Von Martin Strang (17.05.2007)
Das grundsätzliche methodische Problem, auf das Lahkola hingewiesen hatte, zeigt sich auch bei der schwedischen Studie. Alle Angaben zum Handygebrauch werden von den Patienten angegeben. Auf welcher Seite sie überwiegend telefoniert haben, wie viele Stunden pro Wochen, welches Modell sie genutzt haben – all das wird säuberlich erhoben und in Tabellen eingetragen, die man statistisch auswertet. Aber wie zuverlässig sind die Daten, zumal man es mit Menschen zu tun hat, denen kurz vorher ein Hirntumor entfernt wurde?
Zweifel an der Aussagekraft der Daten sind hier angebracht. Selbst Hardell schreibt in seiner Studie, dass sich die Patienten an ihre benutzten Handymodelle meist nicht erinnern konnten. In einer Studie des deutschen Epidemiologen Schüz aus dem Jahr 2006 nennen die Studienteilnehmer sogar Netzwerkanbieter, die es zu den Zeiten, zu denen sie erstmals ein Handy benutzt haben wollten, noch gar nicht gab. Die Genauigkeit der Daten sei schwierig zu beurteilen, so Schüz in seiner Studie.
Dass bei dieser Art der Datenerhebung manche Studien zu vermeintlichen Beweisen einer Gesundheitsgefahr gelangen, verwundert nicht. Und gleichzeitig gibt es unzählige Studien, die sich mit der Strahlung von Handys und schnurlosen Telefonen befassen.
Die Studien von Schüz und der finnischen Forscherin Lahkola sind Teile des Interphone-Projektes der International Agency for Research on Cancer (IARC). In insgesamt 13 Ländern werden Forschungsstudien nach einem einheitlichen Protokoll durchgeführt, um die Ergebnisse zu vergleichen.
Das Fachblatt Deutsches Ärzteblatt kritisierte bereits die Interviewerhebung im Rahmen der Interphone-Studie. Die Zeitschrift wies daraufhin hin, dass Patienten beim dänischen Teil der Studie beim Gedächtnistest Schwächen zeigten. Die Interphone-Studie wird dank der großen Anzahl von Studienteilnehmern mögliche Gesundheitsgefahren deutlicher untersuchen können. Da die Telefoniergewohnheiten per Interview erhoben werden, sind Einzelergebnisse jedoch mit Vorsicht zu genießen.
Außen vor bleiben zudem die Langzeitnutzer, in der Interphone-Studie nur ein geringer Prozentsatz der Teilnehmer. Die Menschen, die ein Handy mehr als zehn Jahre regelmäßig nutzen, werden jedoch bald in der Mehrheit sein. Hier müssen zukünftige Studien ansetzen, um eine Langzeitschädigung auszuschließen.
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