Musik Klangbaukasten |
Wer eine flexible Umgebung für Live-Musik und Klangexperimente sucht, sollte sich das Programm Audiomulch einmal genauer anschauen.
Von Thomas Pelkmann (14.07.2010)
Audiomulch ist ein Baukasten für Live-Performances, Audioverarbeitung, Klangsynthese und Komposition. Es hat ein bisschen von Reaktor oder Max/MSP und erinnert außerdem an Ableton Live. Aber irgendwie ist es auch anders. Die Standalone-Software besteht in der Basis aus frei verschaltbaren Modulen. Das können mitgelieferte Klangbausteine, Effekte, Filter und Mixer sein, oder beliebige VST-Plugins, die im System installiert sind. Aus diesen Bausteinen lassen sich nur durch die Leistungsfähigkeit des Computers begrenzte Ketten bilden. Das alles geschieht in einer fast intuitiv bedienbaren Umgebung, die nur bei komplexen Modulen nach einem Blick ins Handbuch verlangt.
Mit dieser freien Konfiguration ist nahezu jede denkbare Klangprogrammierung möglich: subtraktive Synthese, FM-Synthese, Sample-Bearbeitung und vieles mehr. Allerdings vermisst man in diesem Zusammenhang Hüllkurven für die Formung des Klangverlaufs. Zudem existieren kaum fertige Instrumente in Audiomulch. So muss man im Zweifelsfall ganz vorne anfangen und alles selber in Reihe schalten. Das aber kann richtig in Arbeit ausarten.
Manches fehlt aber auch, zum Beispiel ein MIDI-Sequencer. Ärgerlich ist zudem, dass die mitgelieferten Arpeggiatoren keine Eingänge haben, sondern nur mit den eingebauten Sinus-, Sägezahn- und Rechteckwellen betrieben werden können. Und - vor allem beim Live Looping schmerzhaft vermisst - hätte ein zuschaltbares Metronom gute Dienste verrichten können.
Aber Audiomulch ist auch richtig originell. Das Meta-Surface ist ein frei konfigurierbares 3D-Pad, auf dem man Instrumente und Presets legen und zwischen diesen fast nahtlos hin- und her blenden kann. Zudem lassen sich alle Parameter von Audiomulch und angeschlossenen Plugins entweder automatisieren oder live per MIDI steuern.
Audiomulch ist all’ diesen Einschränkungen zum Trotz eine freundliche Einladung an experimentierfreudige Live- und Stubenmusiker. Und es macht richtig Spaß, die nahezu unbegrenzten Möglichkeiten auszuloten. tpe
Sammlung frei verschaltbarer Audiomodule für Live-Performance und Klangkompositionen
Audiomulch
Preis: € 150, CHF 215
Note: 1,6 gut
Konzept (25%): 1,1
Funktionalität (30%): 2,5
Flexibilität (15%): 1,5
Kreatives Potential (30%): 1,2
Vorzüge: Sehr flexibles und fast unbegrenztes Routing, intuitive Oberfläche, Meta-Surface und Automatisierungen, leichtes Einbinden von VST-Plugins
Nachteile: Kein MIDI-Sequencer, wenig fertig einsetzbare Instrumente, keine Hüllkurven, kein Metronom
Alternativen: Native Instruments Reaktor, Max/MSP, Ableton Live
Ab Mac-OS X, freier USB-Anschluss
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