Schuhe: Nike bietet mittlerweile eine große Auswahl von Schuhen mit Aussparung für den Sender an.

Test: Nike+ iPod Sport Kit

Mit Musik läuft es sich leichter

In Zusammenarbeit mit Nike will Apple das Sportwesen revolutionieren, das aus Sender für den Turnschuh und Empfänger für den iPod Nano bestehende Nike+ iPod Sport Kit kann die Erwartungen aber nur teilweise erfüllen.

Von Peter Müller (18.05.2007)

Das Nike+ iPod Sport Kit in Macwelt-TV: Klick auf das Bild startet den Film
Wer sich auf einen Marathon vorbereitet, muss genaue Trainingspläne befolgen, die Strecke, Tempo und Frequenz der Läufe vorgeben. Das Nike+ iPod Sport Kit will die Fron erleichtern, indem es die gelaufene Strecke, die Geschwindigkeit und den Kalorienverbrauch mitprotokolliert und mit Hilfe der Website Nikeplus.com die Trainingsfortschritte dokumentiert. Der Sensor, der in eine Aussparung im linken Schuh der aktuellen Nike+-Modelle passt, misst die Beschleunigung bei jedem Schritt, zählt die Schritte und berechnet so die zurückgelegte Wegstrecke.

Ungenau: In der Laufübersicht stehen die Balkenhöhen für die Längen der einzelnen Trainingsläufe. Je schneller wir jedoch laufen, desto kürzer ist die gemessene Strecke.
Ungenau: In der Laufübersicht stehen die Balkenhöhen für die Längen der einzelnen Trainingsläufe. Je schneller wir jedoch laufen, desto kürzer ist die gemessene Strecke.
Die Genauigkeit des Systems lässt jedoch zu wünschen übrig. Sind wir zunächst davon begeistert, dass sich das System nicht nur einfach in Betrieb nehmen lässt – Sensor in die Schuhe, Empfänger in den Dock-Connector, über das neue Menü „Nike+ iPod“ das Trainingsprogramm auf dem iPod Nano gestartet – sondern auch die via Google Earth vermessene Laufstrecke mit einem gerade einmal zweiprozentigen Fehler misst, kehrt schon bei der zweiten Trainingseinheit Ernüchterung ein. Im einem besseren Zustand laufen wir unsere laut Google Earth 3.138 Meter zwei Minuten schneller als am Vortag, statt 3,2 Kilometer Wegstrecke gibt der Sensor als Ergebnis aber nur 2,9 Kilometer aus. Wie wir später verifizieren, misst der Sensor eine umso kürzere Strecke, je schneller wir laufen.

Alternative: Switcheasy hat den Adapter Runaway herausgebracht, der Schuhwerk von Nike verzichtbar werden lässt.
Alternative: Switcheasy hat den Adapter Runaway herausgebracht, der Schuhwerk von Nike verzichtbar werden lässt.
An der Anbringung des Nike+-Senders mit Hife des gerade einmal acht Euro teuren Adapters "Run Away“ (Switch Easy) an den Schnürsenkeln unserer eingelaufenen Schuhe anstatt in der Sohle des etwa 100 Euro teuren Nike+-Laufschuhs hat es nicht gelegen.

Die Strecke ist relativ

Kalibrieren: Wir wollen es genau wissen, wie lange unsere Laufstrecke ist. Das Kalibrieren des Sensors führt leider zu keinem genaueren Ergebnis.
Kalibrieren: Wir wollen es genau wissen, wie lange unsere Laufstrecke ist. Das Kalibrieren des Sensors führt leider zu keinem genaueren Ergebnis.

Den Verdacht bestätigt uns unser zweiter Versuch. Erneut messen wir über Google Earth eine Strecke aus, um den Sensor zu kalibrieren. Ein Teilstück unserer Laufstrecke weist Google Earth als 631 Meter lang aus, für die Kalibrierung können wir eine Strecke zwischen 400 und 2.000 Metern in 50-Meter-Schritten eingeben.

Schuhe: Nike bietet mittlerweile eine große Auswahl von Schuhen mit Aussparung für den Sender an.
Schuhe: Nike bietet mittlerweile eine große Auswahl von Schuhen mit Aussparung für den Sender an.
Zunächst laufen wir die Runde in mäßigem Tempo und gehen sie danach in normalem Tempo, das Programm im iPod Nano sollte so aus den Sensordaten Rückschlüsse auf unsere Schrittlänge in Abhängigkeit des Tempos ziehen. Die Probe auf’s Exempel erfolgt mit einem Sprint über eine 450 Meter lange Strecke, die sich beim gemütlichen Trab wieder auf 500 Meter dehnt. Dass die Kalibrierung eher für die Katz war, stellen wir am nächsten Morgen fest, als sich bei einem mittleren Tempo die 3.138-Meter-Strecke plötzlich auf 3,51 Kilometer dehnt. Wer es also genau wissen will, sollte besser mit einem GPS-Gerät wie dem 200 Euro teuren Garmin GPS Forerunner 301 arbeiten, um seine Streckenlänge und über die Zeit auch die Durchschnittsgeschwindigkeit des Trainingslaufs zu erfahren. Der hat auch einen Pulszähler integriert, was genauere Rückschlüsse auf den Kalorienverbrauch zulässt als der über Strecke, Tempo und Körpermasse errechnete Wert des Nike+ iPod Sport Kit.

Läufe protokollieren, Fortschritte kontrollieren

Grafik: Die Nike+-Website bereitet die Daten der Trainingsläufe hübsch auf. Hier gut zu erkennen der Zeitpunkt, zu dem wir den Powersong geladen haben und die Fummeleien mit dem gut verpackten iPod Nano am Ende der Strecke
Grafik: Die Nike+-Website bereitet die Daten der Trainingsläufe hübsch auf. Hier gut zu erkennen der Zeitpunkt, zu dem wir den Powersong geladen haben und die Fummeleien mit dem gut verpackten iPod Nano am Ende der Strecke
Bedeutend mehr Freude bereitet das von Apple und Nike entwickelte System jedoch, schließt man den iPod Nano nach dem Training an den Mac an. iTunes startet und überträgt nicht ohne Rückfrage die Daten an die Website Nikeplus.com, sofern man dort ein Konto angelegt hat. Die in Flash programmierte Site ist ansprechend gestaltet und gibt mit informativen Grafiken Einblick in die eigene Leistung. Eine Reihe von Zielen lassen sich zudem definieren, etwa, innerhalb eines Monats zehnmal im Schnitt unter sechs Minuten pro Kilometer zu bleiben, was uns wegen des schlecht kalibrierten Sensors ohne Weiteres gelingen sollte.

Strecke: Strecken Mit Hilfe von Google Maps lassen sich Strecken für die Allgemeinheit erstellen und die öffentlichen Laufwege anderer Teilnehmer finden.
Strecke: Strecken Mit Hilfe von Google Maps lassen sich Strecken für die Allgemeinheit erstellen und die öffentlichen Laufwege anderer Teilnehmer finden.
Kennt man die Benutzernamen anderer Nike+-Nutzer, die insgesamt weltweit in weniger als einem Jahr 20 Millionen Laufkilometer protokolliert haben, kann man diese zu Wettkämpfen herausfordern: Wer kann schneller, wer kann weiter, wer kann öfter, sind die Fragen, die das Nike+-System beantwortet. Mit dem integrierten Kartenservice Google Maps ist der Läufer in der Lage, bestimmte Strecken zu definieren, wie das Profil an sich kann er diese der Öffentlichkeit freigeben oder als privat definieren.

Gemeinschaft: Laufen macht im Wettbewerb mehr Freude. Die Nike+Community tritt in zahlreichen Wettbewerben untereinander an.
Gemeinschaft: Laufen macht im Wettbewerb mehr Freude. Die Nike+Community tritt in zahlreichen Wettbewerben untereinander an.
Nicht nur der Gruppendruck verleitet zu häufigeren, längeren und härteren Trainingsläufen. Allein das ansprechend aufbereitete Laufprotokoll, das unter anderem den Geschwindigkeitsverlauf bei den einzelnen Läufen zeigt, macht Lust auf mehr. Schön sind die Details: Lässt man während des Trainings mit einem längeren Druck auf die Mitteltaste des iPod Nano den zuvor festgelegten „Powersong“ (Wir haben uns für „The Monster is Loose“ von Meat Loaf entschieden, trotz oder gerade wegen der Tempowechsel im Mittelteil...), ist der Zeitpunkt des Anschubs im Graphen des Protokolls markiert. Unbestechlich zeigt die Software, ob die Lieblingsmusik tatsächlich zu einer Tempoverschärfung verholfen hat.

Weggesteckt

Motivation: Über unsere Ziele und den Stand der Dinge auf dem Weg dorthin gibt die Software anschauliche Auskunft.
Motivation: Über unsere Ziele und den Stand der Dinge auf dem Weg dorthin gibt die Software anschauliche Auskunft.
Während des Trainings müssen man den iPod Nano nicht aus der Hosentasche oder seinem Case ziehen, um aktuelle Daten zu erfragen. Drückt man die Mitteltaste, nennt dem Sportler eine recht natürlich klingende Stimme die bisher gelaufene Zeit, die zurückgelegte Wegstrecke und das aktuelle Tempo, während die Musik in den Hintergrund zurückfährt. Am Ende des Laufes nennt die Frau oder der Mann im Ohr die abschließenden Werte.

Verpackt: Das Nike+ Sport Armband lässt keinen Blick auf das Display zu, bietet aber perfekt Platz für den Empfänger.
Verpackt: Das Nike+ Sport Armband lässt keinen Blick auf das Display zu, bietet aber perfekt Platz für den Empfänger.
Der Blick auf das Display scheint also überflüssig, weswegen Nike mit dem Sportsarmband ein Zubehör nachgelegt hat, das den iPod Nano nicht nur wasser- sondern auch blickdicht verpackt. Das Armband hält dank des Klettverschlusses sicher am Arm, der iPod Nano passt genau inklusive Empfänger in die dafür vorgesehene Tasche. Die Bedienung ohne Blick auf das Display ist aber am Ende des Trainings nicht ohne Tücken.

Um korrekt abzuschließen, verlangt der Nano zunächst einen Druck auf die Menü-Taste, über das Scrollwheel muss man „Training beenden“ anwählen und anschließend bestätigen. Zumindest bei den ersten Gelegenheiten gelingt dies nicht im gewünschten Tempo, ein hässlicher scheinbarer Geschwindigkeitsabfall verunziert das Ende des Trainingsgraphen.

Fazit

Mit einem Preis von 30 Euro ist das Nike+ iPod Sport Kit eine attraktive Anregung für iPod-Nano-Besitzer, etwas für ihre Gesundheit zu tun. Ein teurer Schuh von Nike ist nicht notwendig, wenngleich der Sensor in der Sohle optimal verstaut ist. Der Run-Away-Adapter von Switch Easy ist eine echte Alternative für Fans von Adidas-, Puma, Asics-, Reebok- oder anderen Schuhen bekannter und weniger bekannter Marken. Die Wahl des Schuhwerks hat oft emotionale oder orthopädische Gründe, die zum bewussten Verzicht auf Nike-Produkte raten.

Rangliste: Über 22 Millionen Kilometer haben Nike+-Läufer mittlerweile protokolliert. Wir haben einen mehr als bescheidenen Beitrag bisher geleistet.
Rangliste: Über 22 Millionen Kilometer haben Nike+-Läufer mittlerweile protokolliert. Wir haben einen mehr als bescheidenen Beitrag bisher geleistet.
Das Sport-Armband von Nike ist denen zu empfehlen, die ihren Nano lieber am Arm statt in der Hosentasche tragen, um zu zeigen, was sie hier gerade treiben. Die Lösungen von Apple und anderen Drittherstellern zur Befestigung des Nano helfen hier nur bedingt weiter: Die Aussparung für den Empfänger fehlt. Warum es das Sport Kit nur für den Nano gibt? Ein Display ist unerlässlich, allein deshalb scheidet der Shuffle aus. Und der große iPod mit integrierter Festplatte ist für den Sport schlecht geeignet. Für das iPhone hingegen wäre eine Variante denkbar. Aber dann beim Laufen bitte nicht Telefonieren!

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