Creative Suite 4

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Creative Suite 4

Test: Photoshop CS4 - Neue Bildbearbeitung von Adobe

Das Grafikflagschiff der Creative Suite 4

Adobe bringt die Creative Suite 4 heraus, gut 18 Monate nach der Vorgängerversion. Wichtige Frage: Was bringt die Grafiksoftware Photoshop Neues? Die Antwort: Neue Interface-Funktionen, viel Bildbearbeitung und ein paar nette Gimmicks

Von Günter Schuler (23.09.2008)

Die für unseren Test vorliegende Beta-Version von Photoshop CS4 gibt einen guten Überblick der Neuerungen. Die technischen Eckdaten: Anwender etwas betagterer Macs brauchen sich vorerst keine Sorgen zu machen; die alte Power-PC-Architektur wird von der kommenden Programmversion der Creative Suite 4 unterstützt. Auf eine 64-Bit-Version hingegen muss die Mac-Kundschaft vorerst verzichten. Eine solche war ursprünglich geplant, wurde jedoch zugunsten eines zügigen Erscheinens zurückgestellt.

Tempo: Im Vergleich mit der Vorversion CS3, zeigt die Beta leichte Geschwindigkeitszuwächse. Eine Aktion mit Bildinterpolation und diversen Filtern bewältigt sie um fast acht Prozent schneller als Photoshop CS3. Da sich acht Prozent allerdings im gewohnten Rahmen normaler Versionssprünge bewegen, heißt das auch: Temposteigerungen wie bei der Portierung auf Intel-Macs vor zwei Jahren sind von Photoshop CS4 nicht zu erwarten.

Eine überarbeitete Arbeitsoberfläche

Eine wesentliche Baustelle war diesmal das Programm-Interface. Hier wartet die neue Version gleich mit mehreren neuen Komponenten auf. Die Optik wirkt mit entschlackten Werkzeug-Miniaturen ohne die bisher üblichen Ränder um die Knöpfe etwas leichter. Ähnliches gilt für weitere Miniatur-Elemente. Zusätzlich zur Steuerungs- oder Werkzeugoptions-Palette präsentiert Photoshop CS4 ein neues Funktionselement direkt unter der Menüleiste - die so genannte Application Bar. Auf den ersten Blick enthält diese mehrere Knöpfe für einige Steuerungsfunktionen - beispielsweise den Wechsel zu Bridge oder die Ansteuerung eines bestimmten Arbeitslayouts.

Verschachteln in Tabs: möglich nunmehr nicht nur für Paletten, sondern auch für Bilddateien
Verschachteln in Tabs: möglich nunmehr nicht nur für Paletten, sondern auch für Bilddateien
Zwei spezielle Aufklappfelder nähren allerdings die Vermutung, dass die Application Bar vorrangig der Steuerung von Dokumentanordnung und Ansichtsmodi dient. Da bei der Arbeit in Photoshop meist mehrere Fenster offen am Bildschirm stehen ermöglichen die beiden Aufklappfelder Arrange Documents und Screen Mode ein vielfältiges Kombinieren unterschiedlicher Dokumentansichtsgrößen, Anordnungs- und Darstellungsformen.

Möglich ist nunmehr auch das Zusammenfassen mehrerer Bilder in einem Fenster. Ähnlich wie bei Paletten lassen sich die einzelnen Bilder in diesem Fall als Reiter oder Tab anklicken. Da die Tab-Anordnung integraler Bestandteil der neuen Darstellungs- und Anordnungsmodi ist, müssen sich bisherige Anwender umstellen. Auf den ersten Blick ist das Spiel mit den unterschiedlichen Anordnungs- und Darstellungsformen faszinierend. Da viele Anwender bei der Anordnung von Dokumentfenstern, beim Zoomen oder in der Darstellung feste Arbeitsgewohnheiten entwickelt haben, könnte es hier zu Umstellungsproblem kommen.

Verbesserungen in der Bildbearbeitung

Sättigung dynamisch: der neue Anpassungen-Befehl Vibrance
Sättigung dynamisch: der neue Anpassungen-Befehl Vibrance
In Sachen Bildbearbeitung bringt auch Photoshop CS4 einige interessante neue Features. Camera Raw 5 ermöglicht das Anbringen lokaler Bildkorrekturen. Zum Einsatz kommen hierfür zwei neue Werkzeuge: Anpassungspinsel und Verlaufsfilter. Die Werkzeuge ermöglichen das Hineinmalen oder das Als-Verlauf-Hineinziehen einer Korrektur. Die Parameter für Pinselgröße, Pinselweichheit und Dichte oder für den Verlaufsübergang werden im rechten Fensterbereich eingestellt. Einrichten lassen sich hier auch die Bildeinstellungen, die ins Bild hineingemalt oder als Verlauf eingeblendet werden sollen. Eine weitere Detailerweiterung von Camera Raw: Zusätzliche Parametereinstellungen im Reiter Objektivkorrektur.

Bei den Bildbearbeitungsbefehlen in Photoshop selbst knüpft die CS4-Beta an die Innovationen der Vörgängerversion an. Ein neuer Anpassungen-Befehl namens Vibrance ermöglicht Sättigungseinstellungen unter Einbeziehung der Kontrast- und Farbdynamik. Aufklappbare Popup-Listen mit Einstellungssets findet man nun auch bei Tonwertkorrektur, Farbton/Sättigung und Selektive Farbkorrrektur. Das wirkliche Highlight sind allerdings zwei neue Paletten für das Arbeiten mit Einstellungsebenen und Masken. "Adjustments" ermöglicht das Zuweisen einer nichtdestruktiven Einstellungsebene via Mausklick. Schnell zugreifen können Anwender hier auch auf Einstellungssets, die als Listen vorliegen.

Selbst Tonwertkorrektur, Farbbalance oder Verlaufsumsetzungs-Einstellungen lassen sich direkt über das Paletten-Interface regeln. In eine ähnliche Richtung geht auch die zweite Palette, "Masks". Sie dient vor allem dem Modifizieren von Ebenen- und Vektormasken. Neben zwei Reglern für die Einstellung von Masken-Deckkraft und Weichheit der Kante ermöglicht Masks den direkten Zugriff auf die beiden Auswahl-Befehle Farbbereich und Kante verbessern. Detail-Neuerung im Bereich Bildbearbeitung: Das Bild-Untermenü Anpassungen ist übersichtlicher sortiert. Die drei Automatikkorrekturbefehle sind nunmehr ausgelagert und finden sich direkt im Hauptmenü Bild.

Sonstige Neuerungen und Verbesserungen

Noch mit Kinderkrankheiten behaftet? Der neue Skalierungsbefehl Content-Aware Scale bringt oft eigenwillige Ergebnisse
Noch mit Kinderkrankheiten behaftet? Der neue Skalierungsbefehl Content-Aware Scale bringt oft eigenwillige Ergebnisse
Im Vorfeld bereits mit Aufmerksamkeit bedacht wurde eine neue Methode für das verlustfreie Hochrechnen von Bildern. Die Technik dabei: Bei kontur- und kontrastreichen Partien mit vielen Details bleiben die Proportionen weitgehend gewahrt, vorrangig ausgedehnt werden vor allem detailarme Flächenbereiche. Das klingt eher nach Verzerren als nach Skalieren, und so ist es auch:

In der Praxis funktioniert der neue Transformationsbefehl Content-Aware Scale wie ein Verzerrungsfilter. Gerade wegen dieser Schwäche könnte sich dieses Tool zu einem Experimentiertool für Kreative entwickeln. Mit zusätzlichen Optionen ausgestattet sind in der neuen Programmversion auch die Panorama- und Bildmontage-Befehle Photomerge, Ebenen automatisch ausrichten und Ebenen automatisch füllen. Allerdings: Verglichen mit den immensen Qualitätszuwächsen der Vorversion, kaprizieren sich die neuen Optionen in CS4 mehr auf das Bereitstellen zusätzlicher Finetuning-Optionen.

Kuler: eine neue Extension für das Zusammenstellen von Farben
Kuler: eine neue Extension für das Zusammenstellen von Farben
Auch in Sachen Detailverbesserungen erwartet Photoshop-User das ein oder andere Neue. Neu hinzugekommen ist eine Palette namens Notizen für das Einbetten von Kommentaren. Übersichtlicher organisiert als bislang ist auch die Metadaten-Übersicht unter Dateinformationen. Das Untermenü "Ansicht > Proof einrichten" enthält zwei neue Proof-Einstellungen für Farbenblinde, das Scripten-Menü zwei zusätzliche Skripte namens "Flatten All Layer Effects" und "Flatten All Masks". Ein besonderer Gimmick für Kreative findet sich im neuen Fenster-Menüpunkt Extensions - eine Farbpalette namens Kuler.

Offensichtlich angelehnt an die Farbhilfe in Illustrator CS3 ermöglicht sie das Zusammenkomponieren harmonischer Farbzusammenstellungen. Den Austausch mit anderen Photoshop-Nutzern im Web ermöglicht die in Kuler integrierte Online-Anbindung. Connection, eine zweite Extension, dient speziell dem Einloggen in den Online-Servicebereich von Adobe.

Photoshop Extended

Auch Photoshop CS4 wird in zwei Varianten erscheinen: als Normalversion mit den beschriebenen Neuerungen und als Photoshop CS4 Extended mit Spezialbefehlen.

Auch für Extended-Nutzer gibt es einige Neuerungen. Das Menü Analyse, gedacht vor allem für die Auswertung und Bearbeitung medizinischer Spezialdaten, ist mit einem neuen Befehl namens Measurement Scale Marker aufgestockt. Insgesamt stark ausgebaut und rundumerneuert ist der Bereich 3D. Die 3D-Funktionen verfügen nunmehr über ein eigenes Hauptmenü.

Drei neue 3D-Werkzeuge in der Werkzeugleiste sowie ein spezielles Untermenü für das Bemalen von 3D-Objekten ergänzen die Fähigkeiten. Wenig Neuerungen bringt Photoshop CS4 in Sachen HDR- oder 32-Bit-Bilder. Zwar funktioniert der neue Befehl "Vibrance" auch bei 32-Bit-Bildern, sonst ist alles beim Alten geblieben.

Empfehlung

Photoshop CS4 schafft einen vollwertigen Versionssprung. Die Neuerungen im Bereich Bildbearbeitung sprechen für einen Umstieg - vor allem bei Bildbearbeitern und Fotografen, die die beste und neueste Digitaltechnologie auf dem Rechner haben möchten. Im Bereich Panorama & Montage konsolidiert CS4 den Quantensprung der Vorversion mit zusätzlichen Gimmicks und Features. Content-Aware Scale und die neue Kuler-Palette schließlich sind Tools so recht nach dem Geschmack von Kreativen.

Im Mittelpunkt der neuen Photoshop-Version steht ersichtlich der Faktor Produktivität. Die neuen Optionen bei Dokumentlayout und Ansichtsmodus sowie die Tabs für Bilddokumente sind auf den ersten Blick vielleicht gewöhnungsbedürftig. In Kombination mit den neuen Workflow-Paletten Adjustments, Masks sowie der Application Bar sorgen sie allerdings schnell für ein besseres Arbeitsgefühl. Ein gelungenes Upgrade - auch wenn in einigen Spezialbereichen wie HDR noch Wünsche offen bleiben.

Übersicht: Das ist neu

- neue Werkzeuge zur Bildbearbeitung

- neue Paletten Application Bar, Adjustments, Masks

- neues Farbtool Kuler

- Content-Aware Scale zum Interpolieren von Bildern

- Verbesserungen bei Panoramas

Steckbrief:

Note: keine, da Beta

+ Zahlreiche neue Bildbearbeitungs- und Workflow-Funktionen; insgesamt gro§er Funktionsumfang

- keine Neuerungen im Bereich HDR

Alternative: keine

Ab Mac OS X 10.4.11

Info: Adobe

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