Fineart-Fotopapiere |
Wer eine teure Fotoausrüstung hat, möchte die Ausgabe seiner Fotos oft selbst steuern. Eindrucksvoll sind Fineart-Prints auf Baryt-Papier oder hochglänzendem Cibachrom-Papier
Von Thomas Bergbold (03.06.2009)
Das Fotopapier Cibachrom (später Ilfochrom) war zu analogen Tagen legendär. Der sehr hohe Glanz fasziniert noch heute und lässt Bilder dreidimensional erscheinen. Wer mit Tintenstrahldruckern eine ähnliche Anmutung haben möchte, muss lange suchen, denn die Auswahl ist klein. Fünf Kandidaten haben wir ins Labor geholt. Außerdem testen wir sechs warmweiße Baryt-Papiere. Durch ihre Wärme sind sie für SchwarzWeiß-Abzüge prädestiniert.
Auf einem Filmträger basierend, sind die Medien wie der Super Dry Display Film 165 von Sihl, der PWF130 White Film Ultra Gloss von Tecco und der direkte Nachfahre des Ilfochrom von Ilford, der Galerie Smooth High Gloss. Sie basieren auf einer Polyesterfolie und sind bis zu 180 ¬µm dünn. Filme sind nicht sehr steif, lassen sich dafür aber sehr gut laminieren.
Der Exot ist das auf einem Baryt-Papier basierende Innova Fibaprint Super Glazed. Die Haptik und der Aufbau entsprechen hier einem klassischen Baryt-Papier. Gegen eine lange Archivfestigkeit sprechen nur die optischen Aufheller, die für das sehr hohe Weiß sorgen. Ein weiteres Papier, das nicht auf einem Film basiert, ist das Studio Silver von Photolux. Ein brandneues Papier, das einen Hochglanzeffekt auf ein normales PE-Fotopapier bringt.
Bis auf den Super Dry Display Film 165 von Sihl sind alle Medien als Blatt und Rollenware lieferbar. Sihl liefert seinen Film nur für Großformatdrucker auf der Rolle und Ilford nur als Blattware. Genau wie das analoge Pendant, sind auch die digitalen Ausgaben kratzempfindlich und anspruchsvoll in der Handhabung. Durch ihr besonderes Basismaterial, den Filmträger, ist es schwierig, eine Tintenempfangsschicht, die für Pigmentdrucker geeignet ist, aufzubringen. Daher ist es besonders wichtig, auf die Kompatibilität zu achten. Farbstoff basierte Drucksysteme sind hier von Vorteil, wegen der geringen Lichtstabilität für den Fotodruck jedoch nicht zu empfehlen.
Der Film von Sihl harmoniert nicht gut mit der Pigmenttinte des Epson Stylus Photo R2880 und braucht lange zum trocknen. Ein Blick in die Kompatibilitätsliste bringt Klarheit und zeigt eine nur "gute" Eignung.
Die Auswahl an ICC-Profilen ist begrenzt. Von Sihl gibt es logischerweise nur Profile für Großformatdrucker, Ilford und Tecco bieten eine große Auswahl und das Fibaprint von Innova und das Studio Silver von Photolux sind noch so neu, dass für unseren R2880 kein passendes Profil erhältlich ist. Wir setzen daher das für den Epson Stylus Pro 3800 mit dem entsprechenden Drucker ein.
Der Film von Sihl zeigt seine optimale Qualität nicht mit dem von uns verwendeten Epson Drucker. Die Schärfe ist nicht ganz optimal und zeigt, dass die Tintenempfangsschicht nicht für die Pigmenttinte von Epson optimiert ist. Darüber hinaus zeigt der Film sich robust mit einem hohen Glanz, ideal für Displays oder das Aufziehen auf einen stabilen Träger, beispielsweise Alu-Dibond. Der Film von Tecco ist noch dünner, aber ebenso robust. Auch hier empfiehlt sich das Aufziehen der Bilder. Die Bildqualität gefällt durch gute Schärfe und Kompatibilität zur Pigmenttinte. Der Spiegelglanz ist sehr hoch und wird durch das metallisch wirkende Weiß unterstützt. Ideal für metallische Gegenstände oder Produktabbildungen.
Universeller – wenn man bei einem Hochglanzmedium davon sprechen kann – ist der Film von Ilford. Der Weißton erinnert an ein Fotopapier und damit an das analoge Vorbild Ciba-/Ilfochrome. Die Haptik entspricht fast der eines 220g/m2 PE-Fotopapiers und ist somit wesentlich schwerer als die Filme von Sihl und Tecco. Die Bildqualität überzeugt genauso wie auch die Handhabung. Wie bei allen Filmen mit Spiegelglanzoberfläche sind Baumwollhandschuhe und absolute Sauberkeit oberstes Gebot. Kleine Schmutzpartikel zaubern ruck-zuck Kratzer auf die empfindliche Oberfläche, wobei der Film von Ilford jedoch nicht ganz so empfindlich ist wie der von Tecco. Dies ist ebenso bei der Lagerung zu beachten.
Wesentlich unempfindlicher ist das neue Studio Silver von Photolux. Handling und Haptik sind sehr gut und vergleichbar mit einem normalen PE-Fotopapier, nur mit dem Unterschied des höheren Glanzes. An den Spiegelglanz der Filme kommt es aber nicht heran. Die Bildqualität ist ohne Tadel und gefällt durch optimale Schärfe. Im Vergleich zu den Filmen hat das Studio Silver eine leichte Oberflächenstruktur und ist relativ kratzunempfindlich. Das 282 g/m2 Papier ist problemlos in der Handhabung. Das schwere Baryt-Papier von Innova ist weder mit einem Film noch mit einem PE-basierenden Medium vergleichbar. Hier kommen Eigenschaften wie die lange Haltbarkeit gepaart mit einer Hochglanzoberfläche zusammen. Das universelle Papier ist naturweiß und liefert sehr gute Bildergebnisse. Ein Manko ist die Empfindlichkeit der Baryt-Papiere, die bei dem Fibaprint Super Glazed noch ausgeprägter ist.
Alle Papiere sind von sehr guter Qualität. Die Ergebnisse hängen aber durch die unterschiedlichen Charaktere der Papiere stark vom verwendeten Motiv ab.
+ Feine Tonwerte, sehr gute Papierqualität, problemlose Verarbeitung, lange Haltbarkeit, für jede Aufgabe spezialisierte Papiere, sehr gute Qualität der ICC-Profile
- Hoher Preis, hohe Kratzempfindlichkeit bei Film und Baryt-Papier und deshalb sorgsame Behandlung angeraten
Einsteiger Baryt Tecco BTI290 Baryt Ivory, Permajet Fibre Base Gloss Warmtone
Einsteiger Hochglanz Photolux Studio Silver
Profis Baryt: Crane Museo Silver Rag, Innova Fibaprint Warmtone Gloss
Profis Hochglanz Ilford Smooth High Gloss, Innova Fibaprint Super Glazed Thomas Bergbold
Wenn die Drucke frisch aus dem Drucker kommen, sind sie noch feucht. Speziell die Papiere von Crane, Innova und Permajet brauchen etwas mehr Zeit zum Trocknen. Es empfiehlt sich daher, die Drucke vorsichtig an den Kanten zu nehmen und auf eine saubere und ebene Unterlage zu legen.
Alle Baryt-Papiere sind zwar auf hohem Niveau, doch nicht zu jedem Motiv passt jedes Papier. Neben der Farbe des Papierweiß nimmt die Oberflächenstruktur einen teils deutlichen Einfluss auf Schwarz-Weiß-Motive. Die Strukturen reichen von dezent bei den Papieren von Crane, Hahnemühle und Tecco bis zu einer lederartigen Narbung bei Sihl, Innova und Permajet.
Die Spezialisten im Testfeld sind die nahezu identischen Papiere von Innova und Permajet. Die Papierfarbe geht ins Cremefarbene und ist damit gelblicher als bei allen anderen Mitbewerbern. Diesen Farbton verträgt nicht jedes Motiv. Alte Industrieanlagen und Landschaften mit eher dunkleren Tonwerten sowie Portraits können ihren Charakter auf diesen Papieren voll zur Geltung bringen. Hier ist auch der fantastische Glanz in Verbindung mit der lederartigen Struktur von Vorteil. Dies gilt auch teilweise für das Papier von Sihl, das ein minimal helleres Weiß, aber keinen so hohen Glanz aufweist.
Die Universalisten, im Bezug auf Schwarz-Weiß, sind die Papiere von Crane, Hahnemühle und Tecco. Das helle Naturweiß, in Verbindung mit einer zurückhaltenden Struktur, unterstützt eine Vielzahl von Bildmotiven. Gerade Motive mit zarten Weißtönen wie unsere Architekturaufnahme oder Landschaften und alte Industrieanlagen mit einem weiten Tonspektrum profitieren davon. Etwas störend am sonst überzeugenden Tecco sind die Glanzreflexe in der Oberflächenstruktur. Sie sorgen dafür, dass die Schatten aufgehellt werden und mindern den Kontrastumfang. Allen Dreien ist gemein, dass sie auch eine sehr gute Figur mit Farbaufnahmen machen.
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