Was T-Mobile und Apple zulassen oder verwehren
Kunden von T-Mobile dürfen nicht alle Internet-Funktionen nutzen. Chat-Programme wie AIM oder Skype funktionieren problemlos - sind aber verboten. Wir zeigen, was dahintersteckt.
Von Stephan Wiesend (12.08.2008)
Mit Voice over IP (VoIP) kann man viel Geld sparen. Gespräche laufen dabei über das Internet und sind billiger als über jedes Handy-Netz. Das funktioniert per WLAN problemlos, aber im Prinzip auch über UMTS.
VoIP ist jedoch für die Mobilfunkbetreiber ein rotes Tuch. Die Investitionen in UMTS waren sehr hoch, über Gebühren wollen die Netzbetreiber diese refinanzieren. Schlimmer noch: Internettelefonie könnten bei der Nutzung im Handynetz ein sehr hohes Datentransfervolumen verursachen, das die Auslastung des Mobilfunknetzes stark erhöht. Anbieter wie Sipgate oder Skype wirken deshalb für die Mobilfunkbetreiber wie eine echte Bedrohung. Es gibt deshalb keinen Mobilfunkanbieter, der diese Technologien in seinen Mobilfunkverträgen erlaubt. So untersagen neben T-Mobile auch E-Plus, Vodafone und O2 ihren Mobilfunk-Kunden, VoIP und Instant Messaging zu nutzen.
Allerdings halten sich viele Kunden einfach nicht daran, wie die hohe Verbreitung von Tools wie HipVoice, fring, SJphone oder der PocketPC-Version von Skype zeigt. Eine große Benutzergemeinde nutzt den Client fring, der neben VoIP auch Chatten ermöglicht und sogar auf iPhones mit der Firmware 1.1 läuft.
Soll man auf seine IM-Kontakte verzichten, nur weil T-Mobile dies so festgelegt hat? Der Support von T-Mobile konnte uns auf diese Frage leider keine klare Antwort liefern, den von uns befragten Supportmitarbeitern war eine rechtliche Problematik auch nicht bekannt. So sei nach Meinung zweier Supportmitarbeiter die Einschränkung bei Messengern vor allem auf die fehlende Unterstützung durch die Telekom zurückzuführen. Wenn etwa das Chatten problemlos funktioniere, sei im Prinzip nichts gegen eine Nutzung einzuwenden. Restriktiver fiel die Antwort der Presseabteilung von T-Mobile aus: Laut Pressesprecher Alexander von Schmettow seien die iPhone-Verträge klar auf die Anwendungen Surfen, E-Mail und Datentransfer zugeschnitten. VoIP, Peer2Peer und Instant Messaging seien dagegen nicht enthalten da, "die Nutzung dieser Dienste die für diese Tarife vorgesehene Netzkapazität überschreitet und ein mögliches Risiko für das Netz von vornherein vermieden werden soll". Gleichzeitig werde der Funktionsumfang des iPhone selbst aber in keiner Weise eingeschränkt.
Was passiert aber, wenn man trotzdem chattet oder über das Internet telefoniert? Welche Sanktionen dabei zu erwarten sind, wollte man uns trotz Nachfrage nicht mitteilen. Nach Macwelt-Einschätzung ist uns aber niemand bekannt, der nach der Nutzung eines Instant Messengers Ärger mit T-Mobile bekam. Schließlich wird die Leistung der Flatrate-Verträge bei Übertretung einer bestimmten Volumens sowieso auf die Downloadrate auf 64kbit/s und die Uploadrate auf 16kbit/s gedrosselt. Dabei wäre gerade ein aktuelles iPhone gut für VoIP geeignet: Für gute Sprachqualität ist die Bandbreite von UMTS erforderlich, die ein iPhone der zweiten Generation bietet. Pro Gesprächsminute fallen bei Internettelefonie bis zu einem MB an Datenvolumen an, die 500 MB Datenvolumen des iPhone-Vertrages vom Typ S wären also theoretisch für mindestens 500 weitere kostenlose Gesprächsminuten gut.
Kein Wunder, dass VoIP von T-Mobile nicht gerne gesehen wird, soll der Telekomkunde doch für Gespräche das Mobilfunknetz benutzen. VoIP per Handy ist aber kaum noch aufzuhalten, haben aktuelle Modelle doch immer öfter einen UMTS- oder WLAN-Chip. Manche Nokia-Handys und Windows-Mobile-Geräte werden bereits mit einem vorinstallierten VoIP-Client ausgeliefert (der natürlich auf Vertragsmodellen meist fehlt). Warum T-Mobile diese Dienste nicht einfach sperrt, hat vermutlich technische Gründe. Relativ einfach wäre das Blockieren von Anwendungen wie fring oder Sipgate möglich. Man könnte aber auch über andere Protokolle telefonieren und auf das Überlisten von Sperren spezialisierte Anwendungen wie Skype sind für Netzbetreiber kaum zu blockieren. Einfacher ist aber wohl, VoIP-Anwendungen nicht in den App Store aufnehmen zu lassen, die VoIP über UMTS ermöglichen.
Ein weiterer Grund könnte sein, dass sie als Konkurrenz zu den SMS-Diensten der Betreiber verstanden werden. Bringt doch eine SMS weit mehr Umsatz als jede Nachricht per AIM. Als Faustregel kann man sich aber danach richten, ob ein Programm im deutschen Apple Store verfügbar ist. Dann ist es mit größter Wahrscheinlichkeit ohne Konsequenzen nutzbar. Skype wird es im iTunes Store nach unserer Einschätzung so schnell nicht geben. Da aber AIM und Palringo im App Store zu haben sind, sollte man sie auch benutzen dürfen. In Kürze tritt T-Mobile selbst als Anbieter eines eigenen Instant-Messaging-Dienstes auf, den es vielleicht auch für das iPhone gibt. So wird ab Oktober eine neue Instant Messaging Flatrate angeboten - gegen eine Monatsgebühr von fünf Euro.
VoIP ist mit iPhone und UMTS-Modem möglich, verstößt aber gegen die Vertragsbedingungen. Es wird bisher nicht sanktioniert, dies sollte aber nicht als Freibrief verstanden werden. Schließlich ist nicht alles, was nicht bestraft wird, erlaubt.
Schlecht für Firmenanwender: Auch der VPN-Dienst IPVPN ist nicht Bestandteil des iPhone-Vertrages. IPVPN ist aber für Privatanwender nicht von Belang, dabei handelt es sich um einen von Mobilfunkanbietern angebotener speziellen VPN-Dienst für Firmen. Datentransfers laufen dabei nicht über das Internet selbst, sondern direkt über die Kommunikationsleitungen des Diensteanbieters - etwa der Telekom. Internet-VPN, der Zugriff per Internet auf den Firmenserver mit OpenVPN-Server ist mit dem iPhone dagegen erlaubt.
VoIP ist preiswert und daher als Alternative zu den teuren Handy-Gesprächen beliebt. Der Internettelefonie-Anbieter Sipgate nimmt für eine Gesprächsminute 1,79 Cent, während nach Abtelefonieren der Inklusivminuten T-Mobile ganze 29 Cent für die Gesprächsminute berechnet. Es gibt sogar einen Client für das iPhone, der im WLAN Telefonie ermöglicht. Dieser Sipgate Client ist aber nicht über den App Store verfügbar und kann nur auf entsperrten iPhones installiert werden. Kein Wunder, dass Sipgates erster VoIP-Client Streit vor Gericht provozierte: T-Mobile reagierte auf die Vorstellung des ersten iPhone-Clients mit einer Abmahnung von Sipgate: Das Programm fordere zum Entsperren eines iPhone auf, da es nur auf entsperrten Geräten laufe, und sei noch im Betastadium. Darauf konterte Sipgate mit einer Abmahnung von T-Mobile. Diese versprachen in ihrer Werbung "freien Internetzugang mit unbegrenzter Datenflatrate", also ein uneingeschränkt nutzbares Internet, was offenbar nicht stimme (Aktenzeichen 315 O 360/08). Aufgrund des Gerichtsbeschlusses musste daraufhin T-Mobile diesen Satz ändern.
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