Test: Macbook Air |
Die Leichtigkeit des Seins
Apples leichtester Mac, das Macbook Air, hat bereits bei seiner Vorstellung im Januar eine Menge Aufsehen erregt. Nun liegen die Modelle zum Test vor und müssen zeigen, wie sie sich in der Praxis bewähren
Von Thomas Armbrüster, Christian Möller (12.03.2008)
Hier finden Sie weitere Tests verschiedener aktueller und vergangener Macbook-Air-Modelle:
Aktuell:
Frühere Modelle:
Macbook Air (Ende 2008) im Test
Macbook Air (Anfang 2008) im Test
Schon das Auspacken des Macbook Air wird zum regelrechten Festakt. Die schicke und nebenbei auch extrem stabile, schwarze Verpackung erscheint einem als viel zu klein, als dass dort ein kompletter mobiler Mac reinpassen würde. Doch das Macbook Air passt rein und mit ihm noch die Installations-CDs, ein kleines Handbuch, das Ladegerät und zwei Monitor-adapter, je einer für DVI und VGA.
Optisch erinnert das Macbook Air eher an ein futuristisches Raumschiff, als an einen irdischen Computer. Das gilt für den zu- als auch für den aufgeklappten Zustand. Aufklappen kann man das Gerät sogar mit nur einer Hand. Hieran erkennt man einmal mehr Apples Liebe zu Details. Die Kräfte zwischen dem Eigengewicht und dem Verschlussmechanismus des Displays sind exakt auf einander abgestimmt. Nichts wackelt oder klappert.
Die abgerundeten Kanten und Ecken machen das Macbook Air zu einem echten Handschmeichler. Man ist quasi vom ersten Moment an verführt, das Gerät immer mal wieder zu streicheln. Man spürt hier förmlich, wie Apple über das Design und die verwendeten Materialien mit den Emotionen der Benutzer spielt. Doch Emotionen sind eine Sache, harte Fakten eine andere. Letztlich will man mit dem Macbook Air alltägliche Aufgaben verrichten.
Neu ist das Multitouch-Trackpad. Es bietet eine größere Bedienfläche als bei den anderen mobilen Macs. Leider ist die Maustaste ein wenig zu schmal geraten. Man tippt gerne mal daneben.
Die Bedienung mit Fingergesten, ähnlich wie beim iPhone oder iPod Touch, ist zunächst gewöhnungsbedürftig. Nach einiger Zeit möchte man sie jedoch nicht mehr missen, da sie viele Tastendrücke und Mauskilometer sparen hilft. Wie das Trackpad arbeitet, zeigen wir in unserem Video.
Dennoch, mit einem einzigen USB-Port kommt man nicht weit. Will man beispielsweise eine Maus und eine externe Festplatte gleichzeitig anschließen, muss man schon mit einem USB-Hub jonglieren. Auch der Verzicht auf Firewire wiegt schwer. DV-Camcorder sind noch immer weit verbreitet, nur wenige lassen sich auch über USB anschließen. Mobiler Videoschnitt fällt also weitgehend flach. Immerhin: WLAN nach 802.11n und Bluetooth 2.1 sind ab Werk mit an Bord.
Im Macbook Air arbeitet ein Intel-Core-2-Duo-Chip. Bis auf die Baugröße handelt es sich dabei um eine ganz normale CPU, die auch im iMac, im Mac Mini und im Macbook Pro zum Einsatz kommt. Für das Macbook Air hat Intel das Gehäuse des Chips um 60 Prozent geschrumpft. Das musste sein, damit die CPU in das extrem flache Macbook Air hineinpasst. Doch es bringt auch Probleme mit sich. In erster Linie sind das Hitzeprobleme, weswegen Apple das Macbook Air nur mit Taktfrequenzen von 1,6 und 1,8 Gigahertz anbietet. Selbst das wesentlich preisgünstigere Macbook bietet hier mit 2,2 Gigahertz deutlich mehr Leistung. So liegen die Benchmark-Ergebnisse der CPU-intensiven Tests spürbar unter denen des Macbook. Für normale Alltagsaufgaben wie E-Mail, Websurfen oder Büroanwendungen reicht die Rechenkraft jedoch aus. Auch kleinere Aufgaben in Photoshop erledigt das Macbook Air noch in ausreichender Geschwindigkeit. Komplexe Projekte sollte man damit jedoch nicht angehen.
Ähnliches gilt für die Grafikfähigkeiten. Zum Einsatz kommt der integrierte Grafikchip GMA 3100, der auch im Macbook seinen Dienst tut. Er liefert ausreichend Leistung für 2D-Anwendungen, aufwendige 3D-Software oder Spiele sollte man ihm jedoch nicht zumuten. Auch Programme, die intensiven Gebrauch von Apples Core-Image-Technologie machen (beispielsweise Imaginator), laufen auf dem Macbook Air nur zäh.
Ein Manko, das viele Kritiker des Macbook Air hervorheben, ist der nicht austauschbare integrierte Akku. Stattdessen verspricht der Hersteller Batterielaufzeiten von bis zu fünf Stunden. Apple spricht dabei von "Wireless productivity", was immer das auch heißen mag. In unserem Standard-Akkutest, der das Gerät mit etwa 30 Prozent CPU-Last bei voll aufgedrehter Display-Helligkeit belastet, zeigt sich zumindest das Festplattenmodell als nicht besonders stromsparend. Mit einer Laufzeit von zwei Stunden und 30 Minuten, liegt das Macbook Air noch spürbar hinter dem kleinen Bruder Macbook.
Anders sieht das jedoch mit dem SSD-Modell aus. Die Flash basierte Festplatte benötigt deutlich weniger Strom, so dass das Gerät trotz höherer Taktfrequenz etwa drei Stunden und 20 Minuten durchhält.
Am Beispiel des Macbook Air wird deutlich, wo der eigentliche Flaschenhals bei heutigen Computern liegt. Es ist die magnetische Festplatte, die in puncto Datenraten und Zugriffszeiten nicht mehr mithalten kann. Apples SSD-Lösung zeigt, wohin die Zukunft geht. Man kann nur hoffen, dass die Preise für Flash-Chips möglichst bald sinken.
Ein optisches Laufwerk gibt es für das Macbook Air nur gegen 100 Euro Aufpreis. Das USB-Laufwerk arbeitet im Test einwandfrei. Leider lässt es sich ausschließlich am Macbook Air verwenden. Andere Macs liefern hier zu wenig Stromstärke am USB-Port.
Um das fehlende DVD-Laufwerk im Macbook Air zu kompensieren, hat Apple nicht nur das externe DVD-Laufwerk entwickelt, sondern durch neue Software dafür gesorgt, dass man das DVD-Laufwerk eines anderen Mac (oder PCs) über eine Netzverbindung mitbenutzen kann. Auch der nicht vorhandene Firewire-Anschluss wird damit teilweise ersetzt, denn man kann über diese Verbindung den Migrationsassistenten verwenden. Auf dem Mac muss mindestens Mac-OS X 10.4.10 installiert sein, Windows-Rechner benötigen XP oder Vista. Die Verbindung erfolgt drahtlos über Airport oder über Ethernet. Für die Kabelverbindung benötigt man den USB-Ethernet-Adapter für das Macbook Air, der eine 10/100BaseT-Verbindung zur Verfügung stellt. Der Treiber für den Adapter ist in der Systemsoftware des Macbook Air enthalten, man muss nur den Anschluss "USB-Ethernet" in der Systemeinstellung "Netzwerk" aktivieren.
Um vom Macbook Air auf das DVD-Laufwerk eines anderen Mac zuzugreifen, muss auf diesem die Software für das DVD/CD-Sharing installiert werden. Dazu legt man die Installations-DVD des Macbook Air ein und klickt doppelt auf "DVD or CD Sharing Setup". Anschließend ist noch ein Neustart notwendig. Damit wird zum einen die Software "Entfernte Mac OS X-Installation" im Ordner "Programme/Dienstprogramme" installiert, die der Systeminstallation über das Netz dient. Zum anderen gelangt eine neue Version des Migrationsassistenten auf den Rechner, mit der man Daten auch auf das Macbook Air übertragen kann. Auch wird die Systemeinstellung "Sharing" um die Freigabeoption des DVD-Laufwerks erweitert (diese ist bei Mac-OS X 10.5.2 schon standardmäßig vorhanden). Analoge Software wird auch auf einem Windows-PC von der System-DVD des Macbook Air installiert.
Da zum Test kein schnelles Airport-Netz verfügbar ist, brechen wir die Ins-tallation nach einiger Zeit ab, da sie bei einer langsamen Airport-Verbindung mehrere Stunden dauert, und nehmen den Vorgang nochmals über die Ethernet-Verbindung vor. Die Installation eines abgespeckten Systems dauert mit rund 30 Minuten etwa so lange wie von einem internen DVD-Laufwerk. Nach der Installation des Systems startet das Macbook Air neu, wirft die DVD auf dem anderen Rechner aus und fordert die zweite DVD mit den iLife-Programmen an.
Entscheidet man sich bei der Systemkonfiguration für die Übertragung der Daten von einem anderen Mac, erscheint auf dem Bildschirm des Macbook Air ein sechsstelliger Zahlencode. Nun startet man auf dem anderen Mac den Migrationsassistenten, wählt als Übertragungsmethode "Auf einen anderen Mac" aus und tippt den Zahlencode ein. Jetzt werden sämtliche Anwendungen geschlossen, bevor die Datenübertragung beginnt. Nach einiger Wartezeit erscheint auf dem Macbook Air das Fenster zur Auswahl der zu übertragenden Daten. Die Optionen sind identisch mit denjenigen der Übertragung im Firewire-Festplattenmodus.
Um mit dem Migrationsassistenten nachträglich Daten zu übertragen, startet man ihn auf dem Macbook Air und wählt als Übertragungsmethode "Von einem anderen Mac". Dann wird ebenfalls ein sechsstelliger Zahlencode angezeigt. Nun startet man den Migrationsassistenten auf dem anderen Mac und wählt als Übertragungsmethode "Auf einen anderen Mac" aus. Vor der Übertragung der Daten werden auf beiden Macs alle Anwendungen beendet.
Das Macbook Air ist kein Massenprodukt. Vielmehr zeigt Apple mit dem Gerät wie weit man heute die Miniaturisierung treiben kann. Ohne Abstriche in der Leistung geht das jedoch nicht.
Bei allen Kritikpunkten, die bereits im Vorfeld auftauchten und die sich teilweise im Test auch bestätigen, darf man eins nicht vergessen: das Macbook Air ist sexy! Genau dieser Umstand wird bei dem einen oder anderen Interessenten den Verstand trüben. Denn verstandesgemäß müsste man eigentlich zum Macbook oder zum Macbook Pro greifen. Das Macbook Air ist hingegen eine Bauchentscheidung. Allerdings: wenn man schon den Bauch fragt, sollte man gleich auch den persönlichen Finanzminister überzeugen und zum SSD-Modell greifen. Erst hiermit macht die Arbeit am Macbook Air wirklich Spaß.
Testsystem
Wir testen alle Macs im Vergleich zu einem Referenzsystem, das bei den mobilen Macs derzeit aus einem Powerbook G4 mit 1,25 Gigahertz Taktfrequenz und ATI Radeon 9600 Grafikchip besteht. Das Referenzsystem erreicht dabei die Note Ausreichend.
Testverfahren
Alle Tests führen wir mit Programmen durch, die auch unsere Leser bei der täglichen Arbeit und Unterhaltung mit ihren Macs benutzen. Im Einzelnen sind dies: MP3-Kodierung mit iTunes, DVD-Komprimierung mit Toast 7 und iDVD 6, Diashow-Export mit iPhoto 6, HD-Video-Rendering mit iMovie HD, schnelle 3D-Action mit Unreal Tournament 2004 und Doom 3. Daneben benutzen wir Maxons Cinebench und die Audiosoftware Peak 5.2 von Bias, Quark Xpress 7, Imaginator, den Quicktime-Player und Photoshop.
Testbewertung
Alle ermittelten Werte fließen in eine Datenbank ein, die automatisch eine Gesamtnote aus den Ergebnissen des Tests ermittelt. In dieser Gesamtnote schlagen sich alle Aspekte einschließlich der Ausstattung eines Systems nieder. Dabei hat jede Einzelnote eine unterschiedliche Gewichtung.
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