Spiele für den Mac

Das Jesus Pergament

Spiele für den Mac

Test: Adventurespiel "Das Jesus-Pergament"

Was weiß man über Jesus, seine Zeit und sein Umfeld? Ein Adventure der Deutschen Bibelgesellschaft will das auf unterhaltsame und besonders für das Grundschulalter geeignete Weise deutlich machen.

Von Thomas Hartmann (14.01.2010)

Jesus stammte aus Nazareth im nördlichen Teil des damaligen Palästinas, Galiläa. In diesem Landstrich setzt auch das Spiel im Jahre 70, also zirka 40 Jahre nach dem Tod Jesu ein. Silas, ein Junge aus Kafarnaum in Galiläa, kommt mit der Botschaft von Jesus und der sich ausbreitenden Gemeinde durch Zufall in Kontakt. Ein Mann, der vor den Römern flieht, steckt ihm eine Schriftrolle mit geheimnisvollen Aufzeichnungen zu.

Das Jesus-Pergament

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Informativ

Komplexe Steuerung, instruktive Dialoge

In insgesamt sechs Levels begibt man sich nun in das Abenteuer um das Jesus-Pergament. Dabei steuert man Silas per Tastatur über die Pfeiltasten oder gibt mit Mausklick eine Bewegungsrichtung vor. Leider bleibt er dabei oft an Hindernissen hängen, so dass man meist mehrmals zu klicken ist, um ein Ziel zu erreichen. Die Steuerung über die Pfeiltasten ist etwas komfortabler, allerdings muss man bei diagonalen Bewegungsrichtungen zwischendurch absetzen, es funktioniert also nicht wie bei einem üblichen 3D-Spiel wie mit einem Analogstick, so dass man beliebig kreuz und quer gehen könnte. Personen sind überall auf der Karte verstreut. Man spricht diese an, indem man in der Steuerungsleiste am unteren Bildschirmrand die "Aktionsschaltflächen" nutzt, in diesem Fall fürs Reden, eine anderer Schalter lässt etwas in das Inventar (im Spiel der "Rucksack") aufnehmen, oder ein Item daraus verwenden, ein vierter schaltet in den Laufmodus um. Das klappt alles auch per Tastaturkürzel, zum Beispiel "S" fürs Sprechen. Auf den Rucksack muss man häufig zugreifen, unter anderem, um neue Lebensenergie in Form von Essen oder Trinken zu sich zu nehmen. Entsprechende Gegenstände wie Brotkörper oder Wasserfässer findet man überall unterwegs. Vergisst man sich trotz der Statusanzeige aufzufrischen, muss man kurz pausieren, weil einen dann die römischen Soldaten erwischen und vorübergehend in den Kerker stecken. Diese sind in Gestalt einer kleinen Kohorte ohnehin ständig hinter Silas her, was dem Spiel zusätzlich eine kleine Spannung verleiht.

Vor den Römern auf der Flucht

Die Personen in der Umgebung vermitteln uns, wenn wir sie ansprechen, Informationen über das Leben damals, über Gruppen und Parteien wie die Sadduzäer oder Pharisäer, über den Hohen Rat oder die Bedeutung der Synagoge. Vor allem aber helfen sie bei der Erfüllung unseres jeweiligen Auftrages oder konfrontieren den Spieler mit neuen, manchmal optionalen Aufgaben. Die Stimmen klingen häufig nicht wirklich zu der dargestellten Person passend, zum Beispiel sind sie oft zu jung. Silas reagiert auf die Gespräche, indem er vorgegebene Sätze im Dialog anklickt, die bei "falscher" Eingabe zum Abbruch der Unterhaltung führen können. Diese lässt sich aber sofort wieder mit der dann vom Spiel erwarteten Antwort aufnehmen. In der Steuerungsleiste kann man ferner eine Übersicht zu den aktuellen Aufträgen und deren bisheriger Erledigung abrufen und kontextabhängig Bibeltexte lesen. An Orten bietet das Spiel außer Kafarnaum, wo es losgeht, noch Jerusalem und Bethanien, alles in einem gefälligen Comic-Stil präsentiert. Dass dafür außer mindestens Mac-OS X 10.4.11 auch ein Prozessor mit wenigstens 2,33 GHz erforderlich sei, wie der Hersteller angibt, kann wohl nicht sein, denn auf unserem Test-Mac (ein Macbook Pro mit lediglich 2,16 GHz) läuft das Spiel weitgehend problemlos und ruckelfrei. Vielleicht gilt diese Angabe für Windows-Rechner. Die Bildschirmauflösung von 1024 x 768 Pixeln ist vorgegeben und lässt sich nicht verändern, was für heutige Leistungsverhältnisse zu niedrig ist. Ebenso wenig ist ein echter Vollbildmodus vorgesehen, die obere Systemmenüleiste bleibt immer eingeblendet.

Schlichte Rätsel mit einem Hauch von Jauch

Die Anforderungen der Rätsel und Aufgaben sind meist leicht und dem Niveau von Grundschülern und etwas älteren Kindern angemessen. Da gilt es, einen Esel von der Stelle zu bewegen, Pergamente, Medikamente oder Geheimzeichen zu besorgen oder Texte zum Übersetzer zu bringen. Vereinzelt tauchen etwas anspruchsvollere Anforderungen wie ein Schalter-Worträtsel oder Multiple-Choice-Fragen im Stil von "Wer wird Millionär?". Oft läuft man sich bei den Aufträgen förmlich die Haxen ab, weil uns jede gefundene Zielperson gleich wieder mit neuen Aufträgen versieht, bevor sie bereit oder fähig ist zu helfen. Das wäre an sich nicht schlimm, auch wenn man dazu oft kreuz und quer über die Karten eilen muss. Nur präsentiert sich diese mit ihren festgelegten Ausmaßen auf immer nur einen Teil der Umgebung als recht unübersichtlich. Einen Zoom darauf oder eine Gesamtübersicht gibt es im Spiel nicht, dazu benötigt man die Lösungen, die man nach der Registrierung von der Webseite des Anbieters erhält - freilich ist das keine angemessene Option für jeden Spieler. Man bekommt etwas den Eindruck, diese Unübersichtlichkeit dient vielleicht der künstlichen Spielverlängerung, und auf diese Weise läuft man den Römern auch leichter in die Arme, was die Spannung ebenfalls erhöht. Einmal ist man übrigens selbst als römischer Junge verkleidet, in dieser Phase lassen uns auch die Soldaten in Ruhe.

Bedauerlicherweise konnten wir das Spiel bis zum Abschluss dieses Artikels nicht ganz beenden. Denn um in den finalen Level zu gelangen, muss man alle anderen fünf gelöst und drei Zusatzpunkte durch spezielle Aufgaben gewonnen haben. Die ersten fünf Levels lassen sich über die Ausgangskarte für jeden Benutzer beliebig ansteuern, man kann auch jederzeit speichern. Daher hatten wir bereits alles außer Level 3 gelöst, bis sich dort kurz vor Ende ein Problem ergab: Der dafür zuständige Ziegenhirte wollte uns partout kein Pergament mehr anbieten, das für die Übersetzung eines Textes ins Griechische unbedingt erforderlich ist. Warum wir hier immer wieder scheiterten, ließ sich bislang auch mit dem Support des Entwicklers nicht klären.

Zielgruppe Grundschüler und Kirchengruppen

Das Jesus-Pergament bietet schön gezeichnete Zwischenbilder, welche die Geschichte an bestimmten Punkten voranbringen oder zum nächsten Level weiterführen. Von der Machart her ist das Spiel nach unserer Auffassung eher für jüngere Schüler im Religionsunterricht der Grundschulen geeignet. Die laut Webseite anvisierte Zielgruppe von bis zu 13-jährigen dürfte angesichts der doch eher schlichten grafischen Vermittlung etwas optimistisch sein - die Kids sind heute schon in frühen Jahren deutlich prachtvollere Spiele-Präsentationen auf Computer und Konsole gewohnt. Im Zusammenhang allerdings mit der ausgezeichneten didaktischen Umsetzung, welche die Deutsche Bibelgesellschaft auf ihrer Homepage für Unterrichtende anbietet, ist das Spiel in Schulklassen oder kirchlichen Jugendgruppen wie auch im Konfirmandenunterricht mit Gewinn einzusetzen. Für viele Kinder und Jugendliche dürfte das jedenfalls spannender sein, als "altertümliche" Texte nur zu lesen oder anzuhören. Freilich stört gerade in der Gruppenarbeit die unübersichtliche Karte besonders stark. Das Spiel ist als Hybrid-DVD für Mac und PC in Einzelplatzlizenz für 30 Euro ohne Alterseinschränkung erhältlich. Eine zusätzliche Mehrplatzlizenz zur gleichzeitigen Installation auf mehreren Macs oder PCs gibt es für weitere 59 Euro.

Empfehlung

Wer auf leicht verdauliche und spielerische Weise etwas über Jesus von Nazareth und seine Zeit erfahren will, kann zum "Jesus-Pergament" greifen. Die etwas schlichte Präsentation, die hakelige Steuerung und Bedienung sowie die unübersichtliche Karte werden insgesamt durch die leicht fassbare, dabei durchweg kompetent dargebotene Vermittlung von Inhalten und Kontexten wettgemacht. Eine endgültige Empfehlung können wir jedoch erst aussprechen, wenn sich das Problem mit dem nicht beendbaren dritten Level und dem dann erst möglichen Durchspielen des letzten Abschnitts gelöst hat. Wir werden in einem Update dieses Artikels berichten ...

Info: Deutsche Bibelgesellschaft: Das Jesus-Pergament

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