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März: Apple öffnet das iPhone

24.12.2008 | 07:25 Uhr |

Wer andere Software als die von Apple vorgegebene auf das iPhone spielen will, muss es zunächst entsperren. Damit macht Apple Schluss: Am 6. März veröffentlicht der Hersteller das iPhone SDK, Grundlage für den märchenhaften Erfolg des App Store später im Jahr

Macbook und Macbook Pro Februar 2008
Vergrößern Macbook und Macbook Pro Februar 2008

iPhone SDK: Apple befreit das iPhone

Im Dezember gibt Apple bekannt, dass mittlerweile 10.000 Programm für iPhone und iPod Touch im App Store beriet stehen. Seit Eröffnung des Downloadservices haben sich Kunden 300 Millionen Applikationen herunter geladen, viele kostenlose oder günstige, aber auch einige kommerzielle Programme im Preisbereich zwischen zehn und 30 Euro. Die Erfolgsgeschichte des App Store beginnt bereits im März, als Apple am 6. März die im Oktober des Vorjahres versprochenen Entwicklerwerkzeuge vorstellt. Das iPhone SDK (Software Development Kit) steht seither Programmierern zur Verfügung, aufgrund des starken Andrangs muss Apple den Zugang zunächst beschränken. Auf der anderen Seite lockt ein von der Investmentfirma KPBC eigens aufgelegter Fonds Entwickler an: Der 100 Millionen US-Dollar schwerere iFund verspricht Unterstützung bei der Erstellung von Software.

Auf einem speziell für die Presse und einige Analysten anberaumten "Special Event" gibt Apple-Chef Steve Jobs die Marschrichtung vor. Das SDK werde es Programmierern ermöglichen, native Software für das iPhone und den iPod Touch zu schreiben. Zu den reinen Internet-Applikationen, die bisher neben Jailbreak-Software die einzigen "iPhone Apps" waren, kommen lokal auf dem iPhone und iPod Touch gespeicherte Programme. Das SDK ist ab März erhältlich, den App Store verspricht Apple "im Juni" zu öffnen. Entwickler haben ausreichend Zeit, ihre Programme zu schreiben und zu testen, zumal sich die Eröffnung des App Store noch bis Anfang Juli verzögert.

Auch eine zweite wichtige Forderung der Entwicklergemeinde erfüllt Apple: So gibt es kaum Einschränkungen, welche Hardware Entwickler mit ihren Programmen ansprechen dürfen. Zugriffe auf die Kamera und die im iPhone verbauten Sensoren sind erlaubt, auf der Softwareseite können Entwickler zum Beispiel auf das Adressverzeichnis oder Core Location zugreifen, also Applikationen schreiben, die von Ortsinformationen des iPhone Gebrauch machen.

Laut Apple geht die Öffnung des iPhone SDK sogar soweit, dass Entwickler die gleichen Tools an die Hand bekommen, die auch Apple selbst für die iPhone-Entwicklung verwendet. So haben die Apple-Ingenieure die Apple-Entwicklersoftware Xcode speziell für das iPhone weiterentwickelt. Auf der obersten Ebene, bei der Benutzerschnittstelle, musste sich Apple von Cocoa (Mac) verabschieden und eine neue schaffen, die mit dem Touchscreen des iPhone zurecht kommt. Apple nennt sie Cocoa Touch, die notwendige Schnittstelle ist ebenfalls in Xcode eingebaut.

Für den Vertrieb wählt Apple eine Erweiterung von iTunes, den App Store. Dieser steht jedoch nicht nur auf einem Rechner bereit, sondern lässt sich - ähnlich wie der iTunes WiFI Store - direkt von iPhone oder iPod Touch aus erreichen.

Von den Bezahlprogrammen behält Apple 30 Prozent des Verkaufspreises, für Entwickler ist das eine gute Nachricht. Auf kaum einem anderen Kanal bleiben 70 Prozent beim Ersteller der Software hängen. Allein die mangelnde Transparenz des App Store sorgt später im Jahr für Verärgerung: Apple erkläre weder rechtzeitig noch hinreichend, warum manche Programme nicht im Angebot erscheinen. Der App Store bleibt jedoch als einzige Möglichkeit, iPhone-Software an die Kunden zu bringen. Apple begründet seinen Kontrollanspruch mit hohen Ansprüchen an die Qualitätssicherung, warum aber beispielsweise dutzende Wetterapplikationen oder iPhone-Taschenlampen sich im App Store tummeln, fragen sich nicht nur vom Anbieter zurückgewiesene Entwickler.

Das iPhone SDK erweist sich schnell als begehrt, schon in den ersten vier Tagen registriert Apple 100.000 Downloads des zwei Gigabyte großen Pakets. Auch die Zuschauerzahl von einer Million für das Video von der Einführungsveranstaltung lässt ebenso wie die erste Begeisterung der Entwicklergemeinde auf Großes hoffen - mit Recht, wie sich in der zweiten Jahreshälfte 2008 herausstellt.

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