Know-how Buchproduktion |
Insider-Tipps für Kleinverleger
Wie kann man ein Buch publizieren und zum Leser bringen? Auf diesem Weg gibt es viele Hindernisse zu überwinden. Mit unseren Tipps lassen sich einige Hürden leichter nehmen.
Von Thomas Biedermann (20.05.2008)
Als erstes sucht man sich einen Verlag. Dies ist leichter gesagt als getan, da Verlage täglich mit Manuskripten überflutet werden. Daher ist Klinkenputzen angesagt: Die Verlage und den jeweiligen Mitarbeiter persönlich per Telefon anrufen und nachfragen. In einem renommierten Verlag unterzukommen, der die Veröffentlichung übernimmt, ist bei einem Erstlingsprojekt in der Regel abwegig und illusorisch. Auch bei mittleren oder kleinen Verlagen unterzukommen, ist schwierig. Man sollte sich schon vor der Veröffentlichung seines ersten Buches einen Namen in der Buchszene gemacht haben.
TIPP Schreibt man einen Roman oder eine Erzählung - und kein Fach- oder Sachbuch - kann man Aufmerksamkeit auf sich ziehen, indem man im Internet in einschlägigen Foren oder Portalen Auszüge aus seinem Buch online publiziert.
Bleibt die Suche nach einem Verlag erfolglos, gibt es immer noch andere Möglichkeiten, sein Buch zu veröffentlichen. Eine davon existiert unter dem Fachbegriff "Books on Demand" - "BoD". In diesem Verfahren werden Bücher erst auf eine Kundenbestellung hin termingerecht für den nächsten Tag für den Verkauf gedruckt - on demand. Der größte und renommierteste Anbieter auf dem deutschen Buchmarkt ist Libri in Hamburg (http://www.bod.de). Aber auch kleinere Firmen bieten den Service "On demand" an. Die Produktionsweise ist die folgende: Das Buch wird gestaltet und gesetzt und ein Buch-Cover dazu entworfen. Dann speichert die Firma das Buch komplett digital auf einem Computer oder einer Produktionsanlage. Bestellt ein Kunde das Buch in einem Buchgeschäft vor Ort, produziert der Dienstleister im Digitaldruck innerhalb eines Tages nur das eine bestellte Exemplar des Buches von der digitalen Vorlage und liefert es an den Buchhandel aus.
VORTEIL Man kann die (erfolglose) Suche nach einem Verlag aufgeben, sein erstes Buch ohne großen Aufwand publizieren und der Kunde erhält sein Buch innerhalb von ein bis zwei Tagen. Die Kosten für die "On demand"-Produktion, die der Autor zu tragen hat, sind gering.
Alternativ kann man sein erstes Buch auch im Eigenverlag publizieren. Es gibt für diesen Zweck beim Börsenverein des Deutschen Buchhandels - die "oberste" Stelle im deutschen Buchmarkt (http://www.boersenverein.de) - die Möglichkeit, eine einzelne ISBN-Nummer (Internationale Standard Buch Nummer) für eine einmalige (!) Publikation zu beziehen. Allerdings muss man sich dann um viele Arbeiten selbst kümmern, wie Gestaltung und Satz des Buches, Lektorat, Druck, Marketing, Werbung und Vertrieb. Oder man übergibt diese Arbeiten - auch teilweise - kostenpflichtig an externe Dienstleister.
Hat man sich entschlossen, dass dieses erste Buch nicht das einzige sein soll, hat Ideen zu weiteren Büchern oder sogar Manuskripte in der Schublade liegen, dann bietet es sich an - bei entsprechendem Wissen, Erfahrung und Finanzmittel - diese Bücher in einem eigenen Kleinverlag zu publizieren. Wenn man ausreichende Kenntnis in der Gestaltung von Büchern hat, kann man Gestaltung und Satz des Buches selbst vornehmen. Dafür bieten sich Layoutprogramme wie Quark Xpress oder Indesign an. In den Ausgaben 01/2008, Seiten 64ff, 11/2007, Seiten 72ff, 10/2007 Seiten 76ff oder 09/2007, Seiten 72ff lesen Sie Beiträge, wie man ein Buch gestalten kann und worauf dabei zu achten ist. Man legt ein dem Buch entsprechendes Format an, legt den Satzspiegel fest, die Kolumnentitel und die Paginierung. Dann lässt man den Text einlaufen und formatiert ihn. Der Buchumschlag wird gesondert gestaltet.
Besonderes Augenmerk sollte man auf die verwendeten Farben und die Fotos richten. Soll das Buch mit Abbildungen in 4c - also farbig gedruckt werden -, erhöht dies natürlich den Druckpreis im Vergleich zu einer 1c-Druckversion in Schwarz. Sind dafür Finanzmittel vorhanden? Des weiteren ist es unbedingt erforderlich, für die im Buch verwendeten Abbildungen, Fotos oder Grafiken die jeweiligen Urheber - also Fotografen oder Grafiker - im Impressum zu nennen. Nicht selten sieht man sich sonst mit einer Welle von kostenpflichtigen Abmahnungen überflutet, wenn man sich um die Urheber nicht von vornherein kümmert und diese in der Publikation korrekt ausweist.
Verwendet man für das Buch-Cover ein kostenpflichtiges Foto, muss man hierzu die Nutzungsrechte frühzeitig klären. Bestimmte Bilddatenbanken erlauben eine kostenlose Nutzung ihrer Fotos, wenn die Datenbank im Impressum ausdrücklich genannt wird. Will man jedoch ein Gemälde oder eine Illustration als Buch-Cover verwenden, muss man für die Nutzungsrechte an die Urheberrechte-Inhaber des Fotos zahlen.
TIPP Als Beispiel sei hier das Bildarchiv Foto Marburg (http://www.fotomarburg.de) genannt, das die Urheberrecht für rund 1,7 Millionen Fotos von Gemälden besitzt.
Darüber hinaus gelten für ein Buch-Cover weitere Richtlinien. Es lässt sich so anlegen wie der Innenteil des Buches - aber eben im doppelten Format. Zur Stärke des Buchrückens - und damit des ganzen Covers - muss man Rücksprache mit der Druckerei halten. Je nach dem verwendeten Papier für das Buch - einfaches, preiswertes 80 Gramm schweres Offsetdruckpapier oder ein volumenhaltiges Werkdruckpapier mit 120 Gramm Gewicht - verändern sich die Stärke des Buchblocks und damit die Maße des Buchrückens. Sobald man der Druckerei die vorhandene Seitenzahl und das gewünschte Papier mitteilt, erhält man die entsprechende Buchrückenstärke in Millimetern angegeben und kann den Buchumschlag entsprechend einrichten.
TIPP Man sollte nicht versuchen, sich über entsprechende Websites im Internet die Buchrückenstärke errechnen zu lassen. Besser hält man sich an den eigenen Druckdienstleister - denn er muss für die Angaben gerade stehen und diese verantworten.
Ist das Buch fertig gestaltet, kann man es persönlich einige Male Korrektur lesen. An einem professionellen Lektorat führt jedoch kein Weg vorbei. Größere Verlage haben Lektoren unter Vertrag, die diese Arbeit übernehmen. Soll das Buch im Selbstverlag produziert werden, muss man sich nach einem selbstständigen Lektor umsehen. Denn hier gilt der Grundsatz: "Eigene Texte soll man nicht selbst Korrektur lesen - man sieht seine eigenen Fehler nicht!" Also, jemand Fremdes muss heran. Die Preise für ein Lektorat eines Buches mit einem Umfang von 100-200 Seiten sind heutzutage erschwinglich und über das Internet finden sich Ansprechpartner, die diese Dienstleistung gern übernehmen http://www.interlektor.de oder http://www.lektorat.de). Man wird erstaunt sein, welche Fehler ein professioneller Lektor im eigenen Werk noch findet und welche orthografischen Korrekturen oder Umbildungen im Satzbau vorgeschlagen werden. Man selbst - mit seinem Buch vor Augen - käme nie auf solche Korrekturen. Diese kommen dem Leser zugute, der ein gut geschriebenes Buch vor Augen haben will, das in sich orthografisch korrekt und stilistisch schlüssig aufgebaut ist.
Nach erfolgter Design- und Satzarbeit und anschließendem Lektorat ist das Buch fertig. Man erzeugt eine PDF-Datei, die man der Druckerei liefert. Die verschiedenen Layoutprogamme bieten hierfür die unterschiedlichsten Möglichkeiten. Für den Buchblock - den Innenteil des Buches - und den Buchumschlag sollte man zwei unterschiedliche PDF-Dateien erzeugen. Die PDF-Dateien müssen auf alle Fälle hochauflösend - also für den Offsetdruck - angelegt werden. Je nach Inhalt des Buches und dem Umschlag entweder 1c in Schwarz, in 4c farbig oder sogar mit zusätzlichen Schmuckfarben als 5c oder 6c.
TIPP Die Kontrolle des PDF über eine Preflight-Möglichkeit in Acrobat oder mit dem Plug-in Pit Stop ist dabei Pflicht. Ist der PDF-Check durchgeführt und es zeigen sich keine Probleme, schickt man die PDF-Dateien an die Druckerei und wartet auf das Ergebnis.
Ist das Buch in Druck und wird in einigen Wochen geliefert, steht weitere Arbeit an. Nun heißt es, sich um Kalkulation, Werbung, Marketing und Vertrieb zu kümmern. Ein großer Verlag verwendet einige Zeit dafür, den Preis für einen neuen Titel zu kalkulieren. Dazu berechnet er die Kosten für den Autor - seine Marge -, für Grafik, Lektorat, Druck, Werbung, Vertrieb, das avisierte Verkaufsziel und die gewünschte Verdienstmarge mit ein. Schafft man es, 500 Exemplare abzusetzen, oder geht das Verkaufsvolumen in höhere Absatzzahlen wie mehrere hunderttausend Exemplare? Daraus ergibt sich der Endpreis für den Kunden und Leser. Auch wenn man keine betriebswirtschaftlichen Kenntnisse hat, sollte man sich für diese Kalkulation Zeit nehmen. Es geht schließlich um den eigenen Verdienst. Zu teure Bücher werden zu "Ladenhütern" - und zu preiswerte Bücher decken die eigenen Kosten nicht. Es muss ein Preis gefunden werden, den der Kunde bereit ist, für das Buch zu zahlen - und der Verlag und der Autor damit auch etwas verdienen.
Wenn man sein Buch im eigenen Kleinverlag herausbringt, muss man sich auch um die Vermarktung kümmern. Wie bringe ich mein Buch unter die Leute? Wie zum Leser? Schalte ich Werbung im Internet in einem Buchportal? Schalte ich eine Anzeige in einem gedruckten Buchmagazin des Deutschen Börsenvereins, um den Buchhandel zu erreichen? Letzteres kann allerdings so teuer sein, dass man sicherlich keine Rendite mehr beim Verkauf des Buches erwarten kann. Werbemaßnahmen hängen immer davon ab, welchen Inhalt das Buch hat und welche Zielgruppe man im Auge hat. Ob Print-, Web-, Radio- oder Fernsehwerbung, die Zielgruppe, die man erreichen will, bestimmt die "Kanäle", in denen man mit Werbung agiert ebenso wie das eigene Budget, die Auflage und der Verkaufspreis des Buches. Dies alles muss miteinander korrespondieren, um einen Verkaufserfolg für das Buch zu gewährleisten.Ein wichtiger Punkt ist auch der Vertrieb. Vertreibt man sein Buch auf eigene Rechnung, ist es mühsam und aufwendig, bei Bestellungen des Buchhandels jedes einzelne Exemplar mit einer einzelnen Rechnung einzutüten und zur Post zu bringen. In diesem Fall sollte man versuchen, bei einem der großen Buchgroßhändler - also der Barsortimenter - erfolgreich zu sein und einen Vertrag zur Auslieferung des Buches abzuschließen. Die beiden größten Barsortimenter in Deutschland sind Libri in Hamburg (http://www.libri.de) und Koch, Neff und Volckmar in Stuttgart und Köln (http://www.knv.de) . Hat man bei einem der Grossisten "den Fuß in der Tür" und der Barsortimenter nimmt das Buch als Einkauf in sein Sortiment auf, kann man schon einmal durchatmen. Der Barsortimenter - oder auch Zwischenbuchhändler - gewährleistet, dass Kunden das gewünschte Buch in einer örtlichen Buchhandlung innerhalb von ein bis zwei Tagen erhalten. Die Bestellung geht vom örtlichen Buchhandel aus und gelangt zum angeschlossenen Zwischenbuchhandel. Dieser hat das Buch im Lager und kann es sofort liefern. Der Barsortimenter übernimmt Logistik, Vertrieb, Rechnungsstellung und auch Mahnwesen. Allerdings verlangt er für diese Arbeiten Rabatte von etwa 50 Prozent auf den Buchverkaufspreis. Wer sich überlegt, diese Dienstleistungen selbst zu bieten, sieht schnell, dass dies hohe Kosten verursacht und der selbst durchgeführte Verkauf des Buches fast keine Verdienstmarge mehr liefert. Geschweige denn, wenn man sich um das Mahnwesen oder Inkasso-Forderungen kümmern muss.
TIPP Ein weiterer Vorteil beim Vertrieb über einen Barsortimenter ist, dass der Titel automatisch bei den großen Online-Buchhändlern gelistet ist - beispielsweise bei Amazon. Man kann als Autor oder Kleinverleger ein Buch nicht selbst bei Amazon anmelden. Ausnahme ist Amazon Marketplace, allerdings ist diese Plattform nur für gebrauchte Bücher mit einem niedrigeren Verkaufspreis. Ein normaler Eintrag für ein neues Buch mit einer Bestellmöglichkeit über Nacht geht so nicht. Hat man jedoch einen Barsortimenter und ist auf dessen Website und Buchportal gelistet, dann findet man sich nach einigen Wochen automatisch bei Amazon & Co. Denn diese Online-Portale beziehen ihre Buchlistungen automatisiert von den größten deutschen Barsortimentern. Da Amazon der größte Online-Buchhändler ist, sollten damit auch eine ausreichende Verbreitung des eigenen Buches und gute Verkaufszahlen gewährleistet sein.
Erfolg versprechend kann es sein, sein Buch für die Buchmessen in Leipzig im März und in Frankfurt im Oktober anzumelden. Der Börsenverein des Deutschen Buchhandels veranstaltet auf diesen Messen immer eine Sammelpräsentation von Selbst- und Kleinverlagen. Gegen eine geringe Gebühr kann man sich dort mit seinem neu erschienenen Buch anmelden und es dort präsentieren lassen. Inwiefern sich daraus Erfolgschancen für den Verkauf des Buches ergeben, muss man selbst feststellen.
Abschließend sei noch erwähnt, dass man sich als Autor keine "goldene Nase" verdienen kann. Vielleicht ist es ein kleines Zubrot zu den sonstigen normalen, monatlichen Einnahmen. Nur die wenigsten Menschen schreiben Bücher, die in den einschlägigen Bestsellerlisten von Zeitschriften auftauchen, sich wirklich gut verkaufen und von denen man leben kann. Für alle anderen trifft dies sicherlich nicht zu. Trotzdem sollte man nie die Flinte ins Korn werfen. Autoren, wie beispielsweise Patrick Süskind, haben schließlich mit einem Roman - "Das Parfüm" - einen Millionenerfolg gemacht. Das Buch ist in zig Sprachen übersetzt und verfilmt worden. Die Einnahmen, die Patrick Süskind dadurch hat, sind kaum zu schätzen. Allein der Preis für die Filmrechte dürfte im 7stelligen Euro-Bereich liegen.
Gerade bei der Veröffentlichung des ersten Buches zählt für viele Autoren ein anderes, humanistisches Ideal: Der Autor kann seinen "Geist" unter die Leser bringen. Denn nichts anderes bedeutet es, ein Buch zu publizieren: Wenn es nicht gerade ein Sach- oder Fachbuch ist, konfrontiert man den Leser mit seinen persönlichen Einstellungen und Gedanken, zu denen sich der Leser eigene Gedanken machen wird. Man erzwingt somit eine Beschäftigung mit den eigenen Vorstellungen, provoziert beim Leser eine persönliche, gedankliche Reaktion und bringt eine Auseinandersetzung und vielleicht auch persönliche Diskussion mit Freunden und Bekannten ins Rollen.
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