Raw-Fotos bearbeiten

Kostenlosen Raw-Konverter nutzen mit Darktable rc 1.1

06.11.2012 | 14:00 Uhr | Stephan Wiesend

Erstklassiger Open-Source-Raw-Konverter, der auf dem Mac unter einigen kleineren Mängeln leidet

Unter Linux ist Darktable sehr erfolgreich, bietet die Software doch eine Komplettlösung für die Verwaltung und Bearbeitung von Fotos. Optisch erinnert uns die Software an Lightroom, die Oberfläche ist in die Bereiche Leuchttisch, Dunkelkammer, Tethering und map aufgeteilt. Umfangreich sind die Verwaltungsmöglichkeiten des so genannten Bereiches Leuchttisch. Hier organisiert man die Fotos in einer Übersichtsdarstellung, die Software importiert die Fotos in eine eigene Datenbank. Man kann hier Sammlungen erstellen, ähnliche Bilder suchen und die Bildinformationen anzeigen. Das Tool bietet einen Metadaten-Editor, unterstützt Tags, Bewertungen und Geotagging. Ein Import von knapp 4500 Fotos erfolgt recht zügig, sehr lang dauert allerdings die darauf folgende Erstellung von Vorschaubildern. Auch der Export von Fotos erfolgt in dieser Ansicht. Bearbeitet werden die Fotos im Bereich Dunkelkammer, die insgesamt 49 Module wie Tonemapping, Chromatische Aberration, Entrastern, Wasserzeichen und Spitzlichtkorrektur bietet. Die Module sind auf hohem Niveau und deutschsprachige Hilfstexte erklären ihre Funktion, trotzdem ist für die sinnvolle Nutzung Vorwissen erforderlich. Gut gefällt uns zum Beispiel das Modul Zonensystem, das in Anlehnung an Ansel Adams die gezielte Aufhellung und Abdunklung von Helligkeitszonen ermöglicht. An Effekten gibt es unter anderem Körnung und Velvia, ein Rahmen-Werkzeug sowie ein funktionsreiches Monochrom-Modul. Kleinere Bildfehler entfernt das Modul Fleckenentfernung, Korrekturdaten für viele Objektive sind dank Lensfun-Datenbank ebenfalls abrufbar. Einige Besonderheiten sollte man bei der Software beachten. Wohl aus Performance-Gründen nutzt die Dunkelkammer bei Raw-Bildern die eingebetteten JPEGs, über die Voreinstellung kann man aber die direkte Anzeige der Raw-Datei einstellen. Die vielen Module machen die Oberfläche leicht unübersichtlich, auch ihre Funktion ist für Neulinge nicht immer klar. Die Funktion für die Korrektur von Verzeichnungen findet man etwa unter dem Modul für Zuschneiden. Etwas störend ist die mäßige Integration in Mac-OS X, so folgt die Software bei Menüs und Dateiverwaltung nicht den Systemstandards. Auch der Import von Fotos auf einer Kamera funktioniert in unserem Test nicht, ebenso der Import per Kartenleser. Stabilitätsprobleme können wir nicht feststellen. Trotz deutschsprachiger Hilfstexte ist das Programm allgemein eher für erfahrene Anwender tauglich, so muss man auf Assistenten und Automatikfunktionen  verzichten. Ein aktuelles englischsprachiges Handbuch und Tipps sind über die Webseite aufrufbar, diese sind jedoch recht lückenhaft. Verbesserungswürdig ist auch die Performance, so unterstützt die aktuelle Mac-Version bei unseren Testrechnern keine Hardwarebeschleunigung.
Fazit: Darktables ist eine kostenlose Alternative zu Raw-Konvertern wie Lightroom und Aperture, die Korrekturfunktionen sind auf hohem Niveau. Auf dem Mac wirkt die Software aber eher noch wie ein Fremdkörper und bei vielen der Modulen kommt man ohne Vorwissen nicht sehr weit.


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