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Dezember: München mit Apple Store, Macworld Expo ohne Apple

02.01.2009 | 07:22 Uhr |

Der Monat fängt gut an: In München eröffnet endlich der erste Apple Store in Deutschland. Eine Woche vor Weihnachten gibt Apple jedoch bekannt, in Zukunft eben wegen der Apple Stores keine Messeauftritte mehr zu benötigen.

In München steht ein Apple Store

Am Nikolaustag eröffnet in der Münchener Rosenstraße der erste Apple Store in Deutschland unter großem Publikumsandrang. Apple will sich gegenüber den konkurrierenden Handelspartnern mit Service-Angeboten absetzen und plant, weitere Stores in Deutschland zu eröffnen.

Der erste Apple-Store-Fan hatte schon um 1.30 Uhr nachts vor den Pforten in München ausgeharrt - extra aus Hamburg angereist. Bis zur offiziellen Eröffnung um 10.00 Uhr ist die Rosenstraße zwischen dem Store und Karstadt so gut wie unpassierbar: Die Menschenschlange erstreckt sich bis zum südlich gelegenen Rindermarkt. In Serpentinen aufgestellte Absperrgitter halten die Menschen im Zaum, eigens engagiertes Sicherheitspersonal sorgt dafür, dass es keine Tumulte gibt. Kurz vor 10 Uhr zählt die Menge den Countdown ein, bis sich die Pforten des Stores öffnen. Unter großem Jubel der Store-Mitarbeiter strömen die Menschen in den Laden. Die ersten 2500 bekommen ein T-Shirt gratis, doch es sind zwischen 4000 und 5000 Personen vor Ort.

In der Gestaltung lehnt sich der Apple Store in München an seine Vorbilder an: Hinter einer Glasfront präsentiert Apple auf zwei Stockwerken seine Produkte. Anders als seit dem Weihnachtsgeschäft in den USA üblich, lassen sich die Mitarbeiter in München nicht auf Preisverhandlungen ein, Rabatte zur Anpassung des Preises an die der Konkurrenz gibt es nicht. Stattdessen will sich der Apple Store mit einem umfassenden Service-Angebot unterscheiden: Gleich zwei Genius Bars sollen eine umfassende Beratung bieten. Neu ist das Personal Setup, das dem Mac-Käufer im Apple Store kostenlos zur Verfügung steht. Es umfasst die Einrichtung des Rechners mit Datentransfer von einem alten Rechner, E-Mail und weiteren Diensten mit einer Stunde Einzel-Training. Für 99 Euro Gebühr kann man dieses persönliche Training auf ein ganzes Jahr ausdehnen: Man vereinbart wöchentlich einen Termin und lässt sich fit für den Mac machen. Kassenschlangen vermeidet der Apple Store mit einer einfachen Maßnahme: Es gibt keine Kassen. Stattdessen kauft man die Ware direkt bei den Verkaufsberatern, die mit einem mobilen Kassensystem ausgestattet sind. Rund 60 Mitarbeiter beschäftigt der Apple Store in München. Deren Funktion lässt sich an der Farbe der T-Shirts ablesen: Dunkelblau sind die Personal Trainer, Hellblau jene der Produktspezialisten. Durch den Apple Store und die Produktwelt führen Concierges im rotem T-Shirt. Der Apple Store in München hat täglich außer sonntags von 9 bis 20 Uhr geöffnet, individuelle Termin lassen sich aber ab 8 Uhr morgens vereinbaren.

Die ausgestellten Macs, iPods und iPhones dürfen Kunden mit oder ohne Beratung ausprobieren. Kaufen lassen sich bis dato im Apple Store nur Rechner, Player, Software und Zubehör, aber nicht das iPhone. Apples Senior Director International Retail Stores Steve Cano sicherte in einem Interview jedoch zu, "bald" werde das Apple-Handy auch in der Rosenstraße erhältlich sein. Bis dahin verweist der Apple Store auf die Verkaufsstellen in den Telekom-Shops, in Kaufhäusern und dem Fachhandel. Gründe nennt Apple keine, vermutlich verbietet aber der Exklusivvertrag über den iPhone-Vertrieb in Deutschland mit T-Mobile noch den iPhone-Verkauf im Apple Store.

"Die Kaufingerstraße und der Marienplatz sind eine der besten Shopping-Meilen der Welt", begründet Retail-Manager Steve Cano die Wahl des Standortes. Man versuche, für die Apple Stores die besten Lagen zu wählen. Der Laden in München wird laut Cano nicht der einzige Apple Store in Deutschland bleiben, man konzentriere sich in seiner Retail-Strategie derzeit sehr auf Deutschland, das seit "25 Jahren ein guter Markt für Apple" sei. Daher sollte man hierzulande nach Expansionsmöglichkeiten und weiteren Gebäuden suchen, genauer lässt Cano jedoch nicht in die Pläne für weitere Apple Stores blicken. Während aber Apple Stores etwa in Frankfurt, Hamburg, Berlin oder Düsseldorf nur eine Frage der Zeit scheinen, muss sich Frankreich noch eine Weile auf den ersten Apple Store gedulden. Dieser soll jedoch nach bislang unbestätigten Gerüchten im Carroussel de Louvre nicht vor dem Herbst 2009 eröffnet werden.

Nicht jeder ist über den neuen Apple Store glücklich, laut der Deutschen Presseagentur (dpa) befürchten vor allem Fachhändler die Konkurrenz durch den Hersteller eigenen Store. Gelassener sieht dies jedoch Gravis-Geschäftsführer Archibald Horlitz, der gegenüber der dpa meinte, dass ein Verdrängen der Handelspartner nicht im Interesse Apples sei. Ganz im Gegenteil: "Der Apple-Store wird den deutschen Apple-Markt beleben." Davon profitiere auch Gravis, sofern Apple weiterhin "Fairness in den Punkten Warenverfügbarkeit und Preisgestaltung für die Endkunden" walten lasse. Gravis hat seine Münchener Filiale im Tal, gut 500 Meter vom Standort des ersten deutschen Apple Stores entfernt.

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