Hightech-Typo in der Praxis
Ob Dokumenttransfer von Mac zu PC, das Arbeiten mit fremdsprachigen Zeichensätzen oder typografisch korrektes Formatieren: der Einsatz von Opentype-Schriften erleichtert vieles.
Von Günter Schuler (26.02.2008)
Vor allem in folgenden Bereichen kann es zu Problemen mit Schriften kommen:
– Beim Transfer von Layoutdokumenten, etwa aus Indesign oder Xpress, vom Mac auf den PC. Herkömmliche Postscript- oder Truetype-Schriften lassen sich hier nämlich nicht einbetten, sondern müssen auf der anderen Seite mit entsprechenden PC-Versionen der jeweiligen Schrift substituiert werden.
– Beim Umgang mit Fremdsprachensatz. Ursache sind (teilweise) andere Zeichen und abweichende Tastaturbelegungen. In der Praxis treten derartige Probleme vor allem auf beim Setzen oder der Weiterverarbeitung von Dokumenten in mitteleuropäischen Sprachen auf, in Griechisch, Kryrillisch oder Türkisch. Die hier verwandten Zeichensysteme sind zwar Ableger oder nahe Verwandte des lateinischen Alphabets, kommen beim Satz herkömmliche Schriftformate zum Zug, müssen jedoch entsprechend internationalisierte Versionen angewandt werden.
– Beim typografisch korrekten Formatieren. Gut ausgebaute Postscript-Textschriften offerieren zusätzliche Fontdateien mit entsprechenden Zeichen für Kapitälchen, Mediaevalziffern, Zierzeichen und Brüche. Der Wechsel zwischen Normalfont und Zusatzzeichen-Font ist aber ebenso aufwändig wie das Jonglieren mit unterschiedlichen Sprachversionen.
Bislang sind derart ausgestattete Super-Satzschriften noch in der Minderheit. Zusätzliche Zeichensets, die die Standardbelegung ergänzen, enthalten allerdings viele Opentype-Fonts – vor allem arrivierte, gut ausgebaute oder neue Textschriften. Der Nutzen beim Einsatz von Opentype-Schriften zeigt sich vor allem im Alltag. Besser als bislang bewältigen lassen sich mit ihnen vor allem die drei oben aufgeführten Problemfälle: die systemübergreifende Weitergabe offener Satzdaten, der Fremdsprachensatz sowie die Formatierung mit (allen) typografischen Finessen.
Am einfachsten gestaltet sich die systemübergreifende Verwendbarkeit. Während bei herkömmlichen Schriften stets eine identische Mac- und PC-Version vorhanden sein muss, lassen sich Opentype-Fonts sowohl auf dem Mac als auch auf dem PC installieren. Als Folge sinkt die Gefahr, dass Umbrüche aufgrund abweichender Schriftversionen unterschiedlich dargestellt werden, drastisch. In den zwei anderen Bereichen – dem fremd- oder gemischtsprachlichen Satz sowie der typografisch korrekten Feinformatierung – ermöglichen Opentype-Fonts vor allem das Ausschöpfen bestimmter Automatismen. Da pro Schnitt nur noch ein Font nötig ist, erübrigt sich das ständige Wechseln zwischen unterschiedlichen Sprach- und Zeichenversionen. Für das Sprach-Handling sowie das Arbeiten mit den mehr oder weniger zahlreichen zusätzlichen Zeichen stellen Betriebssystem und Anwendungsprogramme unterschiedliche Hilfsmittel bereit. Moderne Layout- und Grafikapplikationen wie Indesign, Xpress und Illustrator haben hier zum einen spezielle Formatierungsfunktionen in petto, mit denen sich die entsprechenden Attribute leicht zuweisen lassen, zum anderen sogenannte Glyphen-Paletten. Nutzen lassen sich diese Zeichenübersichten nicht nur zur Anschauung, sondern auch als alternatives Arbeitswerkzeug für die Eingabe von Spezialzeichen, die über die Tastatur entweder nicht oder nicht so einfach angesteuert werden können.
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