Verlierer

Technik-Flops – angekündigt, nie erschienen

Verlierer

Technik-Flops – angekündigt, nie erschienen

Hersteller auf der ganzen Welt kündigen gerne spektakuläre neue Produkte an – viele erscheinen, manche nicht. Lesen Sie, welche es nicht geschafft haben – etwa der Internet-Kühlschrank .

Von Ruwen Schwerin (03.02.2010)

Die Consumer Electronic Show (CES) in den USA ist jeden Jahr eine der weltweiten Bühnen für spektakuläre Neuerungen auf dem Elektronikmarkt. Manchmal übertreiben die Hersteller aber auch etwas - und enttäuschen die Technikfreaks dann durch nicht eingehaltene Ankündigungen. Man denke etwa an den sagenumworbenen Internetkühlschrank, der seinen Weg in die Küchen der Welt nie geschafft hat.

Einige der spektakulärsten Ankündigungen führen somit zwangsläufig zu einer Enttäuschung: Hersteller zeigen viele (für manche Zeitgenossen) besonders verlockende Prototypen und Produkte und bestärken Gerüchte vor den versammelten Journalisten aus aller Welt und den Fans in Las Vegas - viele der Produkte erscheinen jedoch nie oder kommen sehr viel später als geplant und in einer vollständig anderen, oft weit weniger spektakulären Form. Offensichtlich sehen viele der Produkte nur Las Vegas, den Austragungsort der CES und die Stadt des Glitzers und der Verlockungen.

Wir haben einen Blick zurück auf die CESs der Vergangenheit geworfen, und die Produkte aufgespürt, die nie das Licht der weiten Welt erblickten – oder Jahre später und mit einem ganz anderen Gesicht. Wir sind den CES-Vermarktern auf der Spur.

Der Internet-Kühlschrank und sein Scheitern

LGs Internet-Kühlschrank: Die Innovation der Zukunft?(Foto: Marc Simo)
LGs Internet-Kühlschrank: Die Innovation der Zukunft?(Foto: Marc Simo)
Auf der CES 2000 haben Cisco and Whirlpool ein Zukunftsprojekt angekündigt: Eine komplette Serie von Küchengeräten, die mit dem Internet verbunden werden können. Unter anderem Kühlschränke und Öfen.

Philip Pejovich, damals Vize-Präsident der Entwicklungsabteilung von Whirlpool, behauptete, dass diese futuristischen Produkte Hausfrauen helfen ihre Effizienz zu steigern. Öfen wären dann in der Lage, Rezepte aus dem Internet herunterzuladen und sich selbst programmieren, um entsprechend den Vorgaben zu braten und zu backen. Oder Kühlschränke mit WLAN und abnehmbaren Web-Tablets wären geeignet zur Verwendung als Kalender, E-Mail-Anzeiger oder zur direkten Bestellung von Lebensmitteln.

Dieser sicher unglaublich nützliche Multimedia-Kühlschrank fand nie seinen Weg zu den Hausfrauen dieser Welt - auch wenn die Idee eines im Web surfenden Kühlschranks mehrere Wiederbelebungsversuche erfuhr. Einschließlich des 8000 Dollar teuren Internet-Kühlschranks von LG (der im Dezember 2003 in der PC World eine alles andere als gute Bewertung erhielt) und Whirlpools GD5VVAXT "centralpark" Kühlschrank des Jahres 2008.

Beide Modelle wurden seither nicht weiterentwickelt. Es könnte also Zeit sein, zuzugeben, dass intelligente Kühlschränke einfach noch nicht reif genug sind – sie gehören nicht in die heutige Küche.

Gizmondo Portable Gaming Device: Von der Konkurrenz geschlagen

CES 2005: Tiger Telematics kündigte Gizmondo an, ein Handheld-Gaming-Gerät mit so nette Features wie GPS und Digitalkamera-Funktionen – als zusätzliches Schmankerl für die Spieleliebhaber sollte das populäre Spiel Halo: Combat Evolved von Microsoft auf dem Gerät laufen.

Das Problem? Die Ankündigung für das mit 399 Dollar recht teuren Geräts erfolgte, als der Nintendo DS auf den Markt kam und Sony die PSP angekündigt wurde. Gizmondo versuchte mit MP3-, SMS-und MMS-Funktionen, Bluetooth und USB-Unterstützung und andere tolle Features zu punkten, die dem DS und der PSP fehlten - konnte diese Funktionen aber einfach nicht erfolgreich in die Praxis umsetzen.

Das Gerät kam dann tatsächlich Ende Oktober 2005, konnte aber nur über die Gizmondo-Website oder in spezialisierten Geschäften erworben werden.

Gizmondo erblickte also tatsächlich das Licht der Welt (mit nur acht veröffentlichen Spielen, die versprochene GPS-Software erschien nie) – wurde allerdings bereits nach vier Monaten wieder eingestellt und Tiger Telematics musste Konkurs anmelden. Heute dürfte der Gizmodo eher als einer der größten Flops der Gaming-Geschichte gelten.

Moxi DVR und OLED-TVs

Moxi DVR: Zu spät, zu teuer und anders als erwartet

Moxi-Set-Top-Box: Nun doch erhältlich
Moxi-Set-Top-Box: Nun doch erhältlich
Auf der CES 2008 hat Diego angekündigt, dass die Moxi-DVR-Set-Top-Boxen in den USA auch über den Handel bezogen werden können (zuvor konnte man die Geräte nur über Kabel-Service-Provider erhalten).

Digeo kündigte auch neue Web-basierte Content-Partnerschaften an, einschließlich einer Partnerschaft mit dem beliebten Dienst Flickr. 2008 kam und ging, und die Moxi-Boxen waren noch immer nicht erhältlich.

Auf der CES 2009 machte Digeo eine fast genau gleichlautende Ankündigung, mit dem Unterschied, dass das Unternehmen nun einen Deal mit Einzelhändler Amazon.com meldete. Später, im Jahr 2009, konnten die Verbraucher die Moxi-HD-DVR-Box tatsächlich bekommen – aber nur zu einem sehr hohen Preis (499 Dollar) und ohne die Multiroom-Extender-Boxen. Anfang dieses Monats, auf der CES 2010, präsentierte Digeo eine neue Erweiterung seiner Geräte. Man bemerkt, dass Ankündigungen nicht immer verlässlich sein müssen.

OLED-TVs: Sie brauchen ihre Zeit

Sonys 2007 OLED-TV: Bald Standard?
Sonys 2007 OLED-TV: Bald Standard?
Die TV-Hersteller wollten nicht zur Ruhe kommen, bevor Fernseher nicht mehr dicker als ein Blatt Papier sind – das war der Tenor der Ankündigung der OLED-Fernseher durch Sony und Samsung auf der CES 2008.

Die OLED-Technologie (Englisch: organic light-emitting diode) nutzt das eigene Licht (im Gegensatz zu der Hintergrundbeleuchtung von LCD-Fernsehern), was grundsätzlich viel dünnere Bildschirme ermöglicht.

OLED-Bildschirme sind heute nicht völlig imaginär - so verkauft Sony ein kleines 11-Zoll-OLED-TV für günstige 2700 Dollar, und OLED-Bildschirme finden sich in einigen Telefonen und MP3-Playern. Ein Durchbruch wäre dieser Technik aber nur beschert, wenn nach heutigen Standards ausreichend großen OLED-Bildschirme preiswert in Masse produziert werden könnten. Das ist nicht mal bei den kleineren Varianten der Fall.

Wireless HDMI: Ohne HDMI-Anschlüsse schaut man ins Leere

Philipss Wireless-HDMI: Leeres Versprechen?
Philipss Wireless-HDMI: Leeres Versprechen?
Auf der CES 2007 quälte Philips Messebesucher mit Gerüchten über ein drahtloses HDMI-Gerät. Das Gerät, das angeblich für den Mai des Jahres 2007 zu einem empfohlenen Verkaufspreis von 300 Dollar geplant war, sollte unkompliziert und unkomprimiert High-Definition-Video kabellos mit einer Reichweite von bis zu 25 Meter übertragen können. Darüber hinaus sollte das Gerät mit den aktuellen DVD-Playern zusammenarbeiten und so ein echtes HD-Erlebnis mit 1080p möglich machen, ganz ohne Kabelgewirr.

Im November 2007 verschob Philips das Debüt von Wireless-HDMI schließlich auf das Jahr2008. Dann, auf der CES 2008, kündigte Belkin einen eigenen Ausflug in den drahtlosen HD-Markt mit dem sogenannten Flywire an, einer Technik, die Philips Idee sogar noch übertrumpfen sollte, indem sie den Nutzern sechs Ports (im Gegensatz zu einem bei Philips) für die ultimative drahtlose Erfahrung zur Verfügung stellt (einschließlich S-Video und Component-Video) .

Belkin hat sein Produkt inzwischen für unbestimmte Zeit auf Eis gelegt. Die gute Nachricht? Seit Oktober 2009 kann man (endlich) Philips Wireless-HDMI-Gerät erwerben, wenn auch zu einem wesentlich höheren Preis (800 Dollar) als zunächst angekündigt.

Und schließlich hat ein bei solchen Vorhaben unvermeidlicher Ausschuss - das Wireless Home Digital Interface (WHDI) Konsortium - Ende letzten Jahres angekündigt, dass man die WHDI-Spezifikationen nun festgelegt habe. Vielleicht können wir nun endlich (zumindest am Horizont) das HD-freundliche und kabellose Wohnzimmer erblicken, das dann nicht nur eine Fata Morgana bleibt.

Der Top-Flop: TransferJet Technology von Sony

Sonys Cybershot - bald mit TransferJet
Sonys Cybershot - bald mit TransferJet
Die ersten Geräte mit TransferJet, einem neuen Typ einer drahtlosen Hochgeschwindigkeits-Datentransfer-Technologie, angeführt von Sony, wird im Februar 2010 veröffentlicht.

Die ersten Geräte die die TransferJet-Technologie nutzen, werden die Cybershot-Kameras von Sony sein, gefolgt von anderen Sony-Produkten (z. B. VAIO Notebooks).

Warum also ist diese Technik der Top-Flop? Weil es unwahrscheinlich ist, dass wir Sonys TransferJet in diesem Jahr groß wahrnehmen werden. Bislang ist Sony das einzige Unternehmen mit entsprechenden Plänen, Geräten damit auszustatten (und, bisher, nur Digitalkameras). Nur ein weiteres Unternehmen - Toshiba - hat ebenfalls einen TransferJet-Prototypen.

Außerdem ist es schon zwei Jahre her, seit TransferJet das erste Mal angekündigt wurde (auf der CES 2008), und damals hat noch ein ganzes Kader von Elektronik-Unternehmen (darunter Canon, JVC, Nikon, Olympus, Panasonic, Pioneer, Samsung und Sharp) angekündigt, auf den Zug aufzuspringen.

Newsletter bestellen: Newsletter und Wochenchronik

Mehr zu diesen Stichwörtern: Technologien, Sony, LG Electronics

Beta