Publish: Xpress 8

Zusatzbild der Verpackung von Xpress 8.

Publish: Xpress 8

Quark bringt Xpress 8

Kreative Umgebung

Xpress 8 sieht anders aus als bisher. Selbst die Werkzeuge wurden bei der Überarbeitung nicht verschont. Die Zahl der echten Neuerungen aber ist überschaubar

Von Walter Mehl (29.05.2008)

Dunkelgrau und hellgrün sind die Farben, die in Version 8 von Xpress dominieren - neben dem gewohnten Weiß der Arbeitsfläche und der Liniale. Diese Mischung aus Neuem und Altbekanntem wirkt bei uns im Test mit einer frühen Beta-Version angenehm; die noch vorhandenen Macken merkt man erst bei intensiverem Umgang mit der Software (dazu später mehr).

Neu bei Xpress 8

Oberfläche in Grau-Grün

Vereinfachte Werkzeugpalette (unter anderem Werkzeug für Bezierpfade)

Deutlich verbesserte Tastaturbedienung

Objektstile für Rahmen und Linien

Optischer Randausgleich im Blocksatz

Ein Grundzeilenraster pro Rahmen oder Seite

Plus-Edition für asiatische Typographie

Die harten Fakten zuerst

Xpress 8 ist als Update (mit reduzierten Preisen für Besitzer von Version 3 oder höher) oder als eigenständiges Produkt erhältlich; die Preise in Europa sind weitgehend unverändert: 470 Euro für das Update, rund 1600 Euro für eine neue Lizenz.

Die mitgelieferten Erweiterungen sind mehr oder minder identisch mit Version 7; in unserer Vorabversion fehlen aber einige der Funktion von "Xpert Tools Pro". Wer heute Erweiterungen von Drittherstellern nutzt, muss sich nach einem Update umsehen: Laut Quark hat sich das Dateiformat geändert, deshalb funktionieren alle bisher erhältlichen Plug-Ins nicht mehr. Was erstaunlicherweise fehlt, ist der XML-Import. Bei der Auslieferung von Xpress 8 aber wird es nach unseren Informationen keine Möglichkeit geben, XML-Dateien zu importieren.

Positiv fällt uns die Verbesserung im Umgang mit asiatischen Sprachen auf: Ein Dokument aus China lässt sich künftig ohne zusätzlichen Erweiterungen öffnen und drucken, wenn die nötigen Schriften vorhanden sind. Nur wer die erweiterte Formatierung des Textes (beispielsweise senkrechte Zeilen) ändern will, muss tiefer in die Tasche greifen und die Plus-Edition von Xpress 8 erwerben (siehe Kasten "Lizenzmodell").

Als Betriebssystem setzt die Software Mac-OS X 10.4 oder neuer voraus. Beim wichtigen Zusammenspiel mit älteren Versionen der Software arbeitet Xpress 8 wie bisher: Der Exportfilter kann ein Layout für Version 7 speichern; der Importfilter dagegen öffnet jedes Dokument ab Version 3.

Bedienung auf die andere Art

Die Werkzeugpalette von Xpress 7 hat endlich ihren Platz im Museum erhalten; Quark hat dort kräftig aufgeräumt. Damit reduziert sich die Zahl der Werkzeuge auf etwa die Hälfte, außerdem lässt sich jetzt jedes Werkzeug mit einem Buchstaben aktivieren, zum Beispiel "T" für die Textbearbeitung. Lediglich das Inhaltswerkzeug gibt es jetzt doppelt - eines für Text, eines für Bilder. Xpress 8 wählt aber bei einem Doppelklick automatisch das passende aus.

Vergleich Werzeugleiste Xpress 7 und...
Vergleich Werzeugleiste Xpress 7 und...

Xpress 8 Werkzeugleiste.
Xpress 8 Werkzeugleiste.

Diese Automatik geht noch weiter: Die Trennung zwischen Text- und Bildrahmen gibt es nicht mehr. Wer einen Rahmen in beliebiger Form erstellt, kann dort Text oder Bilder einfügen; selbst der direkte Import aus Adobe Bridge oder Finder ist möglich. Man kann ein Bild vom Finder-Schreibtisch direkt in die Layoutfläche von Xpress ziehen. Die Software erstellt einen passenden Rahmen und platziert das Bild.

Bilder lassen sich direkt im Layout vergrößern oder verkleinern und rotieren - ein Doppelklick auf das Bild oder die Taste "R" genügen, um die dazu nötigen Eckpunkte rund um das Bild einzublenden. Angenehmes Zuckerl: Wer ein Bild beschneidet, bekommt mit diesem Werkzeug die überstehenden Teile halbtransparent eingeblendet.

Grund-, Hilfs- und andere Linien

Beim Umgang mit Linien hat sich viel getan. Unter anderem beim Manager für Hilfslinien, der die einmal definierten Linien von einem Dokument zum nächsten übertragen kann. Linien für den Beschnitt oder Bindung lassen sich automatisch einblenden.

Das Grundlinienraster lässt sich in Xpress 8 für eine Seite oder für einen einzelnen Textrahmen erstellen; mit einigen Zusatzbefehlen kann man damit beispielsweise Zitate in Großbuchstaben zu dem daneben stehenden Rest des Textes horizontal gleich ausrichten.

Einheitlich Objektstile ("item styles") dienen in Xpress 8 zum Beispiel dazu, Boxen einzufärben und einzurahmen.
Einheitlich Objektstile ("item styles") dienen in Xpress 8 zum Beispiel dazu, Boxen einzufärben und einzurahmen.

Wer sich mehr für einheitliche Linien interessiert, findet in den Objektstilen (Englisch "item styles") eine Hilfe. Mit diesen neuen Stilen kann man festlegen, wie Rahmenstärke, Hintergrundfarbe, Abrundung einer Linie oder einer Box aussehen. Wählt man zum Beispiel mehrere Textrahmen aus, genügt ein Klick auf einen vordefinierten Objektstil, um die Rahmen zu vereinheitlichen.

Blocksatz in Perfektion

Quark überholt Adobe beim optischen Randausgleich mit der Funktion "Hanging punctuation". Ziel ist wie beim "Mehrzeilensetzer" von Adobe Indesign, dass Interpunktionszeichen wie Komma oder Trennstrich, aber auch bestimmte Buchstaben minimal über den Rand des Blocksatzes hinausragen, damit der Block für das menschliche Auge zu einem soliden Rechteck wird. In Xpress 8 definiert man dazu "punctuation sets", sprich: eine Gruppe von Zeichen und deren Überstand am linken oder rechten Rand des Blocksatzes in Prozent der Schriftgröße. Mehrere solcher Definitionen oder Sets lassen sich zusammenfassen und bilden dann für einen Absatz die Vorschrift für den optischen Randausgleich.

Prozentrechnung Für eine Gruppe von Zeichen entscheidet man, wie weit sie über den Rand des Textblocks ragen sollen.
Prozentrechnung Für eine Gruppe von Zeichen entscheidet man, wie weit sie über den Rand des Textblocks ragen sollen.

Anderes Lizenzmodell

Quark teilt die Welt neu; ganz grob gibt es künftig West- und Osteuropa, England, USA und Asien - letzteres unterteilt in China und Japan. Für diese Länder wird die Oberfläche (sprich: Menüs und Befehle) in der jeweiligen Landessprache lokalisiert. Für die Formatierung von asiatischen Zeichen oder die Betonungszeichen mit Rubi gibt es eine zusätzliche Palette, die nur in Xpress East Asian erhältlich ist - oder in allen anderen Sprachversion mit Hilfe des Zusatzpakets "Plus", das Quark für einige Hundert Euro anbieten will. Da die Software aber die Buchstaben grundsätzlich im Opentype-Format speichert, kann man mit jeder Version von Xpress 8 solche Dokumente mit asiatischen Zeichen öffnen und (vorausgesetzt die Schriften sind korrekt) auch drucken. Für Arabisch ist wie bisher eine Erweiterung nötig.

Ungereimtheiten und Unvollständiges

Größte Überraschung ist im Vorabtest das Tabellenwerkzeug beziehungsweise die Abwesenheit desselben. Tabllen baut man in Version 8 wie bisher: Befehl wählen, Zahl der Spalten und Zeilen eingeben und dann Feld für Feld ausfüllen.

Ärgerlicherweise lassen sich die neuen Objektstile ("item style") nicht auf Tabellen anwenden; Hintergrundfarbe, Trennlinien oder Ränder muss man von Hand einstellen und zwischen den Tabellen synchronisieren. Die Objektstile haben eine weitere Besonderheit: Sie lassen sich nicht als Teil eines Job Jackets vordefinieren; deshalb muss man solche Stilvorlagen zwischen mehreren Arbeitsplätzen von Hand synchronisieren.

Fazit

Xpress 8 ist die Modernisierung an der Oberfläche, die die Layoutsoftware lange verdient hat. Die Neuerungen beim Grundlinienraster und bei den Objektstilen sind gut gelungen. Wenn jetzt noch die Tabellenfunktion etwas mehr Komfort bekommt, können wir den Kauf von Xpress 8 empfehlen - vorausgesetzt, die Zahl der Fehler unter Mac-OS X 10.5 ist wirklich so gering, wie die Entwickler von Quark beim Vorabtest behauptet haben.

Weitere Informationen über Quark, http://euro.quark.com/

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