Praxis iMovie 09 in der Praxis |
Bessere Organisation und Übersicht, ein paar mehr Schnitt- und Optimierungs-Funktionen sowie eine ganze Menge kunterbunter Kinkerlitzchen zeichnen iMovie 09 aus. Eine Timeline gibt es leider noch immer nicht. Wobei… braucht man die?
Von Andreas Zerr (10.02.2009)
Filme heißen in iMovie nicht "Filme" sondern "Ereignisse". Diese Terminologie sagt eigentlich schon alles über das Konzept des Programmes aus. Man schneidet keine Filme sondern sortiert unterschiedliche Medien zu einem Gesamtwerk, einem Ereignis halt. Bildgenauer Feinschnitt, Match-Framings oder individuelle Gestaltung sind in iMovie 09 noch immer eher Glückssache. Wer allerdings mit einem geringeren Anspruch an sein Projekt herangeht, kann mit iMovie jede Menge Spaß haben und vor allem, erstaunliche Ergebnisse erzielen, auch ohne abgeschlossenes Mediengestalter-Studium.
Der Import von Videoclips in iMovie 09 gestaltet sich denkbar einfach, egal aus welcher Quelle das Material stammt. Zwar besitzt iMovie 09 noch immer die bekannten Einschränkungen auf Consumer-Formate wie DV, HDV und AVCHD, die Unterstützung der jeweiligen Kameras hingegen ist beispielhaft. Videomaterial von Band, zum Beispiel DV, lässt sich manuell oder automatisch über den Import-Befehl einspielen, wobei iMovie die Aufnahmen in einzelne Clips separiert. Rohmaterial von bandlosen Zuspielern, zum Beispiel AVCHD-Kameras mit Flash-Speicher, wählt der Anwender über das Import-Fenster einzeln mittels Checkboxen aus oder importiert alle Clips in einem Durchgang. Eine umfangreiche Liste aller unterstützten Formate und Kameras findet sich auf der Apple-Support Website.
Ist ein Projekt angelegt und Material importiert, erscheint dieses als Ereignis in der "Ereignis-Mediathek" links unten im Browser-Fenster. Wer mehrere Ereignisse angelegt hat, findet diese fein säuberlich in chronolischer Ordnung. Neu in iMovie 09 ist die Vollbild-Übersicht mit Coverflow-Funktion. Klickt man auf den Play-Button der Mediathek (Schwarz unterlegte Schaltfläche), kann man das Videomaterial im Vollbild-Modus betrachten, während alle Ereignisse in Miniatur-Darstellung im unteren Bildbereich als Coverflow-Serie angezeigt werden. Mittels Scroll-Balken hangelt sich der Anwender durch seine Ereignisse und kann schnell den gewünschten Film auffinden.
Da iMovie die Clips zusammen mit dem Aufnahmedatum speichert, ist es möglich, passende Fotos zum dem Ereignis in iPhoto zu finden. Hierfür aktiviert man neben der Foto-Auswahl auch das Häkchen für "Fotos einblenden" und bestimmt einen Auswahl-Bereich rund um das Aufnahme-Datum, zum Beispiel den selben Tag, die Woche oder den Monat. Die Datums-Informationen der Videoclips werden auf Basis der so genannten Timestamps der Kamera gespeichert. Sollten diese einmal nicht korrekt sein, weil die Kamera falsch eingestellt ist, lassen sich Datum und Uhrzeit im Projektfenster nachträglich ändern, um wieder zeitliche Ordnung in das Ereignis zu bringen.
Innerhalb der Ereignisse kann der Anwender kleinere Projekte anlegen. Hierbei handelt es sich entweder um unterschiedliche Versionen eines Films, die man mittels "Projekt duplizieren" definiert, oder um eigenständige Filme, zum Beispiel unterschiedliche Tage einer Reise. Der besseren Übersicht halber lassen sich die Projekte in iMovie 09 als Liste in Form von Filmstreifen anzeigen, sodass man schnell von einem Projekt in nächste wechseln kann.
Wie auch in den Vorversionen von iMovie sichtet man sein Videomaterial indem man mit der Maus über die Clips im Browser fährt. Alternativ dazu kann man die Leertaste betätigen, um das Videobild in Echtzeit im Vorschaufenster abzuspielen. Hat man sich für einen Clip entschieden, zieht man mit gehaltener Maustaste einen Bereich innerhalb des Clips auf, um In- und Out-Punkte zu definieren. iMovie zeigt hierbei ziemlich akkurat die Dauer des geschnittenen Clips an. Seinem Projekt fügt man diesen Clip hinzu, indem man ihn per Drag-and-Drop an die gewünschte Position des Projekt-Fensters zieht. Wer die Schnittmarken eines Clips wieder löschen möchte, klickt auf den hellen Stern, während der dunkle Stern einen Favoriten erzeugt. Favoriten sind eine Art Vorschnitt, die sich als Auswahl im Browser-Fenster darstellen lassen. Um sich bestimmte Ereignisse innerhalb der Videoclips besser merken zu können, stehen ausserdem in iMovie 09 Kommentar-Marker zur Verfügung, die man über das Kontextmenü (Rechts- oder CTRL-Klick) auf einen Clip setzen und benennen kann.
Zieht man einen Clip aus der Mediathek auf einen bereits bestehenden Clip im Projekt, erscheint ein neues Einblendmenü. Hier hat der Anwender die Möglichkeit, den Clip an der derzeitigen Positionen einzufügen (Insert-Schnitt), den bestehenden Clip zu ersetzen, nur das Audio des neuen Clips zu übernehmen, oder den Vorgang abzubrechen.
Zu den neuen Funktionen von iMovie 09 gehört das Präzisions-Schnittwerkzeug, mittels dessen es möglich ist, Clips wesentlich genauer zu schneiden als durch das Ziehen des Mauszeigers in der Mediathek. Um das Präzisionswerkzeug zu öffnen, führt man einen Doppelklick auf den Bereich zwischen zwei Clips im Projektfenster aus. Der Ausgangs- und der Eingangsclip erscheinen übereinander in zwei Videospuren, getrennt durch einen blauen Strich. Bewegt man diesen Strich nach links, so verkürzt man den Ausgangs-Clip (links), während man den Eingangsclip (rechts) verlängert; die Gesamtlänge des Films bleibt hierbei unverändert. Möchte man nur einen Clip bearbeiten, also zum Beispiel nur den Ausgangsclip verkürzen, klickt man mit der Maus direkt auf den Clip und zieht diesen nach links. Um das Präzisionswerkzeug wieder zu schließen und den Schnitt damit endgültig durchzuführen, klickt der Anwender auf die Schaltfläche "Fertig".
Um seinem Film-Projekt Musik hinzuzufügen, zieht man aus der iTunes-Bibliothek, die sich über einen Klick auf das Notenzeichen in iMovie öffnen lässt, das gewünschte Lied in das Projektfenster. Die Clips, die sich innerhalb der Dauer der Musik befinden, werden hierbei grün unterlegt. Zur Bearbeitung der Musik öffnet man den Song über einen Klick links oben im Projektfenster, worauf dieser im Clip-Trimmer erscheint, wo man das Lied kürzen oder mit so genannten Beat-Markierungen versehen kann, um besser auf die Musik schneiden zu können. Beat-Markierungen erscheinen als kleine Punkte im Projektfenster und teilen dort auch automatisch den darüber liegenden Clip.
Zur individuellen Nachbearbeitung lassen sich die Einstellungen (Informationen) durch einen Doppelklick auf einen Clip öffnen. Hier steht neben der Clip-Dauer zunächst die sehr professionell gestaltete Farbkorrektur zur Verfügung. Klickt man auf die Schaltfläche Video, so kann man Pegel, Sättigung, Helligkeit und Kontrast des Videos anpassen, und sogar einen nachträglichen Weissabgleich durchführen, indem man auf einen weissen Punkt im Videobild klickt. Zur Anpassung der Tonspur eines Clips klickt man auf die Schaltfläche Audio, wo man die Lautstärke sowie das Ein- und Ausblenden definiert. Wer gerne einen Spezialeffekt auf einem Clip anwenden möchte, klickt in den Informationen auf die Schaltfläche "Clip" und dort auf den Bereich "Videoeffekt". Es erscheint ein Fenster mit allen Videoeffekten, die durch einen einfachen Klick auf dem Video angewandt werden. Wer sich im späteren Verlauf der Arbeit für einen anderen Effekt entscheidet, ruft die Informationen einfach erneut auf und wählt den neuen Effekt. Leider besteht auch in iMovie 09 nicht die Möglichkeit, zwei Effekte gleichzeitig einzusetzen oder die Stärke eines Effekts zu bestimmn. Ebenfalls über das Informations-Fenster eines Clips bestimmt der Anwender, ob er einen Clip rückwärts ablaufen lassen möchte, oder ob das Video mit geringerer Geschwindigkeit (Zeitlupe) oder höherer Geschwindigkeit (Zeitraffer) abgespielt wird.
Neu in iMovie 09 ist ausserdem die Möglichkeit, einen verwackelten Clip stabilisieren. Hierfür wählt man in den Clip-Informationen "Clip-Bewegung ausgleichen" an, woraufhin iMovie den Clip analysiert und bestmöglich stabilisiert. Da eine Stabilisierung immer mit einer Vergrößerung des Bildes einhergeht, kann der Anwender den Zoom manuell einschränken, sollte das Bild zu sehr skaliert werden. Da es im Stabilisator ansonsten keine Einstellungsmöglichkeiten gibt, ist die erfolgreiche Stabilisierung eines Clips Glückssache; es klappt oder es klappt nicht. Während unserer Test funktionierte die Stabilisierung mitunter ausgezeichnet, speziell bei leicht verwackelten Zooms und Schwenks, zum Teil sahen wir auch kaum einen Unterschied zur Urversion.
Acht neue Übergänge finden sich in iMovie 09, die sich vor dem Einsatz in der neuen Vorschau-Palette anzeigen lassen. Zum Einsatz eines Übergangs genügt es, diesen per Drag-and-Drop zwischen zwei Clips in der Timeline zu ziehen. Um den Übergang zeitlich anzupassen, klickt man auf den Effekt und wählt die "Übergangsanpassung".
Speziell für Reisevideos eignen sich die neuen, animierten Karten von iMovie 09. Aus dem Bereich Karten und Hintergründe wählt man zunächst die gewünschte Karte (oder einen Globus) und zieht diese per Drag-and-Drop in das Projektfenster. Über die Informationen der Karte kann man nun den Standort und den Zielort auswählen, woraufhin iMovie die Wegstrecke abhängig von der Einblend-Dauer der Karte recht geschmackvoll animiert.
Wer seinen Film noch mit Titeln und Texten anreichern will, findet in iMovie 09 insgesamt 30 unterschiedlich gestaltete Text-Grafiken, von denen 18 auch tatsächlich neu sind. Um einen Titel im Video einzufügen, zieht man diesen aus der Vorschau-Palette auf ein Video (für einen Überlagerungs-Effekt), oder zwischen zwei Videoclips im Projekt-Fenster, um sich einen neuen Hintergrund zu wählen. Interessanter jedoch ist die Auswahl von Themen, da dem Film hiermit nicht nur passende Titel sondern auch anspruchsvolle Übergänge hinzugefügt werden. Der Anwender kann aus fünf Themen wählen, zum Beispiel Comic, Fotoalbum oder Pinwand, wobei die Übergänge so gestaltet sind, dass die Kamera von einer Szene auf die nächste schwenkt. Neben den neuen Übergängen, die natürlich auch individuell nachbearbeitet werden können, finden sich gleichsam nach Anwendung eines Themas auch der entsprechende Titel und Abspann im Projekt.
Wohin mit dem Film wenn dieser fertig gestaltet ist? iMovie 09 bietet hier unterschiedliche Möglichkeiten: Über das Menü "Bereitstellen" kann man einen Film zum Beispiel direkt auf seine MobileMe-Website oder auf YouTube stellen, wobei man hier sowohl die Qualität als auch Schlagwörter und Beschreibung angeben kann. Eine weitere Möglichkeit ist der Export als QuickTime-Film in unterschiedlichen Größen und Formaten sowie Erstellen einer XML-Datei für Final Cut. Final Cut verbindet die Medien automatisch und lässt so eine sofortige Weiterbearbeitung zu. Verloren gehen allerdings sämtliche Grafiken, Themen, Effekte und Übergänge, die durch die "Normale Überblendung" ersetzt werden.
Natürlich kann man seinen iMovie auch an iDVD zum Brennen von Video-DVDs übergeben, wo sich ausser ein paar neuen Themen in der iLife 09 Version nichts geändert hat. Beim Senden an iDVD konvertiert iMovie das Videomaterial automatisch in DVD-konformes MPEG-2 und fügt den Film in ein neues Thema von iDVD ein, wo der Anwender es nach eigenem Gusto nachbearbeiten oder mittels anderer Filme erweitern kann.
Wer sein Projekt zur späteren Bearbeitung archivieren möchte, kann es komplett (oder auch nur die geschnittenen Clips) konsolidieren und auf eine externe Festplatte übertragen oder, bei geringerer Größe, auf Daten-DVD brennen. Hierfür öffnet man aus dem Ablage-Menü die Funktion "Medien zusammenlegen" und wählt aus dem erscheinenden Dialog entweder "Ereignis kopieren", um alle Medien auf ein anderes Volume zu kopieren, "Clips kopieren", um nur das tatsächlich genutzte Material anderweitig zu speichern, oder "Ereignis bewegen" um alle Medien an einen anderen Platz zu schaffen. Andreas Zerr
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