Von Günter Schuler (19.10.2007)

Faktor 4: Die Schrift

Optische Schriftgröße: Die FF Scala wirkt geringfügig größer als die Minion. Soll sie etwa gleich groß erscheinen, muss die Schriftgröße herabgesetzt werden
Optische Schriftgröße: Die FF Scala wirkt geringfügig größer als die Minion. Soll sie etwa gleich groß erscheinen, muss die Schriftgröße herabgesetzt werden
Die Auswahl an lesefreundlichen Serif-, Slab-Serif- oder Sans-Serif-Schriften ist mittlerweile sehr groß. Unkonventionellere Schriften sind grundsätzlich möglich. Bedenken sollte man allerdings, dass das Publikum auch auf eingeführte Konventionen reagiert. Ob Antiquaschriften tatsächlich lesefreundlicher sind als Groteskschriften oder Serifenverstärkte, ist umstritten. Allgemein etabliert hat sich allerdings folgende Arbeitsteilung: Im Buchsatz sind Antiquas vom Schlag Garamond, Minion, Sabon & Co. nach wie vor Standard. Auch in Zeitschriften und Zeitungen wird dieser Grundtyp immer noch allgemein präferiert. Daneben haben sich jedoch auch Sans und Slab Serif-Schriften auf breiter Flur durchgesetzt. Sans-Schriften kommen vor allem in eher nüchtern-technisch geprägten Themenumfeldern zum Zug (wie beispielsweise in der Macwelt). Doch auch unter diesen Schrifttypen finden sich eine Menge Fonts, die auf klassische Buchsatz-Lesekonventionen hin optimiert und ausgebaut wurden. Eine weitere Frage, die in diesem Zusammenhang zu beachten ist, ist die der optischen Größenwirkung. Wie die Abbildung „Optische Schriftgröße“ zeigt, kann diese – trotz einheitlicher Schriftgröße – recht unterschiedlich ausfallen. Hauptgrund für diese unterschiedliche Größenwirkung sind unterschiedliche Proportionen für Groß- und Kleinbuchstaben. Bei manchen Schriften wirken die Kleinbuchstaben sehr präsent, bei anderen hingegen eher zurückgenommen. Letzteres trifft vor allem auf klassische Buchsatz-Antiquas zu wie etwa die Garamond, die Bembo oder die Caslon. Andere Antiquaschriften hingegen offerieren höhere Kleinbuchstabenhöhen, wie sie im angelsächsischen Raum gängig sind. Einige von ihnen – wie zum Beispiel die ITC Charter oder die Antiqua B aus dem Thesis-Clan – empfehlen sich aufgrund ihrer hohen x-Höhen explizit als Schriften für den engspaltigen Zeitungssatz.

Grundregeln

Minion Pro: Unterschiedliche Schnitte für kleine Größen, Grundschriften und Headlines.
Minion Pro: Unterschiedliche Schnitte für kleine Größen, Grundschriften und Headlines.
Da das Bestimmen der grundlegenden Formatierungsmerkmale von vier unterschiedlichen Faktoren abhängt, ist Fingerspitzengefühl gefragt. Grundsätzlich beachten sollte man folgende Gesetzmäßigkeiten: Breite Spalten wie etwa im Buchsatz benötigen relativ große Schriftgrößen sowie einen deutlichen Zeilenabstand. Im typischen Editorial Design kann die Schriftgröße zurückgenommen werden, der Zeilenabstand kann hier variabel gestaltet werden, sollte allerdings nicht zu eng ausfallen. Weitere Do‘s: Bei engspaltigem Magazin- und Zeitungslayout sollte man eine geeignete Schrift wählen (Merkmale: enge Zeichenzurichtung und relativ hohe x-Höhe) und bei den Zeilenabständen eher wenig Raum zugeben.

Über diese Grundregeln hinaus gibt es noch ein paar Detail-Besonderheiten – beispielsweise bei der Handhabung besonders kleiner Schriftgrößen und Headlines sowie bei Negativtext (siehe auch Kasten „Die optimale Laufweite“). Für Satz-Unerfahrene eine besondere Herausforderung ist die unterschiedliche Größenwirkung numerisch gleich großer Schriften. Anfängern hilft hier die Beschränkung auf Schriften, mit deren Feinmechanik man bereits Erfahrung hat. Im Kasten „Schriftgröße-Tabelle“ finden Sie Anhaltswerte für eine Reihe ausgesuchter Schriften, deren Prozentangaben sich auf andere Schriftgrößen übertragen lassen.

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