Energieverbrauch von Macs im Vergleich

Verbraucht das Apple-TV mehr Energie als ein Mac Pro?

Der Energieverbrauch eines Gerätes ist nicht nur für umweltbewusste Menschen ein Thema - schließlich belastet die unnötige Verschwendung von Strom neben der Umwelt, auch die Geldbörse.

Von Stephan Wiesend (15.05.2007)

Will man herausfinden, wie viel Strom der eigene Mac genau verbraucht, führt oft der erste Weg zum Elektro-Fachhandel, wo man recht preisgünstige Energiemessgeräte bekommt. Conrad bietet etwa für 25 Euro ein Gerät von Voltcraft an, das sich leicht bedienen lässt, aber eher für echte Großverbraucher wie Kühlschränke oder Waschmaschinen konzipiert ist. Nach Erfahrungen des Macwelt-Testlabors messen diese preiswerten Geräte besonders bei niedrigen Werten, wie sie etwa im Ruhezustand zu beobachten sind, nur ungenau. Die Macwelt greift deshalb bei ihren Messungen auf ein RMS-Wattmeter zu, das auch bei niedrigen Werten zuverlässige Messungen ermöglicht. Eine komplette Liste der Messwerte aller aktuellen Macs finden sie als Grafik im Rahmen dieses Artikels. Neben der Messung des Stromverbrauchs im ausgeschalteten Zustand ist hier auch der Stromverbrauch im Ruhezustand, bei geringer Systemlast und bei Volllast aufgeführt.

Leistungsaufnahmen von Macs im Ruhezustand, unter Vollast, mit Desktop und ausgeschaltet. Alle Werte in Watt.
Leistungsaufnahmen von Macs im Ruhezustand, unter Vollast, mit Desktop und ausgeschaltet. Alle Werte in Watt.
Vielen Anwendern ist nicht bekannt, dass ein Computer auch im ausgeschalteten Zustand Strom verbraucht. Das Netzteil eines ausgeschalteten Rechners ist nämlich nicht komplett vom Stromnetz getrennt. Auch nachdem man den Rechner heruntergefahren hat, zieht der Rechner weiter Strom. Bei aktuellen Modellen von Apple hält sich dieser Stromverbrauch noch im Rahmen, so zieht etwa ein Macbook 1,7 Watt, ein Mac Pro mit Dual-CPU etwa 3,5 Watt. Das entspricht pro Jahr etwa 15 bis 30 Kilowattstunden oder (bei einem Preis von 18 Cent pro Kilowattstunde) etwa 3 bis 7 Euro pro Jahr.

Stromsparer Ruhezustand

Im Ruhezustand verbrauchen die beiden Geräte etwa das Doppelte, ein aktuelles Macbook 2,4 Watt und ein Mac Pro etwa 8,3 Watt. Im Vergleich zum Energieverbrauch bei ruhendem Desktop, der Situation, wenn der Rechner eingeschaltet ist, aber keine CPU-lastigen Programme ausgeführt und bei Volllast ist dies erfreulich wenig. So konsumiert ein Macbook unter Volllast 45 Watt, ein Standard-Mac Pro mit vier Prozessorkernen bis zu 234 Watt. Den bisher größten von der Macwelt gemessenen Stromverbrauch erreicht aber der neue 8 x 3 GHz Mac Pro mit ATI Radeon X 1900XT. Bei voller Rechenleistung maß das von der Macwelt verwendete RMS-Wattmeter stolze 428 Watt. Aber auch bei ruhendem Desktop konsumierte der Mac Pro 267 Watt. Generell macht es Sinn, den Rechner in den Ruhezustand zu schicken, wenn man ihn nicht benötigt.

Alles andere als ein Stromsparer ist das neue Apple TV. Apples „iPod für das Wohnzimmer“ verbraucht im Ruhemodus ganze 18 Watt - zehn Watt mehr als ein ruhender Mac Pro.

Im Vergleich zu manchen Lampen ist der Verbrauch im ausgeschalteten oder im Ruhezustand natürlich gering. So kostet etwa die hübsche Stehlampe Kroby von Ikea nur 18,41 Euro, wird den Besitzer dank 150 Watt-Halogenlampe allerdings bei täglicher Nutzung etwa 30 Euro pro Jahr kosten. Entscheidender als der Ruheverbrauch ist wohl der Energieverbrauch bei der täglichen Nutzung.

Intel-CPU verbraucht weniger Energie

Energieverbrauch unter Volllast im Vergleich
Energieverbrauch unter Volllast im Vergleich
Grundsätzlich verbrauchen Macbook, Macbook Pro und Mac Mini dank Storm sparender Komponenten sowohl im Ruhezustand als bei der Nutzung wenig Energie. Motorolas G4-CPUs konnten zwar leistungsmäßig nicht mehr mithalten, beim Energieverbrauch waren sie aber unschlagbar. Auch unter Volllast konsumiert ein G4-Mini nur knapp 25 Watt- so viel wie eine schwache Glühbirne. Aber auch der iMac kann trotz integriertem Monitor recht gut mithalten. Den meisten Strom verbraucht das 24-Zoll-Modell, das sich bei Volllast bis zu 124 Watt genehmigt. Auffällig ist laut unseren Messdaten der Unterschied zwischen den alten iMac-Modellen mit G5-CPU und den aktuellen iMacs mit Intel-Chips. Während wir beim 20-Zoll iMac mit G5-CPU bereits bei ruhendem Desktop 99,1 Watt maßen, lag die Leistungsaufnahme des aktuellen 20-Zoll iMacs mit Core 2-CPU in diesem Betriebsmodus nur bei 75 Watt.

Der Energieverbrauch eines Macs hängt aber schließlich nicht nur vom Aufbau und den Komponenten sondern auch vom Einsatzzweck ab. So kam etwa der G4-Mac-Mini dank sparsamer CPU und lahmer Grafikkarte mit einem 85-Watt-Netzteil aus, während ein Mac Pro allein 300 Watt für die vier internen PCI-Express-Steckplätze bereitstellt - etwa um mit zwei Dual-Link-Grafikkarten zwei 30-Zoll-Displays zu betreiben. Aber nicht nur der Computer selbst verbraucht Strom, auch das angeschlossene Display muss mit Energie versorgt werden - und verbraucht ausgeschaltet und im Ruhezustand Strom.

Stromverbrauch von Bildschirmen

Versetzt man sie in den Ruhezustand, verbrauchen Apples Cinema Displays recht wenig Strom. Während des Ruhemodus benötigen sie laut Energy Star-Datenbank zwischen 0,8 (30-Zoll) und 1,6 Watt (23-Zoll).

Eingeschaltet liegt der Energieverbrauch beim 30-Zöller bei 84,4 Watt, beim 20-Zöller bei 36,1 Watt und beim 23-Zöller sind es 48 Watt. Will man Strom sparen, sollte man deshalb auf Bildschirmschoner zu verzichten und den Monitor in den Ruhezustand schicken. Bei Grafikern und Fotografen wird dieser Vorschlag jedoch auf wenig Gegenliebe stoßen: TFTs benötigen nämlich nach dem Einschalten einige Zeit, um ihre volle Leuchtstärke zu erreichen. Im Vergleich zu einem der alten 22-Zoll-Röhrendisplays ist aber sogar der 30-Zöller genügsam. Verbrauchten doch diese Modelle zwischen 100 und 140 Watt.

Drucker: Strom gespart, Tinte verbraucht

Auch Drucker verbrauchen Strom, vor allem bei Tintenstrahldruckern gibt es noch ein anderes Problem. Bei einigen Modellen wird bei jedem Einschalten automatisch ein Reinigungszyklus durchführen, der etwas Tinte verbraucht. Schaltet man den Drucker also jeden Tag ein und aus, etwa über eine Steckerleiste, spart man zwar Strom, verbraucht aber teure Tinte. Schlecht für den Drucker ist auch ein Ausschalten, wenn er gerade einen automatischen Reinigungsvorgang durchführt, der bei einigen Modellen in bestimmten Zeitabständen durchgeführt wird. Es macht deshalb Sinn, bereits beim Druckerkauf auf einen Drucker mit geringem Stromverbrauch zu achten. Besonders Modelle mit externem Netzteil sind keine gute Wahl, da sie in der Regel auch ausgeschaltet noch Strom verbrauchen - wie viele Geräte mit externem Netzteil.

Nach Tests der PC-Welt verbrauchen vor allem Geräte von Epson und Canon oft nur wenig Strom, negativ fielen dagegen die Modelle von HP und Lexmark auf. So nimmt etwa der Epson Stylus Photo RX640 annehmbare 2,8 Watt Leistung auf, während der HP Officejet 7210 18,8 Watt aus dem Energienetz zieht.

Fazit

Nachts sollte man seinen Mac ausschalten, das spart Geld und ist auch ökologisch sinnvoll. Es gibt zwar einige Wartungsroutinen, die Mac-OS X automatisch nachts startet, diese sind aber bei modernen Rechnern vernachlässigbar und rechtfertigen keine Energieverschwendung. Ganz sicher geht man aber erst, wenn man die Geräte mit einer Steckerleiste vom Stromnetz trennt. Besonders bei Power Macs und Mac Pros rentiert sich aber vor allem die häufige Nutzung des Ruhezustandes. Bildschirmschoner sind zwar hübsch, aber Energieverschwender.

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