RAW-Fotos entwickeln

RAW-Konverter nutzen mit Photo Ninja 1.0

07.09.2012 | 15:57 Uhr | Stephan Wiesend

Interessanter neuer RAW-Konverter, der gute Bildbearbeitungsfunktionen bietet, aber eine mäßige Performance aufweist.

Der Hersteller von Photo Ninja ist bekannt für den guten Störungsfilter Noise Ninja, der auch als Plug-in für Aperture, Lightroom und andere Bildbearbeitungsprogramme erhältlich ist. Mit dem neuen RAW-Konverter Photo Ninja will der Hersteller eine Alternative zu Aperture und Lightroom vorstellen, verfügbar ist das Programm für Windows und Mac. In einer übersichtlichen Browser-Oberfläche verwaltet das Tool JPEG- und RAW-Fotos, bis auf Modelle von Fuji, Phase One und Modelle mit Foveon-Chip werden die meisten Kameras unterstützt. Die englischsprachige Software bietet insgesamt elf Bearbeitungsfunktionen auf hohem Niveau, neben Standards wie Farbkorrektur, Belichtung und Schärfung sind unter anderem Vignettierung und Beschneiden möglich. Der gute Störungsfilter Noise Ninja steht ebenfalls zur Verfügung, interessant ist der funktionsreiche Distorsionsfilter für das Korrigieren von stürzenden Linien, etwa bei Gebäuden. Für die Korrektur von chromatischen Störungen, Farbfehlern an Kanten, findet sich ebenfalls eine aufwendige Bearbeitungsfunktion. Auch das Schwarzweiß-Modul kann sich sehen lassen. Highlight-Recovery, das Wiederherstellen überbelichteter Bereiche, wird bereits beim Öffnen des Bildes automatisch angewendet, für das Aufhellen bringt das Tool eine gut arbeitende Adaptive-Lighting-Funktion mit. Gut gefällt uns der Detailfilter, der unter „Exposure und detail“ zu finden ist und sehr wirksam den Lokalkontrast erhöht. Bei einigen problematischen Fotos erzielt das Programm gute Ergebnisse, recht begrenzt ist aber offenbar die Datenbank an Objektivprofilen. Die Funktionen sind unserem Eindruck nach allgemein auf hohem Niveau, als nur mäßig erweist sich aber die Performance bei mehreren offenen Fotos. Auf unserem Testrechner, einem Mac Mini mit 2,53 GHz, müssen wir bei vielen Funktionen etwas warten, bis wir das Ergebnis sehen können, ein Vorher/Nachher-Vergleich fehlt. Anwenden lassen sich viele der Filter manuell oder als Smart Preset. Das Programm nutzt dann die Meta-Daten einer Kamera, um automatisch Rauschen oder chromatische Aberrationen zu entfernen. Diese Profile sind zwischen Nutzern austauschbar und stehen für viele ältere Kameras auch auf der Webseite des Herstellers bereit. Für das Erstellen eines eigenen Profils gehören zwei druckbare Charts zum Lieferumfang. Bearbeitungen speichert das Tool verlustfrei als XMP-Datei. Eine Bildbearbeitung ersetzt es allerdings nicht, hierfür fehlen etwa Retuschefunktionen oder Optionen für das Aufhellen bestimmter Bildbereiche. Erhältlich ist das Programm für 129 US-Dollar, Nutzer von Noise Ninja und Käufer aus dem Bildungsbereich erhalten die Software günstiger. Bei der unregistrierten Version ist die Exportfunktion deaktiviert, eine 14-Tage-Demo kann man per E-Mail anfordern.
Fazit: Photo Ninja ist ein guter RAW-Konverter, Belichtungskorrektur und Rauschfilter können in unserem ersten Kurztest überzeugen. Weniger gut gefallen uns der fehlende Vorher/Nachher-Vergleich und die mäßige Performance. Der Preis des Programms ist zudem recht hoch und liegt deutlich über dem von Aperture und After Shot Pro.


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