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Auch wenn das Marketing von Quark es anders sieht, ein Revolutionär ist Xpress 8 nicht. Neben vielen nützlichen Neuerungen für den Arbeitsalltag bleibt aber eine weiterhin offene Wunschliste, die wir am Donnerstag, den 6.11. näher betrachten.
Von Thomas Armbrüster (06.11.2008)
Nach dem Programmstart präsentiert sich Xpress 8 im neuem Outfit. Jedoch nicht nur das Aussehen des Fensters und der Paletten hat sich geändert, sondern auch die Funktionsweise diverser Werkzeuge und Bedienungselemente. So hat Quark einigen Paletten zusätzliche Symbole spendiert, mit denen man Stilvorlagen und Farben anlegen und bearbeiten kann, ohne das Menü oder das Kontextmenü zu bemühen, und im Fenster kann man über Symbole die Musterseite öffnen oder das Layout exportieren.
Die Werkzeuge wurden von Grund auf neu konzipiert, wobei Quark sichtlich Anleihen bei Adobe genommen hat. Es gibt nun ein generelles Rahmen-Werkzeug, die damit erstellten Rahmen lassen sich entweder mit Text oder mit einem Bild füllen. Per Doppelklick in einen mit Text beziehungsweise Bild gefüllten Rahmen wechselt Xpress zum jeweiligen Bearbeitungs-Werkzeug. Beide Werkzeuge können außer zum Bearbeiten der Inhalte auch dazu verwendet werden, spezifische Text- und Bildrahmen aufzuziehen.
Es gibt nur noch ein Werkzeug für gerade Linien sowie ein Bézier- und ein Freihand-Werkzeug, mit denen man offene und geschlossene Pfade zeichnet. Das Textpfad-Werkzeug ist weggefallen, denn man kann mit dem Textinhalts-Werkzeug jeden Pfad doppelklicken und dann einen Text schreiben. Außerdem sind nun Werkzeuge zum Bearbeiten eines Pfades in der Werkzeugpalette zu finden, die Funktionen lassen sich aber wie bisher auch per Tastenkürzel aktivieren, während man mit der Zeichenfeder arbeitet. Ein Dreh-Werkzeug findet man nicht mehr, da sich sowohl Text- und Bildrahmen als auch die Bilder interaktiv mit der Maus drehen lassen. Ebenfalls interaktiv funktioniert das Duplizieren von Objekten, wozu man beim Ziehen die Wahltaste gedrückt hält.
Mehrere Vorkommen eines Begriffs werden von Xpress 8 nicht erkannt
Bei der Rechtschreibkontrolle ist Xpress mit dem Durchsuchen des Textes schneller fertig als bisher. Im Gegenzug kann man aber ein Wort nicht mehr für alle Vorkommen übergehen, denn der Klick auf "Auslassen" betrifft immer nur das aktuelle Wort. Das Fenster "Wortanzahl" zeigt darum wohl auch nicht mehr die Zahl der unbekannten Begriffe. Was also an der einen Stelle an Geschwindigkeit zugelegt wurde, wird an der anderen sofort wieder verschenkt.
Xpress 8 importiert Texte und Bilder auch dann, wenn keine Rahmen im Layout angelegt sind. Die Bilder landen in Originalgröße auf der Seite, für die Texte legt Xpress einen Rahmen in der Größe des Satzspiegels oder der Spalten an. Außer wie bisher über den Importdialog lassen sich Texte und Bilder per Drag-and-drop aus dem Finder in das Layout übernehmen oder aus Adobe Bridge. Auch der umgekehrte Weg funktioniert. Wir können Texte und Bilder an Pages und Indesign CS3 übergeben. Adobe Bridge akzeptiert nur Bilder aus Xpress 8.
Quark hat die Texthandhabung von Xpress erweitert, damit man mit der europäischen Programmversion auch asiatische Layouts öffnen und die Texte bearbeiten und korrigieren kann. Ein uns zur Verfügung gestelltes japanisches Beispieldokument lässt sich problemlos öffnen und wir können den Text bearbeiten (ohne natürlich zu wissen, was die einzelnen Zeichen jeweils bedeuten). Wer umfangreichere Bearbeitungsmöglichkeiten für die asiatischen Schriften benötigt, muss sich die Plusversion von Xpress 8 zulegen. Damit beim Öffnen von Layouts auch Zeichen dargestellt werden können, die in den momentan verfügbaren Schriften nicht vorhanden sind, gibt es jetzt mehrere Fallbackschriften für verschiedene Sprachen.
Für Typografie-Liebhaber bietet Xpress 8 die Möglichkeit, Einstellungen für den optischen Randausgleich vorzunehmen. Diese Vorgaben, die man jeweils auf spezifische Buchstaben und Satzzeichen beschränken kann, werden analog zu den Vorgaben für die Silbentrennung gespeichert und in den Einstellungen für eine Absatzstilvorlage ausgewählt. Sie lassen sich auch exportieren und in andere Layouts übernehmen. Was endlich auch in Xpress funktioniert ist die Aktualisierung einer Stilvorlage anhand der manuellen Änderungen im Text.
Das Grundlinienraster ist Vergangenheit, jetzt gibt es das Designraster
Stilvorlagen lassen sich in Xpress 8 auch für Objekte anlegen. Am einfachsten ist es, zuerst ein Muster zu gestalten, es auszuwählen und dann eine neue Stilvorlage zu definieren. Diese übernimmt automatisch alle Einstellungen. Eigenschaften, die man nicht übernehmen möchte wie beispielsweise die Rahmengröße, deaktiviert man. Warum aber die Schatten nicht Teil eines Objektstils sein können, weiß wohl nur der zuständige Produktmanager. Auch die neue Suchen- und Ersetzenfunktion für Objektstile passt bei den Schatten. Und bei den Job-Tickets tauchen die Objektstile gar nicht erst auf.
Um das Farbmanagement und den PDF-Export zu testen, laden wir CMYK- und RGB-Bilder und Grafiken mit unterschiedlichen Dateiformaten in ein Layout, die jeweils Farbflächen mit eindeutigen Farbwerten enthalten.
Das Layout exportieren wir als PDF, wobei wir ein Mal Prozess- und Sonderfarben erlauben, ein Mal alles in Prozessfarben umwandeln lassen und ein Mal die Option "Unverändert" verwenden, bei der keine Farbumwandlung stattfinden sollte. Die Farben in den PDF-Dateien messen wir dann mit Pitstop 8. Dabei zeigen sich in den per Farbmanagement umgewandelten RGB-Farben nur leichte Unterschiede von wenigen Zehntel Prozent zwischen TIFF, JPEG und PSD einerseits und EPS und PDF andererseits. Die in CMYK umgewandelten RGB-Farben in einem Vektor-EPS haben aber von den Pixelbildern deutlich abweichende Werte. In Indesign CS3 ergeben sich bei dieser Datei nur leichte Abweichungen im Zehntel-Prozent-Bereich. Bei den platzierten CMYK-Bilder zeigen sich im PDF vom Original nur geringe Abweichungen von etwa 0,2 %, was aber auch bei Indesign CS3 nicht anders ist.
PDF-Export problemlos
Xpress produziert bei Photoshop-Bildern aber etwas höhere Abweichungen (bis 0,6 %) als bei den anderen Bildformaten. Einen schon seit Xpress 7 vorhandenen Fehler finden wir bei der Ausgabe mit der Option "Unverändert": Xpress separiert im Photoshop-Format platzierte RGB-Bilder in CMYK. Im Gegenzug bleibt ein Duplex mit einer Pantone-Farbe unsepariert, wenn wir alle Farben in Prozessfarben umwandeln lassen. Zusätzlich exportieren wir noch einige Buch- und Kataloglayouts als PDF, und zwar ein Mal auf direktem Weg über Xpress und ein Mal über eine Postscript-Datei und Acrobat Distiller 9. Probleme treten dabei im Test keine auf.
Das Grundlinienraster ist Vergangenheit, jetzt gibt es das Designraster, das nicht nur die Grundlinie, sondern auch Linien für die Mittel- Ober- und Unterlängen im Layout einblenden kann. Die Einstellungen erfolgen jeweils für eine Musterseite oder individuell für einen Textrahmen. Auch die Seitenränder sind jetzt eine Musterseitenoption und im selben Dialogfenster einzustellen. Schwieriger ist jedoch die Einstellarbeit geworden. Hat man bisher die Position der ersten Grundlinie und die Schrittweite des Grundlinienrasters bestimmt, geht Xpress 8 zuerst von der Schriftgröße und dem Zeilenabstand aus, den man entweder als Prozentsatz der Schriftgröße und/oder mit Hilfe des Durchschusses definiert (die Prozentoption funktioniert aber wegen eines Fehlers momentan nur im Fenster "Einstellen", nicht jedoch im Fenster "Master-Hilfslinien und Raster").
Danach ist die Position der Grundlinie festzulegen. Was die Option "Platzieren an" bewirkt ist dabei nicht so recht nachvollziehbar (eventuell liegt hier noch ein Programmfehler vor), weshalb es am einfachsten ist, die Werte für die Grundlinie aus einer Schrift auszulesen oder mit "Einstellungen laden" die Absatzstilvorlage des Fließtextes auszuwählen. Deren Werte übernimmt Xpress dann für den Zeilenabstand und die Grundlinienposition. Beide Optionen sorgen dafür, dass die erste Grundlinie im Satzspiegel so platziert wird, das der Text mit seiner Oberlänge oben mit dem Satzspiegel abschließt. Hat man für einen Textrahmen ein eigenes Grundlinienraster definiert, richtet sich der Text an diesem aus, sofern für ihn die Ausrichtung am Grundlinienraster der Musterseite ausgeschaltet ist. Raster-einstellungen kann man auch als Vorlage speichern, exportieren und dann in anderen Layouts verwenden.
Zu unserem Testzyklus gehört es auch, ältere Xpress-Layouts mit Xpress 8 zu öffnen. Bei den alten Formaten ändert sich dabei häufig der Umbruch
Beim Öffnen von Dokumenten, die mit Xpress 6 oder neuer erstellt wurden, gibt es im Test keine Umbruchänderungen, wenn wir die Layouts ohne gedrückte Wahltaste öffnen. Halten wir die Wahltaste gedrückt, um den Text auf den Zeilensetzer von Xpress 8 zu aktualisieren, läuft in vielen Dateien der Text anders und muss nachbearbeitet werden. Dieses Verhalten zeigt auch Xpress 7.5 bei Layouts von Xpress 6. Bei älteren Layouts (wir nehmen zum Testen Dokumente, die mit Xpress 3.3 und 4 erstellt wurden), kommt es in Xpress 8 häufig zu Umbruchänderungen, auch wenn wir die Dateien ohne Wahltaste öffnen. Xpress 7.5 zeigt dieses Verhalten nicht und der Umbruch bleibt erhalten. Xpress 8 erfordert also besondere Aufmerksamkeit, wenn man ältere Dateien bearbeitet.
- Überarbeitetes Dokumentfenster
- Schaltflächen in den Stilvorlagenpaletten
- Überarbeitete Werkzeugpalette mit Tastenkürzel
- Einheits-Werkzeug für Rahmen
- Separates Inhalts-Werkzeug für Text und Bilder
- Import von Bildern und Texten ohne Rahmen aufzuziehen
- Interaktives Drehen von Objekten
- Duplizieren von Objekten mit gedrückter Wahltaste
- Umwandeln von mehrzeiligem Text in Pfade
- Übernahme von Änderungen im Text in die Stilvorlage
- Stilvorlagen für Objekte
- Suchen und ersetzen von Objekteigenschaften
- Import von Illustrator-Dateien (PDF)
- Designraster für Musterseiten und Textrahmen
- Hilfslinienpalette
- Zeichenbasierter optischer Randausgleich
- Unterstützung asiatischer Schriften
- Schriftvoransicht in Schriftmenüs
- Arbeitsumgebung für Flash
Xpress 8 platziert wie die Vorgängerversion neben TIFF, EPS, JPEG, PNG, BMP und GIF auch Bilder im Photoshop-Format. Bei letzterem bestehen weiterhin die Ausnahmen: Duplex- und Bitmap-Bilder sowie Bilder im Lab-Farbraum lassen sich nicht importieren. Haben die Photoshop-Bilder Einstellebenen, so versteht sich das Programm unter anderem auf Kurven und den Kanalmixer und übernimmt diese Ebenen, die sich dann im Layout ein- oder ausschalten lassen. Bei Ebenenstilen wie Fotofiltern oder Mus-terüberlagerungen erstellt Xpress ein Composite-Bild und platziert dieses, da es die Ebenen nicht importieren kann, worauf jeweils hingewiesen wird.
Neu ist die Möglichkeit, Illustrator-Dateien in Xpress zu platzieren, vorausgesetzt, man hat sie mit der Option "PDF-kompatible Datei erstellen" in Illustrator gesichert. Denn Xpress importiert einfach das in dieser Datei enthaltene PDF, was auch an den Importoptionen ersichtlich ist, die denjenigen für den PDF-Import entsprechen. Behandelt werden diese Dateien genauso wie jedes andere platzierte PDF. Hier akzeptiert Xpress 8 alle Formate bis einschließlich PDF 1.7.
Was noch einer Verbesserung bedarf sind die hochauflösenden Bildvoransichten. Xpress braucht lange, um die Vorschauen zu berechnen und genehmigt sich bei jedem Sichern unseres bildlastigen Testlayouts viel Zeit (im Mittel rund anderthalb Minuten), wenn wir die Bilder hochauflösend darstellen lassen. Von daher ist es ratsam, diese Option nur bei tatsächlichem Bedarf einzuschalten.
Da Quark den bisher als kostenpflichtige Zusatzoption erhältlichen Interactive Designer in Xpress integriert hat, kann man nun auch Animationen programmieren. Eigene Scripts muss man eher selten erstellen, da Xpress mit einer langen Liste von vorgefertigten Scripts ausgeliefert wird, die man bei den Einstellungen für die Objekte aus den Menüs auswählen kann. Der Vorteil der Integration liegt darin, dass sich Print-Elemente in interaktive Flash-Layouts und in Webseiten übernehmen sowie Flash-Animationen direkt in ein Web-Layout über die Option "Mehrfach genutzte Inhalte" platzieren lassen. Direkt exportiert werden die Flash-Layouts als SWF-Datei.
Quark
Preis: € (D) 1605 Upgrade € (D) 475 Xpress 8 Plus € (D) 1760 Upgrade € (D) 630
Note: 2,5 befriedigend
Bedienung (30 %) 2,7
Funktionsumfang (30 %) 1,5
Arbeitsgeschwindigkeit (30 %) 3,2
Dokumentation (10 %) 2,5
+ Vereinfachte Werkzeugbedienung, Unterstützung für asiatische Texte, Flash-Layout, Designraster, Objektstile
- Softproof und hochauflösende Bildvoransichten langsam, Fehler im Farbmanagement, unintuitive Job-Jackets
Alternative: Adobe Indesign CS4
Ab Mac-OS X 10.4.11
Das Update ist durchaus zu empfehlen, da die überarbeiteten Werkzeuge und Paletten, die Objektstile, die neuen Designraster, der optische Randausgleich sowie der Import aus Adobe Bridge und per Drag-and-drop die Layoutarbeit vereinfachen und verbessern. Wer es häufig mit asiatischen Dokumenten zu tun hat, kommt um diese Programmversion gar nicht herum. Nicht erwarten darf man jedoch, dass sich das Programm zur schnelleren Arbeit herablässt als bisher. Außerdem gibt es bei den hochauflösenden Bildvoransichten und dem Soft-Proof Optimierungsbedarf, und es sind noch einige Fehler im Farbmanagement zu bereinigen. Eine intuitivere Bedienung der Job-Jackets würde dem Programm ebenfalls nicht schaden. Heftig ist der Update-Preis vor allem für diejenigen, die sich sowohl Xpress 7 als auch den Interactive Designer gekauft haben, denn sie bekommen keinen Rabatt.
Thomas Armbrüster
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