Test HSPA-WLAN Router |
Wo schnelle UMTS-Netze funken, kann der Globesurfer III den DSL-Anschluss ersetzen. Der HSPA-Router von Option ist ein Multitalent, nicht nur für mobile Arbeitsgruppen.
Von Ole Meiners (02.02.2009)
Der Osten Deutschlands weiß es am besten: Schnelle DSL-Anschlüsse sind Mangelware, wenn im Erdreich Glasfaserkabel verlegt sind. Und wer zu weit vom Verteiler wohnt, wird mit Schmalband-Internet zum hohen Preis versorgt - wenn überhaupt. Einen möglichen Problemlöser bietet der belgische Mobilfunk-Spezialist Option an. Der Globesurfer III versorgt einen kleinen Haushalt, ein Wochenendhaus oder ein mobiles Gewerbe mit Internet und Telefon, ganz ohne Festnetzanschluss.
Das Taschenbuch-große, elegante Gerät ist als Tor zum Internet binnen weniger Minuten einsatzbereit: Handy-SIM-Karte einstecken, Netzteil anschließen und für die erste Konfiguration die Web-Oberfläche des Routers mit einem Browser ansteuern. Dort angekommen geleitet ein Assistent den Benutzer durch die weitere Verbindungsaufnahme, er fragt die PIN der SIM-Karte ab und bittet um die Eingabe des richtigen APN. Dieser von Provider und Tarifmodell unterschiedliche Access Point Name ist die einzige wirkliche Hürde für Netzwerk- und Mobilfunk-Laien bei der Einrichtung des Globesurfer III - den sollte man vorher beim Mobilfunkanbieter recherchiert haben. Der Assistent übernimmt auch die WLAN- und Firewall-Einrichtung, blitzschnell ist ein kleines Netzwerk zu Hause, am Urlaubsdomizil oder Campingplatz oder auf der Baustelle aufgebaut.
Neben Internet-Diensten stellt der Globesurfer III auch einen Telefonanschluss bereit, nämlich die Rufnummern, die der SIM-Karte zugeordnet sind. Wer am Western-Anschluss (RJ11) sein handelsübliches analoges Telefon oder seine DECT-Basisstation anschließt, telefoniert fortan unter der Mobilfunknummer - und ist ebenso erreichbar. In Kombination eines so genannten Homezone-Vertrags mit Daten- und Festnetz-Flatrate ist ab 35 Euro monatlich ein adäquater Ersatz für das Telekom-Kabel zu bekommen - zumindest theoretisch.
Echtes DSL-Feeling kommt beim Surfen allerdings nicht auf. In unserer Testumgebung mit O2 Germany in der Berliner Innenstadt erreichen wir nur selten mehr Durchsatz als 1,5 Megabit pro Sekunde im Download. Zu den Hauptverkehrszeiten liefert der Router oft bloß UMTS-Geschwindigkeit bei unter 400 Kilobit pro Sekunde. Anders die D-Netze. Hier beträgt die Bandbreite in der Spitze 3,5 Megabit pro Sekunde, auch aufwärts oft im Megabit-Bereich. Ganz entscheidend ist dabei neben dem Netzausbau und dem Provider die Position des Globesurfer III. Je näher das Gerät an einem Fenster steht, desto besser ist das Signal und somit auch die Bandbreite. Oftmals verbessert sich das Signal, wenn der Router die Hausseite und damit die bevorzugte UMTS-Basisstation wechselt.
Der Anschluss einer externen Antenne kann den Empfang nochmals deutlich unterstützen. Die Verzögerungen beim Aufrufen von Seiten aber bleiben. Diese Latenzen finden im Mobilfunk ihren Ursprung und können einem das Mitbieten bei eBay im entscheidenden Augenblick vermiesen. Hier ist das echte DSL klar im Vorteil.
Neben zwei Ethernet-Anschlüssen (Gigabit) bietet der Funk-Router auch einen USB-Port, über den ein Drucker oder ein Speichermedium dem lokalen Netz (auch per Hub) zur Verfügung gestellt werden können. IT-Profis werden die umfangreichen VPN-Möglichkeiten schätzen, wer auch ein Fax-Gerät anschließen will, sollte beim Provider um Dienstefreischaltung seiner SIM-Karte bitten. IP-basierte Sprachdienste wollen die Anbieter über Mobilfunk unterbinden, im Test klappt es trotzdem.
In Kürze will der Hersteller den Globesurfer III auch mit deutscher Dokumentation und Konfigurations-Oberfläche ausliefern, noch ist die Bedienung nicht ganz in sich schlüssig. Dafür ist aber die Firmware-Aktualisierung ein Kinderspiel - Netzversorgung stets vorausgesetzt.
Dank HSUPA für schnelle Uploads ins Netz kann der Option Globesurfer III bei entsprechender Mobilfunkversorgung tatsächlich einen Telefon- und DSL-4000-Anschluss ersetzen - hier sind die teureren D-Netze technisch im Vorteil. Alternativlos ist der Funk-Router immer dann, wenn gar keine Kabelverbindung realisiert werden kann oder soll. Dann nimmt man auch langsamere Netze wie EDGE in Kauf. Ole Meiners
Feedback: markus.schelhorn@macwelt.de
Vielseitiger Mobilfunk-Router als DSL- und Festnetz-Alternative
Option
Preis: € 340, CHF 480
Note: 1,7 gut
Leistung: (40%): 1,2
Ausstattung (30%): 1,3
Handhabung (20%): 1,9
Dokumentation (10%): 2,4
Vorzüge: Kompakt, für Einsteiger geeignet, umfassende VPN- und SNMP-Unterstützung, neueste 3G-Technik, großer Einsatzbereich, einfaches Firmware-Update, Gigabit-Ethernet, farbiges Info-Display
Nachteile: Keine praktische Akku- oder 12-Volt-Option, kein Diebstahl-Schutz (Kensington Lock), derzeit nur englisch lokalisiert, Web-Konfiguration unübersichtlich, kein n-Draft-WLAN
Alternativen: Linksys WRT54G3G, HSPA-USB-Sticks
Universell verwendbar; geeignete SIM-Karte, Strom- und Netzversorgung (2G - 3,5G) vorausgesetzt