Zensur-Vorwürfe gegen Apple +++ Experten sind von Microsofts Tablet-Vision enttäuscht +++ Erster Laser-Beamer für iPods und iPhone +++ Erste 3D-Fernseher im Frühjahr +++ E-Books: Samsung kooperiert mit Google +++ AAPL stagniert
(08.01.2010)
Innovativ und ein bisschen frech - so ist für viele das Image des Computerherstellers Apple. Doch wenn es um Programme für iPhones geht, versteht der US-Konzern keinen Spaß. Apple prüft nicht nur die technische Funktion der mehr als 100.000 Anwendungen für die Mobiltelefone, sondern auch deren Inhalte. Damit schafft Apple weltweit Zugangskontrollen nach eigenen Regeln. Kritiker sprechen sogar von Zensur.
Der Medienkonzern Axel Springer hat sich für die Abonnenten der "Bild"-App etwas Besonderes einfallen lassen. Sie können bereits um 22 Uhr die Zeitung des folgenden Tages auf dem iPhone herunterladen. Doch wer genau vergleicht, bemerkt Abweichungen zur gedruckten Ausgabe: So sind auf dem Mobiltelefon Nacktfotos und Sex-Anzeigen mit weißen Überblendungen entschärft ("geblitzt").
Grund sind die Apple-Regeln. Entweder liefern die Anbieter ihre Inhalte so, dass sie nicht beanstandet werden oder Apple greift selbst ein und löscht diese. "Nicht erlaubt sind Anwendungen mit beispielsweise pornografischen, illegalen oder die Privatsphäre verletzenden Inhalten", erklärt Apple-Sprecher Georg Albrecht. Die genauen Richtlinien veröffentlicht das Unternehmen jedoch nicht und weitere Erklärungen möchte Albrecht dazu auch nicht abgeben. Wegen der fehlenden Transparenz können die Nutzer kaum ermessen, ob nur Schmuddelbilder aus dem Verkehr gezogen werden oder vielleicht auch andere "anstößige Inhalte", wie in manchen Blogs kritisiert wird.
Für den Vorsitzenden des Deutschen Journalisten-Verbandes, Michael Konken, ist klar: "Da wird in die Berichterstattung eingegriffen, das darf nicht sein. Das kann man sogar als Zensur bezeichnen." Konken sieht die Glaubwürdigkeit von Informationen auf dem iPhone insgesamt erschüttert. "Der Provider ist nur der Lkw, der die Ladung transportiert, er darf nicht die Fracht bestimmen." Schließlich gebe es Mediengesetze und im Streitfall Gerichte, die über die Pressefreiheit wachen.
Mit den restriktiven Regeln machte kürzlich der "Stern" Erfahrung: Apple löschte die Anwendung wegen einer Erotik-Bildstrecke. Das Magazin kritisierte das als praxisfern und verwies darauf, dass solche Bildergalerien völlig normal seien. Bei Bild gehört das Entschärfen zum normalen Produktionsprozess, um einer Sperre zu entgehen. "Die Redaktionsleitung entscheidet, welche Bilder im Zweifel `geblitzt werden müssen", erklärt der stellvertretende Bild-Chefredakteur Michael Paustian. "Die Regeln richten sich zum Einen nach den Vorgaben von Apple zum Anderen nach dem gesunde Menschenverstand und der Einschätzung, welche Nackt-Darstellungen in anderen Ländern und Kulturkreisen eventuell anstößig sein könnten. Natürlich muss man sich auch an die geltenden Spielregeln halten, um im App-Store zu erscheinen." Es gehe aber nur um die Entschärfung von Erotik, betont Paustian. Eingriffe in journalistische Inhalte seien ausgeschlossen.
Für den Präsidenten des Bundesverbandes Deutscher Zeitungsverleger, Helmut Heinen, ist die Prüfung der Inhalte problematisch. "Zensur ist sicher nicht die Zielsetzung der Plattformbetreiber, aber wir müssen als Inhalteanbieter den Anfängen wehren. Eingriffe müssen öffentlich gemacht werden, da wird es sicher noch Diskussionen geben." Da das iPhone weit verbreitet und die Plattform einfach zu bedienen ist, kommt ein Anbieter, der seine Inhalte mobil verbreiten möchte, an Apple nur schwerlich vorbei. Medienunternehmen erhoffen sich zusätzliche Einnahmen von den Apps, da die Nutzer oft bereit sind, dafür Geld zu bezahlen - im Gegensatz zu Internetangeboten. Inzwischen wurden weltweit mehr als drei Milliarden Apps heruntergeladen.
Der Berliner Medienwissenschaftler Norbert Bolz hat allerdings Verständnis für den Konzern. "Es kam mehrfach vor, dass Provider in kritischen Fällen für Darstellungen auf ihrer Plattform zur Verantwortung gezogen wurden. Insofern handelt es sich um eine Vorsichtsmaßnahme aus juristischen Gründen." Allerdings müssten die Kriterien offengelegt werden. Bolz sieht die größere Gefahr im vorauseilenden Gehorsam von Journalisten. "Die Redaktion kann mit Rücksicht auf iPhone-Nutzer eine Schere im Kopf verinnerlichen und von vornherein auf problematische Inhalte verzichten." (dpa)
Die Erwartungen an Microsoft-Chef Steve Ballmer waren groß - und wurden enttäuscht. Vor Ballmers Rede zum Auftakt der Elektronikmesse CES in Las Vegas sah es so aus, als wollte der Software-Gigant zusammen mit dem weltgrößten PC-Hersteller Hewlett-Packard den Rivalen Apple übertrumpfen und als Erster einen neuartigen Tablet-Computer vorstellen. Doch nach Einschätzung der meisten Branchenexperten griff der von Ballmer gezeigte Kompaktcomputer "Slate" zu kurz.
"Eigentlich hat Ballmer nur einen kleinen PC gezeigt, der mit Windows 7 läuft", sagte Analyst Michael Gartenberg. "So etwas hatten wir schon einmal - und niemand hat die Dinger gekauft." Gartenberg spielte damit auf den kommerziellen Misserfolg der Ultra Mobile PCs (UMPCs) an, die vor vier Jahren auf der CES präsentiert worden waren. Wenig beeindruckt zeigten sich viele Beobachter auch von den demonstrierten Anwendungen. Der Microsoft-Chef hatte lediglich vorgeführt, wie man auf dem Gerät ein E-Book lesen und ein Video abspielen kann. Den Begriff "Slate" will Microsoft als Bezeichnung für alle Tablet-Rechner mit Windows 7 einführen.
Um ein ähnliches Gerät soll es auch bei dem für Ende Januar erwarteten Apple-Gerät gehen, doch im Gegensatz zu Ballmers "Slate" wird der Apfel-Rechner als Heilsbringer unter anderem für die Medienbranche gehandelt. Diverse US-Magazine demonstrierten bereits, wie sie sich schicke digitale Ausgaben für mobile Geräte vorstellen, mit denen sie die schwindenden Print-Umsätze aufbessern wollen.
Tablet-Computer - mobile Geräte, bei denen alle Eingaben hauptsächlich oder ausschließlich über einen berührungsempfindlichen Bildschirm erledigt werden - sind an sich nicht neu. Microsoft und seine Partner versuchen schon seit Jahren, sie auf dem Markt zu etablieren. Das blieb bisher erfolglos: Zu hoch war der Aufpreis, zu langsam die Internetverbindungen, zu kurz die Akku-Laufzeit und zu gering der zusätzliche Nutzen.
Doch jetzt ist die Technik reif. Und es gibt immer mehr digitale Inhalte für mobile Geräte - ob Filme, Bücher oder Zeitungsartikel. Die Zeit für eine neue Geräteklasse ist gekommen. Und Apple wird in der Pole-Position gesehen, allein schon weil der US-Konzern bereits mit dem iPod-Player den Musikmarkt und mit dem iPhone die Mobilfunk-Industrie umgekrempelt hat. Zudem verfügt Apple mit dem iTunes Store über ein auf Hochtouren laufendes Verkaufs- und Abrechnungssystem.
Doch Apple ist nicht allein. Die Branche liefert sich derzeit ein Wettrennen um den mobilen Medien-Computer der Zukunft. Mit dabei sind Lesegeräte für digitale Bücher wie das Kindle des Online-Händlers Amazon. Auf der CES hat zudem die neue Minicomputer-Klasse der "Smartbooks" Premiere, die zwischen Mobiltelefonen und den bisherigen Mini-Notebooks angesiedelt ist.
Auch Microsoft und Hewlett-Packard wollen den Slate ("Schiefertafel") noch in diesem Jahr auf den Markt bringen. Zur Vorstellung des Geräts gab es einen Patzer: Die Rede von Ballmer, mit der die Consumer Electronics Show 2010 offiziell eröffnet wurde, begann mit einer Panne. Nach einem Stromausfall im Ballroom des Hilton Hotels mussten sämtliche Demo-Rechner neu gestartet und der Beginn der Veranstaltung um eine halbe Stunde verschoben werden. Ein Groß-Fernseher mit Microsoft-Programmen, den Ballmer bei seinem Auftritt eigentlich vorführen wollte, wurde bei dem Zwischenfall zerstört.
Für die Computer-Branche sieht Ballmer nach einem schwierigen Jahr 2009 bessere Zeiten anbrechen. Schon im vergangenen Jahr habe die PC-Branche um drei Prozent zulegt. Im Jahr 2010 würden es nach den Berechnungen des Marktforschungsinstituts Gartner sogar zwölf Prozent Wachstum.
Sonst geizte Ballmer aber mit Zahlen. So nannte er für den Microsoft-Musikplayer Zune keine Absatzzahlen, sondern verwies auf die "ausgezeichneten Testberichte", die über den iPod-Konkurrenten geschrieben worden seien. Bei der Microsoft-Internetsuchmaschine Bing machte Ballmer eine Dynamik aus, das sich fortsetzen werde. Der Microsoft-Chef kündigte an, dass der Partner Hewlett-Packard künftig in 34 Ländern PCs mit Bing als Standardsuchmaschine ausliefern werde.
Vor rund 3.000 Zuschauern stellte Ballmer weiterhin eine neue Version der TV-Software "Microsoft Mediaroom" vor, die in Deutschland von T-Home für das Programm "Entertain" eingesetzt wird. "Mediaroom 2.0" kann künftig auch auf einem PC laufen, so dass eine zusätzliche Settop-Box nicht notwendig wäre. (dpa)