Flash an Board
Auf der Drupa in Düsseldorf hat Quark Xpress 8 offiziell vorgestellt, ausliefern will man die neue Version noch diesen Sommer. Der zweite Test der Betaversion nimmt nicht nur die neuen Funktionen unter die Lupe, sondern auch Änderungen gegenüber Xpress 7.
Von Thomas Armbrüster (17.07.2008)
Quark hat Xpress 8 neue Kleider spendiert. Werkzeugleiste, Maßpalette und die anderen, auf 17 Stück angewachsenen Paletten präsentieren sich in dunklem Grau mit neugestalteten Symbolen. Die Dialogfenster haben dagegen ihr bisheriges Erscheinungsbild beibehalten. Überarbeitet wurde auch das Dokumentfenster. Die Karteikartenreiter für die Layouts in einem Projekt sind an den oberen Fensterrand gewandert. Unten im Fenster gibt es neue Symbole, um zwischen der Dokumentseite und der Musterseite zu wechseln, um das Fenster horizontal oder vertikal zu teilen und zum Aufrufen der Exportbefehle. Die Seitensymbole, die sich am unteren Fensterrand einblenden lassen, zeigen jetzt jeweils eine Vorschau auf den Seiteninhalt (diese Funktion gibt es nicht unter Windows).
Während sich bei den Paletten und der Maßpalette bei den Funktionen nur wenig geändert hat, sind die Werkzeuge komplett überarbeitet worden. So gibt es neben dem Objekt-Werkzeug jetzt zwei getrennte Werkzeuge, um Texte und Bildrahmeninhalte zu bearbeiten. Enthält ein Rahmen Text oder Bild, wird das entsprechende Inhalts-Werkzeug durch einen Doppelklick in den Rahmen aktiviert. Alternativ lassen sich die beiden Inhalts-Werkzeuge sowie die anderen Haupt-Werkzeuge per Taste aktivieren. Damit man beim Bearbeiten von Text nicht versehentlich beim Werkzeugwechsel einen der Buchstaben eintippt, lässt sich der Textmodus zuvor mit Escape deaktivieren.
Vergangenheit sind Text- und Bildrahmen-Werkzeuge. Es gibt jetzt nur noch ein Werkzeug für rechteckige und eines für ovale Rahmen (und zusätzlich wie bisher das Stern-Werkzeug), die entweder Text oder ein Bild aufnehmen beziehungsweise ohne Inhalt bleiben können. Wer möchte, kann jedoch Text- und Bildrahmen mit den beiden Inhalts-Werkzeugen aufziehen. Alternativ geht es auch ohne Rahmen, denn Xpress 8 importiert Bilder und Texte, ohne dass zuvor ein Rahmen angelegt wurde. Dies funktioniert sowohl über den Importdialog als auch per Drag-and-drop aus dem Finder und sogarn aus Adobe Bridge. Bilder landen dann in Originalgröße im Dokument, der automatisch von Xpress angelegte Textrahmen richtet sich nach dem Satzspiegel. Auch in die umgekehrte Richtung funktioniert Drag-and-drop, so dass man Bilder und Texte in den Finder oder in ein anderes Programm ziehen kann.Die Bézier- und Freihand-Werkzeuge für Textrahmen, Bildrahmen, Linien und Textpfade sind verschwunden. Ersatz bieten ein Bézier- und ein Feihand-Werkzeug, mit denen sich alle Objekte zeichnen lassen. Nur für gerade Linien steht ein eigenes Werkzeug zur Verfügung. Der Pfadtext wird auf eine Linie nach einem Doppelklick mit dem Textinhalts-Werkzeug geschrieben. Zum Bearbeiten der Bézier- und Freihandobjekte gibt es vier weitere Werkzeuge (Punkt bearbeiten, löschen, hinzufügen und umwandeln). Punkte lassen sich auch mit dem Bézier-Werkzeug löschen oder hinzufügen, und durch Drücken von Wahl- oder Befehlstaste kann man Punkte bearbeiten beziehungsweise umwandeln. Ein Werkzeugwechsel ist deshalb nur selten notwendig. Um Rahmen zu drehen, bewegt man den Mauszeiger zu einer Rahmenecke und dreht dann das Objekt mit den eingeblendeten Drehpfeilen interaktiv. Das Dreh-Werkzeug ist darum ersatzlos weggefallen.
Eine weitere Neuerung sind die Objektstile. Jede Eigenschaft, die ein Objekt (Textrahmen, Bildrahmen, Linie, nicht aber Tabelle!) annehmen kann, kann auch Teil eines Objektstils sein. Es werden beim Zuweisen des Stils nur die im Stil definierten Eigenschaften übernommen, im Stil nicht definierte Objekteinstellungen bleiben unberührt. Es gibt jedoch eine nicht unwesentliche Ausnahme: Schlagschatten können nicht Teil eines Objektstils sein. Das gilt auch für das Suchen und Ersetzen von Objekteigenschaften. Die Suche lässt sich jeweils selektiv auf Textrahmen, Bildrahmen, Rahmen ohne Inhalt, Linien und Textpfade eingrenzen.
Benötigt man bestimmte Rastereinstellungen öfter, definiert man sie als Rasterstil und kann den Stil dann beim Definieren eines Seiten- oder Rahmenrasters laden. Möglich ist außerdem die Verknüpfung eines Rasterstils mit einer Absatzstilvorlage, wozu man die Einstellungen für Schrift und Schriftgröße aus einem Absatzstil übernimmt. Ändert man im Absatzstil Schriftgröße und Zeilenabstand, ändert sich die Rasterstilvorlage. Diese muss man dann nur noch erneut auf die jeweilige Musterseite anwenden.
Anstatt des bisherigen Hilfslinienmanagers verfügt Xpress 8 über die Palette "Hilfslinien", mit der man die Linien anlegt und verwaltet. Über das Palettenmenü definiert man entweder einzelne Hilfslinien oder ein Raster aus Hilfslinien beziehungsweise aus Zeilen und Spalten. Auch gesonderte Hilfslinien außerhalb der Seite zur Markierung des Anschnitts lassen sich erstellen. Über die Palette blendet man die Linien im Layout aus- und ein, sperrt oder löscht sie. Außerdem kann man festlegen, ab welcher Zoomstufe die Linien im Dokument sichtbar sein sollen. Die Hilfslinien lassen sich als Vorlage in einer Einstellungsdatei sichern und dann in ein anderes Xpress-Layout importieren.
Ganz neu ist die Option für hängende Satzzeichen und Initialen. Dabei verwendet Xpress Klassen und Gruppen. Für jede Klasse lässt sich - getrennt für führende oder für nachfolgende Satzzeichen und für Initialen - angeben, welche Zeichen um wie viel Prozent über die Rahmenkante gestellt werden sollen. Mehrere Klassen stellt man zu einer Gruppe zusammen, die sich dann in den Absatzeinstellungen beziehungsweise für einen Absatzstil auswählen lässt. So hat man eine sehr feingestufte Kontrolle über den optischen Randausgleich. Einige vordefinierte Klassen und Gruppen werden mit Xpress mitgeliefert. Wie alle Stilvorlagen kann man diese Stile auch ex- und importieren.
Ebenfalls neu ist die Schriftvorschau in den Schriftmenüs. Wer dies nicht haben möchte, kann sie in den Vorgaben ausschalten. Außerdem lassen sich jetzt Zeichen- und Absatzstilvorlagen anhand manueller Formatänderungen im Text aktualisieren. Hilfreich ist dabei, dass in der Stilvorlagenpalette jeweils angezeigt wird, welche Eigenschaften geändert werden. Außerdem wandelt Xpress 8 mehrzeilige Texte in Zeichenwege um, der Befehl "Text in Rahmen umwandeln" ist in das Objekt-Menü umgezogen.
Der renovierte Werkzeugkasten, flexiblere Raster und Hilfslinien, Objektstile sowie typografische Feinheiten wie der optische Randausgleich und die umfassende Sprachunterstützung versprechen ein produktiveres Arbeiten als mit der aktuellen Xpress-Version. Und wer interaktive Layouts erstellt, muss sich die Layoutumgebung für Flash (Interactive Designer) nicht mehr gesondert kaufen.
Layoutprogramm mit verbesserten Werkzeugen, erweiterter Typografie und Stilvorlagen für Objekte
Note: Keine da Beta
Vorzüge einfacher als bisher zu bedienende Werkzeuge, unterstützt viele Sprachen, flexible Grundlinienraster, verbesserte Hilfslinienverwaltung, Objektstile
Nachteile Schlagschatten nicht in Objektstilen und beim Suchen und Ersetzen definierbar, keine Stilvorlagen für Tabellen
Alternative Indesign CS3
Preis Euro (D) 1605, Euro (A) 1619, CHF 2294; Update (ab Version 3): Euro (D) 475, Euro (A) 479, CHF 679
Technische Angaben Systemanforderungen: ab Mac-OS X 10.4, G5-Prozessor oder neuer empfohlen, mindestens G4
Info Quark, http://euro.quark.com/de
Anders als bisher wechselt Xpress 8 nicht mehr automatisch zum Objekt-Werkzeug, wenn man mit einem Werkzeug einen Rahmen aufgezogen, eine Linie gezeichnet oder Textrahmen miteinander verknüpft hat. Jedes Werkzeug bleibt jetzt so lange aktiviert, bis man zu einem anderen Werkzeug wechselt.
Bisher konnte man mit Xpress Layouts für die Printausgabe sowie in einer weiteren Layoutumgebung Webseiten im HTML-Format gestalten. Als kostenpflichtige Zusatzoption gab es den Interactive Designer, um interaktive Seiten im Flash-Format zu erstellen. Diese Layoutumgebung gehört in Xpress 8 zum Standardumfang, so dass man nun drei unterschiedliche Layoutumgebungen zur Verfügung hat mit der Option, Inhalte synchron in allen drei Umgebungen zu verwenden. Wer alle drei Arbeitsumgebungen einsetzen möchte, sollte die entsprechende Einarbeitungszeit einrechnen.
Mehr zum Thema: Quark, Xpress 8, DTP, Layout
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