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Ergebnis 11 bis 16 von 16
Thema: Tja, Frau Merkel,
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07.05.2012 16:49 #11
Habe den Rest des Krugman-Artikels aus der NYT auch noch übersetzt:
Wahr ist, dass Mr. Hollandes Sieg das Ende von "Merkozy" bedeutet, der Französisch-Deutschen Achse, welche die Sparpolitik der vergangenen zwei Jahre erzwungen hat. Das wäre eine "gefährliche" Entwicklung, wenn diese Strategie funktionieren würde, oder wenigstens eine vernünftige Chance auf ein Funktionieren hätte. Hat sie aber nicht und tut sie nicht; es ist Zeit für etwas Anderes. Europas Wähler, so zeigt sich jetzt, sind klüger als Europas glänzende "Eliten".
Was stimmt nicht mit der Verordnung, Europas Krankheit durch Ausgabenkürzungen zu kurieren? Eine Antwort ist, dass es den Vertrauenszauber nicht gibt – das heißt, die Behauptungen, dass Kürzungen der Regierungsausgaben Verbraucher und Wirtschaft irgendwie zu mehr Ausgaben ermutigen würden, sind durch die Erfahrungen der vergangenen zwei Jahre überwältigend widerlegt worden. Ausgabenkürzungen in einer Phase wirtschaftlicher Depression machen die Depression nur noch tiefer.
Vielmehr scheint es so, als brächten die Schmerzen nur wenig wenn überhaupt einen Gewinn. Nehmen Sie den Fall Irland, das sich in der Krise wacker geschlagen hat, immer noch härtere Sparpläne verhängte, um die Gunst der Märkte zurück zu gewinnen. Nach der vorherrschenden Wirtschaftslehre sollte das klappen. Tatsächlich ist der Wille, daran zu glauben, so stark, dass Mitglieder von Europas politischer Elite weiterhin behaupten, die Irische Sparpolitik habe wirklich Erfolg gehabt, dass die Irische Wirtschaft begonnen habe, sich zu erholen.
Hat sie aber nicht. Und obwohl Sie das aus den meisten Medien niemals erfahren werden: Irland zahlt höhere Kreditzinsen als Spanien oder Italien – ganz abgesehen von Deutschland. Was sind also die Alternativen?
Eine Antwort – eine Antwort, die sinnvoller ist, als nahezu jedermann in Europa bereit ist, zuzugeben – wäre es, mit dem Euro zu brechen, Europas gemeinsamer Währung. Europa wäre nicht in diesen Schwierigkeiten, wenn die Griechen noch immer ihre Drachme, Spanien seine Peseta, Irland sein Pfund usw. hätte, denn dann hätten Griechenland und Spanien was ihnen jetzt fehlt: einen schnellen Weg zur Wiederherstellung der Wettbewebsfähigkeit und Ausweitung des Exportvolumens, nämlich Abwertung ihrer Währung.
Betrachten Sie den Fall Island als Gegenbeispiel zu Irlands trauriger Geschichte. Island war als Opfer der Finanzkrise völlig am Boden, konnte aber seine Währung, die Krone, abwerten (und hatte auch den Mut, seine Banken pleite gehen zu lassen und deren Schulden nicht zu übernehmen). Und ziemlich sicher steuert Island auf die Erholung zu, die man für Irland prognostiziert hat – was aber nicht eintraf.
Allerdings wäre der Bruch mit dem Euro höchst störend, auch als gewaltige Niederlage für das "Europäische Projekt", langfristig Frieden und Demokratie durch engeren Zusammenschluss zu fördern. Gibt es einen anderen Weg? Ja, den gibt es, und die Deutschen haben gezeigt, dass er gangbar ist. Unglücklicher Weise verstehen sie die Lehren aus ihrer eigenen Geschichte nicht.
Sprechen Sie mit Deutschen Meinungsführern über die Eurokrise, und sie verweisen gerne darauf, dass ihre eigene Wirtschaft in den ersten Jahren der letzten Dekade in einer Flaute steckte, aber aus dieser durch kluges Management befreit werden konnte. Was sie nicht gerne zugeben ist, dass diese Erholung durch das Auftauchen eines riesigen Deutschen Handelsüberschusses gegenüber anderen Europäischen Ländern angetrieben wurde – insbesondere gegenüber den Ländern, die jetzt tief in der Krise stecken – die boomten und dank niedriger Kreditzinsen eine überdurchschnittliche Inflation erlebten. Europas Krisenländer könnten in der Lage sein, den Deutschen Erfolg nachzuahmen, wenn sie sich einer ähnlich günstigen Umgebung gegenüber sähen – das heißt wenn dieses Mal das übrige Europa, insbesondere Deutschland, einen kleinen inflationären Boom erleben würde.
Somit ist die Deutsche Erfahrung nicht, wie die Deutschen es glauben, ein Argument für einseitiges Sparen in Südeuropa; sie ist ein Argument für eine viel expansivere Politik der anderen Länder und insbesondere für die EZB, ihre Inflationsbesessenheit fallen zu lassen und sich auf Wachstum zu konzentrieren.
Die Deutschen, man braucht es kaum zu sagen, mögen diese Folgerung ebenso wenig wie die EZB-Führung sie mag. Sie werden an ihren Phantasien vom "Wohlstand durch Schmerzen" fest halten und darauf beharren, dass die Fortführung ihrer gescheiterten Strategie die einzige Art ist, verantwortlich zu handeln. Aber es scheint so, als ob sie dafür nicht länger unkritische Unterstützung aus dem Élysée-Palast erhalten werden. Und das bedeutet, ob Sie es glauben oder nicht, dass sowohl der Euro als auch das Europäische Projekt jetzt eine bessere Überlebenschance haben als noch vor wenigen Tagen.“ If you want a picture of the future, imagine a boot stamping on a human face — for ever.” (G.Orwell - 1984)
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07.05.2012 17:35 #12
Auch Krugmann, diesmal aber WELT-online.
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07.05.2012 17:42 #13“ If you want a picture of the future, imagine a boot stamping on a human face — for ever.” (G.Orwell - 1984)
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07.05.2012 18:15 #14
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08.05.2012 17:52 #15
Wie auch immer:
Wie eigentlich kaum anders zu erwarten, hat das Gros der deutschen Medien mit hysterischer Schnappatmung auf den Linksrutsch in Frankreich und Griechenland reagiert.“ If you want a picture of the future, imagine a boot stamping on a human face — for ever.” (G.Orwell - 1984)
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16.05.2012 10:34 #16
Passend zum Titel des threads
Wahlergebnis in NRW.
Nur schade, dass die Linke im Begriff ist, sich selber abzuschaffen. Eigentlich sollte man meinen, dass wir eine "Superzeit" für linke Politik haben. Dazu müsste eine Linke allerdings handlungsfähig sein.
Fazit: In Deutschland gibt es keine linke Alternative mehr.
“ If you want a picture of the future, imagine a boot stamping on a human face — for ever.” (G.Orwell - 1984)
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