
Workshop Detailtypographie
Keine wissenschaftliche Publikation kommt ohne Zitate, Fußnoten und Verzeichnisse aus. In populären Drucksachen wie Büchern oder Zeitschriften können solche Elemente durchaus dazu dienen, das Schriftbild aufzulockern.
Von Thomas Biedermann (22.08.2007)
Marginalien, Zitate, Quellennachweise, Fußnoten und Literaturverzeichnisse – in dieser Reihenfolge kann man sie aufzählen. Die „Additive“ der Printmedien, die frei hinzugefügt werden können oder zwingend vorgeschrieben sind. Sie verschönern eine Publikation, lockern sie sprachlich auf und erlauben eine weiterführende Beschäftigung mit ähnlichen Veröffentlichungen. Doch wie verwendet man sie? Sind sie frei gestaltbar? Oder aber gibt es Normen, nach denen sie in den Medien angewendet werden müssen? Diese Fragen wollen wir klären… .
Die Marginalie (siehe links) ist somit eine Anmerkung am Rand einer Publikation. Sie dient der Zusammenfassung oder einem Stichwort neben der Satzspalte. Öfters auch für Bildunterschriften oder Querverweise. Sie ist im Gegensatz zu den anderen aufgeführten typografischen „Zusätzen“ nicht nur frei gestaltbar, sondern auch normfrei. Manche Verlage gestalten für ihre Publikationen alternativ – entsprechend des Inhalts – zu wählende Raster, zu denen auch zwingend Marginal-spalten gehören können.
Auch das Zitat stammt aus dem Lateinischen, vom lateinischen „citare“, das „herbeirufen“ oder auch „anrufen, erwähnen, nennen“ bedeutet. Die stilistische Technik des Zitats wird „bei allen Autoren und Vortragenden von der Antike bis zu Gegenwart immer wieder herangezogen“ (Der Duden, Bd. 12 1993:9). In der Antike war das Zitat in erster Linie rhetorischer Schmuck. Das Mittelalter kannte auf Grund der schriftlichen Materialfülle fast keine Zitate. In der aufkommenden Neuzeit wurde es jedoch wieder als Stilmittel eingesetzt. Es kam nicht mehr so stark auf die Wiedergabe des genauen Wortlautes an, sondern das Zitat ging als so genannte sprichwörtliche Redensart in den allgemeinen Sprachgebrauch über – als „geflügeltes Wort“.
Kein Wunder also, dass das Zitat heutzutage eine Nähe zu Werbesprüchen hat. In den Medien werden Meldungen über Bankfusionen beispielsweise gerne als „Szenen einer Ehe“ beschrieben – was eigentlich der Titel eines Films von Ingmar Bergmann ist (Der Duden, Bd. 12 1993:14). Und auch Ghostwriter greifen gern zu einer Sammlung von Zitaten und Aphorismen, wenn sie eine Rede für einen Vorstandsvorsitzenden schreiben.
Rein rechtlich „darf nur zitiert werden, wenn die Quelle deutlich angegeben wird“, dies besagt Paragraf 63 des Urheberrechtsgesetz. Ohne Nennung einer Quelle handelt es sich um ein Plagiat.
Für die korrekte Darstellung eines Zitats in einem Text gibt es vier verschiedene gestalterische Möglichkeiten der Hervorhebung, die in sich geschachtelt sind:
1. Zitate werden in „An- und Abführungszeichen“ gesetzt.
2. Tritt der Fall auf, dass sich innerhalb eines Zitats ein weiteres Zitat oder eine wörtliche Rede befindet, greift man zu einfachen ‚An- und Abführungszeichen‘.
3. Wenn die wörtliche Rede in diesem Zitat ihrerseits ein Zitat enthält, werden französische »Guillemets« verwendet, die in Deutschland auch für die Hervorhebung zulässig sind.
4. Und wenn der ganz seltene Fall vorliegt, dass dieses zweite Zitat nochmals eine wörtliche Rede enthält? Dann muss man in letzter Konsequenz zu den ›einfachen Guillemets‹ greifen. Das dürfte aber auch das „Ende der Fahnenstange“ sein. Mehr sollte nicht vorkommen.
„Wenn die Genauigkeit oder Richtigkeit des Zitats vom Leser in Frage gezogen werden könnte, z.B. bei orthografischen … Fehler [sic] im Original“ (Standopp 1990:45), wird die kursive Anmerkung [sic] in eckigen Klammern verwendet.
Auslassungen in Zitaten werden … mit dem Auslassungszeichen, der Ellipse, gekennzeichnet. Verwendet der Autor des Zitats in demselben ebenfalls Auslassungszeichen, dann „muss zwischen den Ellipsen des zitierenden und den […] vom Autor verwendeten Punken durch Einführung eckiger Klammern … unterschieden werden“. (Standopp 1990: 46) In der Populärliteratur verwenden viele Autoren oder Verlage hierfür auch die runden Klammern.
Zitate sollen wortgetreu in den syntaktischen Zusammenhang des Textes eingebunden werden. Etwaige Ergänzungen am Anfang oder Endes des Zitats, um es im Notfall einzugliedern, werden in eckige oder runde Klammern [gesetzt]. „Jede Sprachbeugung ist [jedoch] vom [sic] Übel.“ (Standopp 1990:46)
Zitiert man in elektronischen Medien wie in E-Mails oder in entsprechenden Foren, so haben sich hier unterschiedliche Zitierweisen etabliert.
Das „Fullquoting“ ist eine Antwort auf eine elektronische Nachricht, die die Ausgangsmitteilung komplett enthält. Fügt der Antwortende seine Mitteilung oberhalb der kompletten Ausgangsmitteilung ein, so nennt man dies TOFU („Text Oben, Fullquote Unten“).
Diese Zitierweise wird aber von vielen Internet-Usern als schlechter Stil angesehen und abgelehnt. Sie ist auch nur in speziellen Situationen sinnvoll. Beispielsweise wenn man sich an eine Support-Hotline wendet, kann auf diese Weise der Verlauf des Problemlösungsversuchs dokumentiert werden.
Etabliert hat sich dagegen das Inline-Quoting, das in vielen Newsgroups und Webforen durch die Netiquette – Kunstwort aus englisch net (Netz) und etiquette (Etiquette) – vorgeschrieben wird. Bei diesem verschichteten Zitierstil nennt man nur einige wenige Sätze der Ausgangsmitteilung, kennzeichnet sie durch spezielle Einrückungszeichen – normalerweise „An-/Abführungszeichen“ oder >Größer-/Kleiner-Zeichen< – und antwortet darauf.
Im investigativen Journalismus werden Quellen geheim gehalten und nicht preisgegeben. Belletristik-Publikationen lassen gerne mal „Fünfe gerade“, was die Quellenangaben angeht. Wissenschaftliche Publikationen jedoch unterliegen der Pflicht, ihre Quellen angeben zu müssen. Dies belegt zum Einen den Umstand, dass der Autor Fremdes übernommen hat. Zum Anderen lässt es die Überprüfbarkeit seiner Aussagen durch den Leser zu. Dies hätte sich die Leserschaft vermutlich schon bei der Watergate-Affäre gewünscht.
Papier ist geduldig. Die Quellenangabe eines gedruckten Dokuments lässt sich problemlos und vollständig entnehmen – man schaut auf den ersten Seiten im Impressum nach. Das Internet jedoch wird vielfach als zu flüchtig und unstet für Quellenangaben von Zitaten angesehen. Manche Verlage lassen daher Zitate aus Internet-Quellen nicht zu oder weisen darauf hin, dass die Quellenangabe möglicherweise nicht mehr aktuell und nachzuvollziehen ist.
Bei gedruckten Publikationen unterscheidet man zwischen zwei unterschiedlichen Quellenangaben:
1. Amerikanische Zitierweise: „Im sog. amerikanischen Zitiersystem werden Literatur- und Quellennachweis als Kurztitel direkt in den Fließtext geschrieben“ :NachnameJahreszahl:Seite des Zitats. Das macht es kurz und bündig. Diese Nachweise stehen am Ende einer Publikation in dem Literaturverzeichnis.
2. Vollständige Zitierweise: Wird das vollständige Werk zitiert, geschieht dies meist nach folgenden Muster: Nach- und Vorname des Verfassers/vollständiger Titel der Quelle/evtl. Auflage/evtl. Reihe oder Serie/Erscheinungsort/Verlag und Erscheinungsjahr/Seite des Zitats. Diese Quellenangabe erfolgt dann in einer Fußnote.
Fußnoten sind im Fließtext durch eine Anmerkungsziffer am entsprechenden Wort, Satzteil oder Satz gekennzeichnet – eine hochgestellte Zahl, die die Fußnoten fortlaufend durchnummeriert.1
Es gibt bei umfangreichen Fußnoten vier verschiedene Gestaltungsmöglichkeiten:
1. Die Fußnote sitzt auf der gleichen Seite wie die gekennzeichnete Textstelle, am Fuß des Textes und durch eine kurze waagrechte Linie getrennt.
2. Befinden sich zu viele Fußnoten auf einer Seite oder sind diese zu lang und umbrechen auf die nächste Seite, dann folgen sie ebenfalls am Fuß des Textes der folgenden Seite, sind aber durch einen durchgezogenen waagrechten Strich in der Breite des Satzspiegels gekennzeichnet.
3. Fußnoten werden zu Endnoten, wenn die Erläuterungen nicht am Fuß des Textes stehen, sondern am Ende eines Kapitels. Dort sind alle Kapitel-Endnoten zusammen aufgeführt.
4. Manche Autoren führen ihre Endnoten auch alternativ am Ende der Publikation auf. Die Endnoten erhalten damit den Status eines eigenen Kapitels.
Vereinzelt kann man in Fußnoten auch bibliografische Abkürzungen finden.2
1 Fußnoten haben normalerweise eine kleinere Schriftgröße als der Fließtext, um sich von diesem abzuheben. Sie enthalten entweder Anmerkungen zu einer Stelle im Fließtext, einer Bildunterschrift oder einer Tabelle oder die vollständige Quellenangabe zu einem Zitat.
2 „ib.“ – lateinisch für „ebenda“ – und „ebd.“ werden benutzt, wenn man sich auf die Quellenangabe in der vorhergehenden Fußnote bezieht. „a.a.O“ – „am aufgeführten Ort“ – kann sich darüber hinaus auf Quellenangaben in früheren Fußnoten beziehen. „vgl.“ steht für vergleichende Hinweise, soll aber nicht vor Quellenangaben verwendet werden. „ders.“ – „derselbe“ – benennt den gleichen Autor, jedoch ein anderes Werk. Und „f.“ (Plural „ff.“) in direktem Anschluss an eine Seitenzahl bedeutet, dass auch die darauf folgende(n) Seite(n) einer Quellenangabe beachtet werden sollen.
Ein umfangreiches Literaturverzeichnis rundet eine Publikation ab und beendet sie. Es hat mehrere Funktionen. Zum Einen stellt es „den Nachweis aller […] [in einer Publikation] verwendeten Quellen dar“ (Duden-Taschenbuch, Bd. 21 1988:146). Zum Anderen ermöglicht es eine abgekürzte Zitierweise im Fließtext, wenn die Quellen vollständig im Literaturverzeichnis stehen.
Darüber hinaus muss der Autor nicht nur die in den Publikationen verwendeten Quellen erwähnen. Er kann auch zusätzliche Werke nennen, die er nicht zitiert hat, aber für hilfreich für die weitere Beschäftigung mit dem Thema hält. Sachbuchverlage listen gern einen ganzen Kanon auf, der weiterführende Literatur aus dem gleichen Themengebiet enthält. Größere Belletristikverlage tun dies, indem sie wichtige eigene Publikationen auflisten – die Verbindung zur Eigenwerbung liegt da nahe.
Grob unterscheiden muss der Autor im Literaturverzeichnis zwischen Büchern – mit Autor(en) oder Herausgeber(n) –, Sammelwerken, Zeitungen/Zeitschriften und Veröffentlichungen im Internet.
Wie Angaben zu Büchern zu setzen sind, haben wir schon beschrieben (siehe Abschnitt „Der Quellennachweis“, Punkt 2). Hat ein Buch nur Herausgeber und keine Autoren, dann nennt man diese, gefolgt von dem Kürzel „(Hrsg.)“. Einzelne Kapitel eines Autors in Sammelwerken nennt man mit Autorennamen und Kapitel, dem sich ein „in:“ und die kompletten Buchangaben anschließen. Genauso verfährt man mit Zeitschriften- und Zeitungsartikeln. Bei Quellen aus dem Internet gibt man üblicherweise die vollständige URL und das aktuelle Tagesdatum des Zugriffs an. Surft jemand sechs Monate später zu dieser URL und der Inhalt hat sich – erwartungsgemäß – geändert, liegt dies am Medium und nicht am Autor der Veröffentlichung. Bei Zitaten von amerikanischen Websites ist es sogar üblich, die entsprechende Person aus Urheberschutzgründen persönlich zu fragen, ob man das Zitat verwenden darf.
Die Materie ist komplex. Schließlich werden ganze Bücher darüber publiziert (siehe oben). Aber lassen Sie sich nicht entmutigen. Für professionelle Printproduktionen gibt es meist Lektoren, deren Beruf es ist, dieses Fachwissen mitzubringen und anzuwenden. Es ist aber dennoch hilfreich, wenn man es im Hinterkopf behält. Für Ihr nächstes Projekt können Sie dann die wichtigsten Stellen nachschlagen. Sie wissen ja, niemand ist unfehlbar, denn es gilt: „Errare humanum est!“ (Cicero)3.
3
www.lateinforum.de/thesauru/WdAntike/E/errarhum.htm, 02.07.07
Der Duden Bd. 5, 5. Auflage, Mannheim: Dudenverlag 1990
Der Duden Bd. 12, Mannheim: Dudenverlag 1993
Duden-Taschenbuch Bd. 21, 2. Auflage, Mannheim: Dudenverlag 1988
http://gonline.univie.ac.at/htdocs/site/browse.php?a=2113&arttyp=k, 01.07.07
http://www.lateinforum.de/thesauru/WdAntike/E/errarhum.htm, 02.07.07
Standop, Ewald, Die Form der wissenschaftlichen Arbeit, 13. Auflage, Heidelberg: Quelle & Meyer Verlag 1990
Turtschi, Ralf, Mediendesign, 2. Auflage, Zürich: Verlag Nigli 2000
Wiescher, Gert, Zeitschriften & Broschüren, München: Systhema Verlag 1990
ders., Blitzkurs Zeitschriftengestaltung, München: Systhema Verlag 1992
http://de.wikipedia.org/wiki/Additiv, 01.07.07
http://de.wikipedia.org/wiki/Zitieren_von_Internetquellen, 02.07.07
Weiterführende LiteraturDer Duden Bd. 1, 21. Auflage, Mannheim: Dudenverlag 1996
Forssman, Friedrich/de Jong, Ralf, Detailtypografie, 2. Auflage, Mainz: Verlag H. Schmidt 2004
Moser, Horst, Surprise Me, 2. Auflage, Mainz: Verlag H. Schmidt 2004
Puntsch, Eberhard, Das neue Zitaten-Handbuch, Augsburg: Weltbild Verlag 1994
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