
Farben nach Maß
Ein Foto sollte auf dem Display möglichst neutral erscheinen und auch im Ausdruck die gewünschten Farben zeigen. Dazu bedarf es des richtigen Umgangs mit den Farbeinstellungen des Geräts – Farbmanagement genannt. Wir zeigen hier für semiprofessionelle Anwender und engagierte Fotoamateure, was es zu beachten gibt.
Von Markus Schelhorn (24.09.2007)
Licht ist das wichtigste Stilmittel des Fotografen, seien es kühler Klinik-Look bei Neonschein oder warme, gefällige Portraits unter Nachmittagssonne. Doch nur hier ist erwünscht, dass Farben unter unterschiedlichen Lichtbedingungen unterschiedlich aussehen. Licht ist nicht die einzige Variable in der Kette von Aufnahme, Prüfung und Ausgabe eines Fotos. Denn die für die genannten Schritte verwendeten Geräte unterliegen teils starken Schwankungen in der Farbdarstellung. Ist ein Monitor falsch oder gar nicht profiliert, stellt er die Fotos nicht korrekt dar. Wenn man sich auf diese Darstellung verlässt, korrigiert man die Fotos falsch und druckt sie in der Vermutung aus, dass die Farben nun stimmen. Ist auch der Drucker nicht optimal eingestellt, wird man mit dem Ergebnis nicht zufrieden sein. Bevor man an der Qualität der Kameraausrüstung und/oder des Druckers zweifelt, sollte man die Farben, so gut es geht, kontrollieren, sprich ein Farbmanagement installieren. Für den professionellen Einsatz ist durchgehendes Farbmanagement unerlässlich, schon um hohe Kosten für Reklamationen bei farbfalschen Aufnahmen zu vermeiden. Professionelle Farbmanagement-Lösungen kosten jenseits der tausend Euro – zu teuer für engagierte Amateure oder gelegentliche Profi- Fotografen. Für gute und nahezu farbverbindliche Ergebnisse braucht es indes keine teure Farbmanagement- Systeme. Mit den Bordmitteln des Mac- OS erreicht man selbst für gehobene Bedürfnisse gute Resultate.
Für anspruchsvolle Fotografen ist der Arbeitsfarbraum wichtig. Er beschreibt den Umfang der Farbschattierungen sowie Helligkeitswerte. Diesen Farb-raum kann man sich mit dem Colorsync Dienstprogramm, zu finden im Ordner „Programme > Dienstprogramme“, ganz plastisch als dreidimensionales Modell ansehen und drehen. Hier lassen sich auch verschiedene Farbräume miteinander vergleichen.
Für Consumer-Kameras ist der sRGB-Farbraum Standard. Zwar bietet er einen vergleichsweise geringen Farbumfang, dafür haben sich die Hersteller von Geräten wie Kameras, Scanner und Drucker auf ihn als gemeinsame Grundlage geeinigt. Dieser Farbraum soll für Anwendungen, die kein Farbmanagement verwenden, eine möglichst gute Farbverbindlichkeit bieten und den sRGB-Farbraum annähernd wiedergeben – so gut es die jeweilige Hardware vermag. In der Praxis ist der Einsatz des sRGB-Farbraums am unkompliziertesten, denn die Consumer-Geräte sind bereits auf diesen Farbraum abgestimmt. Während dies für alltägliche Zwecke reicht, fällt der geringe Farbumfang auf hochwertigen Fotoausdrucken jedoch auf.
TIPP: Bei Programmen, die keine Farbprofile anhängen, sollte man sehr genau darauf achten, dass der Arbeitsfarbraum der Kamerasoftware mit dem des Bildbearbeitungsprogrammes identisch ist. Farbraumwechsel sollte man, so weit es geht, vermeiden, da durch mehrfaches Konvertieren die Qualität leiden kann.
TIPP: Die meisten Fotolabore, die Digitalfotos auf Fotopapier ausbelichten, ignorieren angehängte ICC-Profile. Die Labore gehen davon aus, dass die Fotos den im Consumer-Bereich üblichen sRGB-Farbraum verwenden. Deshalb bringt für diesen Einsatz der Adobe-RGB-Farbraum selten Vorteile.
TIPP RAW-Fotos verwenden keinen Farbraum, da erst am Computer aus den Rohdaten der Kamera das Bild errechnet wird. Hier sollte der RAW-Konverter den Adobe-RGB-Farbraum verwenden.
TIPP Bilder mit eingebetteten Adobe-RGB-Farbprofilen haben oft die Endung .JPE, weshalb iPhoto sie nicht erkennt. Erst wenn man die Endung auf .JPG ändert, klappt der Import von iPhoto.
Für die Druckvorstufe ist der Farbraum eciRGB gedacht, der einen Gamawert von 1,8 (Weißpunkt D50, 5000 Kelvin) verwendet. Auf diesem Wert beruhen auch die professionellen Farbmanagement- Systeme der Druckvorstufe. Von der Internet-Seite www.eci-org lässt sich eciRGB kostenlos laden. Doch diesen Farbraum sollte man nur mit Systemen verwenden, die durchgängig ein entsprechendes Farbmanagement unterstützen. Sonst werden die Farben nicht korrekt dargestellt.
Das farbverbindliche Profilieren einer Digitalkamera macht dann Sinn, wenn sie unter kontrollierten, gleich bleibenden Lichtbedingungen zum Einsatz kommt – sprich: in einem Fotostudio mit künstlicher Lichtquelle. Interessant ist so eine Konstellation nur für Berufsfotografen, bei denen der Farbton der Motive genau stimmen muss. Deshalb gehen wir hier nicht näher auf diesen Umstand ein, denn wir wollen uns hier auf die „normalen“ Fotosituationen im Freien sowie im kreativen Bereich konzentrieren. Hier kommt es zwar auch auf die korrekte Farbdarstellung an, allerdings unterliegt sie dem eigenen, subjektiven Geschmack.
TIPP Wer mit hohem Anspruch an die Ausgabequalität fotografiert, sollte das RAW-Format statt des meist voreingestellten Formats JPEG verwenden. Die Vorteile von RAW sind die Möglichkeit, ohne änderungen an der Originalaufnahme Korrekturen vorzunehmen, sowie eine höhere Farbtiefe im Vergleich zu JPEG. Pro Farbkanal bietet RAW 12 Bit, das summiert sich auf insgesamt 4096 Tonwerte – JPEG bringt es gerade mal auf 256 Tonwerte, hier sind Tonwertabrisse bei Farbkorrekturen an der Tagesordnung. Je nach Lichtverhältnis bestimmt die Kamera den weißesten Punkt eines Motivs per automatischem Weißabgleich. Je nach Kameramodell klappt dies auch mit zufriedenstellenden Ergebnissen. Hier wählt die Kamera die voreingestellten Weißpunkte für verschiedene Aufnahmeverhältnisse beispielsweise bei Wolken, Kunstlicht oder Sonnenschein. Schwieriger wird es für den automatischen Weißabgleich, wenn mehrere unterschiedliche Lichtquellen im Spiel sind. Hier sollte man unbedingt den Weißpunkt manuell bestimmen. Dazu setzt man die Kameraeinstellung „P“ oder wählt eine andere manuelle Einstellung.
TIPP Die Einstellung für den Weißabgleich sollte bei einer Kamera gut erreichbar sein. Besonders bei gemischten Lichtverhältnissen muss man die Kamera schnell korrekt auf die jeweilige Aufnahmesituation einstellen können, ohne eine gewünschte Szene zu verpassen.
TIPP Vorsorglich sollte man ein weißes Stück Papier zum Fotografieren mitnehmen. Damit lässt sich schnell der richtige Weißpunkt für die jeweilige Aufnahmesituation finden, auch wenn das Motiv keine weiße Fläche für die Messung des Weißabgleichs bietet.
TIPP Für eine möglichst korrekte Farbdarstellung ist die Umgebung wichtig. So verschlechtern herkömmliche Leuchtmittel oder gemischte Lichtverhältnisse aus Tages- und Kunstlicht die Farbtreue der Monitordarstellung. Empfehlenswert ist, einen Arbeitsplatz in einem Zimmer mit weißen oder grauen Wänden einzurichten. Tageslicht kann man beispielsweise mit Alujalousien aussperren, da Alu farbneutral ist. Auch sollte die künstliche Beleuchtung richtig gewählt sein: Empfehlenswert sind Leuchtstoffröhren mit einer Lichttemperatur entsprechend Tageslicht. Bei Osram wählt man dazu die Röhre Lumilux de Luxe T8 mit der Lichtfarbe 954.
Im Alltag ist Farbmanagement nur von geringer Bedeutung. Doch wer einen vierstelligen Betrag in eine Kameraausrüstung gesteckt hat, sollte auch noch Kosten und Mühe investieren, die Farbdarstellung bei Kamera, Monitor und Drucker in den Griff zu bekommen.
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