Von Redaktion Macwelt - 03.01.2011, 06:09

2010 im Jahresrückblick: November

November 2010: die Beatles im iTunes Store

Die Apple-Welt hält für einen Moment den Atem an - und atmet am 16. November mehr oder weniger gut gelaunt wieder aus. Was Apple als "einen weiteren Tag, den man nie vergessen wird" angekündigt hatte, war einfach nur ein längst überfälliger Tag: Die Musik der Beatles gibt es jetzt auch als Download zu kaufen.

Beatles endlich im iTunes Store

Nach langen Verhandlungen kommen die Beatles am 16. November endlich in den iTunes Store. Apple hat sich die Online-Rechte an den Fab Four exklusiv gesichert und die Beatles somit ins digitale Zeitalter gebracht.
Kein neuer Dienst oder Service, keine neuen Produkte - es ist eine neue Band im iTunes Store, die sich hinter der angekündigten "Sensation" versteckt hat. Um 16 Uhr MEZ hat Apple auf seiner Website bekannt gegeben, dass die Beatles erstmalig im iTunes Store erscheinen - und damit auch erstmals überhaupt als Download- Ausgabe. Die Beatles für Fans eine großartige Neuigkeit, so revolutionär wie angekündigt finden Nicht-Fans dies aber wohl kaum. Die iTunes-Ankündigung hatte weit größere Hoffnungen auf Neuerungen geweckt.
Es kommt schließlich nicht häufig vor, dass Apple Ankündigungen vorab ankündigt. In diesem Fall verspricht das Unternehmen jedoch eine große Neuerung in Bezug auf iTunes. Dass Steve Jobs keine seiner Keynotes halten würde war klar, denn an der US-Westküste war es sieben Uhr morgens. Schon in den Tagen zuvor hatten einige Medien, darunter die New York Times und das Wall Street Journal über die Beatles spekuliert, kaum jemand glaubte aber, dass der Verkaufsstart des Gesamtwerkes der Pilzköpfe die einzige Nachricht sein würde. Nicht wenige rechneten mit einer Cloud-Erweiterung für iTunes, Apple hatte schließlich in den vergangenen Jahren entsprechende Technologien etwa mit der Übernahme von Lala.com eingekauft.
Man darf getrost davon ausgehen, dass Steve Jobs selbst die Nachricht für derart wichtig hielt, dass sie eine eigene Vorankündigung im Jubiläumsjahr der Beatles (50 Jahre Bandgründung, 40 Jahre Bandauflösung, 70 Jahre John Lennon, 30 Jahre John Lennon tot) wert sei. Apple ist der erste Anbieter, der die Beatles als Download vertreiben darf und hat diese Erlaubnis offenbar auch exklusiv. Die Beatles sind auch 40 Jahre nach ihrer Auflösung noch eine der Bands mit den meisten Albumverkäufen weltweit. Für Apple ist dies ein prestige- und umsatzträchtiger Deal.
Der Grund für die jahrelange Beatles-Abstinenz erklärt sich unter anderem durch die zahlreichen gerichtlichen Prozesse, die sich Apple Inc. mit Apple Corps., der Plattenfirma der Beatles geliefert hat. Jetzt scheinen alle Diskrepanzen ausgeräumt zu sein: Bereits 2006 hat der Computer-Hersteller in einem Gerichtsverfahren gegen Apple Corps. letztinstanzlich gewonnen. Das Logo und der Name Apple waren der eigentliche Zankapfel zwischen den beiden Firmen. Im iTunes Store findet sich jetzt die gesamte Diskografie sowie ausführliche Geschichte der Band, den rechtlichen Streit mit ihrer Plattenfirma erwähnt Apple mit keinem Wort.
Steve Jobs ist selbst ein großer Beatles-Fan und kündigte 2006 nach dem Gerichtsurteil an, dass der Zusammenarbeit mit Apple Corps. nichts mehr im Wege steht und Beatles endlich im iTunes Store erscheinen können. Es hat noch weitere drei Jahre gedauert, da brodelte die Gerüchteküche um iTunes tüchtig weiter: es wurde vermutet, dass Apple auf seinem Special Event zum iPod am 09.09.2009 (noch dazu an einem Mittwoch, und nicht wie immer am Dienstag) auch die Liverpool-Band im iTunes Store ankündigt. Doch an diesem markanten Datum kam es nochmal anders: die neue Generation der iPods kam auf der Markt, im iTunes Store fehlten die Beatles nach wie vor. Dagegen kam an dem gleichen Tag die Gesamtausgabe aller ihrer Werke als Digipack.
Im iTunes Store bewegen sich die Preise der Beatles-Alben am oberen Limit der erlaubten Preisspanne: Einzelsongs kosten durchgehend 1,29 Euro, Alben 13 Euro, Doppelalben 20 Euro. Im Gegenzug erhält man die Alben als "iTunes LP"-Ausgabe. Einzig bei der Gesamtausgabe "The Beatles Box Set" mit allen 13 Studioalben kommt man mit 150 Euro etwas günstiger weg als bei den Alben auf CD.
Was kommt nach den Beatles? Unser PC-World-Kollege Ian Paul hat sich Gedanken gemacht, ob nicht die Beatles-Premiere einen Stein ins Rollen gebracht haben könnte. Dem iTunes Store ablehnend hatten bei dessen Start im Jahr 2003 viele Bands gegenüber gestanden, beispielhaft sei hier Metallica genannt, die seit "St. Anger" aber ihre Zurückhaltung aufgegeben haben. Doch auch heute vermisst man noch so manchen populären Künstler, etwa die australischen Starkstromrocker AC/DC, die es nach wie vor nur auf CD (und Vinyl) gibt. Zur Begründung nannte etwa Angus Young vor zwei Jahren den künstlerischen Anspruch der Band: "Wir machen keine Singles, sondern Alben". Laut Ian Paul sei das aber nicht das Problem, als das letzte Album der Australier "Black Ice" im Bittorrent-Netz aufgetaucht war, hätten zahlreiche Nutzer der Website The Pirate Bay das Album nach dem Download auch noch kaufen wollen - auf CD oder sogar auf Vinyl.
Nicht nur alte Männer wie die Young-Brüder oder Bob Seger, dessen Werk man ebenfalls vergeblich im iTunes Store sucht, verweigern sich dem Downloadgeschäft, auch Kid Rock wollte vom iTunes Store noch nichts wissen. Dabei mache es dem gar nichts aus, dass Leute seine Musik auch illegal downloaden würden, erzählt Ian Paul. Bei der Konkurrenz Amazon MP3 ist Kid Rock schon länger zu haben, den iTunes Store werde er über kurz oder lang nicht vermeiden können, sagte Kid Rock selbst. Der Mann hat Recht behalten: Zum Start seines neuen Albums "Born Free" ist auch dieser weiße Fleck auf der iTunes-Landkarte getilgt. Komisch, dass Apple daraus keine große Ankündigung gemacht hat.
Konservativ geriert sich der nur in den USA weltberühmte Countrystar Garth Brooks. Solange es keine variablen Preise gebe und Downloads nicht auf Alben beschränkt seien, werde man sein Material nicht über iTunes bekommen, insistierte Brooks noch vor einem Jahr. Nun, dem Manne kann geholfen werden.
Aus dem iTunes Store zurückgezogen hatten sich die Brit-Rocker Def Leppard, doch schon bald soll es ein Comeback geben, sagten Bandmitglieder der britischen Presse im April. Die Band feiert demnächst ihr 30-jähriges Bestehen, zu diesem Zweck könnten sie in den Store zurückkehren. Apple wird die Welt dann wieder den Atem anhalten lassen.
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