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April: Angriff der Klonkrieger

25.12.2008 | 07:27 Uhr |

Seit dem Umstieg auf die Intel-Plattform ist es Bastlern öfter gelungen, Mac-OS X auf Billig-PCs zu installieren. Mit Psystar verkauft erstmals eine Firma unlizenzierte Klone - und handelt sich Ärger ein. Apple rüstet währenddessen seine iMacs mit Penryn-Chips aus und bilanziert ein weiteres Rekordquartal. Die Börse freut sich an den Aussichten aber schon wieder nicht.

Der Open Computer von Psystar im Macworld-Test: Viel Lärm um nichts, Apple will aber einen Präzedenzfall verhindern.
Vergrößern Der Open Computer von Psystar im Macworld-Test: Viel Lärm um nichts, Apple will aber einen Präzedenzfall verhindern.

Wirbel um Möchtegern-Mac für 400 US-Dollar von Psystar

Psystar Mac-Klon
Vergrößern Psystar Mac-Klon

Ein Mac-Klon mit aufrüstbaren Komponenten mit Mac-OS X 10.5 und das zu einem Schleuderpreis: Die Nachricht vom ersten kommerziell vertriebenen Hackintosh setzt Anfang April die Mac-Welt in Aufruhr. Apple reagiert zunächst gar nicht - sammelt aber eifrig Beweise für eine Urheberrechtsverletzung und legt im Juli schließlich Klage ein. Ende des Jahres ist der Prozess nicht entschieden, Apple scheint aber im Vorteil zu sein.

Mac-Klone hat es schon nicht mehr gegeben, seitdem Steve Jobs Ende der Neunziger der Lizenzierung des Apple-Betriebssystems ein Ende gemacht hatte. Die Firma Psystar mit Sitz in Miami bietet seint April einen solchen Klon namens "OpenMac" mit 2,2 GHz Intel Core Duo-Prozessor, 2 GB RAM Arbeitsspeicher, 250 GB-Festplatte, 20fachem DVD+/-R-Laufwerk, vier USB-Ports und einer integrierten Intel GMA 250 Grafikkomponente, die zum Aufpreis durch eine Geforce 8600 GT mit 256 oder 512 MB VRAM aufrüstbar ist, an. Der Name bleibt nicht lang bestehen, offensichtlich in Erwartung juristischer Konsequenzen tauft Psystar seinen Rechner noch vor dessen Auslieferung in "Open Computer" um. In den ersten Wochen nach der Ankündigung ist auch nicht klar, wie ernst das Angebot ist. Psystar wechselt mehrmals seine Adresse innerhalb Miamis, die handelnden Personen sind meist nur mit Vornamen bekannt, die Niederlassungen der Firma stets an dubiosen Orten lokalisiert. Apple vermutet in einer im Dezember eingereichten Klageerweiterung auch Hintermänner und will die Garagenfirma dazu zwingen, deren Namen preis zu geben.

Ob der "Open Computer" einfach nur ein Versuchsballon ist, für dessen Erstflug sich ein unbekannter Auftraggeber eine Garagenfirma aus Florida angeheuert hat, oder nicht, lässt sich bis dato nicht klären. Der Open Computer ist jedoch höchst real, noch im April kommen erste Geräte zur Auslieferung.

Der womöglich illegale Klon beruht auf dem OSX86-Projekt, mit dem schon Mac-OS X auf Windows-Rechnern zum Laufen gebracht wurde - es sei nur ein "minimal patching" erforderlich, damit der Leopard auf dem Psystar-Rechner startet. Über einen EFI-Emulator soll die Installation von Mac-OS X 10.5 direkt von DVD möglich sein. Leopard muss der Käufer separat für 155 US-Dollar erwerben, Psystar installiert das System vor.

Genau hier setzt Apple an: Die Lizenzbedingungen von Mac-OS X 10.5 untersagen es, das Betriebssystem auf einem anderen Rechner als einen Mac zu installieren. Zudem verstoße Psystars Vorgehen gegen das Urheberrechtsgesetz Digital Millenium Copyrights Act (DMCA), Psystar sei also nicht nur zivil- sondern auch strafrechtlich zu belangen.

Gegen Psystar wendet sich auch ein Programmierer, der sich "netkas" nennt. Der Hacker reklamiert für sich, den für die Installation auf dem Open Computer notwendigen EFI-Emulator geschrieben, dem Unternehmen aber niemals die Verwendung erlaubt zu haben.

Psystar ist sich keiner Schuld bewusst und reicht zu seiner Verteidigung eine Gegenklage gegen Apple ein. Mit Mac-OS X schaffe Apple ein Monopol und verhindere den Wettbewerb, beschwert sich das Unternehmen. Apple, das sich in direktem Streit um Marktanteile mit Microsoft sieht, hält diese Argumentation jedoch für lächerlich. Das Gericht schließt sich dem zunächst an und weist Psystars Gegenklage zurück. Neue Argumente bringt der Klon-Hersteller zwar fristgerecht ein, die Entscheidung über deren Stichhaltigkeit will Richter William Alsup aber erst im kommenden Januar fällen.

Während Apple sich vor allem gegen das Prinzip des Verstoßes gegen Urheberrecht und Nutzungsbedingungen wehrt um etwaigen Nachahmern keinen Präzedenzfall zu gewähren, dürfte der Open Computer als solcher das Geschäft Apples nicht zu schädigen in der Lage sein. Kaum an die ersten Kunden ausgeliefert, berichten diese über laute Lüfter, der Open Computer erweise sich vor allem als Fön. "Im Grunde hat der Open Computer die Aufmerksamkeit kaum verdient", urteilen auch unsere Kollegen von Macworld, die recht bald in den fraglichen Genuss eines Testgerätes kommen.

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