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Thema der Woche 10/07: Don't be evil, Apple

Thema der Woche 10/07: Don't be evil, Apple! +++ Die Greenpeace-Kritik an Apple: Umweltschützer klagen an +++ Dossier: Streit um den iTunes Store +++ Zehn Dinge, die ich Apple übel nehme - eine Polemik +++ Dossier: Don’t be evil, Google! +++ Skandal um Aktienoptionen zeigt die Bedeutung von Jobs für Apple

(10.03.2007)

Die Greenpeace-Kritik an Apple: Umweltschützer klagen an

Ist der Apfel grün oder giftig?

Greenpeace wirft Apple Versäumnisse beim Umweltschutz vor und hat das Unternehmen in seiner Liste "Grüne Elektronik" schlecht bewertet. Wir gehen der Kritik nach und versuchen, von Umweltschützern und Apple Antworten zu erhalten. Sind die Vorwürfe gegen den Mac-Hersteller berechtigt oder kümmert sich Apple ausreichend um den Umweltschutz?

Von Martin Strang (07.03.2007)

Apple-Produkte sind technisch hochwertig und in Sachen Design führend. So sehen das Apple-Fans und so vermarktet die Unternehmenszentrale in Cupertino ihre Produkte. Und wie sieht die Bilanz in Sachen Umweltschutz aus? Diese Frage hat Greenpeace mit seiner Liste "Grüne Elektronik" aufgeworfen und Apple für seine Umweltschutzrichtlinien kritisiert.

Greenpeace bemängelt vor allem, dass Apple keinen konkreten Zeitpunkt nennt, zu dem es ganz auf PVC sowie bromierte Flammschutzmitteln verzichten will. Rechner, die aktuell ganz ohne die beiden Schadstoffe auskommen, bietet Apple derzeit nicht an. Lediglich bei einzelnen Peripherieprodukten verzichtet Apple auf die Schadstoffe. Für den Nutzer sind die verarbeiteten Schadstoffe nicht von Belang. Problematisch werden die Chemikalien erst, wenn der ausgediente Rechner auf dem Müll landet. Die Schadstoffe können in die Umwelt gelangen sowie Menschen schädigen und erschweren das Recycling. Schlecht schneidet Apple ebenfalls in Sachen Rücknahmeprogramme ab. Die gibt es zwar in fünf Regionen, darunter den USA und Europa, im Rest der Welt werden Verbraucher mit ihren ausgedienten Apple-Geräten allerdings allein gelassen.

Im August 2006 veröffentlichte die Umweltschutzorganisation die erste Version seiner Liste, die vierteljährlich aktualisiert wird. Dazu vergibt Greenpeace in insgesamt 9 Kategorien Punkte, maximal 10 Punkte kann ein Unternehmen erreichen. Die Umweltschutzorganisation bewertet dabei nicht einzelne Produkte und nimmt auch keine Schadstoffmessungen vor. Vielmehr sichtet Greenpeace das auf Webseiten veröffentlichte Material und nimmt so eine Wertung der Umweltpolitik der einzelnen Firmen vor.

Ganz unten auf der Liste grüner Elektronik

Apple landete in der ersten Liste mit 2,7 von 10 Punkten auf Platz 11 von insgesamt 14 Unternehmen – kein Ergebnis, das ein Hersteller gerne sehen möchte. Gleichzeitig stellte Greenpeace die Webseite Greenmyapple.org ins Netz, um Verbraucher zur Kritik an Apple aufzurufen. Aufmerksamkeitsstarke Aktionen rundeten die „Green my Mac“-Kampagne ab. So waren die Umweltschützer auf der Londoner Mac Expo im Oktober 2006 mit einem eigenen Stand vertreten – und flogen prompt von der Messe. Die Aktivisten hätten für ihre Kampagne zu aggressiv geworben, lautete der Vorwurf der Messeveranstalter.

Die zweite Ausgabe des "Guide to Greener Electronics" im Dezember brachte für Apple jedoch keine Verbesserung. Im Gegenteil, Greenpeace stufte Apple in Sachen Umweltschutz als Nachzügler ein. Während die Hersteller Acer, Motorola und Lenovo ihre Richtlinien überarbeiteten, reagierte Apple auf die Greenpeace-Kritik nicht. Um ihren Forderungen Nachdruck zu verleihen, tauchten Aktivisten in der Vorweihnachtszeit den Apple Store in New York in grünes Schweinwerferlicht.

Die Zentrale in Cupertino äußert sich nur knapp zu der schlechten Greenpeace-Bewertung. Man lehne die Kriterien von Greenpeace ab, teilte das Unternehmen mit. Apple habe als eines der ersten Unternehmen auf Schadstoffe wie Quecksilber, Kadmium, sechswertiges Chrom und einige bromierte Flammschutzmittel verzichtet. Zugleich verweist Apple auf die Bewertung der amerikanischen Umweltschutzbehörde EPA (Environmental Protection Agency), bei der Apple-Produkte gut abschneiden würden. Näher geht das Unternehmen nicht auf die Vorwürfe ein.

Auf der Suche nach Antworten

Wir bitten Apple Deutschland um eine Stellungnahme, gerne würden wir den Apple-Umweltbeauftragten zu der Greenpeace-Kritik befragen. Die Antwort kommt schnell per E-Mail und sie kommt uns bekannt vor. Zum Thema sei bereits alles gesagt, lautet die offizielle Antwort. Und angehängt ist die Stellungnahme von der Apple-Zentrale in Cupertino.

Greenpeace färbt den Apple Store in New York ein.
Greenpeace färbt den Apple Store in New York ein.
Die Umweltschützer dagegen sind zu sprechen, wenn auch erst nach einigen Anläufen. Greenpeace in Deutschland, so stellt sich heraus, hat mit der Liste "Grüne Elektronik" nichts zu tun. Die wird von der internationalen Zentrale in Amsterdam erstellt. Nach einigen Telefonaten stellt uns die Zentrale in Amsterdam den Kontakt zu Olivia Langhoff her, internationale Bereichsleiterin Chemie. Warum denn genau diese 14 Unternehmen, darunter Apple, für die Liste untersucht wurden, wollen wir wissen. "Wir haben die Marktführer aufgenommen sowie die Firmen, die den größten Einfluss auf ihren Sektor haben", erklärt Langhoff. Für Apple als innovatives Unternehmen sei das Abschneiden im Greenpeace-Ranking eine traurige Bilanz.

Das amerikanische EPA-Ranking, auf das Apple verweist, lässt Greenpeace nicht als Entschuldigung gelten. "Unsere Kriterien gehen viel weiter als die amerikanischen Anforderungen. Und selbst im EPA-Ranking hat Apple für die Macbook Pros keine goldene Auszeichnung erhalten. Unserer Meinung nach ist das kein großartiges Ergebnis für Apple", erläutert Langhoff.

Greenpeace möchte, wie es in den Kampagnenmaterialien unermüdlich wiederholt, Apple dazu bringen, auch in Sachen Umweltschutz als Trendsetter voranzugehen. Politische Richtlinien wie das EU-weite Verbot bestimmter Schadstoffe in Form der RoHS-Norm (Restriction of the use of certain Hazardous Substances) kosten nach Greenpeaces Ansicht zu viel Zeit. "Wir wollen, dass die Marktführer und Innovatoren mit eigenen Schritten vorangehen. Gesetzliche Regelungen wie die RoHS-Norm beziehen sich zudem immer nur auf einzelne Länder", so die Greenpeace-Mitarbeiterin. Greenpeace setze auf Selbstverpflichtungen der Industrie, die weltweit für die gesamte Produktpalette gelten.

In Deutschland wird zurückgenommen

Kampagnenbild von Greenpeace
Kampagnenbild von Greenpeace

Ob die PR-Kampagne zu strengeren Umweltauflagen von Apple führt, ist derzeit noch offen. Entscheidend dürfte sein, welchen Stellenwert Schadstoffbilanzen für Käufer von Mac-Rechnern und iPods haben. In Deutschland bietet Apple ein kostenloses Rücknahmeprogramm für alte Produkte. Kunden oder Händler können ihre Altgeräte an den Vertragspartner von Apple, den Entsorgungsfachbetrieb Recycle it, senden. Lediglich die Versandkosten muss man dafür bezahlen.

Einige Händler wissen von dem Rücknahmeprogramm jedoch überhaupt nichts. Wenige Kunden hätten bisher ihr altes Gerät zur Entsorgung abgegeben, sagen uns Apple-Händler auf Nachfrage. Sollte doch mal Elektromüll anfallen, entsorgen es die Händler oft über eigene Kanäle.

Wie viele Geräte man für Apple pro Jahr entsorge, wollte Recycle it auf Anfrage der Macwelt nicht mitteilen.

Auf seiner Website hat Apple englischsprachige Informationen über Umweltrichtlinien unter der Internet-Adresse "apple.com/environment/" versteckt, über die Hauptnavigation findet man den Bereich nicht. Umweltschutz hat in der Verbraucherkommunikation anscheinend keinen großen Stellenwert. Zu vermuten ist jedoch, dass es vom Verbraucher derzeit einfach nicht nachgefragt wird. Im Netz äußern sich einige Apple-Fans mehr als kritisch über die Greenpeace-Kampagne. Auf amerikanischen Seiten werden die Umweltschützer mitunter als "Hippie-Terroristen" beschimpft.

Fazit

Greenpeace hat Apple nicht ohne Grund in das Ranking aufgenommen und zur Zielscheibe der Kampagne gemacht. Apple vermarktet seine Produkte als innovativ und dem Wettbewerb überlegen. Dass die Umweltschutzrichtlinien nach Meinung von Greenpeace hinter Vorgaben der Konkurrenten zurückbleiben, passe nicht in dieses Markenbild. Die umtriebigen PR-Spezialisten von Greenpeace haben diesen Gegensatz in ihrer Kampagne herausgehoben – und damit Apple, den Meister der Geheimniskrämerei, in die Defensive gedrängt.

Das Vorgehen von Greenpeace kann man kritisieren. Festzuhalten ist, dass die Organisation ein Thema auf die öffentliche Agenda bringt, das für Computerkäufer derzeit kein großes Thema ist: Die Umweltbelastung durch alte Geräte. Hier hat Apple keine herausragende Bilanz zu bieten. Aber selbst Hersteller wie Lenovo (5,3 Punkte ) und Sony (5 Punkte) sind von einer Bestnote im Greenpeace-Ranking weit entfernt. Dabei nimmt die Menge an Elektronik-Müll ständig zu. Zwischen 20 und 50 Millionen Tonnen fallen laut Zahlen von Greenpeace derzeit pro Jahr an.

Letztlich bestimmen die Verbraucher, inwiefern Umweltbilanzen ein Kaufkriterium sind. Nur entsprechende Nachfrage seitens der Käufer und gesetzliche Regelungen, die strengere Mindeststandards für die gesamte Industrie setzen, können die Schadstoffbilanz von Computerherstellern aufbessern. Dass Apple derzeit im Zentrum der Kritik steht, muss das Unternehmen aushalten. Berichte über Gespräche mit Greenpeace-Aktivisten hat Apple unlängst dementiert. Olivia Langhoff in Amsterdam bleibt dennoch optimistisch: "Wir hoffen, dass wir von Apple bald etwas hören". Das nächste Ranking kommt bestimmt, in den nächsten Wochen soll es erscheinen.

Dossier: Streit um den iTunes Store

Apple, die Musikindustrie und die Verbraucherschützer

Steve Jobs’ offener Brief „Gedanken über Musik“ zieht Kreise – die Konkurrenz stimmt den Forderungen zur Abschaffung des Kopierschutzes des Apple-CEO weitgehend zu, die Musikindustrie lehnt sie ab. Besonders in Europa stören sich Verbraucherschutzorganisationen an dem geschlossenen System von iPod und iTunes. Wir fassen den Stand der Dinge zusammen und geben einen Ausblick auf die Zukunft des DRM.

Von Peter Müller, Marlene Buschbeck-Idlachemi (05.03.2007)

Die Ausgangssituation

Im April 2003 ging mit der iTunes Music Store als eines der ersten legalen Downloadangebote für Musik in das Netz. Der iPod war damals zwar schon der mit Abstand meistverkaufte Festplattenplayer, doch erst mit dem iPod Mini und später dem iPod Shuffle steigerte Apple den iPod-Absatz auf mehrere Millionen Geräte pro Quartal. Mit dem iPod boomte auch der iTunes Music Store, der mittlerweile mehr als zwei Milliarden Songs weltweit verkauft hat.

Die Musikindustrie hält seit Jahren das Internet für den Hauptgrund ihres Niedergangs, illegale Downloads verhageln nach Ansicht der Musikmanager ein Geschäft, das an stetiges Wachstum gewöhnt war. Kein Wunder, dass die Rechteinhaber einerseits mit rechtlichen Mitteln gegen Tauschbörsen und ihre Nutzer vorgehen und auf der anderen Seite auf wirkungsvollen Kopierschutz bestehen. Und genau hier entsteht der Konflikt, den Steve Jobs in seinen „Gedanken zur Musik“ beschreibt.

Kopierschutz und Datensicherheit

Schon zum Start des iTunes Music Store machte Steve Jobs klar, wen er als Konkurrenten betrachtete: Die illegalen Angebote im Netz. Um sich von diesen zu unterscheiden, will Apple mit hoher Downloadqualität, kurzen Ladezeiten und der nahtlosen Verbindung von iTunes, iTunes Store und iPod punkten. Der Erfolg gibt Apple anscheinend Recht: Mit dem iTunes Store kontrolliert Apple rund 80 Prozent des legalen Downloadmarktes. Die skeptischen Manager von EMI, Universal, Sony BMG und Warner hat Apple mit seinem Digitalen Rechtemanagement (DRM) Fairplay überzeugt: Online gekaufte Musik darf der Anwender auf bis zu fünf Rechnern abspielen und die gleiche Playlist zehnmal brennen – genug für Sicherungskopien und der privaten Weitergabe an Freunde und Bekannte, zu wenig für den kommerziellen Missbrauch. Und vor allem lassen sich im iTunes Store gekaufte Songs auf beliebig viele iPods übertragen – aber eben nur auf iPods. Und jetzt treten Verbraucherschützer und Wettbewerbshüter auf den Plan.

Apple und die Verbraucherschützer

Die Auseinandersetzung um das Apple-DRM Fairplay geht nun schon ins zweite Jahr. Verbraucherschutzorganisationen kritisieren die mangelnde Wahlfreiheit der Musikkäufer: Wer im iTunes Store kauft, ist auf den iPod angewiesen und umgekehrt. Dass mittlerweile auch Microsoft mit dem Zune auf ein proprietäres System setzt, ist vorerst zweitrangig: Den Markt dominiert nun einmal Apple. Zwistigkeiten mit Verbraucherschützern bestehen in mehreren Ländern.

Norwegen: Der norwegische Verbraucherombudsmann Bjørn Erik Thon forderte Apple am 25.1.2007 ultimativ auf, bis zum 1. Oktober 2007 anderen Unternehmen Code bereitzustellen, damit Musik- und Videodateien aus dem iTunes Store nicht mehr nur auf dem iPod von Apple abgespielt werden können. Sollte Apple die Forderung ignorieren, wollen die Verbraucherschützer vor Gericht ziehen. Selbst eine Schließung des iTunes Store in Norwegen sei nicht ausgeschlossen.

Deutschland, Frankreich, Finnland: Zuvor hatten bereits Verbraucherschutzverbände aus Deutschland, Norwegen, Finnland und Frankreich den Apple-Konzern aufgefordert, sein System zum „Digital Rights Management“ (DRM) für andere Musikplayer zu öffnen. Das deutsche Amt für Verbraucherschutz betrachtet die Bedingungen von iTunes als Beispiel einer allgemeinen Entwicklung, bei der die Rechte der Verbraucher ständig weiter eingeschränkt würden. Auch die Niederlande wenden sich gegen iTunes. Die Ablehnungsfront in Europa wird größer.

Niederlande: Der niederländische Verbraucherverband reichte ebenfalls Ende Januar eine offizielle Beschwerde ein. „Wir wollen von Apple, dass das Unternehmen die Hürden beseitigt, die es derzeit unmöglich machen, iTunes-Lieder auf anderen Abspielgeräten als dem iPod anzuhören“, erklärte ein Sprecher des Verbandes der Nachrichten-agentur AP. „Verbraucher, die ein Musikstück vom iTunes Store herunterladen, sollten nicht für den Rest ihres Lebens auf einen iPod angewiesen sein“, führte er die Forderung aus.

USA: Der oberste Kartellwächter des US-Justizministeriums Thomas Barnett unterstützt Apple in dessen Debatten um Regulierungen des iTunes-DRM in Europa. Barnett hatte schon im September 2006 den europäischen Behörden geraten, dass sie es sich besser zweimal überlegen, bevor sie gegen „populäre neue Technologien“ mit Regulierungen vorgehen.

Frankreich: Frankreich stellte schon im Juli 2006 das illegale Kopieren von Filmen und Musik aus dem Internet unter Strafe, schreckt aber vor einem Streit mit den USA über den Zwang zur Kompatibilität aller Musikformate zurück. Das französische Parlament billigte ein Gesetz zum Schutz der Autorenrechte im Internet, das einen abgestuften Strafkatalog für illegales Kopieren vorsieht. Das Gesetz schreibt dabei vor, dass alle digitalen Formate miteinander kompatibel sein müssen, verweigert allerdings Verbrauchern die Möglichkeit, diese Forderung durchzusetzen.

Steve Jobs’ „Gedanken zur Musik“

Die Verantwortung für den restriktiven Kopierschutz im iTunes Store und damit den Ärger mit Verbraucherschützern sieht Apple einzig und allein bei der Musikindustrie, wie Apple-CEO Steve Jobs in seinem Anfang Februar veröffentlichten offenen Brief „Thougts on Music“ darlegt. Diese habe ihre Kataloge überhaupt erst freigegeben, nachdem Apple zusicherte, Lücken im System innerhalb kurzer Zeit zu schließen. Würde es einem Hacker nachhaltig gelingen, „Fairplay“ auszuhebeln, könnten die großen vier gar ihre Songs und Videos zurückziehen. Nur, wenn man stets Kontrolle über die Technik behalte, könne man rechtzeitig reagieren – in der Vergangenheit hatte sich Apple wiederholt Software wie Hymn erwehrt, die den Fairplay-Schutz von Musikdateien aus dem iTunes Store entfernte. Einer Lizenzierung, wie es etwa Verbraucherschützer fordern, erteilt Jobs in seinem Aufsatz eine klare Absage. Als Alternative bringt er aber die völlige Freigabe von Musik ins Spiel. Wenn die Musikindustrie jährlich 20 Milliarden ungeschützte Songs verkaufe – Kopierschutzmechanismen auf CDs haben sich nicht am Markt bewährt – und nur zwei Milliarden Songs legal aus dem Internet kämen – warum muss man dann solch einen Aufwand betreiben?

Die Reaktionen

Reaktionen auf den radikalen Vorschal gleißen nicht lange auf sich warten. Macrovision, Hersteller von Kopierschutzmechanismen, lobte den Vorstoß: DRM sei zwar unerlässlich, eine offenere Gestaltung aber wünschenswert. Auch von der Konkurrenz kommt Unterstützung: Dave Goldberg, Manager bei Yahoo Music meint, dass ein Verzicht auf DRM-Maßnahmen die Verkäufe von digitaler Musik antreiben würde: "Ich habe mich schon lang für DRM-lose Musik eingesetzt, denn es gibt bereits jede Menge Musik ohne Kopierschutz zu kaufen, was es für den Kunden kompliziert macht." Auch Real Networks stellt sich hinter Jobs: "Wir denken, es ist nur eine Frage der Zeit, bis der Online-Vertrieb von Musik DRM-frei sein wird." meint Dan Sheeran, Senior Vice President von Real Networks Rhapsody. Real-CEO Rob Glaser habe erst zwei Wochen zuvor einen ähnlcihen Vorstoß auf einer internationalen Musikkonferenz gewagt. Phil Leigh, Analyst bei Inside Digital Media, sieht Digitales Rechtemanagement gar als Hemmschuh für den Online-Musikmarkt, auch Ted Schadler von Forrester Research kritisiert den Kopierschutz als eine Maßnahme, die dem Kunden suggeriere, der Anbieter traue ihm nicht.

Ablehnend reagieren Musikindustrie und Phonoverbände. Während der Industrieverband der US-Audioindustrie RIAA dem Apple-CEO dezent widerspricht und eine Lizenzierung von Fairplay als taugliches Mittel anpreist, attackiert Warner-Chef Edgar Bronfman Steve Jobs Essay in einem wesentlichen Punkt: „Das Argument, dass Musik nicht den gleichen Schutz wie Filme, Videospiele oder Software verdient, nur weil es ein physikalisches, ungeschütztes Pendant gibt, ist vollkommen unlogisch.“ Warner werde auch weiterhin an DRM festhalten. Als „scheinheilig“ bezeichnete gar der Deutsche Phonoverband den Vorstoß des Apple-Chefs. Apple versucht, seine Probleme mit dem eigenen Kopierschutz zum Problem der Musikindustrie zu machen", sagte Michael Haentjes, Vorsitzender der deutschen Phonoverbände, in Berlin.

Die norwegischen Verbraucherschützer, die mit ihrer Entscheidung, das iTunes-DRM sei nach norwegischem Recht illegal, Anlass zu Jobs offenem Brief gaben, spielen den Ball nach Cupertino zurück. Torgeir Waterhouse, Vorstand des norwegischen Consumer Council erklärte:" Wir sind zufrieden damit, dass Steve Jobs der Verantwortung folgt, die Apple als führendes Unternehmen im digitalen Vertrieb eingenommen hat." Wer jedoch auf die Musikindustrie einwirken soll, darüber hat Waterhouse andere Vorstellungen. Nicht die Verbrauscherorganisationen hätten mit der Musikindustrie über eine Öffnung des DRM zu verhandeln, sondern Apple als Anbieter selbst. "Es ist der iTunes Store, der den Verbrauchern einen Service bietet und so die Verantwortung für dessen Anwenderfreundlichkeit trägt."

Wie machen’s die anderen?

Unter dem Namen „Playsforsure“, was man mit „Mit Sicherheit abspielbar“ übersetzen könnte, hatte Microsoft in der Vergangenheit sein DRM-Verfahren promotet. Das System setzt auf Windows Media Player auf und wird von verschiedenen Anbietern im Internet unterstützt, etwa von AOL Music Now, MSN Music, Napster oder Urge und seit kurzem auch Walmart. In diesen Online-Shops kann man digitale Musik und Videos kaufen, die kopiergeschützt und kontrolliert auf verschieden Geräten, vom Windows-PC bis zum Smartphone mit Windows Mobile, wiedergegeben werden können. Mit dem Playsforsure-Icon kann der Kunde überprüfen, ob sein Player mit den diversen Online-Anbietern kompatibel ist. Mit der Einführung des Zune hat Microsoft allerdings seine Philosophie grundlegend geändert: Der Zune folgt dem Beispiel des iPod und setzt ein eigenes, inkompatibles DRM-System ein.

Wasserzeichen – der alternative Ansatz

Während also Verbraucherschützer, Musikindustrie und Distributoren wie Apple munter sich die Bälle hin und her spielen, scheint eine Lösung nicht in Sicht. Apple, bestärkt durch den eigenen Erfolg und Microsofts Adaption, wird vorerst weiterhin sein Ökosystem iPod/iTunes verschließen. Zur Not würde der Mac-Hersteller die Schließung seines Vertriebs in Norwegen schließen. Das wäre jedoch fatal, wenn sich das Ende des norwegischen iTS als erster Dominostein entpuppte, der überall in Europa Apples Musikladen zu Fall brächte. Nachdem sich die Aufregung um die „Gedanken über Musik“ gelegt haben wird, dürften Apple und die Musikindustrie weiter über Mittel und Wege des digitalen Vertriebs verhandeln. Ein Lösungsansatz könnten digitale Wasserzeichen sein. Anstatt einer Musikdatei einen (proprietären) Kopierschutz zu verpassen, könnten ihr der Anbieter des Downloads unhörbar Informationen über den Käufer hinterlegen. Die Musik als solche wäre auf beliebigen Geräten abspielbar, und Kopien ohne weiteres möglich. Wer jedoch seine gekaufte Musik in eine Tauschbörse stellt, gibt damit auch Informationen über sich preis. Die Rechteinhaber könnten sich denjenigen schadlos halten, die die Nutzungsbedingungen nicht einhalten. Denn die meisten Musikkäufer befolgen nach wie vor Apples Regel aus dem Jahr 2001: „Stiehl keine Musik!“ Und diese überwiegende Mehrheit möchte nicht gegängelt werden.

Zehn Dinge, die ich Apple übel nehme - eine Polemik

USB 2.0, iSync, Quicktime Pro und andere Ärgernisse

Apple ging es nie besser als heute. Steve Jobs Unternehmen ist Liebling der Börse und der Medien. Dabei steht dem Mac-Hersteller mit Windows Vista die größte Herausforderung seit Langem gegenüber. Wir nutzen die Fastenzeit, um einige Entscheidungen Apples der letzten Jahre kritisch zu betrachten.

Von Stephan Wiesend (06.03.2007)

Dank iPod und iPhone ist Apple bei Kunden, Presse und Finanzfachleuten äußerst beliebt und in allen Medien präsent. Viele Nutzer und Journalisten missverstehen jedoch langjährige Mac-Nutzer oft als kritiklose Steve-Jobs-Fans, obwohl die schärfste Kritik an Apple-Produkten von Seiten der Mac-Besitzer selbst kommt. Der Macianer unterscheidet genau zwischen der Mac-Plattform und Apple. Die Plattform Mac macht nicht nur Apple aus, sondern basiert auf einer Fülle an Hardwareherstellern, die mit dem Mac kompatible Geräte bauen, Softwareherstellern, die Programme schreiben und Anwendern, die in Internetforen oder bei Freunden und Nachbarn kostenlos Supportdienste erfüllen. Apple ist dagegen ein Unternehmen, das Entscheidungen trifft, die für die Plattform nicht immer ideal sind. Wir wollen einige Beispiele nennen:

USB 2.0 mit eingebauter Bremse

Immer seltener: Peripherie mit Firewire
Immer seltener: Peripherie mit Firewire
Firewire ist seit 1999 Apples schnelle Schnittstelle für externe Peripherie, das in der Windows-Welt propagierte USB 2.0 hat Apple erst sehr spät in die Macs integriert, im Jahre 2003. Aber noch immer behandelt Apple aktuelle USB-Schnittstellen in seinen Rechnern etwas stiefmütterlich behandelt. Während aktuelle Windows-PCs externe USB-Festplatten mit Datenraten von bis zu 30 MB pro Sekunde füllen können, ist die gleiche Platte am Mac plötzlich nur noch halb so schnell. Nur etwa 12 bis 14 MB pro Sekunden schafft etwa ein Macbook. Da es immer weniger DVD-Brenner oder Festplatten mit Firewire-Schnittstellen gibt, sollte Apple endlich schnellere USB-Treiber entwickeln.

Schlechte Unterstützung alter Macs

Power Mac G3 blue-white: Kann Mac-OS X, theoretisch.
Power Mac G3 blue-white: Kann Mac-OS X, theoretisch.
Auch Vista lässt sich auf älteren Rechnern installieren und mit Einschränkungen betreiben. Aufwendige Grafikeffekte, wie sie der Aero-Layer bereithält, kann man wie bei Windows XP einfach deaktivieren, was bequemes Arbeiten auf älteren Rechnern erlaubt. Die Möglichkeit der Einschränkung auf das Wesentliche bietet Mac-OS X leider nicht. Mehr noch, mit Version 10.4 Tiger integrierten die Entwickler aus Cupertino Dashboard und Spotlight ins System. Beides sind nützliche Funktionen - aber leider auch sehr speicherhungrige. Die Deaktivierung ist nicht vorgesehen, weshalb alte Rechner mit 256 oder 512 MB Arbeitsspeicher deutlich langsamer als unter Mac-OS X 10.3 laufen. Natürlich kann man einfach einen schnelleren Mac kaufen, nicht jeder Macianer kann oder will sich das leisten. Auch Mac-OS X 10.5 wird voraussichtlich nicht sparsamer mit Ressourcen umgehen.

Entwickler-Raubbau

Dashboard: wer hat’s erfunden?
Dashboard: wer hat’s erfunden?
Damit aktuelle Versionen von Mac-OS X attraktiver werden, baut Apple oft neue Funktionen ein, die von Shareware bekannt sind. Dashboard erinnert sehr stark an das Widget-System Konfabulator, Spotlight an die Launchbar von Objective Development, Sherlock 3 an die Suchmaschine Watson. Für die jeweiligen Entwickler bedeutete diese Integration ins System aber oft empfindliche geschäftliche Einbußen. Mac-Anwender schätzen neue Funktionen, solange sie ihren Rechner nicht wesentlich ausbremsen, für die Entwickler von Mac-Software ist die Strategie der Übernahme von beliebten Funktionalitäten aber langfristig eine empfindliche Schädigung.

iSync

iSync: Nicht für alle Handys tauglich
iSync: Nicht für alle Handys tauglich
Im Jahr 2002 kündigte Apple-CEO Steve Jobs iSync als die neue, bahnbrechende Synchronisationsschnittstelle an. PDAs und Handys sollten sich problemlos mit dem Adressbuch oder dem damals ebenso neuen iCal synchronisieren lassen. Schade, dass sich Apple seither wenig um die Unterstützung neuer Handys und PDAs kümmert – das über Jahre hinweg entwickelte iPhone mag dies blockiert haben. Immerhin hat sich dadurch ein einträgliches Geschäft für Dritthersteller ergeben, wie etwa Nova Media, das mit Plug-ins für aktuelle Mobiltelefone aufwartet. Ein Windows-Anwender kommt hingegen wohl kaum auf die Idee, für den Datenabgleich mit seinem Handy ein zusätzliches Programm zu kaufen. Dabei werden Handys immer mehr zum PDA-Ersatz - auch für Anwender, die sich kein iPhone kaufen wollen.

iTunes und MP3-Player von Drittherstellern

Ein Klasse für sich. Etwas mehr Offenheit könnte dem System iTunes und iPod nicht schaden
Ein Klasse für sich. Etwas mehr Offenheit könnte dem System iTunes und iPod nicht schaden
iTunes, der iTunes Music Store und der iPod bilden ein fast schon hermetisches System. Man soll schließlich Songs bei Apple kaufen und auf einen iPod überspielen. Trotzdem wäre es besser, wenn man einfach einen Player von Creative oder Cowon mit iTunes verwenden könnte. Technisch wäre dies gar nicht so aufwendig. Auch ein einfaches Plug-in, wie das vom MP3-Playerhersteller Archos entwickelte iTunes-Plug-in würde ja bereits genügen. Was jedoch die Freigabe von im iTunes Store gekauften Songs auf den Abspielgeräten anderer Hersteller betrifft: Hier sieht Apple seine Hände durch die Musikindustrie gebunden.

Quicktime Pro

Quicktime Pro: Extraleistung gegen Extrakasse
Quicktime Pro: Extraleistung gegen Extrakasse
iTunes beherrscht die Vollbilddarstellung von Video und es gibt mehrere Dutzend an Tools und Skripts, die dem Quicktime Player eine bildschirmfüllende Darstellung von Videos erlauben. Dass man bei Nutzung des Quicktime Players aber immer noch aufgefordert wird, die Pro-Version von Quicktime zu kaufen, ist einfach nicht mehr zeitgemäß. Auf diese Weise erzwingt man geradezu zur Installation von Quicktime-Alternativen wie VLC oder Real Player auf. Auch bei der Windowsversion wirkt diese Einschränkung des Quicktime Players unverständlich.

Slot-in-Laufwerke

iMac: Wehe, das optische Laufwerk verschluckt die CD!
iMac: Wehe, das optische Laufwerk verschluckt die CD!
Seit Jahren verbaut Apple bei iMacs und Notebooks Slot-In-Laufwerke. Diese haben eigentlich nur einen Vorteil: Sie sehen schicker aus. Im Unterschied zu den üblichen Modellen mit Schublade muss man aber bei neuen Modellen auf einen Notauswurf verzichten und die sensiblere Mechanik macht immer wieder Ärger. Einige Anwender mussten ihr Gerät schon wegen einer stecken gebliebenen CD zum Apple-Händler bringen. In den Einstiegsmodellen von Mac Mini und Macbook statt DVD-Brennern nur Combolaufwerke zu verbauen, ist falsche Sparsamkeit.

Teure Upgrades seit Mac-OS X 10.0

Mac-OS X: Nur das Upgrade auf Puma (Version 10.1) war praktisch kostenlos.
Mac-OS X: Nur das Upgrade auf Puma (Version 10.1) war praktisch kostenlos.
Für einen Mac muss man mehr zahlen als für einen PC, das ist im Prinzip in Ordnung, ein Macbook ist eben kein Aldi-Laptop. Die Upgradepreise für das Betriebssystem Mac-OS X sind aber auf lange Sicht recht teuer. Natürlich will Apple mit seiner Software Geld verdienen. Rechnet man aber zusammen, wie viel Geld jemand zahlen musste, der sich die Betriebssysteme Mac-OS X 10.0/10.1, 10.2, 10.3, 10.4 gekauft hat, und Mac-OS X 10.5 kaufen wird, kommt man doch ins Grübeln. Dagegen ist Vista seit 2001 das erste kostenpflichtige Windows-Update.

Kein Mac-OS 9 auf Intel-Macs

Totgesagte würden gerne länger leben...
Totgesagte würden gerne länger leben...
Auf aktuellen Intel-Rechnern kann Mac-OS 9 nicht mehr genutzt werden. Für die meisten Privatanwender ist der Tod von Mac-OS 9 kein Problem. Trotzdem ist es schade, dass Apple keine Softwareemulation für Mac-OS 9 bereitstellt. Schließlich hat doch manch Anwender noch Daten in einem Format vorliegen, für das es nur Mac-OS-9-Software gibt. So meldet sich immer wieder ein Anwender mit Claris-Draw-Dateien, der seine alten Dokumente nicht mehr nutzen kann. Auch ein Dokument im Format Nisus Writer, Pagemaker oder Framemaker kann nicht ohne weiteres von einem aktuellen Programm geöffnet werden. Es gibt natürlich Konverter für die wichtigsten Formate, fast immer geht aber doch die eine oder andere Information verloren - und seien es nur Details wie das Fußnotenverzeichnis. Dagegen laufen auf Windows-PCs auch alte DOS-Programme.

Probleme beim Upgrade

Grafikkarten: Es fehlt an Auswahl
Grafikkarten: Es fehlt an Auswahl
Ersatzteile für den Mac sind teure Mangelware. Will man seinen Mac Mini oder sein altes Powerbook um eine interne WLAN-Karte erweitern, stellt man schnell fest, dass es keine Lösung im Apple Store dafür gibt. Auch die Besitzer eines Power Mac G5, die eine neue Grafikkarte benötigen, haben wenig Auswahl. Während es etwa für einen Windows-PC mehrere hundert verschiedene Grafikkarten gibt, bekommt man für einen Power Mac oder Mac Pro genau sechs verschiedene Modelle - von denen beim renommierten Händler Cyberport bei Redaktionsschluss sogar nur eine einzige lieferbar war. Auch der Apple Store hat nur zwei Grafikkarten im Programm.

Fazit

Apple kümmert sich viel zu oft nur um seine Geschäftszahlen und hat mit manchen Entscheidungen seine Nutzer verärgert. Auch in guten Zeiten sollte das Unternehmen aber nicht seine treuen Altkunden vergessen. Schließlich profitiert Apple langfristig nicht nur von möglichst vielen Neukunden sondern auch von Kunden, die über Jahre hinweg der Plattform treu blieben. Schließlich sind es diese Kunden, die Mac-Rechner weiter empfehlen.

Dossier: Don’t be evil, Google!

Kritik an Suchmaschine nimmt zu

„Don’t be evil“ – sei nicht böse – ist das Unternehmensmotto von Google. Der Quasi-Monopolist im Suchmaschinenmarkt gerät nicht zuletzt wegen dieser hehren Versprechung zunehmend in die Kritik - nicht nur Konkurrenten hegen Zweifel an Googles Absichten.

Von Peter Müller (08.03.2007)

In der Kritik der Konkurrenz: Googles Suche in Büchern
In der Kritik der Konkurrenz: Googles Suche in Büchern
Seit Google Bücher digitalisiert und über seine Suchmaschine die Inhalte zugänglich macht, kritisieren Rechteinhaber diese Praxis. Während Google seine Book Search mit der Begründung verteidigt, Reichweite, Bekanntheit und damit Umsätze von Autoren und Verlagen zu steigern, greift nun der Konkurrent Microsoft den Branchenführer frontal an. Der Konzern aus Redmond achte mit seiner „Live Search Books“ die Urheberrechte, Google kümmere sich nicht darum, wettert laut Wall Street Journal der stellvertretende Generaljustiziar des Softwareriesen Thomas Rubin. Rubin geht sogar so weit, in einer Rede vor der Association of American Publishers (AAP) dem Unternehmen aus Mountain View die Unterstützung von Piraterie vorzuwerfen. Aktiv hätten Google-Mitarbeiter an AdWord-Kampagnen mitgearbeitet, welche die Anbieter von Pirateriesoftware populär machten. Google habe mit den Kampagnen bis zu 800.000 US-Dollar eingenommen. Eine interessante Parallele zum Streit von Urheberrechteinhabern mit der mittlerweile geschlossenen Tauschbörse Grokster zieht der Rechtsanwalt Paul Lesko der Kanzlei SimmonsCooper LLC in St. Louis. Rubin habe vor der AAP bewusst von einer „Anstiftung zur Rechtsverletzung“ gesprochen. Der Terminus sei aus dem Patentrecht entlehnt und im Falle des Urheberrechts erstmals gegen Grokster verwendet und zur Urteilsbegründung gegen das Peer-to-peer-Netz herangezogen worden. Bereitet Redmond etwa eine Klage gegen Google vor?

Urheberrecht steht Geschäftsmodell im Weg

Google News: Urheber drängen auf Lizenzen
Google News: Urheber drängen auf Lizenzen
An der Urheberrechtsfront hat Google zuletzt im Februar eine empfindliche Niederlage erlitten. In zweiter Instanz verurteilten belgische Richter Googles Praxis, Zeitungsartikel in seiner Nachrichtenrubrik zu veröffentlichen, als Verstoß gegen die Autorenrechte. Geklagt hatte das Unternehmen Copiepress, das deutsch- und französischsprachige Zeitungen wie „Le Soir“ aus Belgien oder das „Grenzecho“ aus Eupen vertritt. Google will auch das zweite Urteil anfechten, bei Zuwiderhandlungen droht eine Strafe von 25.000 Euro täglich. Eine mögliche Folge, falls Google nicht doch Recht bekommt: Das Sammeln von Google News kommt die Suchmaschine teuer zu stehen, Lizenzgebühren könnten das Geschäftsmodell stark verändern. Copiepress will seine Rechtsansprüche auch in anderen europäischen Ländern durchsetzen, zeigt sich aber verhandlungsbereit und wäre Lizenzzahlungen nicht abgeneigt. Gewarnt sein sollten auch Microsofts Suchdienst MSN und Yahoo, die mit ähnlichen Services aufwarten.

Filtern oder bezahlen?

YouTube: Nicht nur selbst gedrehtes – Medienkonzerne sind skeptisch
YouTube: Nicht nur selbst gedrehtes – Medienkonzerne sind skeptisch
Für Google könnten sich die Zeiten, in denen die Suchmaschine den Zugang zu digitalen Inhalte aller Art kostenfrei ermöglicht, bald dem Ende entgegen neigen. Ärger beschert dem Unternehmen vor allem die populäre Videosharing-Site You Tube, die Google im Oktober 2006 für 1,65 Milliarden US-Dollar übernommen hat. Die Medienindustrie stößt sich daran, dass You-Tube-Nutzer nicht nur selbst gedrehte Filmchen ins Netz stellen und diese gegenseitig bewerten, sondern immer mehr urheberrechtliches Material auf den Servern von You Tube landet. Der Medienkonzern Viacom hat im Februar Google dazu aufgefordert, 100.000 Clips aus dem You-Tube-Angebot zu entfernen, die Nutzer aus den Programmen von VH-1, MTV, Nickelodeon oder Comedy Central entnommen haben. Dass urheberrechtlich geschütztes Material gar nicht erst auf You Tube auftaucht, sollten Copyright-Filter gewährleisten. Den versprochenen Termin Ende 2006 konnte Google / You Tube nicht einhalten. Das Thema steht laut Google-CEO und Apple-Aufsichtsrat Eric Schmidt aber ganz oben auf der Agenda, lange würden die Filter nicht mehr auf sich warten lassen, versicherte Schmidt gegenüber der Nachrichtenagentur Reuters. Google steht dabei vor enormen technischen und administrativen Herausforderungen. Nicht zuletzt seien die Rechteinhaber zur Mitarbeit aufgefordert, mit den neuen Techniken ihre geschützten Inhalte zu identifizieren, damit diese von den Servern gelöscht werden. Neben wirkungsvollen Filtering stünde Google theoretisch eine Alternative bereit: Lizenzgebühren an die Rechteinhaber zu entrichten. Doch diese Option besteht zumindest im Falle Viacom nicht mehr. Der Medienriese will lieber mit dem Start-Up Joost bei der Verbreitung digitaler Inhalte kooperieren und Musikvideos, Fernsehserien und Comedy-Shows zum Download anbieten. "Wir sind daran interessiert, unsere Inhalte über so viele Plattformen wie möglich zu vertreiben - vorausgesetzt wir können in einer sicheren Umgebung agieren", sagte Viacom-Manager Philippe Dauman Ende Februar dem Wall Street Journal. Google ist dem Manager anscheinend suspekt, trotz – oder wegen – des Slogans „Don’t be evil“.

Google Earth: Aus dem All genau beobachtet

Google findet in China nicht alles, weil der Zensor es so will
Google findet in China nicht alles, weil der Zensor es so will
Kritik an Google war laut geworden, als das Unternehmen in China eine Suchmaschine startete und sie der staatlichen Zensur des Reiches der Mitte unterstellte. Auch die Mitbewerber blenden Suchergebnisse nach der vom Staat verbotenen Falun-Gong-Bewegung oder nach dem Massaker auf dem Tiananmenplatz aus, bei Google fällt jedoch der Widerspruch zum Firmenmotto auf, wenn sich die Suchmaschine übler staatlicher Machenschaften unterwirft. Als Quasimonopolist bekommt Google auch schlechte Presse, wenn es militärische Anlagen in seinem Satellitenbilddienst Google Earth ausblendet, wie zuletzt in Indien geschehen. Ob diese Praxis wirklich „evil“ ist, lässt sich diskutieren.

Der gläserne Bürger: Werner S. aus E. parkt seinen Karmann Ghia vor dem Haus. (Namen geändert)
Der gläserne Bürger: Werner S. aus E. parkt seinen Karmann Ghia vor dem Haus. (Namen geändert)
Wie detailgenau Google Earth Bilder vieler Landschaften, Städte und Häuser bereitstellt, ist einerseits faszinierend. Mehr muss aber verwundern, dass bisher nur Militärs Bedenken ob der jedermann zugänglichen Spionagebilder aus dem All angemeldet haben. Dem gelben Karmann Ghia in der Bildmitte kann man schon beinahe in den Innenraum sehen, so nah zoomt die Weltraumkamera heran. Stattdessen stellen Anwender freiwillig allerlei Daten dem Suchmaschinengiganten zur Verfügung, mit den KML-Informationen (Keyhole Markup Language) ist es beispielsweise möglich, Suchen nach Namen oder Service-Anbietern mit deren räumlichen Koordinaten zu verknüpfen. Praktisch, wenn man den Weg zum nächsten Großformat-Printservice sucht oder Daten zur Routenplanung direkt an seinen BMW sendet, überflüssig, wenn man wissen will, wo die Kanzlerin wohnt und bedenklich, wenn man via Satellit Prominenten oder eigenen Bekannten auf die Terrasse oder in den Pool glotzen kann – alles nach nur wenigen Klicks auf der Google-Website.

Datensicherheit durch gesundes Misstrauen

Google Text und Tabellen: Liest wer die Bilanzen und Geschäftspost mit?
Google Text und Tabellen: Liest wer die Bilanzen und Geschäftspost mit?
Was Google mit all den erhobenen Daten anstellt, bleibt ein Rätsel. Details zum im Haus praktizierten Datenschutz nennt Google bisher keine, will Wikipedia wissen. Wohl nicht ohne Grund: Googles erfolgreiches Geschäftsmodell basiert auf dem Wissen über die Nutzer. Google AdWords und AdSense spielen kontextsensitive Werbung auf die Suchergebnisseite von Google oder vielen privaten und kommerziellen Sites im Web ein. Für den Anwender ist das einerseits erfreulich, nicht mit Bannern oder Textwerbung zu neuen Autos erschlagen zu werden, wenn er sich gerade über neue Computer informiert. Die mit AdSense erhobenen Daten, die Suchabfragen und die Schlagworte im eigenen Google-Mail-Postfach könnten aber dazu dienen, mehr über den Google-Nutzer in Erfahrung zu bringen, als er selbst von sich weiß. Gegen den biometrischen Personalausweis hagelt es Proteststürme, auch von Leuten, die bei Google und Co mehr Spuren und Merkmale von sich hinterlassen, als es ein Dokument wie der Personalausweis je fassen könnte. Mit „Docs and Spreadsheets“, respektive „Text und Tabellen“ greift Google einen Kernbereich von Microsoft an: Als kostenloses Web-Office und als kostenpflichtige Service-Leistung für Unternehmen bietet es den Nutzern umfangreiche und kollaborative Möglichkeiten zur Textverarbeitung und Tabellenkalkulation. Was für die private Nutzung als ein freundliches Angebot gelten kann, sollte IT-Administratoren in Unternehmen aber stutzig machen. Vertrauliche Geschäftsberichte und –Strategien legt nur der bei Google ab, der nichts mehr zu verlieren oder keinen ernsten Wettbewerber im Nacken hat.

Der faktisch fehlende Wettbewerb erhebt jetzt Google zum Hauptverdächtigen für alles Böse in der IT-Welt, während Microsoft schon fast wieder als „good guy“ gilt – und sich selbts entsprechend gegen das neue Feindbild positioniert. Aber selbst wenn Google mit seinen umfangreichen Datensammlungen Übles anstellen könnte, ist es wohl überzogen, Google des Betrugs an seinem eigenen Motto „Don’t be evil!“ zu bezichtigen. Gesunde Skepsis ist angebracht, will man nicht zum gläsernen Bürger werden. Aber die schiere Datenmasse verhindert, dass jedermann zum öffentlichen Objekt wird. Privatsphäre bleibt auch in Zeiten des Web 2.0 möglich.

Skandal um Aktienoptionen zeigt die Bedeutung von Jobs für Apple

Apple hängt von seinem CEO ab

Wie der Ärger um rückdatierte Aktienpptionen zeigt, kann es wohl keine schlechtere Nachricht für Apple geben, als wenn sich Apples CEO aus dem Unternehmen zurückzöge.

Von Stephan Wiesend (09.03.2007)

Apples Problem mit rückdatierten und nicht ordnungsgemäß verbuchten Aktienoptionen zeigt, wie sensibel die Börse auf negative Schlagzeilen reagiert, die Steve Jobs betreffen.

Großen Ärger bekamen in den letzten Monaten fast 200 Unternehmen aus der Technologiebrache. Sie hatten Angestellten Optionen ausgestellt, das Datum aber zurückdatiert.

Mit einem Optionsschein erhält der Käufer das Recht, eine Aktie zu einem bestimmten Kurs zu kaufen. Steigt der Kurs der Aktie, gewinnt man den Betrag, um den die Aktie gestiegen ist. Bei den Fällen mit zurückdatierten Aktien erhielt der erfolgreiche Manager eine Aktienoption nicht zum Tageskurs, sondern zu einem Datum, an dem die Aktie niedriger stand. Im einem beim Hersteller von Securitysoftware McAfee dokumentierten Fall machte etwa ein einziger Tag einen Unterschied von über 700 000 US-Dollar aus.

Der Finanzwelt fern stehenden Menschen klingt diese Methode anrüchig, ist sie rechtlich aber nicht. Die Unternehmen hatten allerdings die Ausgabe zurückdatierter Aktien nicht offen gelegt und nicht in der Bilanz ausgewiesen. Durch die Zurückdatierung werden jedoch die Anteilseigner des Unternehmens getäuscht und auch finanziell geschädigt - ein Fall für die US-Börsenaufsicht SEC. Problematisch ist etwa, dass das Risikoelement an dieser Bezahlung nur vorgetäuscht wird, wodurch die Kosten der Optionen weiter verschleiert werden. So ist der Wert eines Optionsscheines von verschiedenen Faktoren abhängig und entspricht je nach Zeitwert etwa dem Drittel einer Aktie.

Aktienoptionen als Zahlungsmittel

Optionen sind in einem Aktienunternehmen ein wichtiges Mittel für die Motivation von Mitarbeitern und die Bindung an das Unternehmen.

Zuständig für die Bearbeitung dieser Unregelmäßigkeiten ist die bekannte Bundesbehörde Securities and Exchange Commission (SEC), die in den USA den Wertpapierhandel überwacht und im Interesse der Aktionäre streng auf die ausreichende Information durch die Unternehmensführung achtet.

Dass neben Apple auch zahlreiche andere Firmen der inkorrekten Buchung von Aktienoptionen beschuldigt sind, ist keine Entschuldigung für den Mac-Machersteller. Apple ist jedoch nicht allein mit seinem Bilanzierungsproblem: Jüngst musste auch der Blackberry-Hersteller RIM Unregelmäßigkeiten zugeben und seine Bilanzen berichtigen.

Die SEC untersucht im Zusammenhang mit Optionen an Apple-CEO Steve Jobs konkret einen Vorfall aus dem Dezember 2001. Apples CEO bekam 7,5 Millionen Aktienoptionen zum Kurs mit dem Stichtag 18. Oktober übertragen – fünf Tage vor der iPod-Premiere. Apples Rechtsabteilung dokumentierte nachträglich eine fiktive Konferenz vom 19. Oktober, auf der der Aufsichtsrat die Optionen gewährt haben soll: Eine klare Fälschung. Die Rückdatierung der im Dezember gewährten Optionen auf ein Datum im Oktober erhöhte deren Wert um 15 Prozent.

Profit gemacht oder Zeitpunkt verpasst?

Steve Jobs hätte die Aktienoptionen sofort im Dezember einlösen können, wie er in einer Pflichteingabe der Form Q4 im Frühjahr 2003 der SEC berichtete. In der Regel lassen sich Aktienoptionen erst nach mindestens einem Jahr zu Geld machen, Steve Jobs hätte auf einen Schlag mehr als fünf Millionen US-Dollar durch die Rückdatierung erlösen können, wie CNN Money vorrechnet. Jobs verzichtete jedoch auf den warmen Geldregen und spekulierte auf weitere Zugewinne, nach einer Gewinnwarnung im Juni 2002 fiel der Kurs jedoch stark. Seine mittlerweile wertlosen Aktienoptionen ließ sich Jobs im März 2003 vom Apple-Aufsichtsrat in Vorzugsaktien wandeln.

Zwei Ex-Manager tragen die Verantwortung

Potentiell sind Vorwürfe, sich an rückdatierten Aktienoptionen bereichert zu haben, für Steve Jobs gefährlich, so haben Comverse, McAfee oder KB Home wegen ähnlicher Vorwürfe ihre CEOs entlassen, Klagen gegen Apple sind mehrere anhängig.

Eine interne Untersuchung Apples, die Ende Dezember ihre Ergebnisse vorlegte, schien die Angelegenheit aber zu erledigen – nicht jedoch für die SEC. Die Untersuchung hatte nebenbei auch die Abgabe des dritten Quartalsberichts verzögert, was Apple einigen Ärger mit der Börse Nasdaq einbrachte. Die Untersuchung kam zum Schluss, dass sich zwei ehemalige Manager Fehlverhalten vorwerfen müssen, jedoch keiner der aktuellen Top-Manager. Offiziell wurden die Namen nie genannt, doch Apples ehemaliger Finanzchef Fred Anderson legte während der Untersuchungen sein Amt nieder, schon zuvor war Apples Rechtsvorstand Nancy Heinen aus dem Amt ausgeschieden. Heinens Namen wird insbesondere im Zusammenhang mit gefälschten Unterlagen über das fiktive Board-Meeting vom Oktober genannt. Immerhin acht Jahre war Fred Anderson als CFO für die Finanzangelegenheiten von Apple zuständig, Juni 2004 hatte er seine Stelle an Peter Oppenheimer übergeben und einen Sitz im Aufsichtsrat übernommen. In seiner Amtszeit als CFO hat Apple alle fraglichen Aktienoptionen vergeben, die der Mac-Hersteller erstmals Ende Juni 2006 einräumte.

In einer Stellungnahme zum Abschlussbericht der Untersuchungskommission bat Apple-CEO Steve Jobs Aktionäre und Angestellte Apples für die entstandenen Probleme. Diese seinen "komplett untypisch für Apple". Die ausstehenden Maßnahmen werde man so schnell als möglich ergreifen und wolle Vorsorge tragen, dass " so etwas nie wieder passiert." Jobs räumte zudem ein, von den Rückdatierungen gewusst, aber nicht davon profitiert zu haben. Dass die anrüchige aber nicht illegale Praxis Auswirkungen auf die Bilanzen habe, sei ihm nicht bewusst gewesen.

Weitere Unregelmäßigkeiten

Apples Abschlussbericht, der Steve Jobs aus der Schusslinie nahm, sorgte gleich für einen positiven Effekt an der Börse. Die Aktie von Apple stieg sofort um 5 Dollar.

In der Zwischenzeit sind weitere Unregelmäßigkeiten ruchbar geworden. Im Februar geriet sogar Pixar unter Beschuss. Auch hier zeigt sich, dass bei einer erfolgreichen Kursentwicklung die Rückdatierung von Aktien ein gutes Geschäft ist. So soll Steve Jobs persönlich März 2001 ein Paket an Aktienoptionen genehmigt haben, das dem Pixar-Regisseuer John Lasseter den Kauf von einer Million Aktien zum Stand von Dezember 2000 ermöglichte. Der zwischen Dezember und März gestiegnen Kurs von Pixar warf einen Gewinn von 6,4 Millionen US-Dollar ab: Der hinter den erfolgreichsten Filmen Pixars stehende Lasseter sollte an Pixar gebunden werden, was offenbar auch gelang.

Obwohl Pixar nichts mit Apple zu tun hat, nur mit Steve Jobs, genügte diese Nachricht, um den Aktienkurs von Apple um drei Prozent fallen zu lassen. Ganz nach dem Motto: hat Steve Jobs einen Husten, bekommt Apple Lungenentzündung.

Die bei Pixar und Apple ausgegebenen zurückdatierten Optionen gingen nur an Angestellte. Steve Jobs selbst hat von Aktienoptionen bisher nicht profitiert - ganz im Gegenteil. Wie Geoff Colvin von Fortune vor einigen Tagen berichtete, hatte Steve Jobs 2001 sehr entrüstet auf eine Fortune-Artikel von 2001 reagiert. Laut dem Artikel hatte Jobs Optionen im Wert von 872 Millionen US-Dollar erhalten (nach Schätzung von Fortune), den größten Anteil an Aktien-Optionen, die je zuvor ein Unternehmer erhalten hatte. Das sei völlig falsch, so Steve Jobs zu Fortune. Aktuell seien die Optionen völlig wertlos und er bot sie sogar der Redaktion zum halben Preis an (was Fortune mangels 436 Millionen US-Dollar jedoch ablehnen musste). Jobs’ gegen die Optionen eingetauschten Vorzugsaktien sollen heute etwa eine Millarde US-Dollar wert. Die hergegebenen Optionen wären dagegen nun 3,5 Milliarden US-Dollar wert. Jobs hätte nur, wie Colvin meint, etwas mehr Vertrauen in die Entwicklung von Apple haben müssen. Man muss allerdings einigen Kommentatoren zustimmen, dass fehlender Profit keine Entschuldigung für unkorrektes Verhalten ist.

Der schlechte Lohn des Apple-CEO

Die Bezahlung von Steve Jobs bei Apple war aber schon immer etwas ungewöhnlich und ist für Außenstehende nicht gerade transparent. Aktuell bezieht der mehrfache Milliardär immer noch ein Gehalt von einem US-Dollar pro Jahr, was ihm den Ruf des schlechtbezahltesten CEO aller Zeiten eintrug. Laut FAZ bezog Steve Jobs auch bei Pixar nur ein Gehalt von einem Dollar - pro Woche. Neben Optionen und Aktien erhielt er aber auch einige Sonderleistungen – etwa im Januar 2000 neben einem Optionspaket die Nutzungsrechte an einen Gulfstream V-Privatjet, der 80 Millionen US-Dollar wert ist – alle laufenden Kosten trägt Apple. 1996 kaufte Apple für 400 Millionen US-Dollar Steve Jobs Unternehmen NeXT auf, ein Unternehmen, dessen Betriebssystem NeXT Step die Grundlage für Mac-OS X bildete.

Auch den Verkauf von Pixar an Disney ließ sich Steve Jobs nicht in Bargeld auszahlen. Stattdessen wurde der Apple CEO mit einem Aktienpaket von Disney bezahlt - seitdem ist Apple mit fünf Prozent Anteil größter Aktionär von Disney. Nach der Schätzung von Forbes soll Jobs ein Vermögen von 4,4 Millarden Dollar besitzen - vor allem dank Disney-Aktien.

Offensichtlich ist bei der Vergabe von Aktienoptionen einiges unkorrekt gelaufen, bei Apple und bei vielen anderen Unternehmen der Technologiebranche. Steve Jobs ist nach wie vor Apples wichtigster Mitarbeiter. Die Financial Times sieht in dieser großen Bedeutung von Jobs sogar eine Gefahr für Apple. Alles konzentriert sich auf Apple und bisher scheint es auch keinen dezidierten Nachfolger für den Firmengründer zu geben. In Anbetracht des oft kolportierten Führungsstils von Steve Jobs wäre dies aber wohl auch kaum vorstellbar. Zwei Führungspersönlichkeiten mit dem Charakter eines Steve Jobs wären für Apple wohl eher eine Belastung als ein Gewinn. Dass man sich dagegen auch auf einen über langen Jahren als Nachfolger aufgebauten Manager verlassen kann, musste unlängst Michael Dell einsehen, der nach Misserfolgen seine Nachfolger Rollins wieder die Führung von Dell übernahm.

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