Professionelle Schriftenverwaltung |
Benötigt man viele Zeichensätze auf dem Rechner, hat aber nur einen Teil gleichzeitig im Einsatz, ist ein Programm zur Schriftenverwaltung äußerst hilfreich. Wir haben die drei populärsten Lösungen getestet
Von Thomas Armbrüster (17.07.2009)
Tausend Schriften mit den Bordmitteln des Systems zu verwalten, macht wenig Freude. Denn entweder muss man sie alle immer aktiviert halten, was Schriftenmenüs absolut unübersichtlich macht, oder sie im Programm Schriftsammlung bei Bedarf manuell ein- und ausschalten. Wesentlich einfacher geht es mit einer Schriftverwaltung, die automatisch nur die momentan benötigten Zeichensätze aktiviert. Außerdem ordnet und sortiert eine Schriftverwaltung die Zeichensätze und findet Doppler, unvollständige Fonts sowie beschädigte Schriftdateien.
Font Explorer und Suitcase nehmen Zeichensätze außerdem in ihre Datenbank auf, ohne sie in ihre zentrale Schriftverwaltung zu kopieren. Sie verbleiben dann an ihrem ursprünglichen Speicherort. Suitcase kennt darüber hinaus noch temporäre Schriften. Die werden geöffnet, ohne sie in der Datenbank zu erfassen. Das ist hilfreich wenn man die Schriften nur für einen einmaligen Auftrag benötigt.
Plus Font Agent zeichnet sich vor allem durch die weitgehend problemlose Arbeit in der Praxis und die vielen Plug-ins aus. Die übersichtliche Oberfläche und die einfache Bedienung sind die Stärke von Suitcase. Font Explorer punktet besonders durch seinen großen Funktionsumfang.
Minus Bei Font Agent muss man kleine Abstriche beim Bedienungskomfort machen, außerdem ist das Programm nicht lokalisiert. Font Explorer und Suitcase kommen im Publish-Test nicht ganz an Font Agent heran. Außerdem arbeitet Font Explorer nicht mit einer Hintergrundanwendung, und für Suitcase muss man mehr bezahlen als für die anderen Programme.
Praktiker Font Agent hat die Nasenspitze etwas weiter vorne, weil das Programm im Praxistest am unauffälligsten ist.
Profis Font Explorer ist Erster, wenn es um die Zahl der Optionen zur Verwaltung und Ordnung der Schriften geht.
Einsteiger Durch die Reduzierung auf das Wesentliche lässt sich Suitcase am einfachsten bedienen.
Font Explorer und Suitcase haben deutliche Anleihen bei iTunes genommen. Links findet man die hierarchische Liste mit den Schriften, den Bibliotheken und den Gruppen, rechts sind die in der Liste markierten Objekte zu sehen und darunter die Schriftvorschau. Font Agent geht einen etwas anderen Weg, denn man kann sowohl links wie rechts die Bibliotheken und die Gruppen anzeigen. Wie bei der Konkurrenz gibt es rechts unten eine Schriftvorschau.
Font Agent und Suitcase verstehen sich auf mehrere Bibliotheken, Font Explorer verwaltet alle Schriften in einer einzigen. In Suitcase kann man auch mehrere Font Vaults anlegen, jeweils aber nur eine davon verwalten. In allen Programmen lassen sich die Schriften in Gruppen sortieren, wobei sich auch intelligente Gruppen verwenden lassen, die ein gespeichertes Suchergebnis darstellen, analog den gespeicherten Suchen im Finder. Font Explorer bietet zudem Optionen, Schriften zu bewerten, mit einem Etikett zu versehen und einen Kommentar hinzuzufügen, die sich dann ebenfalls bei der Suche und für intelligente Gruppen verwenden lassen. Font Agent bietet nur Kommentare, Suitcase nur Schlagwörter.
Um zu garantieren, dass exakt die im Dokument verwendete Schrift geöffnet wird und nicht eine, die nur denselben Namen hat, verwendet Suitcase eine Identifikation für jeden Schriftschnitt, die Extensis mit Font Sense bezeichnet. Diese ID wird unter anderem aus Schriftname, Hersteller, Version, Kerningtabellen und Größe der Datei berechnet und jeweils mit dem Dokument gespeichert. Deshalb muss man ein Dokument ein Mal mit aktivem Suitcase-Plug-in und den korrekten Schriften öffnen und wieder speichern, um Font Sense für die Datei zu aktivieren.
Zum einen hat man die Möglichkeit, Schriften manuell ein- und auszuschalten. Das geht bei Suitcase entweder permanent - dann bleiben die Schriften auch bei einer Neuanmeldung oder einem Neustart aktiviert - oder temporär. In diesem Fall werden die Schriften beim Abmelden oder Ausschalten deaktiviert. Font Agent bietet die Möglichkeit, jede Gruppe über das Kontextmenü als Start-up-Set zu deklarieren. Diese Schriften aktiviert das Programm dann beim Anmelden oder Neustart. Bei Font Explorer kann man sich über die Vorgaben nur für die eine oder die andere Methode entscheiden. Dann öffnet das Programm alle manuell geöffneten Fonts wieder beim Neustart und der Neuanmeldung oder nicht. Dafür bietet das Programm die Möglichkeit, Programmgruppen anzulegen. Die dort enthaltenen Schriften öffnet Font Explorer, wenn man die entsprechende Anwendung startet.
In Font Explorer und in Suitcase legt man in den Vorgaben fest, bei welchem Programm die Schriften automatisch geöffnet werden sollen. Font Agent aktiviert die Fonts bei jeder Anwendung. Ganz reibungslos geht das automatische Öffnen aber nicht über die Bühne. So haben sowohl Suitcase als auch Font Explorer Probleme mit Word 2008, bei Pages, Numbers, Textedit und Nisus Writer Express geht es dagegen reibungslos. Font Agent ist zu langsam, wenn man RTF-Dateien und normale Word-Dateien (.doc) öffnet. Die Schriften werden aktiviert, aber nicht im Dokument angezeigt. Man muss das Programm beenden und die Datei nochmals öffnen. Beim aktuellen Word-Format (.docx) funktioniert das Öffnen dagegen problemlos.
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