Kommentar: Steve Jobs überfordert Apple
Verschiebungen und Fehler häufen sich
Auf den ersten Blick ist der verspätete Termin für Mac-OS X 10.5 Leopard kein Drama - Microsoft hat Windows Vista wesentlich öfter verschoben. Viel schwerer aber wiegt der Image-Schaden und der Eindruck, Apple sei den eigenen hochfliegenden Plänen nicht mehr gewachsen
Von
Sebastian Hirsch
(13.04.2007)
„Redmond: Startet schon mal die Fotokopierer!“ So hatte Apple noch bei der Entwicklerkonferenz im August letzten Jahres gehöhnt, als Steve Jobs persönlich die neueste Version des Mac-Betriebssystems vorstellte. Nun rudern die Mannen aus Cupertino kleinlaut zurück. Nicht wie angekündigt im Frühling, sondern im Oktober soll das neueste Update des Mac-OS X verfügbar sein.
Alles kein Drama? Von Microsoft sind wir ganz anderes gewöhnt? Mag sein - aber Apple ist nicht Microsoft. Apple lebt von seinem Ruf, besser zu sein als andere, und heizt diesen nicht nur durch einschlägige Fernsehkampagnen noch kräftig an. Fünf Jahre sei man mit dem iPhone der Konkurrenz voraus, so Steve Jobs im Januar. Mac-OS X sei schon jetzt da, wo Vista einmal hin wolle. Mit Apple TV habe man die einzige funktionierende Lösung für die Distribution von multimedialen Internet-Inhalten. Die Musikindustrie habe man revolutioniert und mit Hollywood werde man das auch noch schaffen.
Apple klappert kräftig
Klappern gehört zum Geschäft, doch dass jetzt ausgerechnet das iPhone als Grund dafür herhalten muss, dass man dem Mac-Kerngeschäft die Entwickler entzieht, mag manchem Mac-Fan letzter Beweis dafür sein, dass Cupertino keinen Wert mehr legt auf die loyale Mac-Basis. Ausgerechnet zur Macworld Expo im Januar fiel nicht ein Wort zum neuen Mac-OS X, was manchen Mac-Anwender schon Böses ahnen ließ. Schlimmer aber als die immer wiederkehrenden Vernachlässigungsängste der Mac-Anhängerschaft ist die wachsende Erkenntnis, dass Steve Jobs seine Firma zu überfordern beginnt. Das iPhone ist schon über drei Jahre in der Entwicklung - man hätte wissen können, welchen Aufwand die Entwicklung in der Endphase zur Marktreife bedeutet. Apple TV hat sich ebenfalls um Wochen verzögert, wohl unter anderem deshalb, weil es, wie das iPhone, eine modifizierte Version des Mac-Betriebssystems enthält. Von einer neuen Version der Medien-Suite iLife, einst Star unter den Mac-Applikationen, ist weit und breit nichts zu sehen und zu hören und es macht ganz den Eindruck, dass das bislang jährliche Update dieses Mal ganz entfällt. Viele Apple-Programme harren zudem der Überarbeitung, damit sie vernünftig mit mehreren Prozessoren umgehen können. Und das umso mehr, als Apple nun auch einen Acht-Prozessor-Mac im Portfolio hat.
Es knirscht im Apple-Gebälk
Die nun erfolgte Verschiebung von Mac-OS X 10.5 zeigt, dass es im Apple-Gebälk mächtig knirscht. Es ist sicher kein Zufall, dass die Meldung ziemlich genau ein Jahr erfolgt, nachdem der „Vater“ von Mac-OS X, Avi Tevanian, Apple verlassen hat. Ebenso wenig dürfte es ein Zufall sein, dass die Meldung fast auf den Tag genau ein Jahr nach dem Weggang von Hardware-Chef Jon Rubinstein erfolgt. Beide waren zentrale Gestalten beim Wiedererstarken Apples - und beide hatten das Vertrauen von Steve Jobs und damit die Möglichkeit, den Apple-Chef wenn nötig auch einmal zu bremsen. Nun sieht es so aus, als würde Jobs weitgehend ungehindert immer mehr Projekte in immer kürzerer Zeit vorantreiben. Dies aber kann eine Firma überfordern und zu verheerenden Ergebnissen führen.
So ist die Verschiebung von Mac-OS X 10.5 weniger ein Ressourcen- als ein Steve-Jobs-Problem. Der Apple-Chef täte gut daran, sich von seinen Beratern auch einmal bremsen zu lassen und realistischer mit seinen Ressourcen zu planen. Wie man es besser macht zeigt der Umstieg auf Intel, der, langfristig geplant, plötzlich lange vor der Planung abgeschlossen war. Aber den hatten, als letztes Glanzstück, ja auch noch Jon Rubinstein und Avi Tevanian zu verantworten.
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mac-os x, apple, leopard, 10.5
Macbookstef
19.04.07 12:30
Hallo Leute, ich stimme vollkommen zu, dass eine Verschiebung kein wirkliches "Problem" darstellt, solange das was dann rauskommt auch wirklich funktioniert. Die Vorfreude war halt schon soooo gross. Ich glaub, zuverlässiger werden die Aussagen bezügl. Termin erst, wenn iPhone in USA am Markt ist und läuft. Sollte sich der iPhone-USA-Termin Juni verschieben, dann wirds wohl auch im Oktober noch keine neue Katze geben.
Das Update 10.4.9 bzw. die Rückschlüsse die man daraus auf die Zuverlässigkeit von Apple SW - Entwicklung / die QC ziehen muss, machen mich dzt. aber ohnehin eher ein bisschen vorsichtig, was "neues von Apple" anbelangt. Zusammengefasst muss man sagen: ein nagelneuer Mac, ohne Zusatzsoftware, ohne Fremdgeräte dran, jungfräulich und mit Appleeigenem Systemupdate auf neuesten Stand gebracht funktioniert nach dem Update nicht mehr richtig.
Wer's detaillierter haben will, weiterlesen:
3 Tage nach dem Release von 10.4.9 hab ich mir einen nagelneuen iMac 20" C2D gekauft. Der kam mit 10.4.7 und das erste was ich tat war, über Software Update alle Updates raufzuspielen. Problemlos. Hab dann meine externe USB HD (Freecom Toughdrive 120GB) angehängt, um ca. 50GB Daten rüberzukopieren. Da ich da natürl. nicht daneben gesessen bin, ging der iMac nach dem Kopieren in den Ruhezustand. Alles noch ok. Aber: nach dem Aufwecken konnte ich auf die USB - Platte nicht mehr zugreifen. Der Finder war stocksteif, und das Spektralrad drehte seine Runden. Hab 15 Min. gewartet und dann die USB abgezogen. Dann ging der Finder wieder. Platte wieder angesteckt, ging auch wieder. Hab nun natürl. Angst, dass irgendwann Daten kaputtgehen, wenn ich die Platte immer ohne auszuwerfen ab"reissen" muss. Musste also den automatischen Ruhezustand deaktivieren.
Dieser Fehler ist 100% reproduzierbar. Seit Update auf 10.4.9 leider auch bei meinem MacBook: exakt der selbe Effekt, egal ob über Hub oder direkt. Vor dem Update hatte es keinerlei Probleme gegeben. An der Platte liegt es nicht, ich hab das selbe Problem mit allen meinen 3 USB Platten (unterschiedl. Hersteller, unterschiedliche Grössen). Die Firewireplatte (LaCie 500GB) funktioniert einwandfrei.
Als kleine weitere Beigabe erkennt Mac OS X seit 10.4.9 auch meinen TomTom 910 nicht mehr ... ausser ich häng ihn über die langsame USB 1.1 an der iMac Tastatur an.
Also, wenn hier einer was dazu sagen kann, bittesehr. Im Forum war die dem Problem am nächsten kommende Antwort: "weiss man doch dass USB Platten am Mac nicht optimal laufen". Ich dacht bisher, Mac baut die zuverlässigsten Systeme am Computermarkt.
iSvizz
17.04.07 09:06
Also ich als Mac-Neuling und Jahrelanger PC User finde das auch nicht schlimm das der Leopard erst im Oktober auf Raubzug gehen soll. Bin ehh noch den Tiger am bendigen was mir ausserst gut gelingt, sehr zahm der Tiger! :)
Wenn alles funktioniert (Time Machine etc.) ist Apple den Redmondern ja wiedermal ein bis zwei Betriebssysteme vorraus!!
Gruss
iSvizz
joergi
16.04.07 15:02
ich lese gerade "steve jobs und die erfolgsgeschichte von apple" (young/simon) da fügt sich dieser artikel fast nahtlos als weiteres kapitel in die story mit ein :)
.jk
Macziege
15.04.07 16:30
Wer von uns kann schon beurteilen, was von all den Vorankündigungen realistisch gemeint war, oder was aus taktischen Gründen von Apple in die Welt gesetzt wurde. Faktisch ist aus meiner Sicht, dass durch Apples Vorankündigung Mikrosoft stark unter Druck geriet, so dass man nicht von einer gelungenen Einführung von Vista sprechen kann. Die Medien berichten täglich von diesem Disaster und manch einer, der mit Vista und einem neuen Computer geliebäugelt hatte, sieht jetzt bei Apple genauer hin. Ich denke, dass Apples Strategen und Ihr Oberstratege genau wussten was sie taten. Sollte ihre Vorankündigung, die nicht einzuhalten war, unter diesem Aspekt geplant gewesen sein, konnte der Zeitpunkt dafür nicht besser sein. Der Markt und damit die Umsätze von Apple, werden es zeigen.
kakue
14.04.07 08:31
Ich muss annehmen, dass dem nicht so ist.
Denn es wundert mich, dass der von der Macwelt online veröffentlichte Kommentar so gar nichts mit der Sachlage zu tun hat:
"So ist die Verschiebung von Mac-OS X 10.5 weniger ein Ressourcen- als ein Steve-Jobs-Problem. Der Apple-Chef täte gut daran, sich von seinen Beratern auch einmal bremsen zu lassen und realistischer mit seinen Ressourcen zu planen. Wie man es besser macht zeigt der Umstieg auf Intel, der, langfristig geplant, plötzlich lange vor der Planung abgeschlossen war. Aber den hatten, als letztes Glanzstück, ja auch noch Jon Rubinstein und Avi Tevanian zu verantworten.
"
Mr. Jobs hat sich doch just von "seinen Beratern" bremsen lassen und das nächste Mac OS um ein paar Monate nach hinten verschoben. Oder?
Und um ehrlich zu sein, das iPhone ist im Moment wirklich wichtiger als die zu erwartenden Verbesserungen in Mac OS X. Denn dieses funktioniert doch nach wie vor ganz prima.
tom7894
13.04.07 19:19
Auch das finde ich total übertrieben, und ich habe alle diese Updates mitgemacht. Dass es mehr Beschwerden gibt als früher - wenn das überhaupt so ist - lässt sich mindestens so schlüssig mit der höheren Verbreitung von X erklären.
Wenn man diese Maßstäbe anlegt, dürfte es längst kein Windows mehr geben.
Wolpy
13.04.07 18:57
Man braucht sich nur einmal die ärgerlichen Bugs der letzten OS-X-Versionen 10.4.8 und 10.4.9 anzuschauen, wo vieles nicht mehr zusammen passt und einiges nur mit mühsamen workarounds in Gang zu bekommmen ist: Ja, die SW-Entwicklung hat die Dinge nicht mehr im Griff. Man ist gewarnt, die Anschaffung neuer Apple-Hardware überhaupt in Betracht zu ziehen, vom Anschluss von Fremdprodukten ganz zu schweigen.
tom7894
13.04.07 14:54
Ich finde diesen Kommentar ein bisschen überzogen. Drei, vier Monate sind keine große Verspätung. Wir arbeiten auf Tiger, einem absolut zeitgemäßen Betriebssystem, das keine großen Wünsche offen lässt.
Mag sein, dass es inside Apple knirscht - vielleicht hat Sebastian Hirsch da Informationen, die uns fehlen -, aber die Verzögerung von Leopard ist noch kein Alarmzeichen.
Unprofessionell finde ich nur, dass Apple erst vor zwei Wochen oder so den Erscheinungstermin bestätigt hat, um ihn jetzt doch noch zu verschieben. Das riecht in der Tat nach einem Kommunikationsproblem innerhalb der Firma.
Dennoch - ich fühle mich als professioneller Mac-User keineswegs zurückgestellt. Ich hätte auch gern ein iPhone, auch wenn ich es nicht wirklich brauche ...
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