2010 im Jahresrückblick: Januar
Januar 2010: Das iPad ist da
Das Jahr 2010 begann Apple mit einem Paukenschlag, der noch Jahre lang zu hören sein wird: Das iPad definiert den Markt der Tablet-Computer völlig neu.
In den Jahren bis 2010 waren die Weihnachtsferien immer recht kurz, die Macworld Expo in der zweiten Januarwoche zog die Aufmerksamkeit von Mac-Anwendern schon kurz nach dem Neujahrsfeuerwerk auf sich. Von Apple hat daher die Szene stets ein Feuerwerk neuer Produkte erwartet - bis Apple mit seinem wenig inspirierten Auftritt Anfang 2009 seinen Abgesang auf Messen vorführte.
Apple will seine Reizpunkte nach einem selbst bestimmten Zeitplan setzen und sich nicht von Dritten abhängig machen, zeigte der Januar 2010. Kaum waren alle Macianer aus den Ferien zurück, erklang zunächst leise im großen Rauschen des Internet die Melodie vom Mac-Tablet, die über drei Wochen hin immer deutlicher wurde bis schließlich am 27. Januar um 10.15 Uhr Ortszeit in San Francisco Steve Jobs höchst persönlich den Schlegel auf das Paukenfell hernieder sausen ließ.
Dass Apple einen Tablet-Computer auf Basis des iPhones bringen würde, spekulierte die Szene schon seit geraumer Zeit, seit Herbst 2009 hatten sich die Gerüchte verdichtet. Ein wunderschönes "Slate" würde Apple da produzieren, das die Probleme der Verlagswelt alle auf einmal lösen würde, hieß es da.
Das Wort "Slate" assoziierte jedoch zunächst der ewige Konkurrent Microsft auf der CES mit dem Tablet-Computer. Microsoft, das Jahre zuvor mit dem Tablet-PC mit Stifteingabe gescheitert war, versuchte es nun mit einem per Touch bedienbaren flachen Computer, den Hewlett-Packard unter dem Gattungsbegriff "Slate" produzieren solle. Eher lieblos zeigte Microsoft-Chef Steve Ballmer einen Prototypen auf der CES, der bis heute nicht gebaut ist. Denn Windows ist trotz entsprechender Erweiterungen nicht für Touch-Bedienung geeignet.
Für Mac-OS X gilt das Gleiche. Im Vorfeld der iPad-Premiere stellten sich zahlreiche Utopisten jedoch weiterhin einen Tablet-Computer mit Mac-OS X als Betriebssystem vor. Der Grund ist einleuchtend: Bereits für den Mac gekaufte Software würde darauf laufen. Das Argument ist aber nicht zu Ende gedacht, denn auch die Mac-Software ist wie das Betriebssystem dazu konzipiert, per Maus oder Trackpad über Menüs und Kontextmenüs bedient zu werden, die auf dem Bildschirm nur wenig Platz einnehmen und daher nur auf einen spitzen Gegenstand wie etwa dem Mauszeiger reagieren. Touch funktioniert anders - das hat Apple mit dem iPhone bereits bewiesen.
Apples Tablet heißt iPad
So feierte das iPad am 27. Januar wenig überraschend seine Weltpremiere als Touch-Gerät auf Basis des iPhone-Betriebssystems, das Apple erst später im Jahr iOS nennen würde. Das Argument der Mac-OS-Verfechter zieht auch, nur eben anders herum: Alle iPhone-Apps laufen auch auf dem iPad, wenngleich in einer Art und Weise, die nur groben Gebrauch vom größeren Bildschirm macht. Doch verstanden es die App-Entwickler, in nur wenigen Monaten einen Kosmos von an das iPad angepasste Apps zu kreieren, der kaum noch Wünsche offen lässt.
Wie schon zwei Jahre zuvor, als Apple das iPhone vorstellte, musste der Mac-Hersteller auch beim iPad um Geduld bitten. Die drei Geräte mit Wi-Fi würden zwei Monate später in den Handel kommen, die mit zusätzlich 3G-Funk einen weiteren Monat später. Die Zweimonatsfrist konnte Apple schließlich nur in den USA beinahe einhalten, am Karsamstag, den 3. April, verkaufte der Konzern erstmals das iPad und wurde schon nach wenigen Tagen die erste Million Geräte los. Den internationalen Start musste Apple aufgrund der hohen Nachfrage mehrmals verschieben, erst Ende Mai kam das iPad in Deutschland in die Läden.
Erste Eindrücke des iPad
Den ersten Eindruck des iPad, den unsere Kollegen der Macworld im Rahmen der Präsentation des Wundergerätes gewinnen konnten, wollen wir an dieser Stelle nicht vorenthalten:
"Sobald man das iPad in die Hand nimmt, wundert man sich über das im Vergleich zur Größe geringe Gewicht. Da es bislang nichts vergleichbares von Apple gab, erwartet man zunächst in etwa das Gewicht eines Macbook, doch das iPad ist deutlich leichter. Man kann es problemlos mit einer Hand halten und mit der anderen Hand den Touch-Screen bedienen, ohne dass einem die Arme erlahmen.
An der Unterseite finden sich neben dem Dock-Connector drei Öffnungen für den integrierten Laustprecher und das Mikrofon. Die Icons der Apps werden auf dem iPad-Home-Bildschirm größer, also mit höherer Auflösung als auf dem iPhone dargestellt.
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Der Touchscreen des iPad ist deutlich einfacher zu bedienen als beim iPhone. Die Bedienelemente reagieren besser auf Berührung und das Benutzer-Interface arbeitet vollkommen ruckfrei und spontan. Das liegt zunächst daran, dass der Bildschirm deutlich größer als beim iPhone ist, aber auch an dem schnelleren Prozessor von Apple.
Die Bedienung der virtuellen Tastatur geht auf dem iPad mit weniger Tippfehlern vonstatten als beim iPhone. Das liegt daran, dass die Tasten deutlich größer sind. Die vom iPhone her bekannte vergrößerte Darstellung der gerade berührten Taste gibt es beim iPad nicht, sie ist hier auch nicht notwendig.
Echte Zehn-Finger-Akrobaten werden mit der virtuellen iPad-Tastatur jedoch nicht glücklich, denn man darf die Finger nicht locker auf dem Bildschirm liegen lassen, wie man das von einem realen Keyboard her gewohnt ist. Man muss die Hände stattdessen über dem Bildschirm schweben lassen, was Schnelltippen deutlich erschwert."
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