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17. Dezember: Gescheiterte Tablets

17.12.2013 | 00:00 Uhr |

2001 bringt Microsoft mit Partnern erste Notebooks heraus, die auf Berührung mit einem Stift reagieren. Alle PCs würden fünf Jahre später so aussehen, frohlockt Bill Gates. Windows fehlt aber Wesentliches

Angeblich hatte sich Steve Jobs bereits nach seinem legendären Besuch im Xerox Parc Gedanken über die Mensch-Maschine-Schnittstelle gemacht, die weit über die Bedienung mit der Maus hinausgingen, schreibt Jay Elliot in seinem Buch „iLeadership“ über den Apple-CEO. Schon damals hatte Jobs Elliot zufolge für den Mac eine unmittelbarere Bedienung entwickeln wollen, mit den Fingern sollte man auf dem Computerbildschirm agieren. Ob die Anekdote tatsächlich wahr ist, lässt sich heute nicht mehr sagen, dass die Maus aber nur ein Hilfsmittel sein würde, das geradezu nach Ablösung durch ein besseres schreit, war in den Achtzigern und Neunzigern eine weitverbreitete und beliebte Vision.
 

Antwort vom 16. Dezember

Hoffentlich haben Sie gestern bei der Beantwortung der Frage nur kurz gestutzt. Aber uns wäre „Bono“ als richtige Antwortoption etwas zu einfach gewesen. Paul Hewson ist der bürgerliche Name des U2-Sängers, der die Initiative Product Red mit erfunden hat. Auch Apple beteiligt sich mit einigen Produkten daran, in Product-Red-Rot sind iPod Shuffle, Nano und Touch zu haben. Der im November versteigerte rote Mac Pro war ein Unikat.

 
 
Der Wunsch nach einem voll funktionsfähigen Computer, der sich per Berührung steuern lässt, ist insbesondere in Redmond groß. Im Jahr 2001 ist es dann soweit: Microsoft präsentiert das Konzept des Tablet-PCs, für das es die Software liefern will, während die üblichen Verdächtigen wie HP, Sony und Dell die Hardware dafür bereitstellen sollen. In fünf Jahren werde jeder Computer so aussehen, frohlockt Bill Gates, der erst ein Jahr zuvor bei Microsoft vom Posten des CEO an die Spitze des Aufsichtsrates gewechselt war. Der Erfolg der Tablet-PCs bleibt jedoch aus.

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Da ist vor allem der Eingabestift, der sich auf dem PDA etabliert. Dieser soll nun die Krücke für den Tablet-PC werden, doch gelingt es auch Microsoft nicht, eine vernünftige Handschrifterkennung für sein Tablet-Betriebssystem zu entwickeln. Wie heute mit dem Surface Pro legt Microsoft außerdem großen Wert darauf, dass alle auf Windows-PCs lauffähigen Programme auch auf dem Tablet funktionieren. Was sich aber mit der Maus und einer Tastatur gut bedienen lässt, ist für Stifteingabe oder gar Berührung mit dem Finger nur schlecht geeignet. Die zu jener Zeit wenig energieeffizienten Prozessoren auf x86-Basis erfordern schließlich ein Gehäuse, das in seinen Ausmaßen dem eines Notebooks gleicht. Den PC in einer Hand zu halten und mit der anderen Eingaben per Stift oder direkt zu machen, ist schier unmöglich, selbst wenn man die Tastatur absteckt.

  Zweiter Versuch: Mira
 
Dem Problem, dass die Tablet-PCs viel zu schwer sind, begegnet Microsoft mit dem Konzept des Smart-Displays, das den Markennamen „Mira“ trägt. Die Idee stellt Microsoft auf der CES im Januar 2002 vor: Statt den kompletten Computer mit sich herumzuschleppen und entweder eine leichte, aber lahme Krücke zu haben oder einen zu schweren Hochleister, nimmt man einfach das Display ab und trägt es im Haus herum. Oder man liefert gleich nur noch das Display, das drahtlos auf den PC im Haushalt zugreift. So könne man auch leistungsstarke Computer für Berührungen öffnen, ohne Kompromisse eingehen zu müssen. Das Tablet ist dann im Wesentlichen nur noch Fernbedienung für den PC, außer Haus nutzt es also wenig.
  Ultra-Mobile PC und Slate
 
Microsoft und Konsorten bleiben daher am Ball und munkeln Anfang 2006 vom „Projekt Origami“, aus dem sich der Ultra-Mobile PC (UMPC) entwickelt. UMPCs sind im Wesentlichen Zwitter aus PDAs und Subnotebooks, per Touchscreen und Stylus bedienbar, oft zusätzlich mit einer festen Tastatur.
Die Bildschirme messen typischerweise zwischen fünf und sieben Zoll in der Diagonale, maximal fünf Stunden sind die Geräte lauffähig. Aus dem UMPC hätte durchaus etwas werden können, das Grundproblem besteht allerdings weiter: Windows, mittlerweile in seiner Ausprägung Vista, ist nun einmal für Maus und Tastatur konzipiert und nicht für Touch oder Stylus. In Cupertino ist man in der Zwischenzeit der Ansicht, aus dem Touch-PC-Konzept könne man doch prima ein Telefon machen, niemand würde mehr Zwischendinge aus PDA und Subnotebook benötigen. Und schon gar keinen Stylus.


Was der nächste Schritt sein würde, ist Microsoft durchaus klar: Der Tablet-PC würde ein großes iPhone werden. Unter Zugzwang gesetzt, entwickelt Microsoft zusammen mit HP tatsächlich ein Gerät, das die Firmen noch vor dem iPad auf der CES 2010 vorstellen. Doch erfolgt die Präsentation des Geräts derart lieblos, wie man es vom sonst so dynamischen Ballmer nicht gewohnt ist. Die Zurückhaltung hat jedoch ihren Grund: Das Slate („Alle Computer dieser Art werden diesen Gattungsbegriff tragen“, so Ballmer) kommt erst im Oktober in den Handel – mit dem immer noch nicht auf Touch ausgerichteten Windows 7. Und das zu einer Zeit, da das iPad längst durchgestartet ist und Apple die Post-PC-Ära für angebrochen erklärt.
 
 
Die Frage:
 
HP kauft kurz nach der Slate-Vorstellung Palm, um an dessen Betriebssystem Web-OS für eigene Tablets zu kommen. Welcher ehemaliger Apple-Manager hat bei Palm zu der Zeit das Sagen?
 
a.     Tony Fadell
b.     Jon Rubinstein
c.     Jean-Louis Gassée
 
Wer die Antwort weiß, kann sich bis zum 17. Dezember um 23.59 Uhr in unser Gewinnspielformular eintragen und ist in der Verlosung für den heutigen Preis.
 

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