Test: Max for Live |
Mit mit Max for Live gibt es ein äußerst flexibles Werkzeug zum Programmieren von Synthesizern, Effekten und Controllern für Ableton Live.
Von Thomas Pelkmann (04.02.2010)
Max ist eine grafische Entwicklungsumgebung, die schon seit mehr als 20 Jahren von Komponisten, Performance-Künstlern und Programmierern eingesetzt wird, um "interaktive Software selbst zu erstellen - unabhängig von den ästhetischen Vorgaben kommerzieller Produkte" (Wikipedia). Das Programm ist in etwa vergleichbar mit Reaktor von Native Instruments. Allerdings greift Max wesentlich tiefer ins System ein, als der Synthesizer-Baukasten, der vor allem über Instrumente und Makros verdrahtet wird.
Der Hersteller Cycling ’74 charakterisiert seine Programmierumgebung so: "In Max everything can be connected to everything". Man kann in Max alles zur Steuerung einsetzen, was numerische Werte erzeugt und in der Lage ist, diese an einen Computer zu übermitteln: Videokameras, WII-Controller, Joysticks, Audiosignale und mehr. Mit dieser Fähigkeit, Echtzeitdaten zu verarbeiten, präsentiert sich Max als kongenialer Partner von Ableton Live.
Die Instrumente sind nicht spektakulär, aber interessant: Der Loop-Shifter zum Beispiel zerhackt Samples, Flying Waves ist eine Art Theremin für die Maus und die Shepard Tones spielen mit dem physikalischen Phänomen immerwährend ansteigender Sinustöne, die dennoch nicht die obere Hörschwelle überschreiten. Man merkt schon: Max ist auch in Live nichts für Synthesizerfreaks, sondern eher etwas für experimentelle Geister. Auch die Audio-Effekte taugen weniger für das gefällige Abwandeln hitverdächtiger Riffs und Licks, als für das ergebnisoffene Experimentieren mit vorhandenem Soundmaterial.
Eins der spannendsten Live-Instrumente muss man länger suchen: Das Video-Theremin versteckt sich bescheiden in den Lessons, zeigt aber hervorragend, welche Controller-Möglichkeiten das Plugin bietet. Hier lassen sich per Videokamera einzelne Parameter von Klangwerkzeugen live steuern. Wer sich bisher noch nicht so richtig vorstellen konnte, was Max for Live kann, der ahnt es jetzt.
Zudem vermisst man im großen Ozean der vielen Anleitungen zweierlei: Ein gedrucktes (deutsches) Handbuch und eine Objektreferenz auf Papier. Schließlich fehlt Max (noch), was man bei Reaktor schon lange kennt: eine Community von Anwendern, die für Max Programme und Lösungen entwickelt. Zwar gibt es die auf der Webseite von Cycling ’74. Die Unterseite "Share Pages" allerdings "comes soon". Wir warten schon ungeduldig!
Mit Max for Live lassen sich die Möglichkeiten von Ableton Live maßgeschneidert auf die eigenen Bedürfnisse anpassen. Die Flexibilität ist enorm, das macht die Anwendung allerdings kompliziert und sperrig.
Objektorientierte Programmierumgebung für Ableton Live
Ableton
Preis: € 250 EUR, CHF 380
Note: 1,6 gut
Flexibilität (30%): 1,0
Erweiterbarkeit (20%): 1,5
Programmierbarkeit (20%): 3,0
Klang (30%): 1,3
Vorzüge: Unbegrenzt flexibles System zum Programmieren eigener Musik- und Videoanwendungen, verarbeitet beliebige numerische Controller-Daten, passt perfekt zum Live-Performance-Ansatz des Host-Programms Ableton Live
Nachteile: Sehr aufwändig Programmierung, Handbuch und Referenz sind nur über das Internet erhältlich
Alternative: Native Instruments Reaktor
Ab Ableton Live 8.1, ab Mac-OS X 10.4.11 (Mac-OS X 10.5 empfohlen), ab G4-Prozessor mit 1,25 GHz (Intel-Prozessor empfohlen)
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