Test: LED-Beamer |
Projektoren für den Hausgebrauch werden immer erschwinglicher. Ganz vorn im Trend liegen Winzlinge mit LEDs als Projektionslampen. Sie brauchen so wenig Strom, dass man sie sogar unterwegs per Akku betreiben kann. Macwelt testet aktuelle Modelle am Mac und iPhone.
Von Christian Möller (25.01.2010)
Leuchtdioden, kurz LEDs genannt, haben in den letzten Jahren eine rasante Entwicklung hingelegt. Vom einfachen runden Signallämpchen in Rot sind sie inzwischen weit entfernt. Dank deutlich gesteigerter Helligkeit und vor allem, weil es inzwischen weiße LEDs gibt, findet man sie heute praktisch überall. In Taschenlampen, als Ersatz für Halogen-Spots im Wohnzimmer oder als Rücklichter im Auto, kein Bereich bleibt verschont. So ist es nicht weiter verwunderlich, dass die kleinen Leuchtwunder nun auch in Projektoren zum Einsatz kommen. Erste Geräte gibt es bereits sein etwa zwei Jahren, doch inzwischen sind Modelle auf dem Markt, die nicht nur klein und leicht, sondern auch erschwinglich sind.
Man kann den Bereich der LED-Projektoren grundsätzlich in drei Kategorien einteilen. Zum einen finden sich High-End-Home-Cinema-Geräte, die allerdings selten und derzeit noch sehr teuer sind. Sie liegen im Bereich zwischen 6.000 und über 10.000 Euro.
Darunter kommt lange nichts, denn hier dominieren weiterhin Beamer mit herkömmlichen Projektionslampen. Erst in ultraportablen Geräten, die zwischen 400 und 500 Euro kosten tauchen LEDs wieder auf. Zur Veranschaulichung, die Grundfläche dieser Systeme ist nur wenig größer als eine CD-Hülle. Dazu zählen im Testfeld die Geräte: Benq Joybee GP1, LG HS200G und Samsung SP-P410M.
Noch kleiner sind die mobilen Projektoren. Sie sind kaum größer als ein iPhone und lassen sogar Akkubetrieb zu. Diese Modelle bieten sich, an, sie unterwegs an einem iPod oder einem iPhone zu betreiben. Aus dieser Kategorie testen wir die Mini-Beamer 3M MPRO 120 und Aiptek Pocket Cinema T30.
Nach wie vor ist die Helligkeit das alles entscheidende Kriterium. Während herkömmliche Projektoren etwa 1.000 ANSI-Lumen aufweisen, liegen die ultraportablen Modelle nur bei 100 bis 200 Lumen. Die mobilen Systeme erreichen gar nur 10 bis 20 Lumen.
Für alle Beamer im Test gilt: man erkennt nur dann ein einigermaßen brauchbares Bild, wenn man die Umgebung möglichst perfekt abdunkelt. Allerdings wird das Bild heller, je näher man das Gerät an der Projektionsfläche platziert. Jedoch wird es dann auch kleiner. Die Entfernung ist also entscheidend und man sollte hier den besten Kompromiss aus Bildgröße und Helligkeit wählen.
Schlusslicht sind erwartungsgemäß die mobilen Projektoren von 3M und Aiptek. Man sollte diese Beamer nicht weiter als etwa einen Meter von der Projektionsfläche aufstellen.
Alle Geräte bieten Downscaling an. Der Aiptek T30 schafft es sogar, die HD-Auflösung 720i auf seine native Auflösung von 640 mal 480 Punkten per S-Video-Anschluss herunterzubrechen. Allerdings erscheint das Bild dann extrem verzerrt.
Eine Besonderheit stellen wir beim LG HS200G fest. Sobald er eine höhere Auflösung herunterskaliert, verändert sich die Farbdarstellung deutlich. Besonders in den Schatten reißt die Darstellung dann extrem ab. Man sollte dieses Gerät daher möglichst in der nativen Auflösung von 800 mal 600 Punkte am Mac betreiben, dann stimmen die Farben.
Allerdings liegen die mobilen LED-Projektoren, die mit der LCoS-Technik arbeiten in puncto Farbumfang noch weit zurück. Dies erkennt man nicht nur messtechnisch sondern auch subjektiv. Die Farben wirken übersättigt und reißen in den Lichtern und Schatten frühzeitig ab. Das fällt besonders auf, wenn man beispielsweise ein iPhone oder einen iPod anschließt.
Die hier getesteten Projektoren arbeiten nach zwei vollkommen verschiedenen technischen Verfahren.
- DLP/LED: Diese Projektoren arbeiten zunächst wie herkömmliche DLP-Projektoren. Hierbei sorgen mikroskopisch kleine, klappbare Spiegel für die Umlenkung des Lichts auf die Leinwand. Die Farbe entsteht durch ein rotierendes Farbrad durch das das Licht geleitet wird. Das Licht stammt in diesem Fall von einer oder mehreren LEDs.
- LCoS: die Abkürzung steht für Liquid Crystal on Silicon. Anders als bei herkömmlichen LCD-Projektoren wird hier das Licht nicht durch die LCD-Zellen hindurchgeführt, sondern reflektiert. Dadurch lassen sich die LCD-Zellen direkt auf einem Chip fertigen und von ihm ansteuern. Extrem kleine bildgebende Einheiten sind dadurch möglich.
Der kleinste gemeinsame Nenner bei den Bild-Anschlüssen ist der Composite-Video-Eingang. Den bieten dann auch alle Modelle im Test. Obwohl er die niedrigste Bildqualität liefert, zeigt er die höchste Kompatibilität. Videorekorder, Camcorder, viele Digitalkameras und auch Apples iPod und das iPhone verfügen über diesen Anschluss. Für letzter benötigt man allerdings ein spezielles Kabel, das man im Apple-Store für 45 Euro bekommt, inklusive USB-Ladegrät.
Wer sich für den Aiptek T30 Entscheidet, brauch dieses Kabel jkedoch nicht, denn es liegt ein funktionierendes Kabel mit iPod/iPhone-Dock Anschluss bei. Allerdings kann man das iPhone beim Abspielen von Videos über den Aiptek-Beamer nicht gleichzeitig aufladen. Ist der Akku leer, ist leider Schluss mit dem Homekino.
Außer dem Aiptekt-Modell bieten alle Projektoren einen VGA-Eingang. Damit ist der Anschluss an die meisten Macs kein Problem, und Apples DVD-Player-Software lässt sich zum Anschauen von Filmen verwenden. Die Bildqualität ist teilweise sogar deutlich besser als wenn man Filme per iPhone übr den Beamer anschaut. Zudem hat man die Möglichkeit den Projektor mit geeigneten Messsystemen am Mac zu kalibrieren.
Als einziger Projektor im Test bietet der LG HS200G zusätzlich einen digitalen Eingang an. Der koreanische Hersteller setzt hier auf HDMI. Damit erreicht man die bestmöglich Bildqualität und kann sogar HD-Zuspieler, wie Blu-Ray-Player betreiben.
Alle Modelle verfügen zudem über integrierte Lautsprecher (mono). Auch wenn diese von der Tonqualität überwiegend bescheiden sind, ist das ein nützliches Feature, denn nicht immer verfügt man am Ort des Geschehens über eine passende Tonanlage. Das betrifft ganz besonders die mobilen Beamer.
Praktisch ist der USB-Port, den alle ultraportable Projektoren bieten. Per USB-Stick gefüttert, spielen diese Modelle Fotos, MP3s oder Videos ab. Am besten gelingt das dem Modell von LG, das sogar Divx-Videos anzeigt. Apples MP4-Variante (m4v) spielt jedoch keines der Geräte ab.
Der größte Vorteil der LED-Technik liegt im niedrigen Stromverbrauch. Herkömmliche Projektoren belasten das Stromnetz mit 500 Watt oder mehr. Die ultraportablen LED-Beamer im Testfeld brauchen nur ein Zehntel davon. Dennoch sind 50 Watt immer noch zu viel, um einen praxistauglichen Akkubetrieb zu ermöglichen. Hier greifen die mobilen Pocket-Modelle ein. Im Test messen wir bei den Geräten von 3M und Aiptekt nur knapp sechs Watt. Beide Pocket-Beamer kommen mit integriertem Lithium-Ionen-Akku. Beim 3M MPRO 120 ist dieser sogar austauschbar. Etwa zweieinhalb Stunden laufen die Projektoren bei voll geladenem Akku. Das reicht für einen Kinofilm oder zwei Tatort-Folgen.
Ein Problem stellen die Lüfter dar. Bis auf den T30 von Aitpek sind alle Projektoren mit Ventilatoren ausgerüstet, die mehr oder weniger laut vor sich hinföhnen. Wirklich unangenehm laut wird der Benq GP1. Wenn der Lüfter nach etwa 20 Minuten Dauerlast so richtig hochfährt, mag kein Kinofeeling mehr aufkommen. Leider bietet das Gerät keinen Eco-Modus, durch den die Lichtleistung und die Lüfterdrehzahl reduziert würde. Mit dem Krach muss man also leben.
Der teuerste Vertreter der LED-Beamer liefert auch das beste Bild. Der LG HS200G ist in jedem Fall eine Empfehlung wert, auch weil er als einziger im Test einen digitalen Eingang bietet.
Wer unterwegs oder bei Freunden einen Film oder eine Diashow genießen will, der liegt mit dem Pocket Cinema T30 von Aiptekt richtig. Allerdings muss man hier die Umgebung gut abdunkeln.
+ Ultraportable LED-Beamer bieten ein akzeptables Bild bei niedrigem Stromverbrauch und geringen Abmessungen und Gewicht. Per USB-Port gefüttert braucht man nicht mal ein extra Zuspiel-Gerät.
Pocket-Projektoren brauchen extrem wenig Storm und eignen sich für den Akkubetrieb unterwegs.
- Fast allen Geräte kommen mit einem lauten Lüfter, hier müssen die Hersteller dringend nachbessern.
Einsteiger Aiptek Pocket Cinema T30
Profis LG HS200G
TESTUMGEBUNG Für die Messungen der Farb und Licht-Eigenschaften verwenden wir einen Power Mac G5 mit Nvidia Gforce 6800 Ultra und ein Spektrometer der Firma X-Rite. Daneben schließen wir die Beamer per Composite-Video ausgang an einen Intel-iMac an und benutzen ein iPhone 3GS als Video-Zuspieler.
PRAXISTESTS neben den Messungen beurteilen wir die Bildqualität der Projektoren auch subjektiv in einem Dunkelraum. Dazu verwenden wir verschiedene Fotos, Videos und DVD-Ausschnitte, die wir über den Mac Pro per VGA, den iMac per Composite-Video oder über das iPhone zuspielen.
Die Gesamtnote setzt sich dabei aus vier Einzelnoten zusammen: Leistung, also die Audioqualität allgemein (40%), Ausstattung (10%), Handhabung und Tragekomfort (10%) und Ergonomie (40%)
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