Test: Firefox 3.6 |
Firefox ist kein Browser von der Stange. Die Grundfunktionen können mit Safari oder Chrome nicht mithalten, doch Firefox der flexibelste Browser, was die Erweiterbarkeit angeht. Wir testen die aktuelle Version 3.6
Von Ingo Böhme (02.02.2010)
Ob es die Anzeige des Wetters ist, die IP-Adresse der besuchten Seite, Systeminformationen oder jedwede denkbare oder undenkbare Anwendung: es gibt keine Erweiterung, die es für Firefox nicht gibt. Die Entwicklergemeinde des Open Source Programms ist gigantisch. Und da die Erweiterbarkeit über Add-ons simpel gehalten und trotzdem funktional ist, gibt es viele Tausend Erweiterungen, die sich ins Menü oder in die Statuszeile einbinden. So wird aus dem reinen Webseiten-Anzeige-Tool das optimal auf den Benutzer angepasste Tool, mit dem Endanwender eine komplette Informationszentrale und Programmierer ein ausgefeiltes Werkzeug für Ihre Arbeit finden.
Es ist keine Neuerung, dass Firefox mithilfe von Themen optisch aufgepeppt werden kann. Dies war bislang jedoch eine nervige Angelegenheit, weil man einerseits viele Megabyte herunterladen und andererseits einen Neustart durchführen musste. Mit einer neuen Technik, Persona genannt, gelingt die Anpassung der Oberfläche an den eigenen Geschmack viel schneller und dem täglichen Layout-Wechsel steht nichts mehr im Wege.
Über 30.000 unterschiedliche Oberflächenthemen haben die Firefox-Benutzer bereits erstellt. Diese reichen von aktuellen Blockbustern wie Avatar über Kult-Trends wie Harry Potter bis hin zu mehr oder weniger ästhetischen abstrakten Designs. Der Nachteil ist jedoch, dass bei sehr vielen Vorlagen der eigentliche Sinn der Browser-Oberfläche, nämlich Informationen wie Lesezeichen oder RSS-Feeds darzustellen, ad absurdum geführt wird, weil die Schrift kaum noch oder gar nicht mehr lesbar ist.
Wie Google Chrome verfügt auch Firefox über einen privaten Modus. Über die Tastenkombinationen [Umschalt-Befehl-P] schränkt der Browser seine Datensammelwut ein und hinterlässt keinerlei Spuren nachdem man das Programm wieder schließt. Insofern ist es insbesondere an fremden Rechnern - etwa in einem Internetscafé - eine gute Funktion, um nicht unbewusst als gläserner Surfer dazustehen.
Während Viren und andere digitale Angreifer beim Mac eher selten sind, ist Phishing auf allen Plattformen ein Thema. Hier werden Bank- oder eBay-Seiten nachgebaut und gutgläubige Besucher dazu aufgefordert, ihre Kontoinformationen einzugeben. Über den in Firefox integrierten Google-Service "Safe Browsing", weist der Browser darauf hin, wenn eine Seite bei Google als unsicher gemeldet ist.
Ebenfalls als Sicherheitsfeature verkauft Firefox die automatische Überwachung von Browser-Plug-ins. Veraltete Flash-, Shockwave- oder Quicktime-Module sind häufig Einfallstore für schädliche Software. Mit der Version 3.6 überprüft Firefox in Kombination mit dem Internet-Service "Plugincheck", welche Module nicht mehr auf dem neuesten Stand sind und warnt vor alten Versionen.In den Anfängen war Firefox der schnellste Browser. Mittlerweile liegt Firefox weit hinter Safari und Googles Chrome zurück. Trotzdem macht sich der Geschwindigkeitszuwachs im Vergleich zur Version 3.5.5 im Macwelt-Test mit mehr als 25 Prozent Steigerung bemerkbar. Dies wird durch eine neue und komplett überarbeitete Rendering-Engine erreicht, die seit Version 3.6 Bestandteil des Browsers ist.
Neben dem Aufbau der Seite hakt es insbesondere beim Programmstart. Hier wird der Vorteil des Systems zur Geschwindigkeitsbremse. Durch die zahlreichen Erweiterungen, die beim Start geladen werden müssen, kann es schon einmal bis zu einer halben Minute dauern, bis der Browser samt Webseite auf dem Schirm erscheint. Insbesondere wenn Online-Dienste, wie Wettervorhersage oder Community-Spiele in der Statuszeile die gewünschten Informationen darstellen sollen, hängt es stark von der Leistung der Internet-Verbindung ab, wie schnell der Browser die gewünschte Seite darstellt. Die gefühlte Verzögerungen ist beim Firefox nach wie vor mehr als nervig. Dies trifft insbesondere bei Systemen mit geringen Ressourcen, vor allem beim Hauptspeicher zu. Hier langt Firefox kräftig hin.
Echte Neuerungen bringt die Version 3.6 nicht mit. Das beschränkt sich auf kleine Modifikationen, etwa bei eingebetteten Videos, bei denen über das Kontextmenü Vorschau und Vollbildmodus aktiviert werden können, wenn der entsprechende Tag im Quelltext gesetzt wurde. In Aktion kann man dies beispielsweise unter www.archive.org sehen. Ob andere Webseiten, außer speziell für den Firefox präparierte, auf diesen Zug aufspringen, bleibt zweifelhaft.
Wer bislang keinen Grund gesehen hat, Firefox den schnellen Sprintern Safari oder Chrome vorzuziehen, wird sicher auch bei der Version 3.6 keine triftigen Argumente dafür finden. Ob die Individualisierung bei der Design-verwöhnten Mac-Gemeinde auf Anklang stößt, ist unwahrscheinlich. So bleibt zu Firefox nur zu sagen, dass der Versuch, die Ressourcen schonender zu behandeln und Seiten schneller darzustellen, schon in die richtige Richtung geht. Daher können wir das Update allen bisherigen Firefox-Nutzern anraten. Aber um Mac-Benutzer von Safari oder Chrome wegzubewegen, müssen sich die Entwickler schon noch ein paar mehr Gedanken machen.
Funktionaler und flexibler Browser, der von der Geschwindigkeit her weit hinter Safari und Chrome zurückbleibt
Hersteller
Mozilla.org
Preis: kostenlos
Note: 1,7 gut
Leistung (30%) 2,0
Ausstattung (40%) 1,5
Handhabung (20%) 1,8
Hilfe (10%) 1,6
+ Oberflächenthemen mit Echtzeit-Vorschau (Personas), schneller als der Vorgänger, viele Plugins, hoher Sicherheitsstandard
- Im Vergleich zu Safari langsame Render-Engine, langsamer Programmstart
Alternativen: Safari, Chrome, Opera
Systemanforderungen Ab Power-Mac G3, ab 128 MB RAM, 75 MB freier Festplattenspeicher, ab Mac-OS X 10.2.x
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