Test Audio-Sampler |
Morgana ist ein Sampler, der nichts von dem bietet, was moderne Mitbewerber bieten. Stattdessen orientiert sich das VST- und AU-Plugin an den Urzeiten des Samplings. Was nach Altmüll klingt, birgt in Wirklichkeit ungeahnt charaktervolle Klänge und erstaunlich viel kreatives Potential.
Von Thomas Pelkmann (04.01.2010)
Man fragt sich dann schon mal echt, was das soll: Das Teil klingt richtig schlecht, zu bedienen gibt es kaum was und die handelsüblichen Zusatzfunktionen und Effekte fehlen fast vollständig. Aber mit dem Morgana bekommt man ein Instrument an die Hand, das selten kreativ ist: Mit wenigen Handgriffen spielt man mit seinem Samplematerial und stellt fest: Es klingt echt abgefahren. So schlecht, dass es schon wieder gut ist.
Morgana präsentiert sich als "way back machine", die zu den rauen Anfängen des Samplings zurückkehrt: Speicherplatz für Gigabyte-große Samples gab es nicht, und die Digital-Audio-Wandler waren von bescheidener Qualität. Oder, wie es der Hersteller 112db ausdrückt: "Der Klang, der in diese Geräte rein kam, war nicht derselbe, der wieder herauskam": dreckiger und dunkler, aber auch wärmer und ausdrucksvoller.
Das stimmt: Morgana ist ein Instrument mit Charakter. Es drückt dem Klangmaterial seinen eigenen Stempel auf und unterscheidet sich damit fundamental von modernen Samplern, die mit hoher Originaltreue für sich werben.
Wenig erstaunlich ist, dass Morgana samplen kann. Das funktioniert sehr einfach: Ein Klick auf den "Record"-Button startet die Aufnahmefunktion. Die Aufnahme selbst beginnt erst beim Erreichen eines bestimmten Grenzwertes ("Threshold"). Als Aufnahmequelle steht der Stereo-Eingang des Rechners sowie der Morgana-Output zur Verfügung. Über das für Morgana-Nutzer kostenlose Zusatztool SampLink gibt es zudem die Möglichkeit, eine Art Insert-Effect auf eine Audio-Spur des Hosts zu schalten. Über diese Schnittstelle ist es dann leicht, das Audiosignal des Sequencers direkt als Aufnahmequelle zu nutzen.
Direkt im Anschluss steht das Sample zur Bearbeitung zur Verfügung. Direkt im Gerät lassen sich die Samples schneiden oder loopen, im Pegel normalisieren, in der Abspielrichtung umkehren oder in kleine Portionen zerlegen.
Für die Klangbearbeitung selbst stehen einige Schieberegler, Knöpfe und Schalter bereit. Der "Amplitude VGA" kümmert sich um den Lautstärkeverlauf des Klangs. Der "Analog-Filter" mit einer Flankensteilheit von 24dB ist, wie der Name schon sagt, für das Filtern des Samples verantwortlich, der LFO dient der Modulation des Sounds - alles Bausteine, die man schon aus ganz alten Synthesizern und Samplern kennt.
Ein ganz besonderes Highlight aber ist... Nein, das war's tatsächlich schon. Wer mehr Funktionen für die Klangformung erwartet, muss sich bei moderneren Geräten bedienen.
Ganz auf moderne Technik verzichtet natürlich auch Morgana nicht: So bietet das Plugin volle MIDI-Automation der wichtigsten Parameter, die zudem leicht einzurichten ist: Ein Rechtsklick auf einen Regler und die Wahl von "Learn" erlaubt die individuelle Steuerung durch beliebige Controller. Auch das Drag & Drop von Soundfiles oder Banks ist mit Morgana möglich - der Bedienkomfort ist damit erfreulich anders, als bei den Samplern vor 20 Jahren.
Ein Gerät, das so wenige Möglichkeiten bietet, kann eigentlich nur mit einem punkten: dem Klang. Tatsächlich hält der Hersteller das Versprechen, mit Morgana ein Instrument mit Charakter gebaut zu haben: Der Klang rauscht, die magere 8-Bit-Simulation kratzt, mancher Klang kommt schon von Hause aus verzerrt durch die Boxen. Wer glasklare, hoch auflösende Samples erwartet, die auch noch die letzten Obertöne aus einer Klangprobe herausholen, wird darüber enttäuscht sein. Wer aber ungewöhnliche und eigenwillige Klänge sucht, wird sich über die Eigenheiten von Morgana freuen.
Echt kreativ ist auch die Resampling-Funktion, die genauso einfach funktioniert wie das eigentliche Samplen: man schickt einfach das bearbeitete und auf dem Keyboard gespielte Signal wieder durch den Sampler und erhält so schnell ganz neues Ausgangsmaterial für kreative Spielereien.
Morgana ist so originell, dass er einzigartig ist. Moderne Software-Sampler mögen alles bieten, was das Herz begehrt; mit Morgana erhält man aus brauchbarem Ausgangsmaterial in kurzer Zeit richtig interessante Klänge. Ein besseres Kompliment kann man dem auf alt machenden Zausel Morgana gar nicht machen.
Sampler mit Retro-Charme, kratzigen Klängen, überschaubaren Funktionen, aber großem kreativen Potential.
Preis: € 170, CHF 247
Note: 1,4 sehr gut
Klang (40%): 1,5
Bedienung (20%): 1,5
Hardware-Anforderungen (30%): 1,3
Preis-/Leistungsverhältnis (10%): 1,5
Vorzüge: kreatives Konzept, eigenständiger Klangcharakter, günstiger Preis
Nachteile: läuft nicht immer stabil, stürzt im Betrieb hin und wieder ab.
Alternativen: Eigentlich keine. Andere Software-Sampler bieten ungleich mehr Möglichkeiten und perfektere Klänge, lassen aber den individuellen Charakter vermissen.