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24 Mac-Jahre: 1985 – Steve Jobs muss gehen

02.12.2007 | 00:00 Uhr |

Laut Apple wurde 1984 nicht wie „1984“, dem Mac sei Dank. 1985 wurde dann aber nicht wie 1984, diesmal schoss Apple mit einem Superbowl-Werbespot ein kolossales Eigentor. Aber nicht deswegen muss Steve Jobs im Spätsommer das von ihm gegründete Unternehmen verlassen, er war mal wieder der Zeit voraus.

Macwelt-Adventskalender 2007, 2. Dezember
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Da ist der Wurm drin: Die Apfelsorte McIntosh ist in Deutschland kaum erhältlich. Ganz im Gegensatz zu den Macintoshs...
Vergrößern Da ist der Wurm drin: Die Apfelsorte McIntosh ist in Deutschland kaum erhältlich. Ganz im Gegensatz zu den Macintoshs...

Wir erinnern uns: Ein mittlerweile legendärer Werbespot des Regisseurs Ridley Scott läutete 1984 das Zeitalter des Macintosh ein. Jef Raskin, den man mit Fug und Recht als den Vater des Mac bezeichnen kann, hat die Schreibweise bewusst gewählt und nicht etwa einen Fehler begangen. Das Projekt war zwar nach der Apfelsorte McIntosh benannt, Raskin fürchtete jedoch zurecht Markenstreitigkeiten mit dem Hersteller von Hi-Fi-Geräten McIntosh Laboratory, wie Owen Linzmayer in seinem wunderbaren Buch „Apple – Streng vertraulich“ darlegt. Rechtzeitig vor der Markteinführung des Mac, der beinahe offiziell MAC (Mouse Activated Computer) hätte heißen müssen, konnte Apple die Marke für einen bis heute nicht bekannten Betrag übernehmen. McIntosh verkauft auch heute noch Anlagen für Audiophile, alle ohne iPod-Anschluss...

Erneut düster, wieder ein Regisseur namens Scott: Doch Lemmings wurde zum Flop
Vergrößern Erneut düster, wieder ein Regisseur namens Scott: Doch Lemmings wurde zum Flop

Apple wollte den Erfolg von 1984 wiederholen und beauftragte erneut seine Werbeagentur Chiat/Day mit einem 60-sekündigen Spot für die Übertragung des Superbowl. Erneut hieß der Regisseur Scott, wenngleich Ridley aus Zeitmangel seinem Bruder Tony den Vorrang gelassen hatte. „ Lemmings “ scheiterte aber grandios, was nur zum Teil an der Umsetzung der eigentlich gleichen Geschichte des Vorjahres lag. Diesmal marschierten entmündigte Geschäftsleute einem Abgrund entgegen, erst der letzte in der Reihe reißt sich rechtzeitig die Augenbinde herunter um sehenden Auges den Absturz zu vermeiden. Die Moral von der Geschicht’: Nutz das Mac Office, oder auch nicht. Denn diesmal hatte Apple kein konkretes Produkt zu verkaufen, sondern ein Konzept, das erst in den Jahren danach aufging: Das vernetzte Büro. Kernstück wäre ein Fileserver gewesen, der den eigenständigen „Personal Computern“ die Zusammenarbeit ermöglicht. Revolutionäre Gedanken für die neue „PC“-Sparte: Die Lisa, im Jahr 1985 zuerst in Macintosh XL umgetauft und dann eingestellt, war noch stolz darauf ein Solitär zu sein: Mit nichts und niemanden kompatibel, in der Bürowelt völlig auf sich allein gestellt. Der Haken an der Sache: Den File Server gab es (noch) nicht, das Mac Office ein Konzept ohne konkrete Inhalte. Im Fehlschlag bewies Apple dennoch seine Innovationskraft: Das Netzwerkprotokoll AppleTalk war Bestandteil der Mac-Office-Strategie und die damit an den Mac anschließbaren Apple Laserwriter Goldesel: Bis Mai 1985 verkaufte Apple 2.500 Drucker zum Stückpreis von 7.000 US-Dollar.

Apple war nicht nur in der Bewerbung seiner Produkte seiner Zeit voraus, sondern auch schon im Jahr 1985 eine webzentrierte Firma – vier Jahre bevor Tim Berners-Lee das www zu entwickeln begann. Der 1985 gestartete Online-Dienst AppleLink war zunächst für die Kommunikation mit seinen Händlern gedacht. 30 Millionen US-Dollar habe Apple dafür bezahlt, aber mehr als 100 Millionen US-Dollar an anderen Kosten einsparen können. Für private Apple-II-Anwender öffnete sich AppleLink drei Jahre später, zudem sollte der Dienst auch auf den Mac kommen. Apple gestaltete die Oberfläche des Dienstes, eine Firma namens Quantum Computer Services sollte sich um die Technik kümmern. Aus Quantum wurde AOL und bevor die Mac-Version das Licht der Öffentlichkeit erblicken konnte, zerstritten sich die Partner derart, dass auf AOL Mac-Anwender erst Jahre später Zugriff erhielten.

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