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Wer nach einem Navigationssystem mit Sprachsteuerung für das iPhone sucht, wird im App Store nicht fündig. Eine tolle Lösung bietet das xGPS-Projekt nach einem Jailbreak bei Cydia - kostenlos.
Von Volker Riebartsch (03.03.2009)
Schon bei der Vorstellung des iPhone 3G mit integriertem GPS-Empfänger gab es in der Szene viele Gerüchte, die Navigationssystemanbieter wie Tomtom stünden bereits in den Startlöchern.
Ausgestattet mit einem GPS-Empfänger, Kartenmaterial und einem ausreichend großen Bildschirm, sollte die Entwicklung einer Navigationssystem-Software, die Sprachführung, Routenplanung und -hinweise sowie punktgenaue Bewegungsanzeige bietet, kein Problem sein.
Aber auch ein Dreivierteljahr später findet sich im App Store keine solche Komplettsoftware. Mit G-Map schaffte es eine halbherzige Lösung erst im zweiten Versuch in Apples Store, die Entwickler hatten die Sprachsteuerung und punktgenaue Bewegungsanzeige wieder entfernen müssen. Zudem bietet G-Map aktuell nur Kartenmaterial für die Ost- und Westküste der USA.
Bereits vor einem Jahr hatte sich Mathieu Monney (siehe Interview Seite 75) einen iPod Touch zugelegt und darüber geärgert, dass das Gerät nicht über einen GPS-Empfänger verfügt. In der Folge entwickelte Monney mit Gleichgesinnten ein externes GPS-Modul und dazu passende Software. Das xGPS-Project war geboren.
Die Macher setzten von Anfang an auf die inoffizielle Entwicklungsumgebung Free Toolchain Software, die so entwickelten Produkte sind nach einem Jailbreak über den alternativen Installer Cydia auf iPhone und iPod Touch zu bringen. Dafür gewährt der iPhone-Hersteller dann aber auch keinen Platz im App Store.
Bei Redaktionsschluss dieser Ausgabe stand die Vorstellung der Version xGPS 1.2 kurz bevor, sie ist bei Erscheinen des Heftes verfügbar - ein Jailbreak an iPhone oder iPod Touch vorausgesetzt. Die Entwickler stellten uns die Vorabversion zur Vorstellung in dieser Ausgabe zur Verfügung. Wer bisher noch keinen Grund sah, ein Jailbreak am iPhone vorzunehmen, xGPS 1.2 liefert ihn. Das Programm lässt sich im Online- oder Offline-Modus betreiben, in Letzterem werden die benötigten Google-Karten vorab auf das iPhone geladen. Ebenfalls kostenlos ist xGPS Manager für Mac-OS X und Windows. Mithilfe des Programms lassen sich am PC Karten laden und auf das iPhone bringen, Routen festlegen, zurückgelegte Strecken darstellen und mehr.
xGPS nutzt am iPhone 3G den integrierten GPS-Empfänger. Wer über ein iPhone der ersten Generation oder einen iPod Touch (1. Generation) verfügt, kann für 75 Dollar ein GPS-Modul für den Dock-Connector bei Orange Gadgets erwerben und dann mit den beiden Geräten GPS nutzen.
Selbst für Anwender, die über ein Navigationssystem im Auto verfügen, macht xGPS Sinn: Das Programm lässt sich im Online- oder Offline-Modus betreiben und ist ein idealer Begleiter in fremden Umgebungen - auch zu Fuß. Im Online-Modus werden die benötigten Google-Maps per Datenverbindung geladen.
Will man im Ausland bei einer Geschäfts- oder Städtereise die horrenden Roamingkosten für die Datenverbindung sparen, lädt man vor Antritt der Reise - oder im Hotel bei WLAN-Verbindung - die benötigten Karten in xGPS. Unterwegs steht dann die genaue Positionierung per GPS nebst Kartenmaterial zur Verfügung - gänzlich ohne Kosten für einen Download der Karten zur Positionsdarstellung
Wie schon gesagt, durften wir einen ersten Blick auf die bei Redaktionsschluss noch im Beta befindliche Version werfen. Wir sind begeistert. Routenplanung, exakte Darstellung der Position, Sprachnavigation (zurzeit nur in Englisch), Offline-Maps-Nutzung und mehr machen xGPS zu einem tollen Werkzeug, das die Funktionen von iPod Touch und iPhone voll ausnutzt.
Im unteren Bereich unter "Allgemein" können Sie die "Automatische Sperre" am iPhone bei der Nutzung von xGPS abschalten. Die Sperre schaltet iPhone und iPod Touch nach einer festgelegten Zeit normalerweise in den Ruhezustand - ungünstig für die Nutzung als Navigationsgerät. Über "WiFi-Transfer" lassen sich heruntergeladene Karten per WLAN-Verbindung von Mac und Windows-PC auf das iPhone übertragen - zur Offline Nutzung. Der Punkt "Karten" bietet deren Verwaltung und alternativ die Option, Karten direkt an iPhone oder iPod Touch von Google zu laden und später zu nutzen. Unter "Sprachsteuerung" lässt sich die Audiofunktion einschalten - zunächst nur in englischer Sprache. Wie "echte" Navis kann auch xGPS die Route zu einem Ziel neu berechnen, wenn der Benutzer einen anderen als den vorgeschlagenen Weg zum Ziel wählt. Unter "Darstellung" hat xGPS übrigens noch ein Clou versteckt: Neben diversen Darstellungsoptionen lässt sich auch der augenfreundliche "Nachtmodus" einschalten, das Display blendet den Fahrer nicht.
Nur das iPhone 3G verfügt über einen integrierten GPS-Empfänger. Der stellt dem Gerät jederzeit den aktuellen Längen- und Breitengrad sowie die Höhe über Normalnull als Zahlenwert zur Verfügung. Zum Empfang ist keine Datenverbindung des iPhone zu WLAN oder UMTS nötig. Die Ortsdaten überträgt das iPhone in die Google-Karte, verwendet sie in xGPS und in diversen Programmen, die Ortsbestimmung nutzen - auch in der integrierten iPhone-Kamera.
Am iPhone der ersten Generation und am iPod Touch erfolgt eine ungefähre Lokalisierung über Wi-Fi oder am iPhone über die Sendemasten des Mobilfunkanbieters. Beide Lösungen sind für Navigation nicht geeignet, da ungenau und nicht stets verfügbar. Die Macher von xGPS empfehlen das Modul iGPS360 von Orange Gadgets (www.orangegadgets.com, 75 Dollar). In unseren Tests arbeitet es gut mit einem iPhone der ersten Generation und dem iPod Touch (1. Generation).
xGPS nutzt die Karten von Google Maps. Im Gegensatz zu einer "echten" Navigationslösung kommt xGPS ohne Karten. Die lädt das Programm entweder über eine Datenverbindung während der Fahrt oder vorab. In letzterem Falle spart der Benutzer eventuelle Kosten für die Datenverbindung und beugt vor, falls das iPhone mal unterwegs ohne UMTS-Versorgung dasteht. Das Kartenmaterial kann der Benutzer in xGPS oder an Mac beziehungsweise Windows-PC laden.
Unter "Manage GPX traces" kann der Benutzer sogar Strecken, die er mit eingeschaltetem xGPS abgelaufen oder gefahren hat, aufzeichnen und mit dem Desktop-Programm abrufen. So lassen sich die Exkursionen in fremden Gegenden später am PC nochmals anschauen. Ebenfalls über die Desktop-Software lassen sich Routen managen, am PC erstellen und dann auf iPhone oder iPod Touch laden. Alle wichtigen Arbeiten kann der Benutzer so wahlweise zu Hause am PC vornehmen, alternativ auch unterwegs direkt am mobilen Navigationsgerät.
Im Interview stellt Thomas Heben die Entwickler von xGPS und die Geschichte des Programms vor.
iPhone-Welt: xGPS ist ein kostenloses Programm, wer ist für die Entwicklung verantwortlich, und seit wann arbeiten Sie an dem Projekt?
Heben: Mathieu Monney ist der führende Kopf bei der Entwicklung. Er lebt in der Schweiz und kaufte sich im Frühjahr 2008 einen iPod Touch, um dann enttäuscht festzustellen, dass Apple dem Gerät keine vernünftige Ortsbestimmung verpasst hatte. So machte man sich an die Entwicklung des xGPS-Moduls. Passend dazu musste dann natürlich auch eine echte GPS-Applikation entwickelt werden, die Geburtsstunde von xGPS für iPhone und iPod Touch. Neben GPS-Modulen anderer Hersteller kam dann das iPhone 3G mit integriertem GPS-Modul auf den Markt, die Entwicklung wurde jetzt auf die Software fokussiert. Wie schon gesagt, ist Mathieu Monney der führende Kopf bei der Software-Entwicklung, er lebt zur Zeit in der Schweiz. Website, Übersetzungen der Software, Support und andere Aufgaben haben verschiedene Personen im Umfeld übernommen. Alle haben natürlich normale Jobs, das Produkt ist ja kostenlos, einige befinden sich in der Ausbildung. Ich selbst bin unter anderem für den Support zuständig, natürlich auch neben meinem Hauptberuf.
Warum blockiert Apple echten Navigationslösungen den Zugang zum App Store, sodass Nutzer Ihr Gerät erst per Jailbreak öffnen müssen?
Ich glaube, dass Apple derartige Lösungen aus rechtlichen Erwägungen nicht erlaubt. In den meisten Ländern steht es unter Strafe, das iPhone während der Fahrt im Auto zu nutzen. Deshalb gibt es kaum Lösungen im Bereich Navigationssysteme. Wir hoffen natürlich, dass sich das ändert, zumal die Geräte (iPhone 3G, die Red.) die Funktionalität bieten. Mit G-Map (von Xroad) gab es die erste Lösung, die vielversprechend war. Das Programm wurde jedoch zunächst von Apple abgelehnt. Erst im zweiten Anlauf, als der Entwickler die Sprachführung, punktgenaue Bewegungsanzeige und andere Funktionen entfernt hat, wurde das Programm zugelassen. Nach unserer Einschätzung ist xGPS momentan die einzige echte Navigationslösung.
Würden Sie xGPS auch über den App Store anbieten?
Wie ich gerade sagte, aktuell kann xGPS aufgrund der Bestimmungen zur Zulassung im Apple Store nicht über diesen Weg verbreitet werden. Es hat zu viele Funktionen eines "echten" Navigationssystems und fordert den Benutzer geradezu heraus, es im Auto zu nutzen. Falls Apple sein OK gäbe, würden wir xGPS natürlich gern über den App Store anbieten.
Version 1.2 ist vollgepackt mit neuen Funktionen, was planen Sie für die Zukunft?
Tja, wir werden mit der Arbeit an Version 1.3 beginnen! Sie wird ein paar neue Funktionen sowie Verbesserungen an der Programm-Engine bieten, aber auch das Ende der Entwicklung der ersten Version darstellen. Wagen wir einen Ausblick auf die dann kommende Version 2. Hier können Sie neue Funktionen wie die Unterstützung von vektorbasierten Karten, "OpenStreet"-Karten und Kartendateien von Garmin erwarten, unter anderem. Es geht auf jeden Fall weiter!
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