Von Daniel Kottmair (03.02.2005)
Macwelt: Wie sehen Sie die Zukunft des Mac in Sachen OpenGL 2.0? Gibt es bereits APIs hierfür oder setzt Mac-OS X immer noch auf OpenGL-Erweiterungen um neue Grafikchip-Features zu nutzen?
Bruno Fernandes: Im allgemeinen setzt Apple auf öffentlich einsehbare OpenGL-Extensions (ARB, EXP und Apple-spezifisch) um ihre OS-Features zu implementieren. Fortschrittliche Tiger-Features wie Core Image, Core Video, Quartz Extreme 2D und Quartz Composer beispielsweise sind ausschließlich mittels öffentlicher OpenGL-Extensions implementiert. Zusätzliche GPU-Funktionen bietet Apple üblicherweise via OpenGL oder über eine andere offene API an. ATI arbeitet sehr eng mit Apple zusammen damit unsere Produkte und Treiber verfügbare und kommende APIs immer voll nutzen können. In Hinblick auf OpenGL 2.0 im Speziellen können wir keinen Kommentar abgeben bezüglich Apples Strategie.
Macwelt: Was ist ihrer Meinung nach der größte Fortschritt in Tiger? Ändern sich die Grafik- und 3D-APIs massiv? Wird PCI Express - wenn es einmal in Macs verfügbar ist - für Core Image/Video und Apples Motion ein Segen sein?
Bruno Fernandes: Der größte Fortschritt in Tiger ist, dass Apple von nur dem hardwarebeschleunigten Compositing in Panther auf voll hardwarebeschleunigtes Rendern aller Fenster-Inhalte umstellt. Core Image und Core Video sind auch bahnbrechend, da Apple das volle Potential der GPU-Programmierung den Usern in einer einfach zu programierenden Systembibliothek zur Verfügung stellt. Entwickler werden in der Lage sein GPU-basierte Shader-Effekte zu kreieren ohne eine einzige Zeile Shader-Code schreiben zu müssen. Diese können sie dann in ihre eigenen Anwendungen integrieren mithilfe von Apple-Werkzeugen wie Interface Builder und Quartz Composer. Für GPU-Hersteller ist Mac-OS X "the place to be". Damit dies in Tiger funktioniert musste das OpenGL-Interface für die Treiber nur sehr wenig verändert werden, aber es musste für neue Situationen optimiert werden und wir mussten viele Bugs beheben (lacht).
Die höhere Bandbreite von PCI-Express würde angesichts von PC-Testergebnissen höchstwahrscheinlich ein Segen für Grafik-Geräte sein, wir können jedoch keine Aussage zu PCI-Express-Verfügbarkeit auf der Macintosh-Plattform geben. Einen Schritt zu einer neuen Technologie wie diesen muss Apple selbst diskutieren oder bekanntgeben. Sollte ein solcher Schritt auf dem Mac stattfinden wäre ATI in einer sehr vorteilhaften Position, da wir der erste Hersteller mit einer vollständigen PCI-Express-Lösung waren. Als Firma haben wir eine Fülle an PCI-Express-Mitteln und -Erfahrung.
Macwelt: Sehen sie Potential für Optimierung der Treiber durch CPU-Features wie Altivec, 64 Bit oder anderen G5-spezifischen Charakteristika wie dem breiten Frontsidebus, Befehls-Gruppierung, seiner Hardware-Quadratwurzel und anderem? Da die meisten von ATIs zukünftigen Karten ohnehin nur für den G5 verfügbar sein werden scheint das Feintuning der Treiber speziell auf die stark verbesserte G5-Architektur nur ein logischer Schritt zu sein.
Bruno Fernandes: Wir nutzen bereits gewisse G5-Features und werden auch weiterhin unsere Software optimieren um das Potential der Plattform voll zu nutzen. Wir setzen stark auf Apples Performance-Tools wie Shark und prüfen beziehungsweise nutzen bereits das Befehls-Gruppieren des PowerPC 970, Altivec, Prefetch und so weiter. Apple investiert auch viel Zeit in die Optimierung an ihrem Ende der Treiber-Kette. Diese Optimierungen helfen meistens in CPU-limitierten Fällen, also arbeiten wir auch weiterhin an Füllraten-Optimierungen, von denen viele Spiele und Anwendungen in höheren Auflösungen profitieren können.
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