildschirm, ein Mobiltelefon und ein „revolutionäres“ Internetgerät, welches das Web unterwegs uneingeschränkt nutzbar macht. Apple kooperiert bei dem iPhone mit Cingular Networks, in den USA ist das Telefon nur über den führenden Mobilfunkprovider zu haben und in dessen Geschäften oder in den Apple Stores zu erwerben. Mit an Bord sind jedoch auch die Internetfirmen Yahoo und Google. Yahoo stellt allen iPhone-Nutzern kostenlose IMAP-E-Mail-Accounts mit Push-Funktion zur Verfügung, Google hat mit Apple einige Services für das unter Mac-OS X laufende iPhone entwickelt, etwa Google Maps oder Location Services: Dem iPhone-Nutzer sagt das Telefon, wo genau er sich aufhalte und verbindet ihn auf Wunsch etwa mit dem nächstgelegenen Restaurant.

Bitte anfassen!

Die Bedienung des iPhone erfolgt über den Touchscreen, auf einen Eingabestift oder eine Tastatur (Jobs: „Technologie des vergangenen Jahrhunderts“) hat Apple bewusst verzichtet: „Jeder von uns hat die zehn besten Eingabegeräte überhaupt: Unsere Finger.“ Mit einfachen Berührungen lassen sich die verschiedenen Funktionen des iPhone auswählen, automatisch wird zudem das Gerät etwa vom Musikabspielgerät zum Telefon, wenn ein Anruf kommt. Wie der iPod synchronsiert sich das iPhone mit dem Mac, via Bluetooth oder WiFi und überspielt Adress- und Kalenderdaten so wie Fotos, Videos und Musik. Das teils umständliche Wählen von Telefonnummern soll der Vergangenheit angehören. Mit an Bord ist eine 2-Megapixel-Kamera, das 3,5-Zoll-Display des iPhone arbeitet mit einer Aulösung von 160 dpi. Das Vergnügen kostet jedoch: Die 4-GB-Variante ist zusammen mit einem Zweijahresvertrag mit Cingular Wireless für 500 US-Dollar zu haben, die 8-GB-Fassung kostet inklusive Telefonvertrag 600 US-Dollar. Erst im Juni wird das Telefon in den USA zu haben sein, die für die Freigabe durch die Behörden notwendigen Tests dürften sich noch eine Weile hinziehen. Apple musste wohl schon zu einem derart frühen Zeitpunkt die Ankündigung machen, bis zur endgültigen Freigabe war das iPhone nicht mehr geheim zu halten. Mehr zum iPhone lesen Sie hier...

Apple TV mit Festplatte

„iTV“ durfte Apples Lösung zur Verbindung von Computer und Wohnzimmer nicht heißen. Unter diesem Entwicklungsnamen hatte Apple vor vier Monaten erstmals das Gerät vorgestellt, Elgatos „EyeTV“ klingt zu ähnlich und hat die älteren Rechte. Das iTV heißt nun also Apple-TV, wobei der Mac-Hersteller die offizielle Schreibweise mit seinem Logo versieht: „Apple-Symbol“ tv also. Was gegenüber der Vorankündigung neu ist: Apple-TV hat eine 40-GB-Festplatte integriert und synchronisiert sich mit einem (Intel)Mac der Wahl. Bis zu fünf Rechner können jedoch ihre Medien drahtlos auf das Apple-TV streamen. An Funkstandards unterstützt das Gerät IEE 802.11 b und g sowie den noch nicht verabschiedeten draft n. Nicht in seiner Keynote erwähnt hatte Steve Jobs die neue Airport-Extreme-Basisstation, die ebenfalls auf IEEE 802.11n draft setzt und abwärtskompatibel ist. Mehr zu iTV finden Sie hier...

Keine Macs auf der Macworld Expo

Neu ist zudem die Kooperation mit dem Filmstudio Paramiount Pictures, das seine Filme für den iTunes Store beisteuert. Apples Downloadservice beitet nun 250 Filme an. Einen Meilenstein hat iTunes zudem zu feiern: Zwei Milliarden Musikdownloads, Filme haben Kunden seit Start des Sercvices im September 1,3 Millionen heruntergeladen. Apple ist mittlerweile der viertgrößte Musikhändler in den USA und hat Amazon überholt.

Von Macs war nichts zu sehen und zu hören, Apple ist daher nur konsequent und ändert seinen Firmennamen von „Apple Computer Inc.“ auf „Apple Inc.“ Welches Umsatzpotential die Hinwendung zum Mobilfunk hat, veranschaulichte Steve Jobs zum Ende seiner Ansprache. Demnach bedeutete nur ein bescheidener Anteil von einem Prozent weltweit zehn Millionen verkaufte iPods. Der Anteil im Computermarkt steigt zwar stetig für Apple, jeder zweite Kunde der Apple Stores kauft sich dort zum ersten Mal einen Mac. Doch nennenswertes Umsatzwachstum verspricht sich der Mac-Hersteller nun anderswo. Die Anleger hat es gefreut: Schon während der Jobs-Keynote stieg der Kurs der Apple-Aktie kräftig und kletterte wieder über 90 US-Dollar.

Newsletter bestellen: Newsletter und Wochenchronik

Das könnte Sie auch interessieren:

Mehr zu diesen Stichwörtern: iphone, apple, apple tv, ipod

Beta