Das iPhone soll einen Designfehler haben: Fasst man es an einer bestimmten Stelle an, verschlechtert sich der Empfang. Apple nimmt die Aufregung der Medien ernst und verschenkt Schutzhüllen für das iPhone. Doch da wohl kaum jemand mit dem iPhone 4 telefoniert, legt sich die Aufregung um "Antannagate" recht schnell.
iPhone 4: Bumper statt Rückruf
Es ist die Physik, die man nicht überlisten könne, erklärte Steve Jobs am 16. Juli auf der Pressekonferenz Apples zum Antennenproblem des iPhone 4. Alle Smartphones hätten eine kritische Stelle, doch nehme man die massiv vorgetragenen Beschwerden nur weniger Kunden ernst und biete allen Käufern des iPhone 4 kostenlose Hüllen an: Apples eigene Bumpers und Produkte von Drittherstellern.
Zur Selbstironie ist Apple durchaus noch fähig: Zur Einstimmung auf das Presseevent am Freitag auf Apples Campus in Cupertino führte Apple den anwesenden Journalisten den
iPhone-4-Antenna-Song vor, einen Spottgesang auf die Antennenprobleme des Apple-Handys, der in den letzten Tagen auf Youtube seine Runde machte: "If you don't want an iPhone 4, don't buy it / if you don't like it, bring it back... but you know you won't".
Eine Stunde dauerte die ursprünglich nur auf 15 Minuten angesetzte Pressekonferenz, in der Apple-CEO Steve Jobs ausführte, dass den Hersteller keine Schuld trage. Grundsätzliche physikalische Gegebenheiten hätten zu einem Problem geführt, dass eigentlich gar keines sei, da nur eine sehr geringe Anzahl von Kunden sich beschwert habe.
Objektiv sind die Probleme mit dem iPhone 4 jedoch messbar: Die renommierte Zeitschrift Consumer Reports hatte Anfang Juli Apples Smartphone akribisch auf dessen Empfangsprobleme getestet und diese reproduzieren können: Berührt man das iPhone 4 an dessen linken unteren Ecke, verschlechtert sich das empfangene Signal spürbar, stellten die Testingenieure mit drei verschiedenen iPhones fest. Am Provider AT&T habe der schlechte Empfang im Labor nicht gelegen, die Gegenprobe unternahmen die Tester mit anderen AT&T-Telefonen, unter anderem dem iPhone 3GS oder dem Palm Pre. Trotz guter Noten in anderen Bereichen rät Consumer Reports daher vom iPhone 4 ab. Die Signalstörung habe man reproduzierbar vermeiden können, indem man einen Klebestreifen aus isolierendem Material an der fraglichen Stelle anbrachte.
iPhone-Pressekonferenz
Apple begann die Pressekonferenz mit dem "iPhone-Song" von Youtube. Dessen Text nimmt das spätere Fazit bereits vorweg: "Leb damit".
iPhone-Pressekonferenz
Apple begann die Pressekonferenz mit dem "iPhone-Song" von Youtube. Dessen Text nimmt das spätere Fazit bereits vorweg: "Leb damit".
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Steve Jobs selbst hält die Pressekonferenz, die auf dem Apple Campus in Cupertino bei San Francisco stattfindet.
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"Phones aren't perfect" - Dieser Spruch zieht sich matra-artig durch die Präsentation. Telefone seien nicht perfekt.
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Trotz aller Kritik sei das iPhone 4 das Smartphone mit der höchsten Kundenzufriedenheit. Die Quelle oder Kriterien dieser Aussage nennt Jobs nicht.
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Apple habe sich seit laut werden der Kritik "22 Tage den Hintern abgearbeitet". So lange dauerte aber auch der Zeitraum, in dem Apple dazu schwieg.
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Der "Antennenskandal" sei keine Apple-exklusive Angelegenheit. Jetzt beginnt Jobs, das iPhone mit anderen Smartphones zu vergleichen.
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Auch bei anderen Smartphone verschlechtert sich der Empfang, wenn man es fest umschließt. Die anderen Hersteller reagieren erbost über diesen Vergleich, denn beim iPhone 4 könne man den Empfang mit nur einem Finger stören und man habe außenliegende Antennen deshalb verworfen, weil dies die Probleme verursache, die sich beim iPhone 4 zeigen.
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Apple bringt drei Beispiele von anderen Smartphone, die belegen sollen, dass alle modernen Handys dieses Problem hätten.
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Wieder einmal die These: "Telefone sind nicht perfekt."
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Das einzige Fehlereingeständnis an diesem Abend: Man habe die empfindliche Stelle mit dem schwarzen Strick unfreiwillig markiert und die Zahl der Balken falsch dargestellt.
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Zum Beleg der eigenen Antennenkompetenz zeigt Steve Jobs erstmals Bilder aus den zuvor geheimen Messlabors für Funktechnik bei Apple.
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17 Messkammern, 18 Wissenschaftler und 100 Millionen Dollar hat Apple für Antennendesign aufgefahren.
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Die Zahlen sollen das Problem als nicht-existent belegen: Nur 0,55 prozent aller iPhone-4-Käufer haben sich beim Apple-Support wegen des schlechten Empfangs beschwert.
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Beim iPhone 3GS habe es mehr als drei mal so viele Rückgaben des Gerätes gegeben.
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Das iPhone 4 bricht tatsächlich mehr Gespräche ab als das iPhone 3GS. Der Unterschied zwischen den Modellen läge aber bei unter einem Prozent.
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Die Zusammenfassung von Apples Sicht: Alle Smartphones haben empfindliche Stellen, wenige Nutzerbeschwerden und Rückgaben, kaum mehr Gesprächsabbrüche.
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Obwohl das problem eigentlich kaum wahrzunehmen sei, wolle Apple sich um jeden Nutzer kümmern.
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Dann kommt Jobs auf das Thema "Bumper".
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Apples Lösung für das Empfangsproblem: Kostenlose Bumper für alle Käufer des iPhone 4 - bis zum 30. September. Was danach sei, wisse man noch nicht.
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Da Apple nicht genügend Bumper produzieren kann, will man auch Hüllen von Drittanbietern verschenken. Die Nutzer erhalten bald eine Auswahl auf Apples Homepage.
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Unzufriedene Käufer können das iPhone 4 zurückgeben. In Deutschland gibt es dazu noch keine Regelung mit der Telekom.
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Das weiße iPhone wird Ende Juli ausgeliefert und soll zunächst nur in wenigen Stückzahlen, dann in größeren erhältlich sein.
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Außerdem startet das iPhone 4 Ende Juli in 17 weiteren Ländern, darunter in Österreich, der Schweiz und Italien.
Hier setzt Apple zur Lösung an und bietet den Unzufriedenen und auch allen anderen Käufern des Mitte Juli bereits drei Millionen Mal verkauften iPhone 4 eine Lösung an: Kostenlose Hüllen, die effektiv verhindern, dass die Signalstärke bei Berührung nachlasse.
Apple beschwichtigt
Jobs beschwichtigte zunächst, auch andere Smartphones würden Probleme mit dem Empfang bekommen, berühre man ihre Antenne an einem bestimmten Punkt. Zahlreiche Youtube-Videos würden bei den Konkurrenzprodukten den gleichen Effekt zeigen, der das Statussignal rapide sinken ließe. Besonders in Gegenden mit schlechtem Netz falle dieser Effekt besonders auf. Telefone seien nun einmal nicht perfekt, zudem habe Apple bereits zwei Wochen zuvor festgestellt, dass die Statusanzeige inkorrekt sei und zu viele Balken anzeige. Mit dem Update auf iOS 4.0.1 habe Apple zumindest letzteren Effekt korrigiert und den kritischen Punkt im Rahmen des iPhone 4 genau benannt, führt Jobs weiter aus. Die Konkurrenz versuche andere Methoden, um ihre derartigen Probleme zu lösen, doch die Gesetze der Physik könne niemand aushebeln.
Bei Apple sei das Problem in der Entwicklung bekannt gewesen, räumt Jobs ein, doch habe man dem keine große Bedeutung beigemessen, da jedes Smartphone nun einmal seine schwache Stelle habe.
Das Problem sei also aufgebauscht, behauptet Jobs unter Berufung auf Daten von Apple Care. Nur 0,55 Prozent der Kunden der Hardware-Versicherung hätten bei der Hotline Antennen-Probleme als Grund für ihren Anruf genannt. Auch der Provider AT&T. der wie Apple neue iPhone 4 innerhalb von 30 Tagen klaglos zurücknimmt, habe von seinen Kunden kaum Beschwerden über Empfangsprobleme gehört. Nur 1,7 Prozent der iPhone-4-Käufer hätten bislang von ihrem Rückgaberecht Gebrauch gemacht, beim iPhone 3GS habe die Rate 6 Prozent betragen.
Die von AT&T vor drei Tagen gelieferte Daten über unterbrochene Anrufe zeigten jedoch, dass diese bei dem iPhone 4 häufiger vorkämen als noch beim iPhone 3GS. Der Unterschied läge jedoch bei weniger als einem Prozent.
Jobs äußert die Vermutung, dass Käufer des iPhone 3GS weiterhin die gleichen Hüllen benutzten, die sie schon für das Ur-iPhone oder das iPhone 3G im Einsatz hatten, da die Modelle über den gleichen Formfaktor verfügen. So konnte das beim iPhone 3GS aus den bekannten Gründen ebenso auftretende Phänomen von weniger Nutzern festgestellt werden, deren Beschwerden blieben daher unter aller Radarschirme. Mit dem iPhone 4 und seinem neuen Design stellte sich jedoch das Problem, dass zu Verkaufsstart nur wenige Hüllen zur Verfügung standen und die Anwender das neue Apple-Handy erst einmal ohne Case nutzten.
Stichtag 30. September
Apples Conclusio: Die Physik ist schuld, das Thema ist aufgebauscht, doch können die wenigen Anwender, die unter dem Problem leiden, nicht darüber lachen. Also hat Apple entschieden, zu jedem iPhone 4 eine der eigenen Schutzhüllen - Bumpers - dazu zu geben. Wer bereits einen Bumper zu seinem iPhone 4 erworben hat, bekommt den Kaufpreis zurück erstattet. Da sich Apple selbst nicht in der Lage sieht, ausreichend Bumpers zu produzieren werde man iPhone-4-Kunden auch alternative Hüllen zur Verfügung stellen, welche, das werde man in den nächsten Tagen eruieren. Die Aktion gilt jedoch nur bis zum 30. September.
"Wir lieben unsere Kunden und reißen uns jeden Tag die Hintern auf, um sie zufrieden zu stellen", fast devot wirbt Jobs zum Ende der Pressekonferenz um die öffentliche Meinung. Großartige Produkte entwickle man für seine Kunden, in gut 300 Apple-Stores weltweit bereite man ihnen das bestmögliche Kauferlebnis. Und wenn die Kunden Apple kritisierten, nähme man das in Cupertino geradezu persönlich und strenge sich noch mehr an: "Vielleicht sollten wir eine PR-Mauer um uns bauen, um die Leute von uns fern zu halten. Das tun wir aber nicht. Wir lesen jede dieser Geschichten und nehmen sie ernst."
Apple veröffentlicht Antennen-Messergebnisse
Wenige Minuten nach Ende der Pressekonferenz hat Apple ein
Streaming-Video der Konferenz auf seiner Webseite veröffentlicht. Zwar fehlt die abschließende Diskussion mit den Pressevertretern, aber zeigt ansonsten die
gesamte Präsentation von Steve Jobs.
Zusätzlich zu dem Video hat Apple auch eine
neue Seite über die Antennenleistung des
iPhone 4 hochgeladen, die anschaulich den Verlust der Signalstärke verschiedener Smartphones je nach Handposition des Anwenders - inklusive dem
iPhone 4 - darstellt. Die in der Abzeige verwendeten iPhone-Geräte 4 und 3GS nutzen beide die neue iOS-Version 4.0.1. Als Vergleichsmodelle setzt Apple drei Smartphones ein, die alle seit November 2009 auf dem Markt sind: Das Bold 9700 von Blackberry, das Droid Eris von HTC und das Omnia II von Samsung. Laut dem Bericht von Apple verlieren all diese Geräte der Konkurrenz bei entsprechenden Handpositionen zwischen drei und vier Signal-Balken, während im Vergleich das iPhone 3GS und
iPhone 4 nur um jeweils zwei Balken der Empfangsanzeige absinkt.
Besonders faszinierend ist der Einblick, den Apple zum ersten Mal in seine
Testlaboratorien gewährt, in denen Apple alle Bedingungen zur Beeinflussung der Antennen-Leistung getestet haben will. Apple verfügt über weltweit 17 völlig abgeschirmte Testräume, die direkt aus James Bond Filmen zu stammen scheinen. Zusätzlich berichtet Apple auch von den weltweit durchgeführten Tests in normaler Umgebung, die Szenarien wie Städte mit hoher Mobil-Telefonnutzung, Verhalten des Geräts bei verschiedenen Geschwindigkeiten und Gegenden unterschiedlicher Funknetzabdeckung umfassen. Apple ist sich sicher, fast alle echten Einsatzbedingungen getestet zu haben und hat dafür die Ergebnisse für Signal-Qualität, Unterbrechungen, Verbindungs-Aufbau und -Abbau und Übertragungsdauer aufgezeichnet. Apple bestätigt die Aussage von Steve Jobs, dass die Firma zirka 100 Millionen US-Dollar und tausende von Test-Stunden investierte, um das iPhone zu perfektionieren.
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